Des Menschen verklärter Leib Betrachter bey Beerdigung Hn. C. S. v. S. den 21. M...

By Heinrich Mühlpfort

Jsts möglich daß noch was kan aus der Ascheblühen

Daß die Verwesung auch erlauchte Früchte trägt?

Daß wenn nun unsren Leib Wust Schimmel über-

Er dennoch dermaleinst mit Klarheit wird belegt?

Soll der erstarrte Leib die abgefleischten Knochen

Das schlotternde Gebein von neuem aufferstehn?

Soll ein solch irrdisch Haus das itzt wird abgebrochen

An Pracht und Herrligkeit den Sternen gleiche gehn?

Das itzt gefrorne Blut von neuen Geistern brennen

Die eingeschrumpfne Haut voll Schmuck und Zierath seyn?

Das Auge so nichts siht GOtt mehr als vor erkennen?

Ach! das geht der Vernunfft wie bittre Myrrhen ein.

So fällt des Heydenthums und vieler Alten Weisen

Von Auff- und Niedergang gesuchter Glaubens-Grund.

Sie fragten nicht darnach ob die von hinnen reisen

Hatt’ eine Gluth verzehrt Fisch Vogel oder Hund.

Es hieß ein Ganckelspiel die Leiber zu begraben

Und einem todten Aaß ein Denckmahl auffzubaun.

Uns aber die wir nun das Licht der Warheit haben

Gebührt auff andre Maß die Todten anzuschaun.

Es laß’ ein Stoicus den Himmel sich bedecken

Und gebe seinen Leib zum Opffer Glut und Flut.

Nein diese Handvoll Staub wird

Der uns zu erst geschenckt Geist Leben Fleisch und Blut.

Und die Unsterbligkeit scheint uns fast angebohren

Die Seele wil doch stets dem Leib als Bruder wol.

Daß wenn sie durch den Tod sich gleich von ihm verlohren

Er doch in seinem Grab geruhig schlaffen sol.

Mehr stellet die Natur in Pflantzen Blumen Kräutern

Der Unverweßligkeit lebhaffte Bilder für:

Es kan des Künstlers Hand so ihren Saamen läutern

Daß sie ein zartes Feur gewehrt in eigner Zier.

Der Baum den man gesehn bey Frost und Schnee ersterben

Zieht sein Schmaragden Kleid im Frühling wieder an.

Und Flora wird im May so ihre Tulpen färben

Daß auch kein Edelstein nicht schöner funckeln kan.

Muß nicht das Weitzen-Korn im Acker erst verwesen

Biß daß es seine Frucht uns hundertfältig giebt?

Die Trauben bester Art so wir vom Weinstock lesen

Hat Hagel Frost und Wind im Wachsthumb oft betrübt.

So mag sich nun umbsonst der Heyden Weißheit kräncken

Es forscht doch nicht ihr Witz deß Höchsten Allmacht auß.

Wir wissen daß der Leib den wir ins Grab versencken

Der Geister Anffenthalt der Seelen irrdisch Haus

Nach der Verwesung wird in neuem Glantz erscheinen

Ja unser Asch und Staub belebet Gottes Geist:

Es steckt was Ewiges in dürren Todten-Beinen

So bald deß Schöpffers Mund sie auferstehen heist.

Wer wolte nun den Rest der abgelegten Glieder

Der allgemeinen Schoß der Erden nicht vertraun?

Man giebt der Mutter nur ihr Eingeweide wieder

Und lässet Thränen da als nasse Zeugen schaun.

Jedoch es fragt sich noch ob diese zu beklagen

Die ein gewünschter Tod macht Sorg’ und Kummer frey?

Ob wir nicht über uns mehr Jammer sollentragen

Daß unsrer Wanderschafft noch nicht ein Ende sey!

Denn jede Stunde trägt doch was von uns zu Grabe

Jedweder Augenblick hat uns was abgezehrt

Den wir ein Kind gesehn wird gar geschwind ein Knabe

Und dieser hat hernach in Jüngliug sich verkehrt

Der kommt zum Alterthumb und sihet sich begrauet

Eh’ er sich jung und srisch hat sattsam angesehn.

Sein gantzes Lebens-Ziel auff das er hat gebauet

Ist wie ein Hauffen Sand den Wind und Zeit verwehn.

Kein Wasser stürtzt so schnell die auffgeschäumten Wellen

Wenn der erboste Strom die Ufer überfleust:

Kein Pfeil wird so behend das Feld der Lufft durchschnellen

Als sich der Jahre Flucht auß unsern Händen reist.

Da jaget uns der Tod schon in sein Garn und Netze

Da hat uns Fleisch und Blut betrüglich auffgestellt.

Hier dienets daß der Mensch sich ein solch Ziel fürsetze

Das zu dem Himmel weist und abführt von der Welt.

Das heisset Zeit und Noth das Leben zu bethränen

Als das mit nichts als Harm und Schmertzen angefüllt

Da heist der Seelen Durst sich nach den Brunnen sehnen

Woraus der Gnaden-Strom der Himmels Freuden quillt.

Es kan

Des Lebens Flüchtigkeit beweglich Beyspiel seyn

Das nicht das Alter nur der grimme Tod bestreiche

Nein er scharrt offt den Kern der grünen Jugend ein.

Wer hätte diß vermeynt daß bey so frischen Tagen

Und Jahren derer Zahl auff viertzig nicht gebracht

Wir unsern

Da ihn im besten Flor das Glück hat angelacht?

Jedoch seiu Christenthum darinnen er gepriesen

Hat diesen Lehr-Spruch ihm schon längst ins Hertz gelegt:

Daß alles Fleisch wie Heu und Blumen auff den Wiesen

Und daß der Mensch bey sich den Tod im Busen trägt.

Daher er nachgefolgt der göldnen Sonnen-Wende

Wie die sich eintzig nur nach ihrer Sonne kehrt;

So hielt

Den Retter aller Welt die Lebens-Sonne wehrt.

Und wie er vor gewohnt bey seinen Handlungs-Reisen

Mit Vorrath auff den Weg sich heilsam zu versehn;

So ließ er sich auch hier das Brod des Lebens speisen

Eh’ als die letzte Noth bey ihm fing an zu drehn.

Nach dem mit diesem Pfand sein Glaube war versiegelt

So kont er wolgemuth den bittern Kampff bestehn

Und zu der Sternen-Burg mit Andacht wie geflügelt

Trotz aller Finsternüß durchs Thal des Todes gehn.

Allein

Der allzufrühe Tod ihr tieff zu Hertzen steigt

Und daß ein solcher Schmertz die Seele kan durch schneiden

Den besten Trost aus schlägt die Geister nieder beugt.

Ich weiß ihr treues Hertz und Auge schwimmt in Zähren

Nun ihres Hauptes Kron und Kleinod fällt dahin.

Nun in den Winter sich ihr Sommer muß verkehren

Und ihre Lilien der Liebe so verblühn.

Nun nichts als Einsamkeit ihr an der Seite lieget

Und was sie vor ergetzt itzt hefftiger betrübt.

Nun jeder Blick und Ort ihr neues Leid zufüget

Bevor wenn sie erwegt wie treu er sie geliebt.

Jedoch

Kan hier des Traurens Ziel der Schmertzen Pflaster seyn

Denn Thränen bringen doch den Todten nicht zurücke

Die Hand so sie itzt schlägt die wird sie auch erfreun.

Was hier verweßlich ist gesäet in die Erden

Muß unverweßlich doch zur Herrligkeit auffstehn

Der Leib so hier verfault sol einst verkläret werden

Und über Sonn und Mond mit seinem Glantze gehn.