Des Menschen verklärter Leib Betrachter bey Beerdigung Hn. C. S. v. S. den 21. M...
Jsts möglich daß noch was kan aus der Ascheblühen
Daß die Verwesung auch erlauchte Früchte trägt?
Daß wenn nun unsren Leib Wust Schimmel über-
Er dennoch dermaleinst mit Klarheit wird belegt?
Soll der erstarrte Leib die abgefleischten Knochen
Das schlotternde Gebein von neuem aufferstehn?
Soll ein solch irrdisch Haus das itzt wird abgebrochen
An Pracht und Herrligkeit den Sternen gleiche gehn?
Das itzt gefrorne Blut von neuen Geistern brennen
Die eingeschrumpfne Haut voll Schmuck und Zierath seyn?
Das Auge so nichts siht GOtt mehr als vor erkennen?
Ach! das geht der Vernunfft wie bittre Myrrhen ein.
So fällt des Heydenthums und vieler Alten Weisen
Von Auff- und Niedergang gesuchter Glaubens-Grund.
Sie fragten nicht darnach ob die von hinnen reisen
Hatt’ eine Gluth verzehrt Fisch Vogel oder Hund.
Es hieß ein Ganckelspiel die Leiber zu begraben
Und einem todten Aaß ein Denckmahl auffzubaun.
Uns aber die wir nun das Licht der Warheit haben
Gebührt auff andre Maß die Todten anzuschaun.
Es laß’ ein Stoicus den Himmel sich bedecken
Und gebe seinen Leib zum Opffer Glut und Flut.
Nein diese Handvoll Staub wird
Der uns zu erst geschenckt Geist Leben Fleisch und Blut.
Und die Unsterbligkeit scheint uns fast angebohren
Die Seele wil doch stets dem Leib als Bruder wol.
Daß wenn sie durch den Tod sich gleich von ihm verlohren
Er doch in seinem Grab geruhig schlaffen sol.
Mehr stellet die Natur in Pflantzen Blumen Kräutern
Der Unverweßligkeit lebhaffte Bilder für:
Es kan des Künstlers Hand so ihren Saamen läutern
Daß sie ein zartes Feur gewehrt in eigner Zier.
Der Baum den man gesehn bey Frost und Schnee ersterben
Zieht sein Schmaragden Kleid im Frühling wieder an.
Und Flora wird im May so ihre Tulpen färben
Daß auch kein Edelstein nicht schöner funckeln kan.
Muß nicht das Weitzen-Korn im Acker erst verwesen
Biß daß es seine Frucht uns hundertfältig giebt?
Die Trauben bester Art so wir vom Weinstock lesen
Hat Hagel Frost und Wind im Wachsthumb oft betrübt.
So mag sich nun umbsonst der Heyden Weißheit kräncken
Es forscht doch nicht ihr Witz deß Höchsten Allmacht auß.
Wir wissen daß der Leib den wir ins Grab versencken
Der Geister Anffenthalt der Seelen irrdisch Haus
Nach der Verwesung wird in neuem Glantz erscheinen
Ja unser Asch und Staub belebet Gottes Geist:
Es steckt was Ewiges in dürren Todten-Beinen
So bald deß Schöpffers Mund sie auferstehen heist.
Wer wolte nun den Rest der abgelegten Glieder
Der allgemeinen Schoß der Erden nicht vertraun?
Man giebt der Mutter nur ihr Eingeweide wieder
Und lässet Thränen da als nasse Zeugen schaun.
Jedoch es fragt sich noch ob diese zu beklagen
Die ein gewünschter Tod macht Sorg’ und Kummer frey?
Ob wir nicht über uns mehr Jammer sollentragen
Daß unsrer Wanderschafft noch nicht ein Ende sey!
Denn jede Stunde trägt doch was von uns zu Grabe
Jedweder Augenblick hat uns was abgezehrt
Den wir ein Kind gesehn wird gar geschwind ein Knabe
Und dieser hat hernach in Jüngliug sich verkehrt
Der kommt zum Alterthumb und sihet sich begrauet
Eh’ er sich jung und srisch hat sattsam angesehn.
Sein gantzes Lebens-Ziel auff das er hat gebauet
Ist wie ein Hauffen Sand den Wind und Zeit verwehn.
Kein Wasser stürtzt so schnell die auffgeschäumten Wellen
Wenn der erboste Strom die Ufer überfleust:
Kein Pfeil wird so behend das Feld der Lufft durchschnellen
Als sich der Jahre Flucht auß unsern Händen reist.
Da jaget uns der Tod schon in sein Garn und Netze
Da hat uns Fleisch und Blut betrüglich auffgestellt.
Hier dienets daß der Mensch sich ein solch Ziel fürsetze
Das zu dem Himmel weist und abführt von der Welt.
Das heisset Zeit und Noth das Leben zu bethränen
Als das mit nichts als Harm und Schmertzen angefüllt
Da heist der Seelen Durst sich nach den Brunnen sehnen
Woraus der Gnaden-Strom der Himmels Freuden quillt.
Es kan
Des Lebens Flüchtigkeit beweglich Beyspiel seyn
Das nicht das Alter nur der grimme Tod bestreiche
Nein er scharrt offt den Kern der grünen Jugend ein.
Wer hätte diß vermeynt daß bey so frischen Tagen
Und Jahren derer Zahl auff viertzig nicht gebracht
Wir unsern
Da ihn im besten Flor das Glück hat angelacht?
Jedoch seiu Christenthum darinnen er gepriesen
Hat diesen Lehr-Spruch ihm schon längst ins Hertz gelegt:
Daß alles Fleisch wie Heu und Blumen auff den Wiesen
Und daß der Mensch bey sich den Tod im Busen trägt.
Daher er nachgefolgt der göldnen Sonnen-Wende
Wie die sich eintzig nur nach ihrer Sonne kehrt;
So hielt
Den Retter aller Welt die Lebens-Sonne wehrt.
Und wie er vor gewohnt bey seinen Handlungs-Reisen
Mit Vorrath auff den Weg sich heilsam zu versehn;
So ließ er sich auch hier das Brod des Lebens speisen
Eh’ als die letzte Noth bey ihm fing an zu drehn.
Nach dem mit diesem Pfand sein Glaube war versiegelt
So kont er wolgemuth den bittern Kampff bestehn
Und zu der Sternen-Burg mit Andacht wie geflügelt
Trotz aller Finsternüß durchs Thal des Todes gehn.
Allein
Der allzufrühe Tod ihr tieff zu Hertzen steigt
Und daß ein solcher Schmertz die Seele kan durch schneiden
Den besten Trost aus schlägt die Geister nieder beugt.
Ich weiß ihr treues Hertz und Auge schwimmt in Zähren
Nun ihres Hauptes Kron und Kleinod fällt dahin.
Nun in den Winter sich ihr Sommer muß verkehren
Und ihre Lilien der Liebe so verblühn.
Nun nichts als Einsamkeit ihr an der Seite lieget
Und was sie vor ergetzt itzt hefftiger betrübt.
Nun jeder Blick und Ort ihr neues Leid zufüget
Bevor wenn sie erwegt wie treu er sie geliebt.
Jedoch
Kan hier des Traurens Ziel der Schmertzen Pflaster seyn
Denn Thränen bringen doch den Todten nicht zurücke
Die Hand so sie itzt schlägt die wird sie auch erfreun.
Was hier verweßlich ist gesäet in die Erden
Muß unverweßlich doch zur Herrligkeit auffstehn
Der Leib so hier verfault sol einst verkläret werden
Und über Sonn und Mond mit seinem Glantze gehn.