Des Deutschen Krieges Vierdter Theil.

By Georg Greflinger

Eh aber Magdeburg zu solchem Blut und Bran- de

Zu solcher Schand und Schmach zu solchem Jam-

Als kaum in einer Schrifft von Brand und Blut bekannt

(gOtt tröste) kommen war war Käyser Ferdinand

Wie auch das gantze Reich die jenen außgenommen

Die Evangelisch sind gen Regenspurg gekommen

Zu rathen auf was Art die Lutherische Lehr

und dero Josua mit seinem tapfren Heer

Zu dämpfen (dann sie war dem Pabste viel vergiffter

Als Saracenen Gifft) auch die begehrten Stiffter

Zu kriegen möchten seyn. Mit Augspurg wars gethan

Mit der berühmten Stadt. Nun solten mehr daran.

Als nun die anderen die solches solten fühlen

Vermerckten wie der Pabst mit jhnen wolte spielen

Versamleten sie sich gen Leipzig hielten Raht

Was hier zu machen wär’. Es war nunmehr zu spat

Mit Federn viel zu thun man muste zu den Waffen

und mit gesamter Hand der Freyheit Schutz verschaffen.

Es kam dem Käyser vor der bald daewider schrieb.

Weil aber jederman bey seiner Meynung blieb

Der an der Forderung die-am- gar-nichts-zu-geben

Als sah man überall die Lantzen hoch erheben.

Chur Sachsen häuffte Volck Chur Brandenburg nahm an

Zur Folge sammlete bey achtmal tausend Mann

Der tapfre Weymar-Fürst Bernhardus für die Hessen

Auch andre wolten sich in diesem nicht vergessen.

Als Käyser Ferdinand dergleichen Rüstung sah

Gieng wie man schätzen kan jhm das nicht wenig nah.

Er schrieb vermahnte trieb und doch war kein Gehöre

Hierauf begab er sich sehr starck zur Gegenwehre

Des Gegentheils Gewalt gewaltig abzuthun

Worzu jhm Magdeburgs-Eroberung die nun

Jm Blut und Asche lag nicht wenig Hertzens machte.

Es gieng auch wie es jhm des Käysers Hertz gedachte

Bey vielen glücklich an. Dann da kam Fürstenberg

und bracht aus Wälischland nicht eine schlechte Stärck

An wolversuchtem Volck auf Würtenberg und Schwaben

und zwung sie ungesäumt daß sie den Bund begaben

und jhr geworben Volck erliessen. Diß gethan

Kam er mit seiner Macht im Lande Francken an

und stillet’ auch daselbst was sich im Bunde fundte

Daß also dieses Orts sich nichts empören kundte.

Hierauf begab er sich zum Tylli der schon lang

Von Wien beordert war Chur Sachsen in den Zwang

und Hessen in den Sturtz mit seiner Macht zu bringen

Weil sie die Feder nicht vermochte zu bezwingen

So solt’ es Tylli thun dann diesem war getrant

Daß er nicht fählen könnt. Er hat auch seine Haut

Gewaltig angesetzt und große Sieg’ erworben

Nun aber war sein Glück mit Magdeburg gestorben.

Dann bald darauf gerieth sein Lager in den Brand

und niemand wuste wie. Wodurch so manches Band

Das viel aus Magdeburg beschloß ist aufgegangen

Dann Magdeburg wurd halb erwürgt und halb gefangen.

Nach diesem zog er auf und fiel in Hessen ein

Was sein verrichten war sol dann berichtet seyn

Wann wir die Schwedischen vorher besuchet haben

Die allem Lande nun genug zu schaffen gaben.

Es wurd’ auch dort und da denselben Hilf gethan

Da kam Graf Hamilthon mit etlich tausend Mann

In vielen Schiffen an aus Engelland geschicket

Er war auch trefflich starck bethalert und bestücket

Nechst dem auch Franckreich sich zu großer Hilf erbot

Mit Volck und anderm mehr das der Soldaten Noth

In eine Freude kehrt. Des Geldes war kein schonen

Es kam zu Tonnen an und auch zu Millionen

Dann Geldt erhält den Krieg. Deßgleichen that der Zaar

Aus Moßkow der nunmehr mit Schweden einig war

Entbote Volck und Korn durch einen seiner Großen

Aus Fürstlichem Geschlecht iu seinem Reich entsproßen

Der groß nach jhrer Art von Pracht in Pommern kam

Den der Stettiner Volck mit grosser Ehr’ annahm.

Der König kam auch selbst dahin jhn zu empfangen

Wobey es trefflich hoch von Pracht ist zugegangen.

Der König hörete was sein Verrichten war

In freyen Feldern an vernehmend was der Zaar

Aus Moskow sägen ließ bedanckt er dessen Willen

und wolte Deutschland nicht mit solchem Volck’ anfüllen

Das seines Glaubens Feind. Es war wol andrer Raht

Wann Volck gebrechen solt’ als man auch in der That

Hernach gesehen hat. In dem der kluge König

Dem Russen Antwort gab und über das nicht wenig

Jhm Lust und Ehr’ anthat nahm Baudis Werben ein

Woselbst viel Tyllische verwällt gewesen seyn.

Viel wurden fest gemacht die meisten musten sterben

Als es im Kriege geht. Als Baudis diß mit Werben

Beging fiel Banners Volck den Dohm zur Havel an

Gewann jhn und erschlug auch etlich hundert Mann

Jm Städtlein Havelberg (ein wolverwahrtes Wesen

Ist jetzo sehr verschwächt und wird nicht bald genesen.)

Hierauf gieng Banner selbst zum festen Platz Gripswald

(diß war der Käysrischen jhr letzter Aufenthalt

Durch alles Pommerland) begehrt es aufzugeben.

Perusi der es hielt begehrte da sein Leben

Zu enden oder dann den wolverschantzten Ort

Zu halten. Diß gesagt fuhr Banner etwas fort

Jhn mit Geschütze Schwerdt und Brand heraus zu treiben.

Perusi dessen Hertz hier Lebenslang zu bleiben

Vielleicht gewillet war beschützete die Stadt

Wie sichs geziemet als ein Ritter und Soldat

Wie er dann beydes war. Man lebe was zu loben.

Es trug sich aber zu daß dieser Held von oben

Ein Schwedisch Häuflein sah das seiner Mauern Vieh

Zu nehmen kommen war da fiel er unter sie

Wust’ aber nicht davon daß in dem Grund’ und Büschen

Ein großer Hauffe war auf jhn herfür zu wischen

Wann er die andern trieb. Eh’ als er sichs versah

War rings um ihn herum ein großer Hauffen da

Die ihm den Paß zu rück und auch das Leben nahmen

Worauf sie bald hernach auch in die Vestung kahmen

Damit war Pommern frey. In dem es war gethan

Kam der Gustavus selbst in Meynung diesen Plan

Zu stürmen. Als er sah daß solcher seinen Leuthen

Schon in den Händen war belobt’ er solcher streiten

Sehr Königlich und gieng darauf nach Gustrau zu

Die Fürstenj Mecklenburgs zur alten Ehr und Ruh

Aus jhrem

Wie es dann auch geschah mit mancherley ergetzen.

Dann nun war Mecklenburg fast alles wieder rein

Biß auf die Wißmar-Stadt und Rostock. Die allein

Bezeigten noch Gewalt die doch nach wenig Zeiten

Sich auch zerbrächen ließ dieweil der Schweden Streiten

Ein stetes Siegen wurd’. Es bracht auch eben nu

Des Königs Ehgemal acht tausend Mann herzu

Wovon vier tausend Mann besagte Städt’ umfingen

Vier tausend aber fort jns Königs Lager giengen

Das um alt Brandenburg herum geschlagen war.

Nach dem der Schweden Held das fromme Fürsten Paar

Vom Lande Mecklenburg von neuen hatt’ erfreuet

und heim gebracht darzu jhr Volck das wie zerstreuet

In großer Jrre gieng gesamlet schied er ab

Worauf er alsobald sich nach dem Lager gab

Mit seiner Gegenwart sein Kriegs-Heer zu ergetzen.

Bald ließ er durch die Elb an Tangermünde setzen

Das bald besieget wurd’ und alles im Gewehr

Erwürget diesem nach nahm er das gantze Heer

Mit sich nach Werben zu hier zwischen zweyen Flüssen

Der Havel und der Elb’ ein Lager zu beschlüssen

Daß auch sehr bald geschah. In dem man dieses that

Befiel der tapfre Horn zu Grünberg in der Stadt

Achthundert Käysrische die meisten musten sterben.

Wir lassen nun das Heer der Schwedischen zu Werben

In festen Schantzen stehn und gehn dem Tylli zu

Zu sehen was er doch dem Cassel-Hessen thu.

Wirhaben vor gedacht daß Hessen gleich wie Sachsen

Cur-Brandenburg und mehr der Feinds Gewalt gewach-

und unverzagt zu seyn viel Volcks geworben hab

Und weil dann keiner nicht dasselbige begab

Wieviel vom Käyser wurd’ an sie darum geschrieben

So solten sie mit Macht zu solchem seyn getrieben.

Diß war die

Nach diesem Hessen trieb. Was hier wurd’ umgebracht

An Gütern Menschen Vieh durch Thüringen und Meis-

Eh er an Hessen kam wird niemand löblich heissen.

Und eben dieses bracht am Hartzwald einen Schwarm

Von bösen Bauren auf der grausam im alarm

Viel hundert niederschlug daß auch die Todten lagen

Als hätte Tylli sich mit Schweden rüm geschlagen

und eine Schlacht verlohrn. Als er an Hessen stieß

und dessen Oberherrn durch einen sagen ließ:

Freund oder Feind zu seyn die Waffen abzulegen

Fünff tausend Käysrische im Lande zu verpflegen

Zur Contribution sehr bald bereit zu seyn

und was noch anders war. Da war die Antwort: Nein.

Wir gehen keines ein. Wird jemand uns belasten

So stehen wir gefast jhn wieder anzutasten.

Was war dem Tylli mehr befremdt als dieses Wort?

Auf welches er auch bald ergrimmt durch Hessen fort

und über Cassel wolt’. In dem er in Bereitung

Das Land zu stürmen war bekam er böse Zeitung

Wie sein verlassen Volck zur Elbe durch die Macht

Der Schweden meistentheils wär um den Hals gebracht

Wie sich Gustavus hätt’ um Werben starck bewället

Wie schlecht es Rostock gieng wie Wißmar wär ümstället

Gripswald schon gar besiegt und wie die jene Schar

Die mit Perusi hier in der Besatzung war

Durch eine Schwedische Verfolgung weil ihr reisen

Der Abred’ ungleich war wär alle durch das Eisen

Gefallen. Diß und mehr bewog des Tylli Sinn

Daß er von Hessen ließ und nach der Elbe hin

Mit grossem Eifer gieng am Schweden sich zu rächen

Eh er noch weiter möcht ins Deutsche Reich einbrächen.

Ach welche Freude kam nunmehr ins Hessen-Land

Als dieses Wetter war von jhnen abgewandt!

Man stellte Danckfest an es jauchtzten groß und kleine.

Ein Theil der jagte nach und machte schnelle Beine

Da gab es Schläg’ und Beuth’. Als durch das gantze

Land

Das Danckfest war gethan fiel man mit starcker Hand

An Hirschfeld nahm es ein und machte große Beuthen.

Nach diesem fieng man an auch Fulda zu bestreiten

Das auch erobert wurd’ und muste solche Stadt

Ein trefflich großes Geld das es versprochen hatt’

Als Hertzog Christian üm solche war gelegen

Erlegen dieses war der Anfang von dem Segen

Des Cassel-Hessen-Kriegs. Auf auf und laß uns nach

Zu sehen wie der Held Graff Tylli seine Rach

Verübe. Seine Reis’ ist schnell er wil sich rächen

Sich oder seinen Feind darob an Kräfften schwächen

Es traff jhn aber selbst. Er kam so bald nicht an

und hielt bey Stendel Stand der tapfre Schweden-Mann

Fiel in der Nacht auf jhn und schlug jhm seiner Reiter

Bey sieben hundert Mann hätt’ jhn die Nacht noch weiter

Zu gehen nicht gehemmt er hätte dieß allein

Jhm viel zu wenig noch zum Siege lassen seyn

Es hätten jhm noch mehr vom Feinde müssen sterben.

Mit diesem zog er sich nun wiederum nach Werben

In seinen festen Platz und hielt sich da gantz still.

Wie böß auf diesen Schlag des großen Tylli Will

und Hertze sich erwieß ist schwerlich außzusagen

Nun wolt er nichts als nur sich mit dem König schlagen.

Er kam uud schickte doch vorher ins Königs Heer

Ein abgefäumtes Paar die solten seiner Ehr

und Siege Schmiede seyn und das Geschütz vernageln

Damit der tapfre Goth im Zorn nicht könnte hageln

und jhm zum Schaden seyn. Das außgeschickte Paar

Kam an und sagt’ es aus worum es kommen war.

Um einen größern Lohn vom König zu empfangen

Als Tylli selbst verhieß da es war außgegangen

Da war die List entdeckt. Der König säumte nicht

und hielte das Geschütz dem Feinde zu gericht

Nach Creutz-art loß zu gehn. Das gantze Heer war rüstig

und hielte dennoch sich wie schlaffend. O wie listig

Des Feindes seine List zu schimpfen! Tylli kam

und fiel das Lager an. Als er kein Stück vernahm

Gedacht er seine List die wäre sieghafft worden

und rückte baß darauf. Da gieng der Knall von Norden

Da giengen alle Stück um jhn erschrecklich her

Als wie der Hagel tobt und wie das wilde Meer

Wann es der Nord erregt. Da flogen Pferd und Reiter

In freyer Lufft herum. Da sah der tapfre Streiter

Graff Tylli wie sein Glück so schändlich jhn verließ

und in die große Zahl der

Bey diesem Hauptgefecht hat Bernhard wol erwiesen

Der tapfre Weymar-Fürst und Held was er nach diesen

Für Thaten würde thun er kam aufs dritte Pferd

Kam doch gesund davon als langes Lebens werth.

Diß war der erste Ritt und Dienst den er dem König

Aus Schweden hatt’ erzeigt der jhn dann auch nicht wenig

In Ansehn hat gebracht. Nach diesem neuen Sieg

Zog er den Hessen zu derselben neuen Krieg

Zu fördern. Jetzund gieng Graf Tylli recht in Meißen

Diß hatt’ jhn Wien nunmehr zum andernmahl geheißen

und plagte Leuth und Land. Weil aber dieser Zeit

Der Cur-Fürst noch nichts that sich auch in keinen

Streit

Zu lassen sehen ließ als ließ jhn Tylli fragen:

Was endlich seiner Macht noch wäre nachzusagen?

Db er des Käysers Feind wo nicht ob er sein Heer

Dem Käyser lassen wolt’ auf daß der Friedenstör

(wie er den König nannt’) eh er der Deutschen Erden

Noch weiter donnderde könnt aufgeschlagen werden

und was er anders mehr von jhm an Proviant

und Einnahm seines Volcks in alles Meißner-Land

Bedröuend fordern ließ. Hier ist zur Antwort worden:

Wir sehen täglich an das Brennen Rauben Morden

und tau end

Die man von Türcken nicht und derer Anhang gläubt

So ligt den Hirten ob die Heerden zn beschützen.

Dieweil nun eure Macht die überal zu blitzen

Jhr Fug und Macht ertiche gantz Deutschland sehr be-

und sonder Zweifel auch auf uns zn kommen denckt

Als haben wir befugt das Schwerdt zur Faust genommen

Wann uns ein

Dafür bewehrt zu seyn. Hier ist kein Proviant

Hier ist kein Einlaß nicht für euch in unser Land.

Verüber jhr Gewalt jhr solt Gewalt erfahren.

Es komme nicht drazu. Wir sind von langen Jahren

Dem Käyser treu gewest und hoffen bässern Lohn

Als uns gedrohet wird. Diß war ein solcher Thon

Der bey den Käysrischen

Da

Zum Käyser solte thun fiel mitten in das Land

und bracht es schändlich um durch Rauben Mord und

Brand.

Der Cur Fürst schrieb an jhn dergleichen abzuställen

Wo nicht so müst er wol Piq-gegen Piquen fällen

Den Seinen Hilff zu thun. Diß alles ungeacht

Fuhr Tylli grausam fort daß Sachsen seine Macht

Zusammlen

Doch allem

Must’ Arnheimb seines Heers Regent zum König hin

Der noch bey Werben lag zu bitten daß er jhn

In dieser Kriegs-Gefahr nicht gäntzlich wolte lassen

Vielmehr im Anzug seyn sich seiner anzumassen.

Der König gieng es ein und meldete dabey:

Das hab’ ich lang gedacht daß diese Tyranney

Auch euch betreffen würd. Ich hab’ es lang garathen

Sich zeitlich vorzusehn. Man lernet mit dem Schaden.

O hätten sich die Päß uns eher aufgethan!

Man sähe Magdeburg nun nicht so scheußlich an.

So hätten wir nechst GOtt mit unsern Sieges-Waffen

Vor jhrem

Gott räche diesen Mord und wilde Tyranney

und stehe kräfftiglich durch uns den andern bey

Die glelche Noth bedroht. Wir wollen helff- und rathen.

Da samlet’ er den Kern der tapfersten Soldaten

Bey funfzehntausend Mann und gieng durch Wittenbergt

Cur-Sachsen Hilf zu thun die durch des Tylli Stärck

In großer Schwachheit war und zimlich aufgerieben.

Es ligt ein Städtigen in Meissen nahmens Tüben

Hier kam der Chur Fürst selbst für des Gustavus Mund

Wie auch Cur Brandenburg und machten einen Bund

Den Feind gesamter Hand von jhnen weg zu schmeissen.

Indessen dummlete Graf Tylli sich in Meissen

und zog vor Leipzig hin begehrete die Stadt.

Was solte solche thun? Die unerhörte That

An Magdeburg verübt und auch auf sie gedröuhet

Wer hette solchem Grimm von Menschen nicht gescheuet?

Trieb Forcht und Schrecken ein. Zu dem war kein Entsatz

So eylends vor der Hand. So stund auch um den Platz

Ein grausam streitbar Heer von dreißig tausend Seelen

Die kamen allesamt die gute Stadt zu quälen.

Und also brachte man die Stadt zur Ubergab.

Da zog jhr Feind hinein und jhr Geliebter ab.

Hier zwischen einigte sich Schweden mit Cur-Sachsen

und weil der Cur Fürst sich dem Feind also gewachsen

Erachtet hielt er an der König möchte doch

Zur Schlacht gewillet seyn weil ohne die das Joch

Von seinem Lande sich nicht würde lassen brächen

Er hoffte daß jhn GOtt würd’ an den Feinden rächen.

Der König aber war hier zu von schlechter Lust

Dann es war jhm des Feinds sein Vorthel wol bewust

Drum hielt er es für gut jhm etwas nachzusehen

und wann ein Vorthel wär auf solchen loß zu gehen.

Diß alles ungeacht lag er dem König an

Zur Schlacht gewillt zu seyn der dann die nechste Bahn

Mit jhm auf Leipzig nahm des Feindes Macht zu brächen

und das vergoßne Blut von Magdeburg zu rächen.

Graf Tylli merckende das Sachsen nicht allein

Auf jhn im Anzug war dann es war jhm der Schein

Von solchem viel zu groß ließ keine Zeit zerrinnen

Wind Höcht und anders mehr zum Vorthel zu gewinnen

und dann erst loß zu gehn. Sein Wollen gieng jhm an

So daß jhm guter Wind und ein bequemer Plan

Zu seinem Vorthel wurd. Es stund auch sein Geschütze

Nach seiner Lust gepflantzt mit Donnder und mit Blitze

Den starcken Gegentheil zu grüßen. Welch ein Gruß

Darüber mancher Held sein Leben enden muß.

Diß alles war dem Häupt aus Schweden schwer zu wen-

Noch gleichwol traut er GOtt und ließ an allen Enden

um seine Feinde gehn den Vorthel Höcht und Wind

und was für Dinge mehr zum Siege dienlich sind

Eh es zum Schlagen käm’ auf seinen Theil zu haben

um welche beyde Theil ihr Hertz zu sehen gaben.

Nichts minders thaten auch die Sachsen derer Macht

Den lincken Flügel hielt. Es kam zur großen Schlacht

und zwar mit Sachsen erst. Dann Tylli ließ sich düncken

Das Hertz der neuen Macht das würde leichtlich sincken

Brächt er nur die zur Flucht so wär es halb gesiegt

So hätte Schweden schon mit jhm halb außgekriegt.

Seht wie der schlauhe Held sein Glück an Fingern zählte

Das erste gieng jhm an das ander aber fählte.

Damit Chur-Sachsen sich zur Schlacht nicht ställen kunt

Hielt Tylli viel Gefechts. Er hielt es für den Grund

und Eckstein seines Siegs sie erst zur Flucht zu bringen.

Hilf GOtt! was ließ er nicht hier für Granaten springen

Wie blitzt und donndert er bey zweyen Stunden lang

Da weder diß noch das sie auf die Flucht bezwang

Gieng eine Macht auf sie von gantz geharnschten Reitern

Hiemit so sahe man viel tausend sich zerscheitern

Den da den dort hinauß.

Viel ruffte: Haltet Fuß kehrt um und wehret euch

Erzeigt euch einen Mann thut Thaten ihr Soldaten.

Umbsonst Sie giengen durch da folgten die Croaten

und hieben unter sie daß viel im stiche blieb

Vier Fahnen zwey Geschütz: In dem man diese trieb

Ließ Tylli mit der Post den Sieg nach Wien vetmelden

Es war noch viel zu früh. Der Kern der bästen Helden

War noch nicht angetast. Es war noch nicht gethan.

Gustavus sahe das mit trüben Augen an

und ruffte so zu GOtt mit tief-gebeugten Knyen:

Sol dann O HErr dein Volck vor deinen Feinden fliehen

Gib deinem Namen Ehr’ und Sieg GOtt unser Hort

Wir streiten für dein Volck und für dein heilig Wort

Beweise deine Macht zu deines Nahmens Ehren.

Nach diesem ließ er sich vor seinen Völckern hören:

Jhr Brüder also stehts viel bässer in den Tod

Als in die schnöde Flucht. Es hat hier etwas Noth

Der Feind treibt

Gott hat wol öffter viel durch wenig Volck geschlagen.

Hier ist kein ander Heyl als GOtt und unser Schwerdt

Der seinen König liebt voraus für Kirch und Herd

Zu fechten willens ist der folge meinen Thaten.

Diß Wort kaum außgesagt befiel er die Croaten

und schlug sie in die Flucht daß viel geblieben seyn

Da brachte man die Stück und Fahnen wieder ein.

Diß Sieghafft außgericht entschloß der tapfre Streiter

Samt dem von Arnheimb nun mit aller Macht der Reiter

(dann noch der meiste Theil von Sachsens Reuterey

Dem König standhaft war und ferner alle Treu

Zu leisten hoch versprach ) in seinen Feind zu brächen

Weil anders seine Macht und hohes Hertz zu schwächen

Kein ander Mittel war. Merck aber diß dabey:

Es nahm der kluge Held bey solcher Reuterey

Verdeckt viel Fußvolck mit und nichts dann Musquetirer

Von diesen allen war er selbst der erst’ und Führer

Dem Feind ins Hertz zu gehn. Er kam der Feind hielt

Stand

That große Gegenwehr biß sich der König wand

Halb da halb dort hinaus da giengen die Musqeten

Da waren alle Feind’ in unverhofften Nöthen.

Das erste Glied lag blat das ander auf dem Kny

Das dritte stund gerad und also hatten sie

Des Tylli Reuterey zum fliehen angestrenget

Worauf der König sie gewaltig hat bedränget

umbringet und gewürgt. Mit diesem war die Spitz

Vom Degen abgezwickt. Nun galt es das Geschütz

Auch dieses fiel jhm heim nun sechszehn tausend Seelen

Zu Fuß er siegt auch hier und schickte theils den Hölen

Theils nach den Banden zu. Der sich hat weg gebracht

Der that es einig nur durch Hilff der finstern Nacht

Die endlich dem Gewürg’ ein Ende muste geben

Sonst hätte niemand sich zu Fuße bey dem Leben

Zu halten Zeit gehabt. Auf solches ließ der Held

und große Sieges-Fürst im Blut-gefärbten Feld’

Ein Danck-Fest seinem GOTT als Siegs-Erhaltern hal-

Man sah jhn selber auch die tapfren Hände falten

und mit gebeugtem Kny dem Höchsten danckbar seyn.

Nach solchem lieferte man jhm die Fahnen ein

Gefangene Geschütz und was aus solchem Streiten

Den

Zu sehen lustig macht. Von Fahnen zwölfmal zehn

und dreymal drey darzu. Von Generalen zwen.

Von Fürsten einen und von Grafen weiß ich sieben

Wobey der Feinde fast in achtmal tausend blieben.

Von Stücken fünfmal fünf mit aller Zubehör.

Mit welchem Löuen-Muth und Königlicher Ehr’

In dieser Schlacht den Sieg der König hab’ erfochten

Wird keiner Zeit genug von Weisen eingeflochten.

Des Feindes Macht war groß versucht unabgeschwächt

Von vielen Siegen keck und hatte zum Gefecht’

Ein vorthelhafftig Ort auch Zeit sich zu beschicken

Des Königs aber war entblöst von bästen Stücken

Vom Reisen abgematt darzu denselben Tag

Gantz nüchtern blieb es auch biß daß der große Schlag

Sein Ende hatt’ erreicht. Der König selbst im gleichen

Der auch nur einen Trunck von Wasser jhm zu reichen

Sehr oft geruffen hatt. Hier war nur eitel Blut

Seht was ein König nicht üm seine Leuthe thut!

Kein Mensch erzehlts genug wie gleich und in dem Bogen

Viel vieler Kugel Art üm jhn herum geflogen

Darüber er sich doch nicht einmal hatt’ entsetzt

und blieb auch wie man weiß hier gäntzlich unverletzt

Da er doch weder Helm noch einen Harnisch führte

Wobey man seinen Muht als eines Löuen spürte.

Was nenn’ ich jhn allein der ungeharnischt war

Es war es ins gemein auch seine gantze Schaar.

Dargegen war der Feind vom Häupte zu den Füssen

In Eisen eingepackt. Hierbey ist auch zu wissen

Daß eben diesen Tag an dem diß Blutbald war

Das arme Basewalck im abgewichnem Jahr

Erschrecklich leyden must’ es ist nicht außzusprächen

Wie man gehauset hat mit Weib- und Kinder schwächen

Mit Morden und mit Brand. Hier siht man GOttes

Rach

Kommt sie gleich langsam an so bleibt sie doch nicht nach.