Der Zorn .
Ein flatternd Feuer im Gemüte,
Ein schäumend Wallen im Geblüte,
In unsrer Adern Wunderborn,
Erregt der fürchterliche Zorn:
Den Zorn entflammt die Eigen-
Die Rachsucht stärket seine Triebe,
Die zärtliche Empfindlichkeit
Begleitet ihn zu jeder Zeit,
Die Hofnung sucht durch spize Dornen,
Jhn auch noch ferner anzuspornen.
Das ist der Zorn, das Kind der Höllen,
Der das Geblüt pflegt aufzuschwellen,
Und das Gemüt in Wallung sezt,
So bald es sich nur dünkt verlezt.
Ein Wort sezt ihn in Dampf und Flammen,
Da Stolz und Rachbegier zusammen,
Wie Pech und Schweffel Feuer spein,
Und Licht und Dampf und Stank ausstreun:
Der Zorn der pflegt bei seinen Wittern,
Nicht andre, sondern sich zu splittern.
O! stürmisch rauhe Leidenschaften
Die in der Menschen Seele haften,
Jhr Feinde der Zufriedenheit,
Unholden aller Menschlichkeit!
Entfernet euch aus denen Seelen,
Jhr kommt das Herze nur zu quälen,
Und wenn ihr unsern Trieb vergnügt,
So habet ihr uns ganz besiegt,
Und macht uns gleich den wilden Thieren,
Da wir die Menschlichkeit verliehren.
Ein Zorniger bei seinem Brennen,
Ist nicht ein Mensche mehr zu nennen,
Ein Löw, ein Tyger, Wolf und Bär,
Ein Basilisk, und was noch mehr
Vor fürchterliche Thiere leben,
Die uns derselben Bildnis geben:
Denn wo die Wuth das Herz erregt,
Das Blut gleich Meereswellen schlägt,
Kan die Vernunft ja nicht regieren,
Die bei uns muß das Ruder führen?
O! eilet alle aus dem Wege,
Hier wird der Zorn im Adern rege,
Er bricht schon los, und das Gesicht,
Umwölkt das tieffe Augenlicht:
Das Blut erröthet schon die Wangen,
Das Auge wil gleich Feuer fangen,
Der Lebenssaft der schlägt zurük;
Ein blasser Basilisken Blik
Glimmt durch, und ist nicht mehr zu zäumen,
O! sehet den Beseßnen schäumen.
Wie raset nicht der blinde Eiffer,
O! was vor Gift, o! was vor Geiffer
Sprizt wie ein Jäscht aus seinen Mund
Und macht das böse Herze kund.
Er flucht und schmählt, er tobt und bellet,
Da er sich gleich dem Hunde stellet,
Der grimmig in die Steine beißt,
Damit man ihn verlezt und schmeißt:
Er schilt, er lästert, droht und heulet,
Bis sich die Witterung zertheilet.
Gleich wie ein Meer wenn es erbittert,
In seinen Uffern schreklich wittert
Die Wellen welzt und tobend bäumt,
Die es in Zischen ausgeschäumt:
Die Wellen an die Klippen rennet,
Daran der Fluthen Wuth zertrennet,
Und wiederum von Wind erregt,
Von neuen an dieselben schlägt,
Bis es mit einem nassen Pochen,
Der Riegel Damm entzwei gebrochen:
So wüten die mit Zorn und Grimme,
Bald ihres Eifers Donner Stimme
Erheben, und bald Wirbel drehn,
Die bei dem Herzen stille stehn.
So rasen der Affecten Heere
Jm aufgewalten Adern-Meere,
Und brechen bei dem Sturm und Braus,
Zulezt in Ueberschwemmung aus,
Da alles was entgegen stehet,
Durch ihm zerschellt, zu Boden gehet.
Besinnet euch ihr albern Tohren,
Das was ihre andern habt geschworen,
Das trift euch selbst und da ihr droht,
Bestimmet ihr euch selbst den Tod.
Jhr wolt, o! blind und tolles Wagen!
Mit eurer Wuht den Fels zerschlagen,
Es sollen oft Erz, Marmel, Stein
Durch euren Grim zerbrochen seyn:
Jhr rennt; daran ihr prallt zurükke,
Der Fels bleibt stehn; ihr brechts Genikke.
Ein zorniger der schadt sich selber,
Und öfnet sich die Sterbgewölber
Wo er als Staub und Asche liegt,
Von kleinen Würmern wird besiegt.
Der alles wil zu Boden schlagen,
Der muß sich selbst im Grim zernagen
Bis er den welken Ueberrest,
Den Maden dreinst zur Beute läst;
Die Seele in die Hölle bringet,
Die feurig in die Flammen springet.
Jhr prahlt von dem gerechten Eifer,
Und ziehet eurem grimgen Geifer,
Das Kleid der reinen Tugend an,
Jhr denkt: ihr habet recht gethan,
Wenn ihr mit eurem strengen Wüten,
Der Bosheit Raserei bestritten:
Allein ihr irrt. Der Zorn taugt nicht,
Wenn er das Böse gleich zerbricht;
Gerechter Eiffer wird verspürret,
Wo Liebe und Gedult regieret.
Wer Ungerechtigkeit besieget,
Und seine Ichheit nicht bekrieget,
Der ist, wenn er die ganze Welt
Beherrschet, doch kein grosser Held.
O! merket dies bei euren Rasen,
Und stilt das Schnauben eurer Nasen,
Die Sanftmuth bessert nur allein,
Und wer gedenkt ein Held zu seyn,
Der muß sich erst darauf besinnen,
Wie er am besten kan gewinnen.
Wo Wuth und Rachbegierde funkeln,
Da muß sich der Verstand verdunkeln,
Und wo das Licht der Seelen fehlt,
Da wird nie guter Rath gewählt:
Wo die Affecten Meister spielen,
Da wird man nie den Zwek erzielen,
Man drükt den Pfeil ins eigne Herz,
Und macht sich selber Gram und Schmerz,
Und wenn wir uns selbst zitternd machen,
So kan der Feind uns frei auslachen.
Bedenket dies bei euren Pochen,
Und laßt zuerst das Blut verkochen,
Das siedend in den Adern brennt,
Eh ihr den Feind entgegen rennt.
Und von der Leidenschaft befreiet,
So thuet, was euch nie gereuet;
Was euch als wahre Christen ziert,
Die sanfte Neigung nur regiert:
Erstikket durch des Geistes Triebe
Den Zorn, erregt das Feur der Liebe.