Des Frauenzimmers Antwort an die Ehrbarkeit.

By Johann Georg Gressel

Wir lachen Ehrbarkeit ob deinen Kinder Sprechen

Und sehen daß du jetzt nicht mehr bey Sinnen bist.

Du kanst die Satzung nicht der süssen Wollust brechen

Die alles Frauen-Volck ohn eintzigs weigern küßt:

Was solte unser Leib in solchen Kleidern gehen

Davon der Teuffel nicht zu

Was wollen wir einmahl das Alterthum besehen?

So wird der nackte Leib erhalten Palm und Preiß.

Drum gehe nur hinweg mit deiner Otter-Mütze

Wir brauchen nicht den Rock der unsern Pracht verdeckt

Der Schleyr und Kragen wird uns jetzo nichts mehr nütze

Noch das geschloßne Wamst so fast das Maul versteckt.

Es ändert sich die Welt und diese setzt die Kleider

Die wir ihr Eigenthum zu unsern Schmuck anziehn:

Wir brauchen dich nicht mehr zu einen

Die Wollust will sich nur anjetzt damit bemühn.

Wir mögen nun nicht mehr so wie die Alten gehen

Da uns die junge Welt stets frische Moden giebt

Uns würde ja kein Mensch in solcher Tracht ansehen

Nun alles sich verneut und neue Moden liebt.

Wir sind ein freyes Volck und leben nicht gebunden

Wir haben deine Macht schon längsten abgethan.

Wie daß du den so keck dich wieder eingefunden?

Wie daß dein scharffer Mund greifft unser Mittel an?

Wer achtet dein Gesetz dein Gifft der frohen Zeiten

Jetzt kahle Ehrbarkeit von deinen Kleidern mehr?

Die Wollust lässet uns den Kleider-Schmuck bereiten

Jhr klug-verschlagnes Haupt ist nie von Moden leer.

Hingegen muß man stets nach einer Pfeiffen tantzen

Wenn man die Kleider noch dir zu Gefallen macht

Da muß die freye Brust sich lassen vest verschantzen

So daß kein Auge sieht der Liebes-Ballen-Pracht.

Nun aber legen wir der Wollust reiche Waare

Als ein

Sie braucht die blosse Brust zu einen Lust-Altare

Wer ist der ihrer Macht wol wiederstehen kan.

So macht die Blösse uns im minsten nicht verachtet

Wie deine Albernheit aus grosser Einfalt spricht

Nein sondern unser Schatz wird als ein Schatz betrachtet

Worauf ein jedes Hertz den heissen Wunsch gericht.

Daß aber du uns gar den Barbarn nach wilt setzen

Das sehn wir als ein Werck von grosser Dummheit an.

Es mag die Ehrbarkeit an denen sich ergetzen

Da man das Heiligthum des Schoosses schauen kan.

Wir machen nur die Brust und nicht des Schoosses Hallen

Einfältge Ehrbarkeit du tummes Weibgen bloß

Und doch will dir die Art der Wilden mehr gefallen

Da man den Augen zeigt durch seinen Gang den Schooß.

Des aber lachen wir als groß’

Ob würde unsre Brust durch ihre Blöß verletzt

Verachtung kan uns nicht mit ihrem Stachel tödten

Der Brüste theurer Stoff so Aug’ als Hertz’ ergetzt.

Die Waaren so man kan am allerersten lassen

Die setzt man vor den Kram sie zu ersehen aus

Das andre aber muß in seinem Packen passen

Darum der Käuffer nicht geht in des Kramers Haus.

Und o betrognes Weib man kan die Pracht erhalten

Der Brust so man entblößt als

Es muß das schöne Gut nicht vor der Zeit veralten

Die Kunst ersetzet das was Sturm und Wind einreißt.

Und dieses lehret uns der uns gefälge Schreiber

Der allen Damen lieb und werth geachtet wird

Er zeiget wie man schmückt die schon

Und wie noch größre Pracht durch Kunst wird beygeführt.

Und will ein Ehren-Dieb schon seine Feder wetzen

So bleibt dis unser Spruch: Ein Thor nicht schelten kan

Und hat ein müß’ ger Kautz sonst nichtes nicht zu hetzen

So fängst er mit der Brust des Frauen-Zimmers an.

So dann muß dieser Ort ein über groß Gerüste

Der bösen Lüste seyn und was der Possen mehr

Uns aber ziert dennoch der Pracht der schönen Brüste

Und sie erlangen nicht die sehr begehrte Ehr.

Allein zu unsern Ruhm muß

Wenn schon einander gleich vor ihn die Feder führt

Und viele andre mehr die unbenennet bleiben

Weil deren reiner

Nun albre Ehrbarkeit wir lachen zu den Dräuen

Wird gleich ein grosser Zoll auf unsre Waar gelegt

Wir werden uns doch nicht sie auszulegen scheuen

Weil nach dem theuresten der beste Käuffer frägt.

Allein wir leben nicht in solchen wilden Jahren

Da man der Wollust-Frucht mit Zins und Zolle drückt;

Die Fürsten lieben selbst die angenehmen Waaren

Damit das Frauen-Volck den weissen Busen schmückt.

Wir geben dir

So wie die neue Welt und ihre

Doch wissen wir auch wol daß man vor Mannes-Lüste

So Schrancken setzen muß als Gräntze Maaß und Ziel.