Der wundervolle EhestandVoller Wunder, voller Kunst

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Voller Wunder, voller Kunst,

Voller Weisheit, voller Kraft,

Voller Hulde, Gnad und Gunst,

Voller Labsal, Trost und Saft,

Voller Wunder, sag ich noch,

Ist der keuschen Liebe Joch.

Die sich nach dem Angesicht

Niemals hiebevor gekannt,

Auch sonst im geringsten nicht

Mit Gedanken zugewandt,

Derer Herzen, derer Hand

Knüpft Gott in ein Liebesband.

Dieser Vater zeucht sein Kind,

Jener seins dagegen auf,

Beide treibt ihr sonder Wind,

Ihre sondre Bahn und Lauf.

Aber wenn die Zeit nun dar,

Wirds ein wohlgeratnes Paar.

Hier wächst ein geschickter Sohn,

Dort ein edle Tochter zu,

Eines ist des andern Kron,

Eines ist des andern Ruh,

Eines ist des andern Licht,

Wissens aber beide nicht.

Bis solang es dem beliebt,

Der die Welt im Schoße hält,

Und zur rechten Stunde gibt

Jedem, der ihm wohlgefällt;

Da erscheint im Werk und Tat

Der so tief verborgne Rat.

Da wählt Ahasverus Blick

Ihm die stille Esther aus,

Den Tobias führt das Glück

In der frommen Sara Haus,

Davids bald gewandter Will

Holt die klug Abigail.

Jakob fleucht vor Esaus Schwert

Und trifft seine Rahel an,

Joseph dient auf fremder Erd

Und wird Asnath Herr und Mann,

Mose spricht bei Jethro ein,

Da wird die Zipora sein.

Jeder findet, jeder nimmt,

Was der Höchst ihm ausersehn,

Was im Himmel ist bestimmt,

Pflegt auf Erden zu geschehn,

Und was denn nun so geschicht,

Das ist sehr wohl ausgericht.

Öfters denkt man dies und dies

Hätte können besser sein,

Aber wie die Finsternis

Nicht erreicht der Sonnen Schein,

Also geht auch Menschensinn

Hinter Gottes Weisheit hin.

Laßt zusammen, was Gott fügt,

Der weiß, wies am besten sei,

Unser Denken fehlt und trügt,

Sein Gedank ist mangelfrei.

Gottes Werk hat festen Fuß,

Wann sonst alles fallen muß.

Siehe frommen Kindern zu,

Die im heilgen Stande stehn,

Wie so wohl Gott ihnen tu,

Wie so schön er lasse gehn

Alle Taten ihrer Händ

Auf ein gutes selges End.

Ihrer Tugend werter Ruhm

Steht in steter voller Blüt,

Wann sonst aller Liebe Blum,

Als ein Schatten, sich verzieht;

Und wann aufhört alle Treu,

Ist doch ihre Treue neu.

Ihre Lieb ist immer frisch

Und verjüngt sich fort und fort,

Liebe zieret ihren Tisch

Und verzuckert alle Wort;

Liebe gibt dem Herzen Rast

In der Müh- und Sorgenlast.

Gehts nicht allzeit wie es soll,

Ist doch diese Liebe still,

Hält sich in dem Kreuze wohl,

Denkt, es sei des Herren Will,

Und versichert sich mit Freud

Einer künftig bessern Zeit.

Unterdessen geht und fleußt

Gottes reicher Segenbach,

Speist die Leiber, tränkt den Geist,

Stärkt des Hauses Grund und Dach,

Und was klein, gering und bloß,

Macht er mächtig, viel und groß.

Endlich wenn nun ganz vollbracht,

Was Gott hier in dieser Welt

Frommen Kindern zugedacht,

Nimmt er sie ins Himmelszelt

Und drückt sie mit großer Lust

Selbst an seinen Mund und Brust.

Nun so bleibt ja voller Gunst,

Voller Labsal, Trost und Saft,

Voller Wunder, voller Kunst,

Voller Weisheit, voller Kraft,

Voller Wunder, sag ich noch,

Bleibt der keuschen Liebe Joch.