Die Allmacht, Weisheit und Güte GOttes bey der Einrichtung der vier Jahrzeiten.

By Johann Justus Ebeling

Grosser Schöpfer der Natur und

Erhalter aller Dinge,

Laß mich da ich Ehrfurchts voll deiner

Hoheit Ruhm besinge,

An dem Jahres Zeiten sehen, wie du

durch die weise Macht,

Jede Art der Kreaturen uns zur Lust herfürgebracht.

Du hast eine Sonnen Uhr an das Firmament ge-

hefftet,

Die ein Zeiten Zeiger ist, der bisher noch nicht ent-

kräfftet,

Die im abgemeßnen Laufe durch den Thierkreis

richtig geht

Und von ihrer Höhe steiget, und im Neigen sich

erhöht,

Dieses feurig Himmelsrad, das da steigt und wie-

der fället,

Macht, nach dem es brennend steht, und auf un-

sre Fläche prellet

Richtig die vier Jahres Zeiten, deren stete Aende-

rung

Frost und Hitze, Wärm und Kälte, gut und rau-

he Witterung

Nach dem Stand der Sonne bringt. Diese Wit-

terung hingegen,

Bringt uns durch den Wechsel-Lauf mehr als tausend-

fachen Segen.

Was wär unsre Erdenfläche, wenn die Sonn im

höchsten Grad

Jhres Kreises immer stünde? Würde nicht ihr bren-

nend Rad

Durch der heissen Strahlen Schein, unsern Bo-

den so erhitzen,

Daß die Keimen müsten dorrn und wir selbst in

Aengsten schwizzen.

Was wär unser Ball der Erden, wenn dies wär-

mend Lebenslicht

Jmmer in dem Steinbock bliebe? Es wüchs auf

demselben nicht.

Unsre Nahrung würde fehln, wenn nicht die vier

Jahres Zeiten,

Durch die Sonn und Witterung reiffe Früchte zu

bereiten.

Welche Weisheit, Macht und Güte, deinen Nah-

men zu erhöhn,

Kan man nicht o grosser Schöpfer! in den Zeiten

selbsten sehn?

Brich vergnügter

belebest,

Und durch ein erwärmend Ziehn aus der Mutter

Schoosse hebest,

Was der Vater alles Lichtes, darin reichlich aus-

gestreut,

Und nun unsre Augen sehen, da sich die Natur verneut

O! welch unbegreifliches, welch allmächtig weises

Walten,

Hat in der erstorbnen Erd, so viel zarte Frucht er-

halten,

Als jetzt wieder aufgegrünet, da sich Auen, Feld

und Wald

Uns zur Lust und Nutz verjünget in veränderter Ge-

stalt.

Als der stürmisch kalte Nord, mit dem Winter kam

gefahren;

So entblätterte sein Hauch jeden Baum von Schmuk

und Haaren,

Jhre grüne Zierde wurde, dieser kalten Winde Raub,

Und, wie die Verwandlung folgte, gelb und welkend

endlich Staub.

Nunmehr da der dürre Stam, wieder Säffte einge-

sogen,

Hat des Lenzens warmer Strahl Knospen schon her-

vorgezogen,

Grosser Bäume, kleiner Stauden von dem Reif be-

floktes Haupt

Wird mit neu gesprosnen Blättern, wie mit grü-

nen Haar umlaubt.

Und das würkend Allmachtswort, das im Anfang

hies: Es werde

Zeiget sich nun wiederum, an der wüst und leeren

Erde,

Die, nach dem sie bei der Ruhe, durch den Re-

gen satt getränkt

Wie es weislich eingerichtet, neugebohrne Früchte

schenkt.

Erstlich sieht man wie das Gras, da der Schnee hin-

weg geschäumet,

Durch den welk und faulen Moos mit verjüngten

Spitzen keimet;

Wie die durchgeschlagnen Spitzen, als geschlungne

Faden gehn,

Die ein grünes Kunstgewirke, eine samtne Dekke

drehn,

Die der schroffen Erde Grund, als mit sanfften

Polstern zieret,

Worauf die Natur zur Lust manches Frühlings Kind

gebieret.

Welch ein Vorwurf rührt die Sinnen, wenn das

Auge Blumen sieht

Und das

sich zieht;

Wenn das

gel höret

Und die

bescheret;

Wenn das Blut in unsern Adern, frische Lebens

Geister fühlt

Da der Frühling wieder wärmet, was der Win-

ter abgekühlt!

Wer sieht, riechet, hört und schmekt, wer empfin-

det; des Gemüte

Siehet auch riecht hört und schmekt, GOttes Weis-

heit, Macht und Güte.

Nicht alleine das Vergnügen, das der Zeiten Wech-

sel macht,

Sondern auch der grosse Nutze komt hie billig in Be-

tracht,

Gebe uns der Sonnenstrahl, wie im Winter mat-

te Blikke

Ja! so bliebe auch die Frucht, die uns nähret ganz

zurükke,

Bliebe stets die Sonn im Widder, und im Stier

und Zwilling stehn,

Würden wir auf unsrer Fläche zwar beständig Früh-

ling sehn:

Aber die gesäete Frucht, wäre nie zur Reiffe kommen,

Wenn nicht ein viel stärker Brand in der

Zeit entglommen,

Da die Sonn durch Krebs und Löwen, durch die

Jungfrau sich bewegt,

Und gantz senkrecht ihre Strahlen auf die grünen

Früchte trägt.

Hat der angenehme Lentz, zum Vergnügungs vol-

len Leben

Eine bunte Augenlust, Blumen Gras und Kraut

gegeben:

So füllt auch die Jahres Krone, die des Schöp-

fers Güte flicht

Bei dem schwülen Sommertagen unser lüsterndes

Gesicht,

Wenn wir ein gesegnet Feld, wenn wir reich be-

flantzte Auen,

Als des Sommers Herrligkeit in dem kühlen Schat-

ten schauen

Welch ein Anblik süsser Wonne, wenn bei einen

sanften Wehn

Angenehmer Westen Winde, sich die güldnen Hal-

men drehn,

Und mit lispelnden Geräusch, wie bewegte Meeres

Wellen

In dem kräuselnden Gedräng lieblich auf und nie-

der schwellen.

Was vor Vortheil bringt die Mühe der süß sauren

Erndte Zeit

Wenn der Fleis woll zehnfach sammlet, was die

Hofnung ausgestreut;

Wenn der Schnitter Sensenschlag die gereifte Beu-

te findet,

Und mit der beschwitzten Faust drauf die fetten Gar-

ben bindet

Zeigt sich hier der Allmachts Finger, der dem Som-

mer trächtig macht,

Und des Schöpfers Wunder Güte, die auf unser

Woll bedacht;

So entdekken uns dabei, die gesegnet vollen Flu-

ren

Von des Schöpfers Einrichtung auch bemerkte Weis-

heits Spuren.

Er hat unterschiedne Früchte auf dem Feld hervor-

gebracht,

Und sie alle nacheinander, nicht auf einmahl reif

gemacht,

Daß wir mit Bequemlichkeit, ohne daß sie uns

verderben

Unsers Vaters reiche Güt in dem Erndte Monden er-

ben.

Bei des Sommers Brand und Hitze, da die Son-

ne feurig spielt

Schenkt er unsern heissen Gaumen, saftig Obst das

uns abkühlt,

Und den dorren Schlund erfrischt, daß wir bei dem

schwülen Tagen,

Dieses brennend Ungemach, mit versüßter Lust er-

tragen.

Neiget sich die Sonn zur Wage zu dem giftgen Scor-

pion,

Alsdenn bringst du reicher

Segens Lohn;

Weil der Baum die Früchte zollt, die den Kehlen

lieblich schmekket,

Und uns unsers Gebers Güt auch im reiffen Obst

entdekket;

Alsdenn lieferst du die Trauben, diese süsse Nectar

Kost,

Die das Hertze labend wärmet bei des Winters rau-

hen Frost.

Alsdenn träüfelt auch das Oel, daß wir alle Nah-

rungs Gaben

Auf die nahe Winters Zeit, die wir brauchen, reich-

lich haben,

Wenn sie denn bei langen Nächten uns die Woh-

nung finster macht,

Dient uns dies zu unsern Lichte, bis die Sonne

wieder tagt.

Wenn also des Höchsten Hand, unsre Kammern

ausgespikket,

Und der Sonnen Zirkel Lauf in das Steinboks Zei-

chen rükket;

So komt dann der rauhe Winter, der zwar viele

Unlust hegt,

Wenn er unsre Erden Fläche mit dem kalten Schnee

belegt:

Doch bringt er auch manche Lust, wenn man in der

Ruhe sitzet,

Und bei satten Ueberflus, an dem Feuer Heerte

schwizzet;

Wenn man bei erwünschten Rasten, mit dem Sei-

nigen verzehrt,

Was des Sommers milder Segen und der reiche

Herbst beschert.

Unterdessen ruht das Land, das die geile Nahrung

sauget,

Bis der Zeiten Witterung erst zur Saat und Pflü-

gen tauget.

So läuft stets der Zeiten Wechsel, auf des Schöp-

fers Macht geheis,

Bis die Sonne wieder endet ihres Laufes runden

Kreis,

Und denn fängt sie wieder an, bei dem unerschöpf-

ten Brennen,

Bis die Welt und Zeit vergeht ihre Laufbahn durch

zu rennen.

Denke

Wundermacht,

Die die Ordnung eingerichtet, wie die Weisheit aus-

gedacht,

Denk warum das

ten giebet,

Thut ers nicht weil unser Hertz gerne neue Aendrung

liebet?

Wenn des Jahres Einrichtungen ohn Abwechseln ei-

nerlei,

O! so würde jeder seufzen, daß ihm das verdrießlich sei,

Jmmer einerlei zu sehn, gleiche Witterung ertragen

Und sich nährn von gleicher Kost, wären unsre größ-

ten Plagen,

Wenn auch alles noch so schöne, weil uns nichts so

in der Welt

Als das Wechseln vieler Dinge, die uns laben woll

gefällt.

Denke wie kein Theil des Jahrs mit der schnellen

Zeit verflieget

Der nicht unser Aug und Hertz mit gereifter Frucht

vergnüget,

Der nicht unsre Nahrung bringet, da des Höchsten

Güt und Treu,

Bei dem Anbruch jedes Tages so gar alle Morgen neu.

Dennoch sind wir misvergnügt, wie die unzufried-

nen Tohren,

In dem Sommer ists zu heis, in dem Winter wenns

gefroren,

Klagen wir mit kalten Schaudern die gemachte Ord-

nung an

Und beweisen daß die Thorheit auch die Weisheit mei-

stern kan

Tolle Unempfindlichkeit! wenn man nicht dabei be-

denket,

Daß sich des Allweisen Sinn allemahl zum Besten

lenket,

Was er macht ist wollgeordnet in dem Reiche der Na-

tur,

Das beweiset Trotz dem Tadlern! eine jede Kreatur.

Darum wer Vernunft besitzt und der Zeiten Ord-

nung siehet,

Sei auch zu des Schöpfers Ehr um desselben Ruhm

bemühet

Ist kein Tag im gantzen Jahre und kein Punct im

Lauf der Zeit

Dran uns nicht die weise Güte mit geschenkter Lust

erfreut?

So muß auch kein Tag vergehn, dran man nicht

an die Geschenke

An dem Vater alles Lichts, der sie reichlich giebt,

gedenke,

Dran man nicht mit Dank-Begierde auf des Hertzens

Brand-Altar,

Bringe wie es sich gebühret, seine Andachts-Opfer dar.