Der zeitliche verlust und ewige trost, Bey TIT. Herrn M. H. Hors, rc. Leich-begä...
Die krauckheiten, die uns plagen,
Und den leib zu grabe tragen,
Sind der ersten sünde sold:
Vor gesundheit, stärck und leben,
Wurde näscherey gegeben,
Asche kriegten wir vor gold.
Demnach haben GOtt die krancken,
Vor die medicin zu dancken,
Die nächst ihm ihr helffer ist;
Alle kräuter und metallen
Müssen ihr zu fuße fallen,
Und verschaffen ruh und frist.
Aber daß sie selber sterben,
Die das leben uns erwerben,
Scheinet hart und fast zu viel.
Der succurs, der vor uns krieget,
Wird zu zeitlich selbst besieget;
Sterben ist doch aller ziel.
O daß wir bey unsern linden
Dieses itzt an dir empfinden,
O du großer Podalir!
Deine sonderbare gaben,
Die wir sonst genossen haben,
Fehlen uns nun für und für.
Deine kunst, die du geübet,
Und die gantze stadt geliebet,
Lag auf einem guten grund.
Michael, der ärtzte crone,
Nahm dich auf zu seinem sohne,
Du besaßt sein gantzes pfund.
Holland mit den klugen Britten
Und des Frantzmanns nette sitten,
Hast du klüglich angesehn.
Was die weisen Welschen weisen,
Must’ in deinen langen reisen
Dir durch aug und hände gehn.
Breßlau wolte deine gaben
Bald darauf gantz eigen haben,
Und versprach dir seine gunst.
Aber Leipzig hat vor allen
Dir von anfang wohl gefallen,
Als die mutter deiner kunst.
Hier bist du bisher gewachsen,
Und die Häupter unsrer Sachsen
Haben selber dich erhöht.
Deine künste, ihre proben,
Musten ihre helden loben,
Wo die Saal und Elbe geht.
Unsre hohe Pindus-spitzen
Ließen dich auf ihnen sitzen,
In dem purpur Rector-hut.
Die catheder hat dein lehren
Unsre jugend lassen hören,
Die schon gute proben thut.
O verlust! den wir nun sehen.
Da er völlig ist geschehen;
Eher denckt man kaum daran.
Finsterniß folgt nach dem lichte,
Und das leben wird zu nichte,
Wenn der artzt ist weggethan.
O gewinn! den ihm hingegen
Gott im himmel will zulegen
Auf sein wahres Christenthum,
Dort hat er in JEsu wunden,
Seine panacee gefunden,
Hier hat er der Christen ruhm.
O ein trost vor die betrübten!
Denn sie wissen den geliebten
Jtzt bey seinem zweck und ziel:
Und die hoffnung bleibt uns allen,
Wenn die ärtzte selbst hinfallen,
Daß der Höchst’ uns heilen will.