Des Sultans Töchterleinund der Meister der Blumen

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Der Sultan hatt' ein Töchterlein,

Die war früh aufgestanden,

Wohl um zu pflücken die Blümelein

In ihres Vaters Garten.

Da sie die schönen Blümelein

So glänzen sah im Thaue,

Wer mag der Blümlein Meister seyn,

Gedachte die Jungfraue.

Er muß ein großer Meister seyn,

Ein Herr von großen Werthen,

Der da die schönen Blümelein

Läßt wachsen aus der Erden.

Ich hab' ihn tief im Herzen lieb,

O dürft ich ihn anschauen!

Gern ließ ich meines Vaters Reich

Und wollt sein Gärtlein bauen.

Da kam zu ihr um Mitternacht

Ein heller Mann gegangen,

„Thu auf, thu auf, viel schöne Magd,

Mit Lieb bin ich umfangen.“

Und schnell die Magd ihr Bettlein ließ,

Zum Fenster thät sie gehen,

Sah Jesum ihr viel schönes Lieb

So herrlich vor sich stehen.

Sie öffnet ihm voll Freudigkeit,

Sie neigt sich tief zur Erden,

Und bot ihm freundlich gute Zeit,

Mit sittsamen Geberden.

„Woher, woher, o Jüngling schön?

In meines Vaters Reichen

Mag keiner dir zu Seite gehn,

Sich keiner dir vergleichen.“

„Viel schöne Magd, du dachtest mein,

Um dich bin ich gekommen

Aus meines Vaters Königreich,

Ich bin der Meister der Blumen.“

„O Herr, o Herr, wie weit, wie weit

Ists zu des Vaters Garten?

Dort mögt ich wohl in Ewigkeit

Der schönen Blumen warten.“

„Mein Garten liegt in Ewigkeit

Und noch viel tausend Meilen,

Da will ich dir zum Brautgeschmeid

Ein Kränzlein roth ertheilen.“

Da nahm er von dem Finger sein

Ein Ring von Sonnengolde

Und fragt, ob Sultans Töchterlein

Sein Bräutlein werden wollte.

Und da sie ihm die Liebe bot,

Sein Wunden sich ergossen.

„O Lieb, wie ist dein Herz so roth,

Dein Hände tragen Rosen.“

„Mein Herz, das ist um dich so roth,

Für dich trag ich die Rosen,

Ich brach sie dir im Liebestod,

Als ich mein Blut vergossen.

Mein Vater ruft, nun schürz dich Braut,

Ich hab dich längst erfochten.“

Sie hat auf Jesus Lieb vertraut,

Ihr Kränzlein war geflochten.