Des Teutschen Dreyßig-Jährigen Krieges ERSTER THEJL.
Der ungeheure Krieg den Böhäimb hat empö- ret
Der unser Deutsches Reich nechst Böhäimb hat
zerstöret
Also daß es zuletzt’ ein Denckmal oder Schein
Des alten Landes war sol meine Rede seyn.
Hilff mier
Daß meine Rede sich nach dem Verlauffe richte.
Vom Anfang weiß ich nicht weil ich in solchem Jahr’
Als sich der Krieg erhob noch ungebohren war.
und darumb sag’es mier wie ist der Krieg entstanden?
Hör: Als halb Böhäimb fast ein Reich in unsern Landen
Dem Pabste widrig fiel und von der Tyranney
Die das Gewissen zwung begehrte franck und frey
Zu leben (Dann es war den Evangelschen Ständen
In diesem Königreich’ aus Käyser-Rudolffs Händen
Ein Freyheits-Brief
Und Freyheit frey zu seyn den auch Matthiens Krohn
In seinen Würden ließ noch gleichwol waren Leuthe
Die allerhand Verdruß erregten und zum Streite
Den Lärmen blaseten bald kam des Käysers Hand
Mit ernstlichem Befehl die Kirche derer Stand
Auf des Braunauschen Apts Gebiete war zu fällen
und ihren Gottesdienst daselbsten abzuställen
Bald folgte das Gebot den jenen der hierin
Sich widrig sehen ließ gefangen einzuziehn
Diß alles kam ins Werck. Die Evangelsche Stände
Beschwerten sich hierob und baten umb ein Ende
von solcher
Je mehr ihr Gottes dienst bey der Romanschen Schaar
In Schimpf und Last verfiel daher sie sich zusammen
In dem sehr grossen Prag verfügten (Blut und Flammen
Erschienen diesen Tag) die Käyserliche Herrn
(der Käyser selbst war nun von Böhäimb etwas ferrn
und in dem schönen Wien) zu bitten die Beschwerden
Zu lindern eh es noch hiemit möcht’ ärger werden.
Wie aber jeglich Theil bey seiner Meynung blieb
und endlich auch der Zorn die Hand zur Rache trieb )
Ach! sihe da da kam die Zänckerey zum Streiten
Worob man ihrer drey von Käyserlicher Seiten
Als Grafen Slabata und Grafen Marteniz
Nechst ihres innern Rahts Verfassern den Fabriz
Aus hohen Fenstern
Vor Sie zu Päbstisch war da flog zugleich mit ihnen
Diß Feuer in die Welt. Ach! daß uns dessen Macht
Nicht grössern Schaden hett’ in unser Reich gebracht
Als ihnen dieser Sturz. Sie blieben bey dem Leben
uns Deutschen aber hat ihr Fall den Tod gegeben
Wier zappeln nur noch was. Matthias der die Krohn
Von Böhäims Landen trug und auch den Käyser-Thron
Besaß nahm diese That an seinen Lieb- und Treuen
Begangen übel auf. Da war auch kein bereuen.
Es schien in dieser That Jhm viel zu viel gethan
Er sah auch über diß mit trüben Augen an
Wie alles wider Jhn sich in die Waffen machte.
Dann hör: Als dieses Volck den Sachen nach gedachte
Befund es alsobald es würde diese That
Des großen Käysers Hertz als dessen Majestat
Hiemit verletzet war zu Rach und Streit bewegen
Drum nahm es sich in acht und ließ die Drummel regen
Ließ durch den Herrn von Thurn jhm allen Abbruch thun.
Gantz Böhäimb waffnete. Da solcher Aufstand nun
Den Käyser gelten solt ergriff er seine Waffen
und schickte den Tampier den Lärmen ab zu straffen
Er kam mit einem Heer und fiel die Böhmen an
Es wurd jhm aber bald solch Widerstand gethan
Der ihm zum Schaden war. Diß anders anzustellen
Beschrieb man dieses Volck von Böhaimb für Rebellen
Und stärckte den Tampier der dann sein bästes that.
Sie aber fuhren fort verstärckten ihren Stat
Und schrieben hin und her um̃ Hülff an Pfaltz und Sachsen
Und an die Nachbarschafft. Das Feuer solte wachsen
Halb Schlesien fiel zu gantz Mähren folgte nach
Die Lausnitz säumte nicht hier wurd auch
Das Ländlein ob der Enß und mehr die ihr Gewissen
In Glaubens-Handlungen nicht wolten lassen schlüssen.
Nach dem der Held Tampier bey solcher Kriegs Gefahr
Und Mänge grosser Feind allein zu wenig war
Beschrieb man dort und da viel Hilff ihm bey zu stehen
Dann sie bezwungen ihn daß er vor ihnen gehen
Und Böhäimb lassen must. Es wurde Hilff geschickt
Die mit Bucquoyen kam der zimlich wol beglückt
In diesem Handel wur. Dem satzten sie entgegen
Den Grafen Nahmens Ernst von Manßfeld der zum Degen
Und Feld' erzogen schien der Pilßen stürmend nahm
Wodurch in andre Plätz ein grosses Schrecken kam.
Umb dieser Zeiten Lcuff Jm Novembr. war ein Comet zu sehen
Der gantz Europen pflag erschrecklich durch zu gehen
Hatt’ einen langen Schwantz halb-weiß halb-schwartz halb-
Das war nun der Prophet Krieg-Pest- und Hungers-Noth
Und tausend Straffen mehr Europen zu verkünden
Wie es hierauf ergieng das wird sich höre finden.
Matthias ließ
Der
Der wider Böhäimb sich mit allen Kräfften legte
Und also von dem Grund' es wider ihn erregte.
Es war als wie ein Meer je stärcker daß es wäht
Je größer solches sich mit seinen Wellen bläht.
So daß der Graf von Thurn mit seinen blancken Waffen
Sich recht vor Wien begab und gab jhr gnug zu schaffen.
Weil aber Manßfelds Heer durch des Bucquoyen Schlag
Was kranckte zog er ab und schützete das Prag.
Man mahnte Böhaimb starck die Waffen abzulegen
Je mehr des mahnens war je mehr war es entgegen
Dann es den Ferdinand vor Böhäimbs König nicht
Erkennte weniger Gehorsam oder Pflicht
Zu leisten ihm versprach. Weil aber diese Krohne
Nicht Wittbe wolte seyn und weil auch diesem Throne
Viel Wetter droheten als wurde Friederich
Der Churfürst an dem Reyhn nach dem ein andrer sich
Hiervon hatt' abgesagt
Durch welches ersehr bald sein alles hat verlohren.
Er nahm es an und zog sehr prächtig von dem Reyhn
Auf Prag zu seiner Kröhn- ach
Europa wurd hiedurch fast mehr als halb empöret
Und Deutschland wurd hiedurch fast auf den Grund zerstöret.
Damit die grosse Brunst noch größer möchte seyn
So mängte sich in die auch Bethlem Gabor ein
Stund auf den Käyser auf verjagte Mönch uud Pfaffen
Aus Siebenbürgen weg bekriegte durch die Waffen
Viel Plätz’ und brachte sie auch unter seine Macht.
Bald wurde des von Thurn sein Volck ihm zugebracht
Damit er stärcker wurd’ und Lust hätt’ an dir Feinde
Die aller Orten sich durch ihre nahen Freinde
Verstärckten. Dann da war Ertzhertzog Leopold
Der Franck- und Beyer-Fürst und andre die um Sold
Und Freundschafft ihren Dienst dem Käyser angetragen.
Es kam auch bald darauf in Mähren was zum schlagen
Und blieb durch Gabors Hilff dem Böhm die Oberhand.
Es halff nu nichts dafür wie groß der Widerstand
Vom Gegentheile war. Hier saß der Böhm im Lentzen
Und kriegte noch darzu aus vielen Fremden Grentzen
Viel tausend Mann zu Hilff. Ein jeder war daran
Damit das Feuer wuchs. Ach welch ein Feuer kan
Das Land und Leuthe frisst aus einem Füncklein kommen;
Hierauf war widerum ein Zug nach Wien genommen
Doch wiederum umsonst. Hier kam in Bethlems Macht
Preßburg mit samt dem Schloß. Ein jeder war bedacht
Aufs Käysers Schaden sich des Sieges zu bedienen.
Es glichen ihrer viel sich jetzo mit den Bienen
Die schwärmen wann die Sonn auf ihre Stöcke scheint
Der nicht mit Ruh wil seyn der such’ ihm einen Feind.
Als man in
Wiewol ihr Landsmann auch der Bethlem Gabor siegte
That
Den Beyder-Krohnen Herrn und nahm an dessen Stand
Den Bethlem Gabor an. Bey so gestalten Sachen
Must’ unser Käyser sich an diese Fürsten machen
Bey denen Cur und Macht und ein Gehorsam war
Zu suchen daß man doch die mächtige Gefahr
Zu wenden neben ihm fich in die Waffen machte
Worauf Cur-Sachsen sich bald in den Harnisch brachte
und erster Beystand war Er fiel der Laußnitz ein.
Es kam auch dieser Zeit ein Spannjer an den Reyhn
Mit Nahmen Spinola der hielt des Käysers Seiten
Und marterte die Pfaltz mit brennen und bestreiten
So wurd auch Manßfelds Heer von des Bucquoyen
Schaar
Bey Langeloys geschwächt weil er zu Prage war.
Es wolte nun das Glück der Böhmen fast zerscheitern
und wie ergieng es dort bey Sitzendorff den Reitern
Bey denen der von Felß der Führer war? Er blieb
Und all sein Volck mit ihm durch der Bucquoyer Hieb.
Wiewol es beyderseits viel todte hat gegeben
Und blieb Bucquoy selbst genau alhier bey Leben.
Weil Böhaimbs Feinde sich so stärckten fchickte sich
Denselben Hilff zu thun Printz Henrich Friederich
Vom Hauß
Was aber ihn fo bald zurücke hat bewogen
Ist vielen unbewust. Indessen machte sich
Der
Und that dem Feinde gleich mit rauben und mit brennen.
Auf solches ließ Tampier die Stadt Preßburg berennen
Er selbst fiel an das Schloß der Gabor that Entsatz
Und rettete den Ort Tampier blieb auf dem Platz.
Es machte sich auch nun der Beyer an die Bauern
In Oberösterreich die sich wie Wäll und Mauern
Jhm widersetzeten hier hafftete kein Bley
Hier that die Klinge nichts sie wolten auch so frey
Wie Böhaimb vor dem Papst in jhrem Glauben leben
Und darum sah man sie wie Böhaimb sich erheben
Vnd in den Waffen seyn. Der Bayer fiel sie an
Es wurd ihm aber so ein Widerstand gethan
daß mancher tapfrer Held sein Leben muste lassen.
Hier blieb Ernst Ludwich todt ein Fürst vom Hause Sassen.
Der Beyer rückete Vergelt zu thun vor Lintz
Wo er das Bauer-Heer mit einer gleichen Müntz
Als er vorher empfieng bezahlte. Diß
Bezwung er sie mit Macht den Waffen abzustehen
und unter ihm zu seyn. Nur kurtz vor diesem Streit
Wurd’ auch die
Aus vielen Mächtigen die vor des Keysers Waffen
Jhr und der
Vom Bäyer aufgelöst jedoch gantz ohne Schlag.
So bald nun diese Macht der
Zog er dem Käyser zu. Weil nun die Bauer-Schaaren
Von denen jetzt gedacht ihm in dem Wege waren
So gieng er erst auf sie. Als Käyser Ferdinand
Des Bayers Glück vernahm der durch des Tylli Hand
Viel tapfre Thaten that dan Tylli war im Kriegen
Ein wolerfahrner Held der auch zu vielen Siegen
Ein grosses Glücke hatt’ empfahl er ihm sein Heer
Mit solchem so zu thun dnmit er Sieg und Ehr’
Erwürb und Böhaimb trieb die Waffen zu verlassen
Hergegen ihrer Pflicht sich wieder anzumassen.
Ber Bayer nahm es an und schriebs dem Friederich
Der Böhmen neuen Herrn der dann aufs bäste sich
darwider rüstete der Meynung ob zu siegen,
Wann GOtt nicht selber wil mit deinen Feinden kriegen
So ist dein Werck zu schwach. Dann Er ists der den Krieg
In seinen Händen hat von GOTT kommt Schlag und
Sieg.
Der König Friederich that überall das Seine
und bracht ein grosses Volck zu streiten auf die Beine.
Da war Fürst Christian von Anhalt und sein Printz
Hans Ernst ein tapfrer Fürst der Weymarschen Provintz
Ein Fürst von Jägerndorff darzu die tapfren Streiter
Von Hollach Thurn und Schlick sechstausend leichte
Reiter
Aus
Viel Schlesier und mehr. Graff Manßfeld wo war der?
Der lag mit seiner Macht umb Pilßen starck verwället
Vnd zu des Ortes Schutz aida zu stehn bestället
Weil wie man meynete daran gelegen war.
Mit diesen Obristen und ihrer grossen Schaar.
Zog Feld-Herr Christian von Anhalt vor die Feinde
Die wider Böhaim sich und dieses Reiches Freinde
Starck hatten aufgemacht. Es ist ein Berg bey Prag
Der wegen weissen Sands den Nahmen haben mag
Der weisse Berg auf dem kam
Hier gieng der Jammer an. Man stund auf beyden Seiten
Wie Mauern jeder war mit dieser Meynung da
Vor seines Königs Land zu siegen oder ja
Zu sterben wie ein Held. Die praßlenden Cartaunen
vor derer Donders Macht Lufft Erd und Meer erstaunen
Zerschmetterten bald dem bald jenem Pferd und Mann
Vnd kehrten sie zur Lufft. Man sah es schmertzlich an
Wie dort und da ein Held halb-todt wurd abgezogen
Wie dort ein Fuß und Arm hier Köpf’ und Rümpfe flogen.
Es schaumten Pferd und Mann für Zorn und Siegsbegier
Ein jeder zog den Ruhm und Sieg dem Leben für.
Ein jeder war gesinnt auf langen Kampf zu siegen
Aufs Ende musten doch die Böhmen unten liegen
Dann Käyser Ferdinand hatt eine grosse Macht.
Hier wurden wie man meynt acht tausend umbgebracht
die alle dieses mahl für Böhaimb tapfer stritten.
Daß bey den Käyserschen viel Schadens wurd erlitten
Mag auch wol glaublich sein. Es lag das gantze Feld
Mit Todten voll gestreut worunter auch der Held
Vom Hause Pappenheim mit vielen grossen Wunden
Der jedem todt erschien erbärmlich wurd’ erfunden
Wurd’ aber bald hernach also zu recht gebracht
Daß er viel tausend schlug. Was diese grosse Schlacht
Den guten Böhmen hab’ an Schrecken eingetrieben
Was mehr von solcher kam wird nie genug beschrieben.
Aus diesem Siege gieng das Feuer vollends auf
Vnd nahm von Böhaimb ab nach Deutschland seinen
Lauff.