Die Arche Noäh

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Das Essen, nicht das Trinken,

Bracht' uns um's Paradies.

Was Adam einst verloren

Durch seinen argen Biß,

Das giebt der Wein uns wieder,

Der Wein und frohe Lieder.

Und als die Welt auf's Neue

In Bauches Lust versank,

Und in der Sünde Fluthen

Die Kreatur ertrank,

Blieb Noah doch am Leben,

Der Pflanzer edler Reben.

Er floh mit Weib und Kindern

Wohl in sein größtes Faß,

Das schwamm hoch auf den Fluthen,

Und Keiner wurde naß.

So hat der Wein die Frommen

Dem Wassertod entnommen.

Und als die Fluth zerronnen,

Da blieb das runde Haus

Auf einem Berge sitzen,

Und alle stiegen aus,

Begrüßten froh das Leben,

Und pflanzten neue Reben.

Das Faß blieb auf dem Berge

Zum Angedenken stehn:

Zu Heidelberg am Neckar

Könnt ihr es selber sehn.

Nun wißt ihr, wer die Reben

Am Rhein uns hat gegeben.

Und will noch Einer wagen,

Den heil'gen Wein zu schmähn,

Der soll in Wasserfluthen

Erbärmlich untergehn!

Stoßt an und singt, ihr Brüder:

Der Wein und frohe Lieder!