Deutsches Trochaicum

By Johannes Plavius

Dreymal hat die winterzeit

Das begrünte sommerkleid

Wald vnd gärten abgenommen

Dreymal ist der früling kommen

Dreymal hat die sommerlust

Dreymal hat der frische must

Dreymal dreyen Pierinnen

Frey gelassen jhren sinnen.

Bis das süsse vaterland

Welches weit vnd breit bekant

Vnsern bräutgam hat bewogen

Daß er wieder heim gezogen.

Bald darauff so wurd' er kranck

Jhm war zeit vnd weile lang

Jhm war beyde tranck vnd essen

Gantz zu wieder gantz vergessen.

Auch der schlaff wie süß' er ist

Dem dir ohne sorgen rüstt

War jhm bitter vnd zu wieder

Macht' jhn kräncker macht' jhn müder.

Wenn jhm denn die matte ruh

Zog-die müden augen-zu

Must' er balde vor jhm sehen

Ein gespenste vor jhm stehen

Ein gespenst' ein süsses thier

Ein gespenste daß jhm schier

Hätte durch sein' augen-kertze

Aus gebrennet seel' vnd hertze.

Solche träwme machten gar

Daß er immer kräncker war

Dacht' er dran so kont' er spüren

Daß jhn fror vnd in dem frieren

Fühlt' er innerlichen brand

Vnd was diesem ist verwandt:

Grossen durst vnd grossen schmertzen

Mattigkeit vnd angst im hertzen

Neben häupt-vnd magen-pein.

Was mag diese kranckheit seyn?

Hat des wegen bald befohlen

Daß man doch wolt' eilend holen

Einen doctor oder zween.

Welches also bald geschehn.

Er vermahnet er bat sehre

Daß sie wenn es möglich währe

Jhn zu retten thäten fleiß

Denn jhm wäre trefflich heiß.

Aber wie es pflegt zu gehen

Keiner konte recht ersehen

Was jhm war vnd was für pein

Jhn möcht' angekommen seyn.

Kein Chymist auch nicht Galenus

Kan jhn retten ohne Venus

Weder der Empedocles

Noch der weis' Hippocrates.

Jungfraw braut wenn jhr nur wollet

Wie jhr könnt vnd wie jhr sollet

Kan ewr heller augenschein

Wol herr Freters cure seyn.

Ewrer äuglein Asteriten

Ewrer äuglein Chrysolithen

Ewre rosen-wängelein

Ewr corallen-mündelein

Ewre zierd' vnd ewre jugend

Ewre zucht vnd ewre tugend

Machen wie sie jhn verwundt

Euch vnd jhn gewiss gesundt.

Drumb herr bräutgam ohne sorgen

Wartet nur auff nächsten morgen

Eh noch Phœbus auffgesteht

Eh noch Phœbe schlaffen geht

Eh die göldnen himmel-nothen

Durch des liechtes tages bothen

Werden abgeleschet seyn

Eh noch Phœbus glantz vnd schein

Vnsern Horizont recht zieret

Ist her Freter schon curieret.