Die angenehme Morgenröthe Und das Vergnügen beim Aufgang der Sonne.
Der Morgenröthe schimmernd Pran- gen
Verkündiget des Tages Licht,
Da sie mit ihren Rosenwangen,
Durch Nacht und Schatten freu-
Sie öfnet ihre güldne Thoren;
Dadurch der Tag wird neu ge-
Und wirft den aufgeglomnen Strahl,
Der in den dunklen Luftkreis schwimmet,
Jm weis und rothen Farben glimmet,
Aus einen tieffen Abgrunds-Thal.
Sie dehnet ihre hellen Flügel,
Und schwingt sich immer höher auf,
Bis sie der Erden hohe Hügel
Bestrahlt in ihren frühen Lauf.
O! was vor angenehmes Glänzen,
Der Berge Gipfel sind mit Kränzen,
Von Purpurrosen überstreut,
Bald scheints, als wenn von ihren Spizzen,
Die funkelnden Rubinen blizzen,
O! höchstvergnügte Morgenzeit.
Der Aufgang der gestrahlten Röthe,
Erhebt sich bis ins feuchte Feld,
Wo sie der Aekker Kunsttapete,
Die die Natur gewirkt, erhellt.
Die bleichen Farben von dem Lichte,
Falln wie ein Silber ins Gesichte;
Wenn in den tieffen Thal und Au,
Das Licht die Finsternis verdrenget,
Sich in die dunklen Schatten menget,
Entsteht ein demmricht klares Grau.
Der Nächte Flor wird weggezogen,
Je höher das entglomne Licht,
An den verklärten Himmelsbogen,
Erhebt sein feurigs Angesicht.
Die Schleier, die den Wald verstekket,
Und ihren grünen Kranz bedekket,
Die werden nunmehr abgethan,
Und was mit grünen Schmuk gebildet,
Sieht man am Morgen wie vergüldet,
In Strahlenreicher Wonne an.
O! welch ein überirdisch Glimmen,
Der Flüsse nasses Element,
Sieht man in regen Lustfeur schwimmen,
Als wie ein fliessend Gold das brennt:
Daß, wenn sich in bewegten Flächen,
Der Morgenröthe Strahlen brechen,
Mit tausendfachen Farben strahlt,
Und des verjüngten Lichtes Bronnen,
Das Bild der aufgegangnen Sonnen,
In einen Fluthen Spiegel mahlt.
Auf Bürger der entschlafnen Erde,
Jezt könnt ihr mit Vergnügen sehn;
Was durch das Allmachts-Wort: Es werde
Jm Anfang aller Ding geschehn,
Da aus den trüben Finsternissen,
Das Licht sich offenbahren müssen.
Seht! wie der GOttheit feurig Bild,
Die Schatten nach den Westen jaget,
Des Tages frohe Post ansaget,
Da es von Osten aufwerts quillt.
Verlaßt doch die gedrükten Pfüle,
Da eure Leiber gnug erquikt:
Und seht die frohen Wunderspiele,
Die man in der Natur erblikt.
Verkläret die geschloßnen Augen,
Damit sie recht zu sehen taugen,
Wie lieblich das bestirnnte Zelt,
Daraus wenn Nacht und Schatten fliegen,
Zu
Sich zeigt das Auge dieser Welt.
Wohlan! der Schlaf ist weggentischet,
Drum strekt des Geistes Kräfte an,
Der matte Leib ist nun erfrischet;
Drum preist den GOtt der es gethan.
Gebrauchet die erblikten Wunder,
Entflammet doch den Andachtszunder,
In eurer
Bemerkt die Strahlenreiche Wonne,
Erblikt darin der Sonnen Sonne,
Das ist die beste Sommer-Lust.
O! merket mit erwachten Sinnen,
Auf die belebte Munterkeit,
Die von den blauen Himmels-Zinnen,
In heitren Glanz wird ausgestreut.
Seht wie die Felder, wie die Auen
Von Seegens-vollen Balsam thauen
Wie? ist nicht alles Wunderschön
Ein jedes Tröpfgen dieser Nässe,
Läst uns der Sonnen Wundergrösse,
In seinen kleinen Spiegel sehn.
Jhr sehet an den Grases Spizzen,
An Blumen, Laub, den Perlen-Thau,
Und daraus solche Strahlen blizzen,
Die grünlich roth, bald gelblich blau.
O! welche kleine Wundersonnen
Entstehn aus Tropfen die geronnen,
In einer sanft und kühlen Nacht,
Denkt dabei nach, in dem Gemühte,
Wie uns des Höchsten Vater-Güte
Die sich in allen zeigt, anlacht.
Die frischen ausgehauchten Düfte,
Die aus den feuchten Kräutern gehn,
Die als ein Rauchwerk in die Lüfte,
Und wie ein Lebens-Balsam wehn,
Die geben durch ihr lieblich Blasen,
Der Lunge Kraft und Luft der Nasen
Die ihren süssen Auswurf schmekt;
Es scheint als wenn die Sonnenstrahlen
Auf Feld und Wiesen Räucherschaalen
Mit Weirauch, in den Brand gestekt.
Dies deucht mir kann uns dieses lehren,
Es bringe jede Kreatur
Ein lieblich Opfer dem zu Ehren,
Der HErr, im Reiche der Natur.
Wir fühlen ihr erfrischtes Hauchen,
Wir sehn sie als Altäre rauchen,
Ach möchten wir uns auch bemühn;
Der Andacht heilge Räucherkerzen,
In unsern
Zum Dienst des Schöpfers anzuglühn.
Wir sehen die Natur in Flammen,
Wenns Morgenlicht den Tag anfacht:
Ach! würde auch von uns zusammen,
Die Sommerszeit so hingebracht,
Daß wir von Himmelsstrahl gerühret,
Stets dächten: Mensch auch dir gebühret
In heisser Andacht den zu ehrn,
Von dessen unsichtbahren Wesen
Wir allenthalben Wunder lesen,
Empfinden, merken, schmekken, hörn.
Hört, wie der Vögel muntres Singen,
Durch ihren hellen Wunderklang.
Euch treibt ein Danklied dem zu bringen,
Den man in frohen Lobgesang,
Mit Herz und Munde muß verehren.
Jhr freudig zwitschern kan uns lehren,
Wie GOtt die Kreatur erfreut
Der durch den güldnen Strahl von Morgen,
Die Schrekgespenster schwarzer Sorgen,
Mit ihrer trüben Nacht zerstreut.