Die Au

By Theodor Däubler

Written 1900-01-01 - 1900-01-01

Die Apfelbäume blühen sanft wie Wangen:

Im Winde lachen Knaben vom Geäst;

Die kleinen Nackten suchen laut ein Nest

Und legen Eilein unters Blütenprangen.

Behutsam gleicht, ihr Zweige, dem Verlangen

Nach Blättersamt ums Blumen-Seidenfest;

Ihr winkt, an euch in zarter Pracht gepreßt,

Den Bäumchenherzlein in ergrüntem Bangen.

Bei schweigender Zypresse kennt das Kommen

Erhorchter Tochter Demeter und lauscht

Dem Pochen ihres Herzens froh-beklommen:

Oh, wenn sich Laub aus tausend Ästen bauscht!

Das goldne Knospenklimmen bleib verglommen,

Am Blau hat sich die laue Au berauscht!