Die Absicht GOttes warum er die Blumen erschaffen.
Als GOtt die Welt erschuf hat seine weise
Macht,
Wie woll die Einfalt gläubt; doch
nichts herfürgebracht
Dabei er nicht zugleich auf ihren
Zwek gesehen:
Wer dieses nur bedenkt, muß es
als wahr gestehen.
Jm Kreaturen Heer, das keiner überzählt
Und was dazu gehört, hat er nichts auserwählt
Dabei nicht sein Verstand, ein Allmachts weises Wollen,
Ein jedes Ding zum Zwek, zum Nutz bestimmen sollen.
Wir leugnen dieses nicht, es scheint auch sonder Streit
Da er die Welt gemacht, hat er die Herrlichkeit
Die seine Hoheit ziert, dem Menschen vorgeleget,
Die am Geschöpfen strahlt und die Vernunft erweget.
Doch wenn man sich zugleich im Reiche der Natur,
Bemüht den Zwek zu sehn an jeder Kreatur
Wornach der Wiz stets forscht; so wird man allzeit
finden,
Daß sich der Menschen Lust und Nutz darin verbinden.
Ein Beispiel leget uns der Blumen bunte Schaar,
Die allenthalben prangt, vor unsern Augen dar.
Man frägt warum die Macht, die über alles gehet,
Der Erden schwarzen Grund mit solchen Schmuk
besäet?
Wer an die Weisheit denkt, die nichts vergeblich thut,
Wer dabei noch erwegt, daß
Der wird mit der Vernunft gar bald begreiflich spüren,
Es soll ihr bunter Schein durchs Aug das Herze
rühren;
Es soll der Farben Pracht, ihr Gold und Silber-
schein
Der Sinnen holde Lust, des Herzens Labsal sein;
Es soll die Lieblichkeit, die aus denselben quillet,
Ein Lebensbalsam sein, wenn er die Lung erfüllet;
Es soll derselben Saft, der in den Blättern stekt,
Wenn ihn die Kunst auspreßt und ihn ein Kranker
lekt
Für Angst und Mattigkeit, für mancherlei Beschwer-
den
Die unsern Körper quäln, ein heilsam Mittel wer-
den.
Daß dies der Weisheit Zwek, des Schöpfers Absicht
sei,
Dazu stimmt jederman mit seiner Meinung bei:
Wie aber solte
Wirft man dagegen ein, für all erschaffen haben?
Wer in der Niedrigkeit, im tiefen Staube sitzt
Und in dem Arbeits Joch bei armen Kummer schwitzt
Der muß das Gartenland, wo andre Blumen
schauen,
Mit Wurzeln, und mit Kohl, Salat und Rüben
bauen
Es weiß von Blumen nichts, dieweil sein kleines
Beet,
Die Nahrung geben muß, die in den Magen geht.
Das hebt den Satz nicht auf, weil man dies bunt
Vergnügen
Auf Wiesen, Berg und Feld sieht vor den Augen liegen.
Der Schauplaz der Natur der seine Herrlichkeit
Auch denen Niedrigen zu ihrer Lust anbeut
Ist allenthalben schön, die Liljen auf den Feldern,
Die in die Saat gemischt, Violen in den Wäl-
dern
Und das Vergis mein nicht, das in den Wiesen prangt,
Die haben gleichen Schmuk mit anderen erlangt;
Die können eben so der Niedern Aug ergözzen,
Als die, die Hohen sich zur Lust in Gärten sezzen.
Erwege dies O! Mensch so siehet dein Gemüt
Des Schöpfers weise Macht und seine milde Güt
Die die bewohnte Welt zum Lusthaus aufgeführet
Und Himmel, Erd und Meer vergnügend ausge-
zieret,
Damit ein jeder Mensch dem Angst und Schwer-
muth drükt
Was ihn ermuntern kann bald hie bald da erblikt,
Und dieses lehrt dich klar, es sei des Schöpfers
Wille
Daß man sein Herze stets mit reiner Lust erfülle
Wer sich die frohe Welt zu einen Kerker macht,
Darin man traurig scheint, wenn alles uns anlacht
Der denkt nicht an den Zwek der vielen Lieblichkeiten,
Und was derselben Schmuk, Geruch und Kraft be-
deuten:
Wer sich darauf besinnt und sieht der Blumen Schein,
Der merket diese Lehr wir sollen frölich sein;
Und ist das Herz vergnügt, so sollen wir auch dienen,
Den Herren der Natur mit muntern Andachtsmie-
nen
Der kennt den Höchsten nicht, der ihn zu ehren sucht
Und mit Trübsinnigkeit auch alle Lust verflucht:
Warum hätt er uns denn zu einen frohen Leben
So viel vergnügendes hier zum Besiz gegeben?
Wer
Die Salomo
Der fliehe künftig hin des Unverstandes Träume,
Als wären in der Welt nichts als verbotne Bäume,
Darauf die Frucht zwar schön und lieblich anzusehn,
Man muste aber stets blindlings vorüber gehn:
Das will der Schöpfer nicht, der da von uns be-
gehret,
Den freudigen Genus des, was er uns bescheret.
Denn alles ist ja gut, wenn man ihn dafür dankt,
Was wir von seiner Huld, als eine Gab erlangt:
Und in der Ordnung braucht, die er uns fürgeschrie-
ben,
So kann man das Geschöpf und auch den Schöpfer
lieben.
Wer in dem irrdischen das unser Herz erquikt,
Des Gebers Gütigkeit empfindet und erblikt,
Und dadurch wird erwekt desselben Herrlichkeiten,
Mit regen Andachts Trieb auf Erden auszubreiten
Der lebet als ein Mensch und übet seine Pflicht,
Wer dieses unterläst übt seine Pflichten nicht
Wer nach Vernunft und Schrift den Höchsten will
verehren,
Der richte sich getrost nach diesen Warheitslehren:
Man schaue nur vergnügt, was uns in dieser Welt,
Jm Reiche der Natur zur Lust ist fürgestellt,
Erwekket denn in uns die frohe Augenweide
Die Lebens Geister auf zu einer muntern Freude:
So stimme man dabei in Lob-Gesängen an,
Was
gethan:
Es wird das Freuden Lied, wenn Hertz und Adern
wallen,
In regen Andachts Trieb dem Schöpfer woll gefallen.
Wend zu der Beßrung an, was dir die Schrift ge-
zeigt;
So hast du deinen Zwek des Lebens woll erreicht;
So wirstdu nach der Zeit in jenen seelgen Auen,
Den, welchen du gegläubt von Angesichte schauen.