Des Deutschen Krieges Dritter Theil.

By Georg Greflinger

Der Friede war anitzt mit Dennemarck geschlos- sen

und niemand hatt

Denn Deutschland fiel hierauff nur tieffer in den Krieg

Der Käyser aber selbst kam jetzt von seinem Sieg.

Als nun kein Feind mehr war im Felde zu befinden

Fieng man mit Städten an. Von vielem überwinden

Wuchs endlich so ein Hertz das jhm nicht anders dacht’

Als daß gantz Deutschland wär’ ein Dienst-bot seiner Macht.

Es kam das gantze Heer ins Pommerland gegangen

Da hatte Wallensteins sein Hertz sich unterfangen

Ein Meister von Stralsund und Herr der See zu seyn

Die man die Oost-See nennt. Dann weil des Glückes

Schein

und auch sein tapfres thun jhn hatt’ empor geführet

So daß die gantze Macht von jhm allein regieret

und umbgeführet wurd erhob er sich fast sehr.

War dieses viel so war diß andre noch vielmehr

Daß er gantz Mecklenburg zum Lehen hatt’ empfangen.

War dieser alte Stamm vielleicht mit Tod’ abgangen

Der hier zu herrschen hatt? Ach nein! man bund’ jhm auf

Daß er dem Käyser hätt in dieser Kriege Lauf

Viel widriges gethan hier von ist viel geschrieben

und darumb hat man jhn aus Mecklenburg getriben

und diesen eingesetzt. Er hatte grosse Macht

Die alle für Stralsund wurd’ in den Stand gebracht

Die Vestung welche sich ihm sperrte zu besiegen

und solte sie am Schloß des Himmels feste liegen

Wie seine Rede war. Stralsund kam in die Noth

und ob schon Ferdinand dem Wallenstein gebot’

Auf solche nicht zu scharff mit seiner Macht zu dringen

So fuhr er gleichwol fort in Meynung sie zu zwingen.

Was gibt ein solcher Mann der selbst wil Käyser seyn

Auf eines Käysers Wort? Man warff viel Feuer ein

Man stürmete darauf man drohte Schwerdt und Feuer.

Stralsund hielt tapfer aus und gab dem grimmen Freyer

So viel als solcher ihr. Er aber ließ nicht nach.

Da aber diß und das zur Gegenwehr gebrach

Befohle sich Stralsund dem Könige von Schweden

Von dessen Tapferkeit man damahls schon zu reden

Jm Oost und Westen pflag- Es hatt’ auch Christian

Der Dehnen Held hierbey vor jhm sehr viel gethan

Mit Volcke Kraut und Loth. Gustavus nam die Schrei-

Stralsund zu schützen und den Feind von jhr zu treiben

Mit allem Willen auf. Weil aber diefer Zeit

Er mit Sarmatten in einem Waffen-Streit

Nicht weit von Dantzig lag wo sich auch Arnheim funde

und mit Sarmatien jhm feindlich widerstunde

Es war des Käysers Will als gab er jhre Noth

Zu mindern eine Mäng’ an Speise Kraut und Loth

Darbey was Volck und Trost selbst selbst bald anzukom-

Dann aller Vorrath hatt’ aufs eusserst abgenommen

Weil die Belägerung fast in das ander Jahr

Mit großem ungestühm hierümb beständig war.

So bald in Pohlen war der Krieg zum Ende kommen

Wurd’ über Meer ein Zug vom König vorgenommen

Der hoch-bedängten Stadt sehr bald und in Person

Gewündschte Hülf zu thun. Viel sagen viel davon

Das er ohn

und andre sagen so: Wann einer wird bedränget

und zwar gantz unverschuldt wie diese Stadt Stralsund

und alles Pommerland das auch des Kaysers Mund

Gantz außer aller Schuld erkannt hat wie zn sehen

Hat da ein Freund nicht Macht demselben beyzustehen

Auch gäntzlich unersucht. Es war dem Kayser frey

Den Pohlen Hülff zu thun. So kam es ja wol bey

Daß Schweden andern halff. Viel andre wollen reden

Von vieler

Durch Kayserliche Macht so lang hatt’ angethan.

Es kam ein zimlich Heer vor dem Gustavus an

Aus Schweden außgerüßt das kam auch bald zu Lande

Wodurch die gute Stadt aus dem betrübten Stande

Zur alten Freyheit kam. Man sagt daß das Geschrey

Vom Schwedischen Entsatz die Kayfrische Parthey

Hab’ ab der Stadt gebracht. Hilff Gott in welcher Freude

Befunde sich Stralsund die nun aus allem Leyde

Durch GOtt und Gothisch Volck gewündscht befreyet war.

Der sie nur neulich wolt’ in eußerste Gefahr.

Vnd in den ärgsten Tod ergeben gab den Rücken

So wunderlich kans GOtt mit einem Feinde schicken.

Worauf die freye Stadt mit Schwedischer Gewalt

Nach Rügen überfuhr woselbst ein Auffenthalt

Von vielen Feinden war die Feinde musten leyden

und oft bey hunderten aus diesem Leben scheyden.

Die Insel wurde rein. Hier kam in jhren Freund

Ein Muth hergegen Forcht und Schrecken in den Feind

Die der Gustavus sol sehr groß vermehret haben.

Der auch weil GOtt und Wind jhm gut Geleite gaben

Mit einem grossen Heer sehr bald an Rügen kam

Wo er der Seinigen jhr Glück sehr froh vernam.

Ais er das Land betrat begab er das Getümmel

Des Volcks fiel auf die Kny und ruffte so gen Himmel?

Du grosser Sieges-Fürst du starcker Zebaoth

Du aller Helden Held und aller Götter GOtt

Du Herscher über Meer des Himmels und der Erden

Kan dir nunmehr genug von mir gedancket werden?

Daß du so glücklich mich mit meiner Krieges Macht

Durch das ergrimmte Meer hast an das Land gebracht-

Ich dancke dancke dir aus meiner Seelen-grunde

Dein Lob sol allezeit O HERR in meinem Munde

Vor allen Völckern seyn. Ich bitte dich auch sehr

Du wollest was ich noch von meinem Krieges-Heer

Jm Rücken habe mich mit Freuden lassen sehen

Du wollest auch O HErr bey unsern Waffen stehen

Die deines Nahmens Ehr und deiner Kirchen Heyl

Zu retten wir zur Hand genommen. HErr zertheil

Der Feinde Macht für uns. Du wirst uns siegen lehren

Zu deines Häufleins Trost und deines Nahmens Ehren.

So fieng nun dieser Held den unerhörten Krieg

Mit ernstem beten an. Viel beten halber Sieg

War seines Mundes Lehr. Als man die Zeitung hörte

Wie sich Gustavus selbst dem Feind ins Auge kehrte

Wurd’ alles Land bestürtzt die Feinde wurden zag

Die Freind hergegen froh und war an diesem Tag

An welchem er vom Meer in obbesagtes Rügen

Das ein beflossen Land bey Pommern war gestiegen

Von wegen Luthers Lehr’ jhr erstes Jubel-Jahr

Worbey der tapfre Held selbst auch sehr eufrig war.

Was jener Wunder Krieg von dem gesaget worden

Daß sich ein großes Heer mit streiten aus dem Norden

Nach Süden hab

Vom Südischen erlangt was dieser Wunder-Krieg

Bedeutet habe sol anjetzt erkläret werden.

Gustavus sah die Noth und mächtigen Beschwerden

Die Deutschland und voraus das gute Pommerland

und Mecklenburg erlitt. Es war ein folcher Stand

Der zu erbarmen war

Sein Siegs-gewohntes Schwerdt durch GOttes Krafft

bearmte

und nach dem Joche hieb das von der Päbstlerey

War auf den Halß gelegt. Viel kamen freudig frey

Der erste Schlag gerieth auf Wollgast und gelunge

Wo das erzürnte Schwerdt in alle Feinde drunge

Die Einnahm war mit Sturm. Als andre dieser Art

Vernahmen wie gestreng des Königs Gegenwart

Verfuhr verliessen sie die Schantzen an der Schweine

Dem Hafen vor Stettin und brauchten jhrer Beine.

Durch solches kam Stettin in einen freyen Stand

Dann dieses Kriegs-Volck war ein Feind an jhrer Hand

und jhres See Ports Schloß. Als Wollgast war eröbert

Biß auf das Schloß der Feind auch aus Wöllin verstöbert

und auch aus

Zur Zuflucht nahm darauf die Reise nach Stettin.

Als aber sich ein Sturm vom Südischen mit dröuen

und aller Macht erhob die Flotte zu zerstreuen

Es kam auch zu der That so daß bald dort ein Schiff

Gen Himmel flog bald da ein anders in die Tieff

Als in den Höllenschlund mit schrecklichem Getümmel

Sah dieser fromme Held mit Seufftzen nach dem Himmel

Fiel auch sehr hachbetrübt mit Andacht auf die Kny

und ruffte so zu GOtt: Du hast mich ja noch nie

Wann meine Seele dich mein GOtt hat angeflehet

Verlassen hilf auch jetzt. Du sihest wie es stehet

Bedräue Merr und Wind und segne meinen Zug

Zu deines Namens Ehr. O HERR es sey genug

Hör auf mit deinem Zorn! Diß Königliche Flehen

Wurd’ auch sehr bald erhört der Sturm must untergehen

und muste zu der Reis’ ein lieblich Wetter seyn.

Man kam nicht weit davon mit schwangern Segeln ein.

Das Volck wurd’ außgesetzt aus sechsmal zwantzig Schlf-

Bey zehen tausend Mann die zu den Waffen griffen.

Stettin ergab sich jhm dann da war keine Macht

Die jhm gewachsen war. Das Volck wurd’ außgebracht

und an den Wall verlegt die Stadt noch mehr bewället

und allerley daselbst zum Feldzug angestellet.

Gustavus setzte fort nam diß und jenes ein

Worzu viel Pommern selbst bedient gewesen seyn.

Sie wolten lieber was als alle Last ertragen.

Bald wurd’ ein Theil mit Macht erbärmlich todt geschla-

Bald listiglich beringt und in den Dienst gebracht.

Halff keiner Schlangen List so halff des Löuen Macht.

Die List war übergroß. Sie hilfft auch viel im Kriegen.

Der König hielte diß für ein geringes siegen

Wann er ein hundert Mann von seinem Heer verlohr

und ein halb tausend schlug. Wie vielmals gab er vor:

Ein Mensch der koste viel biß er zum Kriege tauge

Darumb ein jeder Herr im Krieg ein wachend Auge

Nach solchem haben sol. Wie er dann selber that

Er schonte seines Volcks und wann er eine Stadt

beschloß so sah er nach den Feind darin bey Leben

Zu halten der sich dann must unter jhn begeben

Hiemit so wurd’ er starck der Feind hergegen schwach.

Es halff auch viel darzu daß er geheimb und wach

In allen Händeln war. Er pflag auch offt zu sagen:

Das Hembd das ein Soldat am Leibe pflegt zu tragen

Sol unberichtet seyn des Jenen was er denckt

Weil vielmahls aller Sieg an einem Anschlag henckt

Auch alles

Dann von dem Rahtschlag kommt es endlich zu den Tha-

Wird der dem Feind entdeckt so wird die That zu nicht

und wird zum öfftern dem die Spitz ins Aug gericht

Der vor entdecktem Raht die Feinde wolte jagen.

Nach dem die Kaysrischen der Schweden List und Schla-

Der Vommern

Betracht- und fühleten ergrimmte derer Wehr

Auf alles in dem Land auf Menscheu Vieh und Felder

Man würgte klein und groß durch Städte Dörff- und

Wälder

Der Brand war überall. Man sah auch scharff dahin

Des Königs loß zu seyn zu welcher That Quintin

Sich zwar gebrauchen ließ die aber zu begehen

War GOtt jhm selbst im Weg als welcher alles sehen

Verhind- und fördern kan. Es kam auch eine Stund’

In der Gustavus sich vom Feind umbringt befund’

Und in der höchsten Noth der aber von den Seinen

Fast über seines Sinns und aller Feinde meynen

Gewündscht erlöset wurd’ und zwar mit seinem Sieg’.

Ein Feld-Herr der gleich frey im allerschärffsten Krieg

und lustigstem Panquet als dieser ist gewesen

(fürwahr man kunt’ es jhm aus seinen Augen lesen

Daß er ein König war und ein behertzter Held)

Kommt leicht einmahl in Noht. Der diß hatt’ angestellt

War eben auch Quintin. Es wolte nirgends gehen

Wie es die Käysrischen gern hetten angesehen.

Drumb brauchten sie aus Zorn sich vieler Tyranney

Von welcher Basewalck die Stadt ein Zenge sey

und Bekün ja vorauß wo sie für bittren Thränen

Jhr außgestanden Leyd vermögen zu erwehnen.

Gustavus machte fich mit Bannern von Settin

und schiffte nach Stralsund woselbst jhn Mund und Sinn

Von den Erlöseten dreymahl willkommen hiessen.

Worauf die Käysrischen umb Gartz zusammen stiessen

Woselbst jhr Lager war und meynten an Stettin

Ein mächtiges zu thun sie zogen hertzhafft hin

Sehr traurig aber ab. Hergegen gieng der König

Auf Damgart einen Paß gewann jhn wo nicht wenig

Des Kayserlichen Volcks das theils in einem Thurm

Theils in den Schantzen lag in einem grossen Sturm

Durch Schwerdt und Brand vergieng. Von allem viel zu

sagen

Wil unsre Kürtze die wir brauchen nicht vertragen.

Wir schweigen manchen Streit der sich begeben hat

und offt mit grosser Macht in welchem stets der Schad

Auffs Käysers Seyten fiel. Sein Heer wurd’ jmmer rin-

Hier halffen viel darzu der mächtige Bezwinger

Den man den Hunger nennt darzu die Winterzeit

So daß das gantze Heer durch Hunger Kält und Streit

Bezwungen endlich sich aus Pommern must’ erheben

und solches seinem Feind’ und Herren wieder geben

Zwar lär und kahl genug. Es wich das gantze Heer

Behielt auch überall in Pommern nun nicht mehr

Als Collberg und Gripswalt. Auch die auß jhren Händen

Zu reißen dann es war hieher auf

Ein großer Raub geführt wurd’ aller Fleiß gethan.

So daß man Collberg auch sehr zeitich eingewann.

Nach dem die Käysrischen umb Pommern waren kommen

Wurd jhre Reise schnell auf Franckfurt zugenommen

Das an der Oder liegt. Die Schweden folgten nach

und waren jhnen stets mit würgen auf dem Dach.

Man nahm auch

Seelen

Vier tausend musten sich in Band und Kerckern quälen

Weil Tylli eben so vorher in einer Stadt

Neu-Brandenburg genannt bey tausend Schweden that.

Hier war Graff Tylli schon des Kaysers Feld-Herr worden

und Wallenstein entsetzt weil solcher in dem Orden

Der Maximinischen sich mercklich sehen ließ

und widern Käyser sich in vielem mehr verstieß.

Als Franckfurt über war und Landsberg gleicher massen

Wurd auch Alt-Brandenburg vom Feinde bald verlassen

und darauf Magdeburg vom Tylli gantz beschränckt

Die alte Jungfer die und umb den Krantz gekränckt.

Was

Vielleichte weil sie sich nicht Päbstisch wolte nennen

Dem Käyser that sie nichts. Es waren dero Werck

und Mauren wol bewahrt. Herr Dietrich Falckenberck

Vom Schweden hingeschickt stritt wol auch alle Bürger

und zwar sehr lange Zeit. Ach aber ach! der Würger

Wurd’ endlich jhrer Macht zu starck die schöne Stadt

(weh dir verfluchter Mund der sie verrahten hat

Es gieng verrähtrisch zu ) fiel endlich durch die Schärffe

Wann ich die Augen nun auf deine Mauren werffe

So werff ich auch zugleich viel Thränen in den Sand

umb deinen hohen Fall und unerhörten Brand

Du vormahls schöne Stadt. Dein Schmuck ist wegge-

Du bist auf einen Tag umb dreyssig tausend kommen

Die Bürgerliche Leut in dir gewesen sind

Theils hat die Glut verzehrt die schrecklich und geschwind

Die gantze Stadt besaß. Theils fielen durch die Waffen

Theils schlung der Elbstrom ein. Was vor des Würgers

raffen

Entwich fiel in die Glut. Was aus der Glut entkam

Fiel in den strengen Fluß der alles Leben nam.

Was derer keines fraß das führte man gefangen

Mit denen alle Schand und Tyranney begangen

und außgeübet wurd. Ein Priester am Altar

Lag in viel Stücke da. Die arme Weiber-Schaar

Wurd Hunden gleich zu hauff gekuppelt und zum schänden

Ins Lager außgeführt. Viel schlossen sich mit Händen

und stürtzten sich zugleich in tieffe Brunnen ein

Der Räuber jhrer Ehr und Keuschheit frey zu seyn.

Was in die Keller floh verdorb durch Rauch und Flam-

Dann alles Magdeburg das schmeltzete zusammen.

Es blieb allein der Dohm und etwas vor der Stadt

Wo eine kleine Schaar sich noch gerettet hat.

Der Bischoff muste sich verwundt gefangen geben.

Der tapfre Falckenberg kam in dem Sturm umbs Leben.

Dann ob er gleich den Feind in allen Gassen sah

Go stritt er gleichwol noch und schlug bald hie bald da

Denselben wieder ab. Worzu jhm seine Schaaren

Nechst vieler Bürgerschafft behertzt zur Seyten waren.

Sein Muht war unverzagt biß eine Kugel kam

und jhm im schärffsten Streit das tapfre Leben nam.

Hiemit fiel auch die Stadt

Da gieng es leyder an mit stechen schüssen hauen.

Der Raht floh auf sein Hauß das Rahthauß kam in Brand

und kam also der Raht mit jhm in gleichen Stand.

Die Tempel eben so man hat in einem Tempel

Bey funfftzig Weibliche geköpft ist ein Exempel

Darüber man bestarrt das niemals ist erhört.

Da hat das warme Blut so häuffig her geröhrt

Daß endlich eine Bach im Tempel war zu sehen

Man muste hin und her auf todten Körpern gehen.

Dort lag ein Kind und sog der todten Mutter Brust

Hier eines in der Glut dort welches wol bewust

Nam ein verteuffelt Paar ein Kind bey seinen Füßen

und riß den Leib entzwey. Dort sah man eines spießen

Hier schmiß ein anderer ein anders an den Stein

Daß das Gehirne flog. Hier werden Zeugen seyn

Die Sonne welche lang gantz traurig hat gesehen

Nach dem diß Blutbad war in Magdeburg geschehen.

Die Erde welche hier durch so viel Menschen-Blut

Wurd überfärbt und auch die Elbe derer Fluth

Vors erste blutig gieng vors ander für den Leichen

Wie vor nicht lauffen kunt’. Ein jedes gab ein Zeichen

Des traurens über dich erbarmens-werthe Stad

Nur der der deiner sich also bemeistert hat

War gäntzlich Felsen-gleich. Wir lesen von dem Heyden

und Helden Scipio daß er zu einem Leyden

Ob der Carthager Brand und grossen Niederlag

Sehr groß bewogen schien da er doch jhrer Plag’

und Flammen Stiffter war. Hier aber war es Freude.

Wie hertzlich dieser Fall die Schwedischen zum Leyde

und auch zur Rache tieb kan nicht beschrieben seyn

Den König ja vorauß. Die Schweden nicht allein

Die gantze Christenheit und wer nur Menschen liebet

Wurd über diesem Fall von Magdeburg betrübet.

Gustavus schwur es hoch und hielt es bald darnach

An allen Feindlichen die allerschärffste Rach

um jhre Grausamkeit in Magdeburg zu üben.

Daß er sie nicht alßbald hat von der Stad geerieben

Ist er in keiner Schuld wie zu beweisen ist.

Nu liebe Stadt die du verräthrisch und mit List

Erobert worden bist GOtt tröste dich und heile

Die Wunden deines Leibs dem abgelebten Theile

Wird sonder Zweiffel nun sehr wol im Himmel seyn

Dein Leyd ist uns mie dir betrübte Stadt gemein.