Die Absicht GOttes warum er die Blumen erschaffen.

By Johann Justus Ebeling

Als GOtt die Welt erschuf hat seine weise

Macht,

Wie woll die Einfalt gläubt; doch

nichts herfürgebracht

Dabei er nicht zugleich auf ihren

Zwek gesehen:

Wer dieses nur bedenkt, muß es

als wahr gestehen.

Jm Kreaturen Heer, das keiner überzählt

Und was dazu gehört, hat er nichts auserwählt

Dabei nicht sein Verstand, ein Allmachts weises Wollen,

Ein jedes Ding zum Zwek, zum Nutz bestimmen sollen.

Wir leugnen dieses nicht, es scheint auch sonder Streit

Da er die Welt gemacht, hat er die Herrlichkeit

Die seine Hoheit ziert, dem Menschen vorgeleget,

Die am Geschöpfen strahlt und die Vernunft erweget.

Doch wenn man sich zugleich im Reiche der Natur,

Bemüht den Zwek zu sehn an jeder Kreatur

Wornach der Wiz stets forscht; so wird man allzeit

finden,

Daß sich der Menschen Lust und Nutz darin verbinden.

Ein Beispiel leget uns der Blumen bunte Schaar,

Die allenthalben prangt, vor unsern Augen dar.

Man frägt warum die Macht, die über alles gehet,

Der Erden schwarzen Grund mit solchen Schmuk

besäet?

Wer an die Weisheit denkt, die nichts vergeblich thut,

Wer dabei noch erwegt, daß

Der wird mit der Vernunft gar bald begreiflich spüren,

Es soll ihr bunter Schein durchs Aug das Herze

rühren;

Es soll der Farben Pracht, ihr Gold und Silber-

schein

Der Sinnen holde Lust, des Herzens Labsal sein;

Es soll die Lieblichkeit, die aus denselben quillet,

Ein Lebensbalsam sein, wenn er die Lung erfüllet;

Es soll derselben Saft, der in den Blättern stekt,

Wenn ihn die Kunst auspreßt und ihn ein Kranker

lekt

Für Angst und Mattigkeit, für mancherlei Beschwer-

den

Die unsern Körper quäln, ein heilsam Mittel wer-

den.

Daß dies der Weisheit Zwek, des Schöpfers Absicht

sei,

Dazu stimmt jederman mit seiner Meinung bei:

Wie aber solte

Wirft man dagegen ein, für all erschaffen haben?

Wer in der Niedrigkeit, im tiefen Staube sitzt

Und in dem Arbeits Joch bei armen Kummer schwitzt

Der muß das Gartenland, wo andre Blumen

schauen,

Mit Wurzeln, und mit Kohl, Salat und Rüben

bauen

Es weiß von Blumen nichts, dieweil sein kleines

Beet,

Die Nahrung geben muß, die in den Magen geht.

Das hebt den Satz nicht auf, weil man dies bunt

Vergnügen

Auf Wiesen, Berg und Feld sieht vor den Augen liegen.

Der Schauplaz der Natur der seine Herrlichkeit

Auch denen Niedrigen zu ihrer Lust anbeut

Ist allenthalben schön, die Liljen auf den Feldern,

Die in die Saat gemischt, Violen in den Wäl-

dern

Und das Vergis mein nicht, das in den Wiesen prangt,

Die haben gleichen Schmuk mit anderen erlangt;

Die können eben so der Niedern Aug ergözzen,

Als die, die Hohen sich zur Lust in Gärten sezzen.

Erwege dies O! Mensch so siehet dein Gemüt

Des Schöpfers weise Macht und seine milde Güt

Die die bewohnte Welt zum Lusthaus aufgeführet

Und Himmel, Erd und Meer vergnügend ausge-

zieret,

Damit ein jeder Mensch dem Angst und Schwer-

muth drükt

Was ihn ermuntern kann bald hie bald da erblikt,

Und dieses lehrt dich klar, es sei des Schöpfers

Wille

Daß man sein Herze stets mit reiner Lust erfülle

Wer sich die frohe Welt zu einen Kerker macht,

Darin man traurig scheint, wenn alles uns anlacht

Der denkt nicht an den Zwek der vielen Lieblichkeiten,

Und was derselben Schmuk, Geruch und Kraft be-

deuten:

Wer sich darauf besinnt und sieht der Blumen Schein,

Der merket diese Lehr wir sollen frölich sein;

Und ist das Herz vergnügt, so sollen wir auch dienen,

Den Herren der Natur mit muntern Andachtsmie-

nen

Der kennt den Höchsten nicht, der ihn zu ehren sucht

Und mit Trübsinnigkeit auch alle Lust verflucht:

Warum hätt er uns denn zu einen frohen Leben

So viel vergnügendes hier zum Besiz gegeben?

Wer

Die Salomo

Der fliehe künftig hin des Unverstandes Träume,

Als wären in der Welt nichts als verbotne Bäume,

Darauf die Frucht zwar schön und lieblich anzusehn,

Man muste aber stets blindlings vorüber gehn:

Das will der Schöpfer nicht, der da von uns be-

gehret,

Den freudigen Genus des, was er uns bescheret.

Denn alles ist ja gut, wenn man ihn dafür dankt,

Was wir von seiner Huld, als eine Gab erlangt:

Und in der Ordnung braucht, die er uns fürgeschrie-

ben,

So kann man das Geschöpf und auch den Schöpfer

lieben.

Wer in dem irrdischen das unser Herz erquikt,

Des Gebers Gütigkeit empfindet und erblikt,

Und dadurch wird erwekt desselben Herrlichkeiten,

Mit regen Andachts Trieb auf Erden auszubreiten

Der lebet als ein Mensch und übet seine Pflicht,

Wer dieses unterläst übt seine Pflichten nicht

Wer nach Vernunft und Schrift den Höchsten will

verehren,

Der richte sich getrost nach diesen Warheitslehren:

Man schaue nur vergnügt, was uns in dieser Welt,

Jm Reiche der Natur zur Lust ist fürgestellt,

Erwekket denn in uns die frohe Augenweide

Die Lebens Geister auf zu einer muntern Freude:

So stimme man dabei in Lob-Gesängen an,

Was

gethan:

Es wird das Freuden Lied, wenn Hertz und Adern

wallen,

In regen Andachts Trieb dem Schöpfer woll gefallen.

Wend zu der Beßrung an, was dir die Schrift ge-

zeigt;

So hast du deinen Zwek des Lebens woll erreicht;

So wirstdu nach der Zeit in jenen seelgen Auen,

Den, welchen du gegläubt von Angesichte schauen.