Der zeitlich-sterbende und ewig-lebende phönix, Herrn M. J. C. G. rc. D. V. A.
Die hoffnung ist nun aus,
Das war die letzte flamme
Aus Geyers edlem stamme,
Ein stifft vom gantzen hauß,
Das zwar die schwestern zieren
Doch nicht den namen führen.
Es ist zwar längst geschehn,
Daß aus der Geyer orden
Ein eintzler phönix worden;
Mehr hat man nicht gesehn:
Doch da er muste sterben,
Ließ er auch einen erben.
Ich ziele hier auf dich,
Du phönix dieser lande!
Du adler in dem stande,
Den GOtt behält vor sich!
Du Nathan! dessen gaben
Wir itzt an Spenern haben.
Du hattest einen Sohn,
Mein Geyer! erster ehe,
Der aber bald, o wehe!
Eilt aus der welt davon.
Er hätte sonst auf erden
Ein phönix können werden.
Wie rühmlich war sein fleiß:
Wie wust’ er sein studiren
So nützlich fort zu führen!
Die tugend war sein preiß:
Sein lorbeer und eypressen
Sind bey mir unvergessen.
Es bliebe nicht darbey:
Wir konten uns getrauen
Am andern sohn zu schauen,
Daß er ein phönix sey;
An dem des vaters gaben
Wir solten wieder haben.
Er war von guter art,
Des himmels reine flammen
Verbunden sich zusammen,
Als er geboren ward:
Carpzoys und Geyers namen,
Sind der gerechten saamen.
Ein solcher doppel-stamm
Kan gute früchte bringen;
Ein phönix muß sich schwingen
Aus einer solchen flamm:
Hier ist es auch geschehen;
Wer hat es nicht gesehen?
Wer weiß nicht, wie er schon
Der tugend sich ergeben,
Bey seines Vaters leben
Der wohlgerathne Sohn?
Man sah in jungen jahren
Jhn mit den Musen paaren.
Der Mutter treue hand
Führt ihn zu unsern linden;
Wo gleiche kunst zu finden,
Hat sie ihn hingesandt:
Tübingen, Straßburg, Gießen,
Ließ nectar auf ihn fliessen.
Nun war es an der zeit,
Nachdem er wiederkommen,
Und trefflich zugenommen,
Daß er sie auch erfreut:
Allein sie geht im leide;
Wo bleibet ihre freude?
Gott hat es selbst gethan,
Worüber sie will klagen,
Jhr phönix läst sich tragen
Zu seinem pelican:
Der wird ihn einst verjüngen,
Und wieder zu ihr bringen.