Des Miranten an sein in die Fremmde Räiß-fertiges Flötlein Ermahnungs-LehreFußno...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Seh' hin nach fremmdem Land
Hell-klingendes Buß-Flötlein
Sey mir ein treues Böttlein
An jeden Sünder-Stand;
Geh' hin mit meinem Gunst
Zur Welt die Sünden voll
Und lehre sie die Kunst
Wie man Buß würcken soll.
Dein hallendes Gethön
Laß aller Orten hören
Und dich gar nicht verstören
Das Momische Gehön:
Nach grossen Höfen lauff
Zu der beglückten Schaar
Spiel' ihnen kläglich auff
Ihr grosse Heyls-Gefahr.
Trag' ihnen lieblich vor
Das Beyspiel der Clorinden
Wie sie aus schwären Sünden
Geschwungen sich empor:
Sag ihnen daß die Freud
Der Welt sey Rosen-Art
An wessen Dorn-Gestäud
Man sich verletze hart.
Biß in die Seel hinein
Durchdringe ihre Ohren
Auff daß sie nicht verlohren
Hingehn zur Höllen Pein;
Sag' ihnen daß die Buß
Ihr einigs Mittel sey
Sich von dem Sünden-Ruß
Und Kaht zu machen frey.
Zum Dantz und Freuden-Spiel
Laß dich bey Leib nicht dingen
Weil in dem eitlen Springen
Offt wird gesündigt viel:
Wie manches reines Hertz
Hat gähling bey dem Dantz
(Wol sicher anderwerts)
Verlohren seinen Glantz.
Das sey absönderlich
Und erstlich dir gebotten
Wann deiner man wird spotten
Daß du nicht rächest dich:
Geselle dich auch nicht
Zu der Poeten-Schaar
Auff daß dir kein Gedicht
Von ihnen wiederfahr'.
Du weißst wohl daß du nur
Ein schlechtes Hirten-Flötlein
(Und gar nicht ein Poetlein)
Einfältig von Natur
Von einem Hirten her
Wessen Poeterey
Nichts als ein Schaafs-Geplär
Und wilde Wald-Schallmey.
Laß' dich mit keinem ein
Mit in die Wett zu spielen
Wilst du kein Unglück fühlen
Und ohne Kummer seyn:
Gedenck' an Marsyas,
Was er durch solche That
Für Ungunst Spott und Haß
Haut-loß erlitten hat.
Und solt' es glücken schon
Must du doch nicht vergessen
Als eigen dir zumessen
Den nur entlehnten Thon:
Du bist von schlechtem Holtz
Und einem dürren Ast
Darumb zu werden stoltz
Du keine Ursach hast.
Du bist ja ein Gemächt
Eines vast immer Krancken
Als wessen Geists-Gedancken
Gar Sinn-loß schwach und schlecht;
Bist nur ein Mißgeburt
Und armes Findel-Kind
Drumb wann man dich anmurrt
So geh' in dich geschwind.
Geh' hin doch nicht allein
GOTT wöll' mit seinem Segen
Auff allen Weg- und Stegen
Dein treuer Gläitsmann seyn:
Geh' hin mit gutem Glück
Und halte dich sein wohl
Kehr' aber nicht zurück
Wie du geschieden hohl.
Wann du wirst treffen an
Noch jemand von Bekandten
Die gegen dem Miranten
Mit Neigung zugethan
So melde meinen Gruß
Und bitte sie für mich
Zu bätten auff daß ich
Mög würcken wahre Buß.