Des Deutschen Krieges Siebender Theil.

By Georg Greflinger

Hastu Calliope die Hand bißher geführet

Daß ich den Deutschen Krieg biß diese Schlacht be-

und angezeichnet hab’. Ey so steh ferner bey

und sage was noch mehr hierauf erfolget sey:

Gleich wie ein strenger Strohm wann er den Damm durch-

und keine Haltung hat mit schädlichem ergüssen

Sich in die Weite macht Vieh Menschen Hauß und Gut

In das Verderben setzt und macht das Land zur Flut

Daß man die Berge sucht sein Leben zu erretten.

Also that diese Schlacht bey vielen Volck und Städten.

Die siegende Parthey ergoß sich wie ein Fluß

Der Widerhalt war weg und satzte seinen Fuß

Auf Bergen biß die Hilff von fernen Ländern schützte.

Bannier der diese Zeit das Böhäim-Reich beblitzte

und guten Fortgang hatt’ in Einahm mancher Stadt

Worzu das Sachsen-Heer nicht schlechten Vorschub that

Must’ auf die böse Post der Niederlag in Schwaben

Aus Böhäim uud geschwind um einen Schutz zu haben

Nach Thüringen den Feind des Piccolomini

und Jsolani Heer das sonder große Müh

Daselbst sich eingesetzt und Hertzog Wilhelms Waffen

Starck angetastet hatt’ auf andren Weg zu schaffen.

Er kam und es gieng jhm der Abtrieb glücklich an.

Hierauf verschicket’ er ein etlich tausend Mann

Vor sich nach Hessen ab den Hatzfeld zu bestreiten

Weil dessen siegend Heer auf die Casselsche Seiten

Jm strengen Anzug war. Es wurd’ auch diese Flut

Gehemmet und bey Vach mit der Croaten Blut

Durch den von Hoditz starck gefärbet. Diß geschehen

Sah man das Gothen Heer von Gotha weiter gehen

Das achtzehn tausend starck sich mit dem Häupt Bannier

Bey Egeln niederließ. Der Frost war vor der Thür

Daher er sich daselbst den Winter über legte

und auf so manche Müh in allem wol verpflegte.

Cur-Sachsens Volck kam nach und ließ das Bömer-Land

Damit den Käysrischen die nun in gutem Stand

und doch nichts wenigers von Friedens Sinnen waren

Kein

Auf solches loß zu gehn. Wodurch der schöne Schein

Der lang-gewündschten Ruh benebelt würde seyn.

Sie giengen und es kam hierauf

Der dann das gantze Reich von Schweden hat geschieden.

Cur-Sachsen gieng jhn ein Cur-Brandenburg gieng nach

und war dergleichen Thun ein’ allgemeine Sach’

Jm gantzen Deutschen Reich’. Allein die Frantz- und

Schweden

Nechst den Casselischen die hatten jhre Reden

Dergleichen Friedens-Werck mit nichten einzugehn.

Wieviel man sich auch hatt’ um Mittel umgesehn

Denselben gnug zu thun so hat doch nichts verschlagen.

Damit so kriegten wir noch größre landes-Plagen

und fast so lang als vor. Ja zweymal sieben Jahr

Entgiengen noch hierauf eh wieder Friede war.

Bannier ließ diesen Riß sich noch so groß nicht schrecken.

Er war auch nicht befelcht den Degen einzustecken

Vielmehr den Gegentheil zu dämpfen wie er kunt’

und weil Cur-Sachsens Heer bey Leipzig fertig stundt’

umb bey dem Prager-Schluß und Frieden steiff zu bleiben

und diese Nordsche Macht aus Meißen weg zu treiben

Verstärckte sich Bannier in zwantzig tausend Mann

und sah also den Feind mit trotzgen Augen an

Nicht achtend daß er den in vielen schweren Zügen

unlängst mit jhm gethan hat glücklich sehen siegen

und daß er durch ein Heer von Käyserlicher Macht

Durch

Gantz nichts erschrocken war. Die vormahls lieben Frein-

Erhoben sich zum Streit und wurden große Feinde.

Die

Weil sie aus solchem Zwist sehr großen Vorthel zieht.

Es ließ sich anfangs schlecht mit dem Bannier ansehen

So daß er sehr gedrängt zu rücke muste gehen

und einer größern Macht das Stifft von Halberstadt

Auch das von Magdeburg verlassen wie er that.

Und weil auch über diß viel unter seinen Fahnen

So groß-als kleine Leuth’ auf ernstliches vermahnen

Des Käysers jhren Fuß zu wenden und der Macht

Von Sachsen zu zugehn in märcklichem Verdacht

Auch viel der jenigen schon umgetreten waren

So hatt’ er sich hierauf kein kleines zubefahren.

Weßwegen er sich gantz nach Mecklenburg begab.

Nun aber fiel das Glück vom Geaner wieder ab

und folgte dem Bannier. Das Glück ist wanckelmütig

Dem es anheunte zornt dem ist es morgen gütig

Es kennet keinen Stand es hat des Monden Art

und dauert nicht gar lang mit voller Gegenwart.

So schleunig sich Bannier zu rücke muste geben

So schleunig sah man jhn sich wiederum erheben

und nach dem Feinde gehn. Hier war nicht lang gesucht

Er traff und schlug den Dehn bey Altenburg zur Flucht

Wo er des Vizthums Fahn’ und viel Gefangne kriegte

Auf welches Rittwein sich bald an den Baudis fügte

An Baudis der nunmehr des Arnheims Platz vertrat

Und sieben tausend starck Gewalt an Dömitz 2. Novembr. that.

Worüber es sehr bald zu starcken scharmutziren

Gerathen ist und war der Sächsischen verlieren

Sehr groß. Ein tausend Mann verschieden auf dem Plan

Ein tausend musten mit den Rest zerstreute man.

Diß senckete den Muth den laug-beglückten Sachsen.

Hergegen sahe man der Schweden Hoffnung wachsen

Noch mehr beglückt zu seyn. Ein wenig Zeit hierauff

Wurd auch bey Goldenberg ein großer Sachsen-Hauff

Besprungen und zerstreut. Bey Kiritz kam dergleichen

So daß das gantze Heer nach Sandau muste weichen

Dem die Banniersche Macht sehr starck in Rücken drung

Den Dohm zu Havelberg in seine Macht bezwung

Die Stadt mit Sturm bekam. Auf dieses galt es Wer-

Das Torsten Sohn bezwung zu mächtigem verderben

Der Sächsischen Gewalt die endlich Marozin

Der bey den Schlesiern bißher sehr glückhafft schien

Mit seiner Macht verstärckt zu andrem Stande brachte

Worauf sie Havelberg vou neuem Sächsisch machte

und dann bey Verpelin das Winter-Läger nahm

Wodurch der Gegentheil auch eins zu ruhen kam.

Wir lassen sie alhier und gehen nach den Schwaben

Zu sehen wie sie sich nachlener Schlacht gehaben.

Erbarmens-werter-Stadt! den man kaum sagen kan.

So bald die große Schlacht bey Nördlingen gethan

Vorbey war muste sich die Stadt hierauf ergeben

Weil da kein Mittel war noch mehr zu wiedersteben.

Es war genug daß sie fünf gantzer Wochen stritt

Viel große Stürm ertrug drey tausend Schüß’ erlitt’

Auch über tausend und fünf hundert Feuer-Ballen

Die aus des Feindes Heer sind in die Stadt gefallen

In sich verschluckete. Hierauf kam man zu dier

Du edles Würtenberg das unsrer Länder Zier

und Paradeiß mag seyn. Wie man mit dir gehauset

und umgegangen hab ist also daß uns grauset

Wann man davon vernimmt. Der Fürst verließ sein

land

Der Adel folgte nach. Was dieses für ein Stand

Bey einer Herde sey wann man die Hirten jaget

Gedencket jeder leicht eh man jhm solches saget.

Was längst den Necker kam das kam auch längst den

Meyn

und sah man diese land’ in großem Jammer seyn.

Diß alles machete daß Ferdinand der Käyser

An das beblute Reich und alle Fürsten-Häuser

Durch

Vetrachten welches sie dann wieder an das Liecht

Des Friedens von dem Pful des Jammers würde bringen

Worauf wie schon gesagt viel zu dem Käyser giengen.

Was aber Schwedisch blieb dem dröute die Gewalt.

Daß gleichwol selbige noch einen Widerhalt

Bekäme häuffte man die weit-zerstreute Scharen

und die bey andern noch in gutem Stande waren

Ein recht und völlig Heer bey zwantzig tausend Mann

Zu machen.

Auf welches man zu Worms versamlet war zu rathen

Wie man mit solcher Macht hinfort den großen Schaden

Ersetzen möcht und war Herr Cantzler Oxenstern

Das Häupt von diesem Raht. Es kam hierauf so fern

Daß man die Schweden Macht dort in die lande-Sach-

Den Käysrischen daselbst vor Einfall gnug gewachsen

Zu seyn die Weymar-Macht am Reyhn vertheilete

Kein Palm steigt ohne last und drucken in die Höy.

Also ergieng es auch bey diesen zwo-Armeen

Sie musten manchen Schlag bald dort bald da außstehen

Eh jede wiederum wie vor den Glantz bekam.

Als Käyser Ferdinand von diesem Thun vernahm

und daß es noch nicht gar nach Wundsche wolte kommen

Ob schon der Sieg einmal vom Feinde war genommen

Sah man auch seine Macht zertheilt. Die Helffte zog

In zwantzig tausend starck nach Böhäimb und bewog

Cur-Sachsens Macht heraus. Die Helffte gleicher Män-

Zog an dem krummen Meyn und Necker in die Länge

und hatte manchen Sieg ob mancher feinen Standt.

Heylbronn gieng wea nach dem es wol aufochten hatt’.

Und nun gieng auch das Schloß von Würtzburg aus den

Händen.

Es war bey dieser Zeit solch Ding nicht abzuwenden.

Ich rede von dem Schloß die Stadt war schon besiegt

Hiefür hat Freytags Häupt das Schwerdt zur Straff ge-

Weil er bey

Daß es aus Mangel must’ an seinen Bischoff gehen.

Dem Würtzburg folgete die Philippsburg am Reyhn

Ein fester Ort und nahm des Gallas Völcker ein

und Speyer eben so. Höchst that hierauf dergleichen.

Doch Bobenhausen wolt in keinem Wege weichen

Biß seine Krafft vergieng. Es war die Weymar-Macht

und vieler Fürsten Hilff noch nicht bey-ein gebracht

Diß gab den Feinden Lufft. Meyntz wolte sich der Feinde

Befreyen hielt hierum mit Manßfeld seinem Freinde

Durch Briefe heimlich Raht der bald verrathen war

Diß brachte viel ans Schwerdt und bracht der Stadt Ge-

Und nun must Augspurg auch an Beyern sich ergeben.

Es hatte lange Zeit gekämpfft und kaum das Leben

Der Hunger war so groß daß man die Todten fraß

Es war kein gifftig Ratz versichert wo er saß

Er muste nach dem Mund und Magen der Soldaten

O GOtt! in welche Noth kan eine Stadt gerathen

Was hastu Deutsches Rom im Frieden schöne lust?

Was leckerbissen sind in dur sonst nicht bewust?

Und nun must' all dem Volck solch Ungelück erleben.

Hierauf say man auch

und zwar durch einen Zwist. Die Norkan folgte nach

und alles was bißher in Francken Schwedisch sprach

Auch in der Ober-Pfaltz. Was man mit langem Kriege

Erworben hatt’ entgieng hiemit nach einem Siege

Der mit dem Käyser war. Diß war noch nicht genug

Was schon geschehen war man nahm auch einen Zug

Nach Hessen wie zu vor hieselbst noch mehr zu kriegen

Der Landgraf aber war bißher von vielem siegen

So starck daß jhm der Feind sehr wenig abgewann.

Man dröute Glut und Schwerdt man bot’ jhm Frieden an

Er aber wolte sich von Schweden niemals trennen

Biß er den Frieden würd’ in bäßrem Stande kennen

Als er jhn jetzo sah. In dem er Antwort gab

That doch der Feind so viel und nahm ihm Rhenen ab

Jedoch durch eine list. Wir wollen nun durch Hessen

In Sachsen und der Macht von Weymar was vergessen

Biß sie vollkommen wird und neuen Lärmen macht.

Es hatte der Bannier den Winter kaum verbracht

Gieng er vor Barby hin bestürmt es solcher maßen

Daß alles Volck darin sein Leben muste laßen

Es war das jene Volck daß sich von jhm begab.

Auf dieses lief sein Heer das halbe Meißen ab

Und that gleich wie ein Löu der seinem Band' entkommen

Bald wurde beyder Theyi jhr Zug nach Hall genommen.

Doch wie Cur-Sachsens Heer von Hatzfelds seiner Macht

Aus Hessen Francken und Westfalen her gebracht

Seyr groß verstärcket wurd’ erhoben sich die Schweden

und nahmen jhren Weg um sehr gewisse Reden

Nach Staßfurt. Bald hierauf wurd auch Wettin besucht

Wo sie des Tauben Volck geschlagen und zur Flucht

Getrieben auch sehr viel davon gefangen haben.

Was jhnen bey lettin des Bandis Völcker gaben

War bey Wettin bezahlt. Von gleicher Macht zu seyn

Als die Cur-Sächsische kam Wrangel vor den Schein

und leßle neben jhm mit 20 tausend Seelen.

Hierzwischen kunte man ein dreyßig tausend zählen

Die dich

umbgaben da man doch in dir der ersten Qual

Noch unvergessen war. Hört was für Volck. Da waren

Die Käyser-Sächsischen und Brandenburgsche Scharen

Mit Weymar-Wilhelms Volck und lüneburger Macht

Zusam in ein’ Armee wie schon gedacht gebracht

Die alle schloßen dich in jhre strenge Waffen

Und mustestu dein Thor für jhnen offen schaffen.

Man schickte zwar Entsatz doch es kam keiner ein

und must’ ein gutes Theil hiervon des Todes seyn.

Rach dem der Schweden Feind das Magdaburg besiegte

Geschachs daß Leßle hier das Lüneburg bekriegte

und neben Winßheim nahm. Weil dieses Fürsten Heer

Den Schweden widrig war und nun wie vor nicht mehr

Bey jhnen und bey dem von Hessen wolte stehen.

Es war nun überall wohin man mochte sehen

Belägern Einnahm Pest Raub Brand und Hungers

Noth

und blieb bald hier bald dort ein tapfer Tausend todt.

Bannier vermerckende daß er mit schlechten Dingen

Sich und sein Volck nicht wol zu rechte würde bringen

Bedachte sich zur Schlacht ermahnte seine Schar

Zum fechten und trieb weg was schlecht von Hertzen war.

Es gieng nach seinem Sinn und musten

Ein viermal hundert Mann die auf dem Wege waren

Zur großen Macht zu gehn die ersten Todten seyn.

Gleich wie der Donn der sich vom Anfang sacht und klein

Bezeiget endlich doch mit großem Knall und Krachen

Heraus bricht und die Welt vol Schrecken pflegt zu machen:

Also geschah auch hier. Es traffen beyde Theil

Ob schon von großer Macht je dach sehr lange weil

Nur schlecht scharmützelnde zusammen biß die Sachsen

Mit samt den Käysrischen den Schweden baß gewachsen

Zu seyn des Klizings Heer das man im nahen sah

Von dar an sich zu ziehn verreisten. Sihe da

Erhob sich der Bannier und gieng recht nach der Mitten

Womit er jhnen Weg und Steg hatt’ abgeschnitten

Damit ja keiner nicht dem andern helffen kunt.

Und als die gröste Macht nun bald bey Wittstock stundt'

Ein Heer von mehr zu Fuß’ als sechzehn tausend Streitern

Mit einer schönen Schaar von vierzehn tausend Reitern

Vom großen Sachsen selbst wie auch vom

und Hatzfeld angeführt erhob er sich dahin

und gieng jhr unverhofft

und zwantzig tausend Mann in ihren starcken Rücken.

That eine Schlacht auf sie und zwar mit solcher Macht

Daß er 6000. Mann und mehr hat umgebracht.

Er kriegte fünfftzig Stück und etlich tausend Wagen

Die gantze Tonnen Golds jhm haben eingetragen.

Ein jeder seines Volcks bekam so viel davon

Daß er sich freuen kunt. Es ist des schlagens Lohn

Beuth oder Traurigkeit versteh in solchem Kriegen.

Noch waren über diß zur Beuth’ auf dieses siegen

Von Fahnen zwölffmal zwölff und noch vielmehr. Dabey

Fünff Oberste und dann noch eine lange Rey

Von denen die dem Mars von Venus sind gegeben

Nach lang-gehabter Last auch einst in Lust zu leben

Diß alles blieb im Stich. Hierauf so ställte man

Zu Wittstock vor den Sieg ein großes Danckfest an

und schoß dreymal Triumpff aus des besiegten Stücken

Die man nicht lang hierauf nach Schweden sahe schicken

Der Nordischen Göttin-Christinen ins Gesicht

Zu ställen was jhr Heer nunmehr hatt’ außgericht

Jedoch durch GOttes Hand. Es ist vorwahr zu sagen:

Daß sich der Gegner hab im schlagen so getragen

Als Helden zugehört. Es lag sein Volck also

(das keine Flucht bezeigt) als abgemeyhtes Stroh.

Wann aber sich das Glück bey einem widrig stället

So hilfft es nicht wie sehr daß man sich rund umwället

und voll von Weißheit weis. Durch diese große Schlacht

Hat sich Bannier noch mehr als je beförcht gemacht

und seiner Krohnen Ehr’ jhm selbst zum Ruhm vermehret.

Da kurtz vor dieser Schlacht kein anders war gehöret

Als daß die Schweden sich biß nach der Balther-See

und so anheim gewandt da kamen sie zur Höh

und triumfireten durch jhrer Feinde lande.

So bald bringt eine Schlacht ein Werck zu andrem Stande.

Sie ruhen nach der Schlacht ein wenig aus und ich

Nehm auch auf diese Schrifft ein wenig Ruh vor mich.