Die Allmacht, Weisheit und Güte GOttes bey der Einrichtung der vier Jahrzeiten.
Grosser Schöpfer der Natur und
Erhalter aller Dinge,
Laß mich da ich Ehrfurchts voll deiner
Hoheit Ruhm besinge,
An dem Jahres Zeiten sehen, wie du
durch die weise Macht,
Jede Art der Kreaturen uns zur Lust herfürgebracht.
Du hast eine Sonnen Uhr an das Firmament ge-
hefftet,
Die ein Zeiten Zeiger ist, der bisher noch nicht ent-
kräfftet,
Die im abgemeßnen Laufe durch den Thierkreis
richtig geht
Und von ihrer Höhe steiget, und im Neigen sich
erhöht,
Dieses feurig Himmelsrad, das da steigt und wie-
der fället,
Macht, nach dem es brennend steht, und auf un-
sre Fläche prellet
Richtig die vier Jahres Zeiten, deren stete Aende-
rung
Frost und Hitze, Wärm und Kälte, gut und rau-
he Witterung
Nach dem Stand der Sonne bringt. Diese Wit-
terung hingegen,
Bringt uns durch den Wechsel-Lauf mehr als tausend-
fachen Segen.
Was wär unsre Erdenfläche, wenn die Sonn im
höchsten Grad
Jhres Kreises immer stünde? Würde nicht ihr bren-
nend Rad
Durch der heissen Strahlen Schein, unsern Bo-
den so erhitzen,
Daß die Keimen müsten dorrn und wir selbst in
Aengsten schwizzen.
Was wär unser Ball der Erden, wenn dies wär-
mend Lebenslicht
Jmmer in dem Steinbock bliebe? Es wüchs auf
demselben nicht.
Unsre Nahrung würde fehln, wenn nicht die vier
Jahres Zeiten,
Durch die Sonn und Witterung reiffe Früchte zu
bereiten.
Welche Weisheit, Macht und Güte, deinen Nah-
men zu erhöhn,
Kan man nicht o grosser Schöpfer! in den Zeiten
selbsten sehn?
Brich vergnügter
belebest,
Und durch ein erwärmend Ziehn aus der Mutter
Schoosse hebest,
Was der Vater alles Lichtes, darin reichlich aus-
gestreut,
Und nun unsre Augen sehen, da sich die Natur verneut
O! welch unbegreifliches, welch allmächtig weises
Walten,
Hat in der erstorbnen Erd, so viel zarte Frucht er-
halten,
Als jetzt wieder aufgegrünet, da sich Auen, Feld
und Wald
Uns zur Lust und Nutz verjünget in veränderter Ge-
stalt.
Als der stürmisch kalte Nord, mit dem Winter kam
gefahren;
So entblätterte sein Hauch jeden Baum von Schmuk
und Haaren,
Jhre grüne Zierde wurde, dieser kalten Winde Raub,
Und, wie die Verwandlung folgte, gelb und welkend
endlich Staub.
Nunmehr da der dürre Stam, wieder Säffte einge-
sogen,
Hat des Lenzens warmer Strahl Knospen schon her-
vorgezogen,
Grosser Bäume, kleiner Stauden von dem Reif be-
floktes Haupt
Wird mit neu gesprosnen Blättern, wie mit grü-
nen Haar umlaubt.
Und das würkend Allmachtswort, das im Anfang
hies: Es werde
Zeiget sich nun wiederum, an der wüst und leeren
Erde,
Die, nach dem sie bei der Ruhe, durch den Re-
gen satt getränkt
Wie es weislich eingerichtet, neugebohrne Früchte
schenkt.
Erstlich sieht man wie das Gras, da der Schnee hin-
weg geschäumet,
Durch den welk und faulen Moos mit verjüngten
Spitzen keimet;
Wie die durchgeschlagnen Spitzen, als geschlungne
Faden gehn,
Die ein grünes Kunstgewirke, eine samtne Dekke
drehn,
Die der schroffen Erde Grund, als mit sanfften
Polstern zieret,
Worauf die Natur zur Lust manches Frühlings Kind
gebieret.
Welch ein Vorwurf rührt die Sinnen, wenn das
Auge Blumen sieht
Und das
sich zieht;
Wenn das
gel höret
Und die
bescheret;
Wenn das Blut in unsern Adern, frische Lebens
Geister fühlt
Da der Frühling wieder wärmet, was der Win-
ter abgekühlt!
Wer sieht, riechet, hört und schmekt, wer empfin-
det; des Gemüte
Siehet auch riecht hört und schmekt, GOttes Weis-
heit, Macht und Güte.
Nicht alleine das Vergnügen, das der Zeiten Wech-
sel macht,
Sondern auch der grosse Nutze komt hie billig in Be-
tracht,
Gebe uns der Sonnenstrahl, wie im Winter mat-
te Blikke
Ja! so bliebe auch die Frucht, die uns nähret ganz
zurükke,
Bliebe stets die Sonn im Widder, und im Stier
und Zwilling stehn,
Würden wir auf unsrer Fläche zwar beständig Früh-
ling sehn:
Aber die gesäete Frucht, wäre nie zur Reiffe kommen,
Wenn nicht ein viel stärker Brand in der
Zeit entglommen,
Da die Sonn durch Krebs und Löwen, durch die
Jungfrau sich bewegt,
Und gantz senkrecht ihre Strahlen auf die grünen
Früchte trägt.
Hat der angenehme Lentz, zum Vergnügungs vol-
len Leben
Eine bunte Augenlust, Blumen Gras und Kraut
gegeben:
So füllt auch die Jahres Krone, die des Schöp-
fers Güte flicht
Bei dem schwülen Sommertagen unser lüsterndes
Gesicht,
Wenn wir ein gesegnet Feld, wenn wir reich be-
flantzte Auen,
Als des Sommers Herrligkeit in dem kühlen Schat-
ten schauen
Welch ein Anblik süsser Wonne, wenn bei einen
sanften Wehn
Angenehmer Westen Winde, sich die güldnen Hal-
men drehn,
Und mit lispelnden Geräusch, wie bewegte Meeres
Wellen
In dem kräuselnden Gedräng lieblich auf und nie-
der schwellen.
Was vor Vortheil bringt die Mühe der süß sauren
Erndte Zeit
Wenn der Fleis woll zehnfach sammlet, was die
Hofnung ausgestreut;
Wenn der Schnitter Sensenschlag die gereifte Beu-
te findet,
Und mit der beschwitzten Faust drauf die fetten Gar-
ben bindet
Zeigt sich hier der Allmachts Finger, der dem Som-
mer trächtig macht,
Und des Schöpfers Wunder Güte, die auf unser
Woll bedacht;
So entdekken uns dabei, die gesegnet vollen Flu-
ren
Von des Schöpfers Einrichtung auch bemerkte Weis-
heits Spuren.
Er hat unterschiedne Früchte auf dem Feld hervor-
gebracht,
Und sie alle nacheinander, nicht auf einmahl reif
gemacht,
Daß wir mit Bequemlichkeit, ohne daß sie uns
verderben
Unsers Vaters reiche Güt in dem Erndte Monden er-
ben.
Bei des Sommers Brand und Hitze, da die Son-
ne feurig spielt
Schenkt er unsern heissen Gaumen, saftig Obst das
uns abkühlt,
Und den dorren Schlund erfrischt, daß wir bei dem
schwülen Tagen,
Dieses brennend Ungemach, mit versüßter Lust er-
tragen.
Neiget sich die Sonn zur Wage zu dem giftgen Scor-
pion,
Alsdenn bringst du reicher
Segens Lohn;
Weil der Baum die Früchte zollt, die den Kehlen
lieblich schmekket,
Und uns unsers Gebers Güt auch im reiffen Obst
entdekket;
Alsdenn lieferst du die Trauben, diese süsse Nectar
Kost,
Die das Hertze labend wärmet bei des Winters rau-
hen Frost.
Alsdenn träüfelt auch das Oel, daß wir alle Nah-
rungs Gaben
Auf die nahe Winters Zeit, die wir brauchen, reich-
lich haben,
Wenn sie denn bei langen Nächten uns die Woh-
nung finster macht,
Dient uns dies zu unsern Lichte, bis die Sonne
wieder tagt.
Wenn also des Höchsten Hand, unsre Kammern
ausgespikket,
Und der Sonnen Zirkel Lauf in das Steinboks Zei-
chen rükket;
So komt dann der rauhe Winter, der zwar viele
Unlust hegt,
Wenn er unsre Erden Fläche mit dem kalten Schnee
belegt:
Doch bringt er auch manche Lust, wenn man in der
Ruhe sitzet,
Und bei satten Ueberflus, an dem Feuer Heerte
schwizzet;
Wenn man bei erwünschten Rasten, mit dem Sei-
nigen verzehrt,
Was des Sommers milder Segen und der reiche
Herbst beschert.
Unterdessen ruht das Land, das die geile Nahrung
sauget,
Bis der Zeiten Witterung erst zur Saat und Pflü-
gen tauget.
So läuft stets der Zeiten Wechsel, auf des Schöp-
fers Macht geheis,
Bis die Sonne wieder endet ihres Laufes runden
Kreis,
Und denn fängt sie wieder an, bei dem unerschöpf-
ten Brennen,
Bis die Welt und Zeit vergeht ihre Laufbahn durch
zu rennen.
Denke
Wundermacht,
Die die Ordnung eingerichtet, wie die Weisheit aus-
gedacht,
Denk warum das
ten giebet,
Thut ers nicht weil unser Hertz gerne neue Aendrung
liebet?
Wenn des Jahres Einrichtungen ohn Abwechseln ei-
nerlei,
O! so würde jeder seufzen, daß ihm das verdrießlich sei,
Jmmer einerlei zu sehn, gleiche Witterung ertragen
Und sich nährn von gleicher Kost, wären unsre größ-
ten Plagen,
Wenn auch alles noch so schöne, weil uns nichts so
in der Welt
Als das Wechseln vieler Dinge, die uns laben woll
gefällt.
Denke wie kein Theil des Jahrs mit der schnellen
Zeit verflieget
Der nicht unser Aug und Hertz mit gereifter Frucht
vergnüget,
Der nicht unsre Nahrung bringet, da des Höchsten
Güt und Treu,
Bei dem Anbruch jedes Tages so gar alle Morgen neu.
Dennoch sind wir misvergnügt, wie die unzufried-
nen Tohren,
In dem Sommer ists zu heis, in dem Winter wenns
gefroren,
Klagen wir mit kalten Schaudern die gemachte Ord-
nung an
Und beweisen daß die Thorheit auch die Weisheit mei-
stern kan
Tolle Unempfindlichkeit! wenn man nicht dabei be-
denket,
Daß sich des Allweisen Sinn allemahl zum Besten
lenket,
Was er macht ist wollgeordnet in dem Reiche der Na-
tur,
Das beweiset Trotz dem Tadlern! eine jede Kreatur.
Darum wer Vernunft besitzt und der Zeiten Ord-
nung siehet,
Sei auch zu des Schöpfers Ehr um desselben Ruhm
bemühet
Ist kein Tag im gantzen Jahre und kein Punct im
Lauf der Zeit
Dran uns nicht die weise Güte mit geschenkter Lust
erfreut?
So muß auch kein Tag vergehn, dran man nicht
an die Geschenke
An dem Vater alles Lichts, der sie reichlich giebt,
gedenke,
Dran man nicht mit Dank-Begierde auf des Hertzens
Brand-Altar,
Bringe wie es sich gebühret, seine Andachts-Opfer dar.