Die an dem begräbniß-tage ihres gros- sen Friedrich Wilhelms wehklagende Durch- ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ounerbittliches verhängniß meiner jahre!

Du stiffter meiner noth und dieser todten-bahre!

Vollbringest du nunmehr den allerletzten neid;

Und was noch übrig war an meiner traurigkeit?

Mein Friedrich Wilhelm starb! du hast ihn mir entrissen;

War es dir nicht genug daß ichs erleben müssen?

Hast du sein grab zu sehn mich leider auch bestimmt!

Das wie du lebendig mir ihn gestorben nimmt.

Ach nein! ach nein! zu viel der kläglichen beschwerde!

Zu viel daß zweymahl ich durch ihn zur wittben werde!

Durch seinen tod zuvor und nun durch diesen stein;

Der seiner aschen auch verbeut bey mir zu seyn!

In meiner finsterniß da ich bißher gesessen

Da ohnmacht hertzeleid und angst mich abgefressen

War dieses noch mein trost bey meinem ungemach

Daß es mir meinen todt auff diesen tag versprach.

Glückselig mein geschick wenn du es vollenzogen!

Wenn meine hoffnung nicht mißgünstig mich betrogen;

Die meinen welcken leib zu der verlangten nacht

Zum schatten und geripp zur leiche nicht gemacht!

Ich muß mich in mir selbst der trägen schwachheit schämen

Daß ich nicht starck genug zu tode mich zu grämen

Daß ich vor blossem schmertz nicht leicht ersterben kan;

Nach dem du solchen riß an meiner brust gethan.

Armselge Dorothee! worzu bist du erkohren?

Du weist was Brandenburg doch mehr was du verlohren;

Ein vaters gleicher sohn ersetzt ihm den verlust;

Nur dir stirbt gantz und gar was du deweinen must.

Ich klage nicht die macht die hoheit und das glücke

Daß alles läst mein fürst mit Friedrich mir zurücke.

Ich klage meinen herrn; nicht seinen fürsten-saal;

Nicht das gekrönte haupt; nur bloß mein eh-gemahl.

Mein werthes eh-gemahl des treue mich erlesen;

Der auch so liebreich war als groß er ist gewesen.

Erweget welch ein schatz des Friedrich Wilhelms hertz

Und messet denn darnach der Dorotheen schmertz!

Ach ließ der himmel ihn nur eintzig wieder leben!

Und hatt’ er sonsten nichts als seine gunst zugeben

Wie glücklich würd’ ich seyn auch sonder glantz und thron;

Bey seiner eintzigen geliebtesten person;

Ach hätt’ ich da er ja die welt verlassen wollen

Für ihn; Ist es zu viel? mit ihm erblassen sollen!

So wär ich in der grufft auch seine folgerin;

Wie ich hier ungetrennt von ihm gewesen bin.

Allein der himmel spielt mit meinen heissen zehren

Und will mir meinen wunsch nach keiner art gewähren.

Es scheint er habe mich zu dieser qvaal versehn;

Wohlan! so will ich denn auch recht zu grabe gehn.

Ich will mich aus der welt mit dieser leiche tragen:

Mein leben soll nichts seyn denn ein verlängtes klagen:

Den vurpur werff ich heut zu ihm in dessen grab;

Und sterbe wie er stirbt der gantzen erden ab.

Mein zimmer will ich nun zum todes-tempel machen

In welchem ihn und mich mein jammer soll bewachen.

Wo sein entseelter leib in meinen schmertzen lebt

Und täglich meine pein mich neben ihn begräbt.

Hier soll mein kummer ihn und sein gedächtniß ehren;

Ich klage nicht um trost von iemand zu begehren.

Mich tröstet: daß mein hertz ein stetes leiden frist;

Und es dahin gedenckt wo mein verlangen ist.

Ihr zeugen meiner eh ihr printzen und printzessen

Auch euch muß ich nunmehr bey diesem fall vergessen!

Geburts- und nahmens-tag der zu ergötzen pflag

Du bist nun ümgekehrt mir ein begängniß-tag.

Ich will so offt du kommst nur tod und sterben nennen;

Man soll aus meiner trau’r die reine treu erkennen:

Daß wie ich in der welt nur meinen held geliebt;

Mich auch bey dem verlust nur sein verlust betrübt.

Nun leich und bahre fährt ich werde nachgeführet

Ein königlich gepräng wird um und um gespüret

So Friedrichs frömmigkeit dem grossen vater weyht;

Welch denckmahl aber setzt ihm mein bethräntes leid?

Ihr heiligen gebein die ich allhier begrabe

Ich schwehre: daß ich euch in meinem hertzen habe;

Wo nicht dem cörper nach dennoch nach meinem weh:

Ein lebendiges grab ist eure Dorothee.