Der zeitlich-sterbende und ewig-lebende phönix, Herrn M. J. C. G. rc. D. V. A.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die hoffnung ist nun aus,

Das war die letzte flamme

Aus Geyers edlem stamme,

Ein stifft vom gantzen hauß,

Das zwar die schwestern zieren

Doch nicht den namen führen.

Es ist zwar längst geschehn,

Daß aus der Geyer orden

Ein eintzler phönix worden;

Mehr hat man nicht gesehn:

Doch da er muste sterben,

Ließ er auch einen erben.

Ich ziele hier auf dich,

Du phönix dieser lande!

Du adler in dem stande,

Den GOtt behält vor sich!

Du Nathan! dessen gaben

Wir itzt an Spenern haben.

Du hattest einen Sohn,

Mein Geyer! erster ehe,

Der aber bald, o wehe!

Eilt aus der welt davon.

Er hätte sonst auf erden

Ein phönix können werden.

Wie rühmlich war sein fleiß:

Wie wust’ er sein studiren

So nützlich fort zu führen!

Die tugend war sein preiß:

Sein lorbeer und eypressen

Sind bey mir unvergessen.

Es bliebe nicht darbey:

Wir konten uns getrauen

Am andern sohn zu schauen,

Daß er ein phönix sey;

An dem des vaters gaben

Wir solten wieder haben.

Er war von guter art,

Des himmels reine flammen

Verbunden sich zusammen,

Als er geboren ward:

Carpzoys und Geyers namen,

Sind der gerechten saamen.

Ein solcher doppel-stamm

Kan gute früchte bringen;

Ein phönix muß sich schwingen

Aus einer solchen flamm:

Hier ist es auch geschehen;

Wer hat es nicht gesehen?

Wer weiß nicht, wie er schon

Der tugend sich ergeben,

Bey seines Vaters leben

Der wohlgerathne Sohn?

Man sah in jungen jahren

Jhn mit den Musen paaren.

Der Mutter treue hand

Führt ihn zu unsern linden;

Wo gleiche kunst zu finden,

Hat sie ihn hingesandt:

Tübingen, Straßburg, Gießen,

Ließ nectar auf ihn fliessen.

Nun war es an der zeit,

Nachdem er wiederkommen,

Und trefflich zugenommen,

Daß er sie auch erfreut:

Allein sie geht im leide;

Wo bleibet ihre freude?

Gott hat es selbst gethan,

Worüber sie will klagen,

Jhr phönix läst sich tragen

Zu seinem pelican:

Der wird ihn einst verjüngen,

Und wieder zu ihr bringen.