Des Portes

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Nichts was des Himmels Zorn auff unsre Schultern legt

Was unsre Zärtligkeit mit Furcht und Schrecken trägt

Nicht Sorge Leyd und Qual nicht Kummer Angst und Wehe

Nicht Armutt Streit und Haß nicht Brand noch Wassers-Noth

Nicht Hitze Kält und Frost nicht Hunger Mord und Tod

Gleicht sich an Grausamkeit dem schweren Joch der Ehe.

Gesetze welches dient zum Hencker unsrer Lust

Durch dessen rauhen Zwang entsteht in unsrer Brust

Verachtung Eyffer Neyd Verdruß und Widerwillen!

Gefängnis welches Leib und Geist zugleich bestrickt

Gifft welches unsre Rast und Ruh zu Grabe schickt

Das zu vergleichen steht den bitter-süssen Pillen.

Man sagt als Jupiter Prometheus kühne That

Zur Straff in vollem Grimm und Zorn gezogen hat

Als sein verfluchter Leib den Vogeln ward zur Speise

So habe sich noch nicht sein Eyffer abgekühlt;

Damit man nicht wie vor mit seiner Gottheit spielt

Strafft er die arme Welt auff mehr denn eine Weise.

Es wird ein Weib von ihm den Menschen zugeschickt

Der Lieb- und Freundligkeit aus ihren Augen blickt.

Die Alabaster Hand trägt alles Ubels Saamen

Gefüllet in ein Horn Furcht Feindschafft Traurigkeit

Die Sorge samt dem Schmertz das Alter böse Zeit

Und was man auff der Welt hat vor verhasste Nahmen.

Aus ihrer Stirne macht die Venus Helffenbein

Apollo flösset ihr beliebte Reden ein

Ihr Hertze stält Vulcan Mars giebet ihr zur Steuer

Den kühn- und frechen Mutt den man noch heute schaut.

Der Mensch erkieset sie alsbald zu seiner Braut

Wie wird doch ihm und uns die schnöde Wahl so theuer!

Hiervon soll der Tyrann der Ehstand kommen her:

Zu herrschen über uns ist einig sein Begehr

Die Freyheit seinen Feind kan er nicht um sich leiden:

Sein Auge winckt es lacht der Mund uns lockt die Hand

Den der zu nahe traut umfast ein solches Band

Daß ihn der blasse Tod allein davon kan scheiden.

An seiner Seiten hält die Mühsamkeit die Wacht

Der Fleiß die Arbeit giebt auff Thun und Wincken Acht.

An der Trabanten statt pflegt um thn her zu lauffen

Neyd Eyffer nebst der Furcht die unbekannte Pein

(So schätzet sie der Wahn) Actäons Hirsch zu seyn

Die späte Reue sieht man schlüssen diesen Hauffen.

Die blasse Traurigkeit der Zorn verfolgen ihn

Die Liebe wo er herrscht pflegt weiter fort zu ziehn

Die seiner Grausamkeit soll Deck und Larve geben.

Denn sie von langer Zeit zu siegen abgericht

Ihr eigen Ober-Herr kennt kein Gesetze nicht

Läst keinen schnöden Zwang an ihrem Hofe leben.

Der Dichter Schaar erzehlt von Plagen ohne Zahl

Vom Steine Sisyphus und von Ixions Qual

Vom schwartzen Cerberus und von Megärens Schlangen

Und was sie uns noch mehr Erschrecklichs bilden für:

Diß alles geht noch hin: viel schwerer scheinet mir

Zu leiden wen das Joch der Ehe hält gefangen.

In ein Gefängnis seyn versteckt auff Lebens-Zeit

Ertragen tausend Müh und Widerwärtigkeit

Ein greulich Weib bey sich im Hauß und Bette wissen

Sie hütten wo sie schön nachforschen was man sagt

Mit steter Furcht mit Zorn und Sorge seyn geplagt

Ist mehr als Tityus von seinem Geyer büssen.

Ich schweige was uns mehr vor Kummer wird gemacht

So manchen schweren Tag so manche böse Nacht

So manch verdrüßlich Wort und so viel herbe Klagen:

Wer diese zählen will wird eh der Sternen Heer

Die Blumen durch den Mäy den leichten Sand am Meer

Die Aehren durch das Feld in ein Register tragen.

Warum denn brauchen wir Vernunfft und Augen nicht

Zu fliehen diesen Ort wo andern weh geschicht!

Warum denn wollen wir nicht diesen Abgrund meyden?

Selbst unser Untergang gefällt uns allzuwohl

Wir schmieden dieses Schwerdt das uns verletzen soll

Und suchen uns den Fels an dem wir Schiffbruch leiden.

Hielt unsre Augen nicht ein tieffer Schlaff verblendt

Es würde die Gefahr am Hochzeit-Tag erkennt

Und was vor Glück und Lust ins künfftig sey zu hoffen.

Der hellen Fackeln Brand stimmt unserm Brande bey

Der Musicanten Schall die Unruh das Geschrey

Scheint unser künfftig Leyd und Leyden auszuruffen.

Hört Menschen die ihr nicht auff rechtem Wege seyd

Und eilet gleich als blind in schwere Dienstbarkeit

Seht auff das mindste wie und wen ihr sollet nehmen:

Bringt euch ein reiches Weib viel Schätz und Gütter ein

So muß eur Ohre taub die Zunge stumm zu seyn

Das Auge nicht zu sehn sich alsobald bequemen.

Was bildet ihr nicht ein ihr auffgeblasner Geist

Der den verachten Mann bald so bald anders heist

Und täglich daß er ihr nicht werth noch würdig saget?

Was sie gedenckt und thut ist voller Tyranney.

Ein Sclave welchen stets der schweren Geissel Bley

Der harte Prügel treibt ist nicht wie er geplaget.

Bringt sie die Armutt euch zur Steuer in das Hauß

So weichet alle Lust und alle Freude draus

Der nackten Kinder Last die Brodt zu heischen pflegen

Der leeren Kasten Zahl des Mangels Uberfluß

Macht daß man Tag und Nacht in Sorgen leben muß.

Da wo die Armutt ist kömmt alles ungelegen.

Nehmt ihr ein schönes Weib so dencket zuvorhin

Daß Furcht und Sorge nie von eurer Schwelle ziehn

Des Nachbars Blicke kan eur Eyffer nicht verbitten

Ihr stellt ein jeder nach: Wer jeden hindern will

Der richtet wenig aus und unterfängt sich viel

Ein schönes Frauensbild ist sehr beschwert zu hütten.

Nehmt ihr ein häßlich Weib Vergnügen gutte Nacht!

Aus eurem Hauße wird ein Kercker euch gemacht

Kein Sonnenschein wird euch erfreuen oder plagen

Die Thränen sind eur Tranck Betrübnis eure Kost.

Denckt bey euch selber was ihr haben könt vor Lust

Des schönsten Weibes kriegt man satt in dreyen Tagen.

Wen ein vergiffter Pfeil von Amors Bogen trifft

Der brauche nur alsbald das starcke Gegen-Gifft:

Es wird ihm Lieb und Lust in kurtzer Zeit vertreiben.

Hat dein verliebtes Hertz entzündet fremde Zier:

Begehrstu kalt zu seyn? vermähle dich mit ihr.

Kein besser Mittel kan Hippocrates verschreiben.

O Leben welches uns das Leben sauer macht

Tod den der Tod allein kan tödten gutte Nacht!

Zur Rache müsse sich mein ärgster Feind vermählen.

Mein ungezwungner Geist bleibt von dir ungefällt

Die Freyheit gehet mir vor alles in der Welt

Ich will mir eh ein Grab als eine Frau erwählen.