Des Deutschen Krieges Siebender Theil.
Hastu Calliope die Hand bißher geführet
Daß ich den Deutschen Krieg biß diese Schlacht be-
und angezeichnet hab’. Ey so steh ferner bey
und sage was noch mehr hierauf erfolget sey:
Gleich wie ein strenger Strohm wann er den Damm durch-
und keine Haltung hat mit schädlichem ergüssen
Sich in die Weite macht Vieh Menschen Hauß und Gut
In das Verderben setzt und macht das Land zur Flut
Daß man die Berge sucht sein Leben zu erretten.
Also that diese Schlacht bey vielen Volck und Städten.
Die siegende Parthey ergoß sich wie ein Fluß
Der Widerhalt war weg und satzte seinen Fuß
Auf Bergen biß die Hilff von fernen Ländern schützte.
Bannier der diese Zeit das Böhäim-Reich beblitzte
und guten Fortgang hatt’ in Einahm mancher Stadt
Worzu das Sachsen-Heer nicht schlechten Vorschub that
Must’ auf die böse Post der Niederlag in Schwaben
Aus Böhäim uud geschwind um einen Schutz zu haben
Nach Thüringen den Feind des Piccolomini
und Jsolani Heer das sonder große Müh
Daselbst sich eingesetzt und Hertzog Wilhelms Waffen
Starck angetastet hatt’ auf andren Weg zu schaffen.
Er kam und es gieng jhm der Abtrieb glücklich an.
Hierauf verschicket’ er ein etlich tausend Mann
Vor sich nach Hessen ab den Hatzfeld zu bestreiten
Weil dessen siegend Heer auf die Casselsche Seiten
Jm strengen Anzug war. Es wurd’ auch diese Flut
Gehemmet und bey Vach mit der Croaten Blut
Durch den von Hoditz starck gefärbet. Diß geschehen
Sah man das Gothen Heer von Gotha weiter gehen
Das achtzehn tausend starck sich mit dem Häupt Bannier
Bey Egeln niederließ. Der Frost war vor der Thür
Daher er sich daselbst den Winter über legte
und auf so manche Müh in allem wol verpflegte.
Cur-Sachsens Volck kam nach und ließ das Bömer-Land
Damit den Käysrischen die nun in gutem Stand
und doch nichts wenigers von Friedens Sinnen waren
Kein
Auf solches loß zu gehn. Wodurch der schöne Schein
Der lang-gewündschten Ruh benebelt würde seyn.
Sie giengen und es kam hierauf
Der dann das gantze Reich von Schweden hat geschieden.
Cur-Sachsen gieng jhn ein Cur-Brandenburg gieng nach
und war dergleichen Thun ein’ allgemeine Sach’
Jm gantzen Deutschen Reich’. Allein die Frantz- und
Schweden
Nechst den Casselischen die hatten jhre Reden
Dergleichen Friedens-Werck mit nichten einzugehn.
Wieviel man sich auch hatt’ um Mittel umgesehn
Denselben gnug zu thun so hat doch nichts verschlagen.
Damit so kriegten wir noch größre landes-Plagen
und fast so lang als vor. Ja zweymal sieben Jahr
Entgiengen noch hierauf eh wieder Friede war.
Bannier ließ diesen Riß sich noch so groß nicht schrecken.
Er war auch nicht befelcht den Degen einzustecken
Vielmehr den Gegentheil zu dämpfen wie er kunt’
und weil Cur-Sachsens Heer bey Leipzig fertig stundt’
umb bey dem Prager-Schluß und Frieden steiff zu bleiben
und diese Nordsche Macht aus Meißen weg zu treiben
Verstärckte sich Bannier in zwantzig tausend Mann
und sah also den Feind mit trotzgen Augen an
Nicht achtend daß er den in vielen schweren Zügen
unlängst mit jhm gethan hat glücklich sehen siegen
und daß er durch ein Heer von Käyserlicher Macht
Durch
Gantz nichts erschrocken war. Die vormahls lieben Frein-
Erhoben sich zum Streit und wurden große Feinde.
Die
Weil sie aus solchem Zwist sehr großen Vorthel zieht.
Es ließ sich anfangs schlecht mit dem Bannier ansehen
So daß er sehr gedrängt zu rücke muste gehen
und einer größern Macht das Stifft von Halberstadt
Auch das von Magdeburg verlassen wie er that.
Und weil auch über diß viel unter seinen Fahnen
So groß-als kleine Leuth’ auf ernstliches vermahnen
Des Käysers jhren Fuß zu wenden und der Macht
Von Sachsen zu zugehn in märcklichem Verdacht
Auch viel der jenigen schon umgetreten waren
So hatt’ er sich hierauf kein kleines zubefahren.
Weßwegen er sich gantz nach Mecklenburg begab.
Nun aber fiel das Glück vom Geaner wieder ab
und folgte dem Bannier. Das Glück ist wanckelmütig
Dem es anheunte zornt dem ist es morgen gütig
Es kennet keinen Stand es hat des Monden Art
und dauert nicht gar lang mit voller Gegenwart.
So schleunig sich Bannier zu rücke muste geben
So schleunig sah man jhn sich wiederum erheben
und nach dem Feinde gehn. Hier war nicht lang gesucht
Er traff und schlug den Dehn bey Altenburg zur Flucht
Wo er des Vizthums Fahn’ und viel Gefangne kriegte
Auf welches Rittwein sich bald an den Baudis fügte
An Baudis der nunmehr des Arnheims Platz vertrat
Und sieben tausend starck Gewalt an Dömitz 2. Novembr. that.
Worüber es sehr bald zu starcken scharmutziren
Gerathen ist und war der Sächsischen verlieren
Sehr groß. Ein tausend Mann verschieden auf dem Plan
Ein tausend musten mit den Rest zerstreute man.
Diß senckete den Muth den laug-beglückten Sachsen.
Hergegen sahe man der Schweden Hoffnung wachsen
Noch mehr beglückt zu seyn. Ein wenig Zeit hierauff
Wurd auch bey Goldenberg ein großer Sachsen-Hauff
Besprungen und zerstreut. Bey Kiritz kam dergleichen
So daß das gantze Heer nach Sandau muste weichen
Dem die Banniersche Macht sehr starck in Rücken drung
Den Dohm zu Havelberg in seine Macht bezwung
Die Stadt mit Sturm bekam. Auf dieses galt es Wer-
Das Torsten Sohn bezwung zu mächtigem verderben
Der Sächsischen Gewalt die endlich Marozin
Der bey den Schlesiern bißher sehr glückhafft schien
Mit seiner Macht verstärckt zu andrem Stande brachte
Worauf sie Havelberg vou neuem Sächsisch machte
und dann bey Verpelin das Winter-Läger nahm
Wodurch der Gegentheil auch eins zu ruhen kam.
Wir lassen sie alhier und gehen nach den Schwaben
Zu sehen wie sie sich nachlener Schlacht gehaben.
Erbarmens-werter-Stadt! den man kaum sagen kan.
So bald die große Schlacht bey Nördlingen gethan
Vorbey war muste sich die Stadt hierauf ergeben
Weil da kein Mittel war noch mehr zu wiedersteben.
Es war genug daß sie fünf gantzer Wochen stritt
Viel große Stürm ertrug drey tausend Schüß’ erlitt’
Auch über tausend und fünf hundert Feuer-Ballen
Die aus des Feindes Heer sind in die Stadt gefallen
In sich verschluckete. Hierauf kam man zu dier
Du edles Würtenberg das unsrer Länder Zier
und Paradeiß mag seyn. Wie man mit dir gehauset
und umgegangen hab ist also daß uns grauset
Wann man davon vernimmt. Der Fürst verließ sein
land
Der Adel folgte nach. Was dieses für ein Stand
Bey einer Herde sey wann man die Hirten jaget
Gedencket jeder leicht eh man jhm solches saget.
Was längst den Necker kam das kam auch längst den
Meyn
und sah man diese land’ in großem Jammer seyn.
Diß alles machete daß Ferdinand der Käyser
An das beblute Reich und alle Fürsten-Häuser
Durch
Vetrachten welches sie dann wieder an das Liecht
Des Friedens von dem Pful des Jammers würde bringen
Worauf wie schon gesagt viel zu dem Käyser giengen.
Was aber Schwedisch blieb dem dröute die Gewalt.
Daß gleichwol selbige noch einen Widerhalt
Bekäme häuffte man die weit-zerstreute Scharen
und die bey andern noch in gutem Stande waren
Ein recht und völlig Heer bey zwantzig tausend Mann
Zu machen.
Auf welches man zu Worms versamlet war zu rathen
Wie man mit solcher Macht hinfort den großen Schaden
Ersetzen möcht und war Herr Cantzler Oxenstern
Das Häupt von diesem Raht. Es kam hierauf so fern
Daß man die Schweden Macht dort in die lande-Sach-
Den Käysrischen daselbst vor Einfall gnug gewachsen
Zu seyn die Weymar-Macht am Reyhn vertheilete
Kein Palm steigt ohne last und drucken in die Höy.
Also ergieng es auch bey diesen zwo-Armeen
Sie musten manchen Schlag bald dort bald da außstehen
Eh jede wiederum wie vor den Glantz bekam.
Als Käyser Ferdinand von diesem Thun vernahm
und daß es noch nicht gar nach Wundsche wolte kommen
Ob schon der Sieg einmal vom Feinde war genommen
Sah man auch seine Macht zertheilt. Die Helffte zog
In zwantzig tausend starck nach Böhäimb und bewog
Cur-Sachsens Macht heraus. Die Helffte gleicher Män-
Zog an dem krummen Meyn und Necker in die Länge
und hatte manchen Sieg ob mancher feinen Standt.
Heylbronn gieng wea nach dem es wol aufochten hatt’.
Und nun gieng auch das Schloß von Würtzburg aus den
Händen.
Es war bey dieser Zeit solch Ding nicht abzuwenden.
Ich rede von dem Schloß die Stadt war schon besiegt
Hiefür hat Freytags Häupt das Schwerdt zur Straff ge-
Weil er bey
Daß es aus Mangel must’ an seinen Bischoff gehen.
Dem Würtzburg folgete die Philippsburg am Reyhn
Ein fester Ort und nahm des Gallas Völcker ein
und Speyer eben so. Höchst that hierauf dergleichen.
Doch Bobenhausen wolt in keinem Wege weichen
Biß seine Krafft vergieng. Es war die Weymar-Macht
und vieler Fürsten Hilff noch nicht bey-ein gebracht
Diß gab den Feinden Lufft. Meyntz wolte sich der Feinde
Befreyen hielt hierum mit Manßfeld seinem Freinde
Durch Briefe heimlich Raht der bald verrathen war
Diß brachte viel ans Schwerdt und bracht der Stadt Ge-
Und nun must Augspurg auch an Beyern sich ergeben.
Es hatte lange Zeit gekämpfft und kaum das Leben
Der Hunger war so groß daß man die Todten fraß
Es war kein gifftig Ratz versichert wo er saß
Er muste nach dem Mund und Magen der Soldaten
O GOtt! in welche Noth kan eine Stadt gerathen
Was hastu Deutsches Rom im Frieden schöne lust?
Was leckerbissen sind in dur sonst nicht bewust?
Und nun must' all dem Volck solch Ungelück erleben.
Hierauf say man auch
und zwar durch einen Zwist. Die Norkan folgte nach
und alles was bißher in Francken Schwedisch sprach
Auch in der Ober-Pfaltz. Was man mit langem Kriege
Erworben hatt’ entgieng hiemit nach einem Siege
Der mit dem Käyser war. Diß war noch nicht genug
Was schon geschehen war man nahm auch einen Zug
Nach Hessen wie zu vor hieselbst noch mehr zu kriegen
Der Landgraf aber war bißher von vielem siegen
So starck daß jhm der Feind sehr wenig abgewann.
Man dröute Glut und Schwerdt man bot’ jhm Frieden an
Er aber wolte sich von Schweden niemals trennen
Biß er den Frieden würd’ in bäßrem Stande kennen
Als er jhn jetzo sah. In dem er Antwort gab
That doch der Feind so viel und nahm ihm Rhenen ab
Jedoch durch eine list. Wir wollen nun durch Hessen
In Sachsen und der Macht von Weymar was vergessen
Biß sie vollkommen wird und neuen Lärmen macht.
Es hatte der Bannier den Winter kaum verbracht
Gieng er vor Barby hin bestürmt es solcher maßen
Daß alles Volck darin sein Leben muste laßen
Es war das jene Volck daß sich von jhm begab.
Auf dieses lief sein Heer das halbe Meißen ab
Und that gleich wie ein Löu der seinem Band' entkommen
Bald wurde beyder Theyi jhr Zug nach Hall genommen.
Doch wie Cur-Sachsens Heer von Hatzfelds seiner Macht
Aus Hessen Francken und Westfalen her gebracht
Seyr groß verstärcket wurd’ erhoben sich die Schweden
und nahmen jhren Weg um sehr gewisse Reden
Nach Staßfurt. Bald hierauf wurd auch Wettin besucht
Wo sie des Tauben Volck geschlagen und zur Flucht
Getrieben auch sehr viel davon gefangen haben.
Was jhnen bey lettin des Bandis Völcker gaben
War bey Wettin bezahlt. Von gleicher Macht zu seyn
Als die Cur-Sächsische kam Wrangel vor den Schein
und leßle neben jhm mit 20 tausend Seelen.
Hierzwischen kunte man ein dreyßig tausend zählen
Die dich
umbgaben da man doch in dir der ersten Qual
Noch unvergessen war. Hört was für Volck. Da waren
Die Käyser-Sächsischen und Brandenburgsche Scharen
Mit Weymar-Wilhelms Volck und lüneburger Macht
Zusam in ein’ Armee wie schon gedacht gebracht
Die alle schloßen dich in jhre strenge Waffen
Und mustestu dein Thor für jhnen offen schaffen.
Man schickte zwar Entsatz doch es kam keiner ein
und must’ ein gutes Theil hiervon des Todes seyn.
Rach dem der Schweden Feind das Magdaburg besiegte
Geschachs daß Leßle hier das Lüneburg bekriegte
und neben Winßheim nahm. Weil dieses Fürsten Heer
Den Schweden widrig war und nun wie vor nicht mehr
Bey jhnen und bey dem von Hessen wolte stehen.
Es war nun überall wohin man mochte sehen
Belägern Einnahm Pest Raub Brand und Hungers
Noth
und blieb bald hier bald dort ein tapfer Tausend todt.
Bannier vermerckende daß er mit schlechten Dingen
Sich und sein Volck nicht wol zu rechte würde bringen
Bedachte sich zur Schlacht ermahnte seine Schar
Zum fechten und trieb weg was schlecht von Hertzen war.
Es gieng nach seinem Sinn und musten
Ein viermal hundert Mann die auf dem Wege waren
Zur großen Macht zu gehn die ersten Todten seyn.
Gleich wie der Donn der sich vom Anfang sacht und klein
Bezeiget endlich doch mit großem Knall und Krachen
Heraus bricht und die Welt vol Schrecken pflegt zu machen:
Also geschah auch hier. Es traffen beyde Theil
Ob schon von großer Macht je dach sehr lange weil
Nur schlecht scharmützelnde zusammen biß die Sachsen
Mit samt den Käysrischen den Schweden baß gewachsen
Zu seyn des Klizings Heer das man im nahen sah
Von dar an sich zu ziehn verreisten. Sihe da
Erhob sich der Bannier und gieng recht nach der Mitten
Womit er jhnen Weg und Steg hatt’ abgeschnitten
Damit ja keiner nicht dem andern helffen kunt.
Und als die gröste Macht nun bald bey Wittstock stundt'
Ein Heer von mehr zu Fuß’ als sechzehn tausend Streitern
Mit einer schönen Schaar von vierzehn tausend Reitern
Vom großen Sachsen selbst wie auch vom
und Hatzfeld angeführt erhob er sich dahin
und gieng jhr unverhofft
und zwantzig tausend Mann in ihren starcken Rücken.
That eine Schlacht auf sie und zwar mit solcher Macht
Daß er 6000. Mann und mehr hat umgebracht.
Er kriegte fünfftzig Stück und etlich tausend Wagen
Die gantze Tonnen Golds jhm haben eingetragen.
Ein jeder seines Volcks bekam so viel davon
Daß er sich freuen kunt. Es ist des schlagens Lohn
Beuth oder Traurigkeit versteh in solchem Kriegen.
Noch waren über diß zur Beuth’ auf dieses siegen
Von Fahnen zwölffmal zwölff und noch vielmehr. Dabey
Fünff Oberste und dann noch eine lange Rey
Von denen die dem Mars von Venus sind gegeben
Nach lang-gehabter Last auch einst in Lust zu leben
Diß alles blieb im Stich. Hierauf so ställte man
Zu Wittstock vor den Sieg ein großes Danckfest an
und schoß dreymal Triumpff aus des besiegten Stücken
Die man nicht lang hierauf nach Schweden sahe schicken
Der Nordischen Göttin-Christinen ins Gesicht
Zu ställen was jhr Heer nunmehr hatt’ außgericht
Jedoch durch GOttes Hand. Es ist vorwahr zu sagen:
Daß sich der Gegner hab im schlagen so getragen
Als Helden zugehört. Es lag sein Volck also
(das keine Flucht bezeigt) als abgemeyhtes Stroh.
Wann aber sich das Glück bey einem widrig stället
So hilfft es nicht wie sehr daß man sich rund umwället
und voll von Weißheit weis. Durch diese große Schlacht
Hat sich Bannier noch mehr als je beförcht gemacht
und seiner Krohnen Ehr’ jhm selbst zum Ruhm vermehret.
Da kurtz vor dieser Schlacht kein anders war gehöret
Als daß die Schweden sich biß nach der Balther-See
und so anheim gewandt da kamen sie zur Höh
und triumfireten durch jhrer Feinde lande.
So bald bringt eine Schlacht ein Werck zu andrem Stande.
Sie ruhen nach der Schlacht ein wenig aus und ich
Nehm auch auf diese Schrifft ein wenig Ruh vor mich.