Die Auffopfferung der Kinder von Christlichen Eltern Bey Beerdigung Hn. J. H. S....
Es mag das Heydenthum mit seinem Moloch huren
Und in dem Aschen-Thal durchs Feur die Kinder ziehn
Ja es geh ferner auch auf den verfluchten Spuren
Daß Sohn und Tochter muß in seinen Händen glühn.
Es hatte sieben Thor und Häuser ihm bereitet;
Ins erste wurde nur der Semmel-Teig gelegt
Die Turtel-Taube drauff ins andre Thor geleitet
Ins dritte denn ein Schaaf so nichts als Sanfftmuth hegt.
Der Wider ist darzu nebst Kalb’ und Ochse kommen
Damit die sechste Zahl deß Opffers ward erfüllt.
Jetzt aber muß mein Mund auß Eyfersucht verstummen
Weil bey dem siebenden nichts als ein Mensch nur gilt.
Verdammter Aberwitz mehr als verteuffelt rasen!
Und solche Grausamkeit die kein Exempel hat.
Man schlug darbey die Pauck’ und ließ die Tromm’ten blasen
Damit das Winseln nicht bey Eltern finde stat.
Und ist es möglich nur daß da wir sonst empfinden
Was unser Fleisch und Blut am wenigsten berührt
Die Eltern musten so im Götzen-Dienst verblinden
Daß sie hier keine Lieb noch Schuldigkeit gespürt.
Diß hieß ein Würge-Thal wodurch der Höllen Schlange
Das Opffer Jephta war zu bilden höchst bemüht;
Alle ine welchem Christ’ wird hier nicht hertzlich bange
Wenn er die Hurerey deß schnöden Volcks ansiht.
Der Moloch der verschlang die Kinder in den Rachen
Da unser Heyland sie heisst in den Himmel gehn
Will ihnen Thor und Thür als Bruder selbst auffmachen
Und läst sie neben sich an seiner Seiten stehn.
Sie sollen auch das Reich der Herrligkeit besitzen
Vor Klugen so die Welt in höchster Demuth ehrt.
Jhr’ Einfalt soll vielmehr als eitle Weißheit nützen
Weil selbte meistentheils den Grund der Andacht stört.
Doch kommet Eltern zu daß ihres Blutes Trauben
Die Blumen des Geschlechts die Sprießlinge der Art
Nach dem sie einverleibt der Kirche wahrem Glauben
Bedencken wie man sie für allem Fall bewahrt.
Und in der Opfferung dem Höchsten eintzig giebet
Zu dessen Ehr und Ruhm ihr gantzes Leben führt
Denn wie er alle Welt von Anbegin geliebet
So wird auch seine Lieb in Kindern klar gespürt.
Sie sollen nicht allhier dem schnöden Baal dienen
Nicht Heck und Dornen seyn im Auffwachs erster Zucht
Sie müssen Rosen gleich in JESUS Händen grünen
Mit seinem Blut bespritzt deß Paradieses Frucht.
Es brandte Molochs Glut die Kinder zu der Aschen
Und diese Reinigung ward über hoch geschätzt
Hier hat sie JESUS selbst von Sünden abgewaschen
Und mit der heil’ gen Flut’ des Wasser-Bads benetzt.
Ach aber wie viel sind die auß des Oelbaums Zweigen
Nur wilde Feigen-Stämm’ und scharffe Disteln ziehn!
Daß wenn sie mit der Zeit an Jahren etwas steigen
Sie selbst vor solchem Strauch und Rangen müssen fliehn!
Die finds so sie verschmitzt und höfflich wollen haben
Damit sie einst der Welt verblenden ihr Gesicht:
Indessen bleibt die Frucht des HErren gantz vergraben
Und wahres Christenthum kommt niemals an das Licht.
Jhr Mund wird JEsum nie doch Spiel und Possen lallen
Die Laster werden eh als Tugenden erkennt
Und dieses wird wol offt den Eltern so gefallen
Daß sie nicht sehn wie schon ihr Kind dem Moloch brennt.
Hingegen derer Sinn der Geist des HErren rühret
Und sie der Eltern Ampt mit Wort und Wercken lehrt
Die werden auch mit Ruhm der Kinder-Zucht gezieret
Und wissen daß sie GOtt durch Kinder gleichfalls ehrt.
Sie nennens ein Geschenck und Gabe von den Händen
Deß der die Welt erbaut und alles hat gemacht
Sie werden wiederumb ihr Hertz’ zu ihnen wenden
Damit ihr junges Hertz sey Selbtem nur gebracht.
Was niemand geben kan und was kein Fürst mag schencken
Was eintzig und allein deß Höchsten Allmacht thut
Ist wenn sie Eltern pflegt mit Kindern zu bedencken
Und läst sie Pflantzen sehn auß ihrem Fleisch und Blut.
Diß können Reben seyn auß einem Stock entsprossen
Der Christus selbsten ist ihr Wachsthum und ihr Heil
Der sie auß Liebes-Brunst nennt seine Mitgenossen
Und von der Ewigkeit versprochen hat ein Theil.
Doch diese wachsen auff nach ihres Gärtners Willen
Theils kommen hoch empor theils brechen zeitlich ab.
Und wenn der Schöpffer will deß Himmels Scheuren füllen
So wird das zärtste Kind getragen in das Grab.
Wie jetzt
Die liebste
Wen solche Wunden nicht vons Hertzens grund betrübten
Dem wär’ es unbewust was Menschen kan geschehn.
Jedoch wenn er bedenckt wie sie vom Himmel kommen
Vom Höchsten ein Geschenck und Segen-reiches Pfand
Und daß sie durch den Tod deß Leibes Qual entnommen
Ja der noch reine Geist den Engeln ist verwand
So wird er sie gewiß ein selig Opffer nennen
Das als ein süß Geruch steigt in das Paradeiß;
Es wird das Vater-Hertz in grosser Liebe brennen
Nun er des Leibes Frucht so wol versorget weiß.
Man legt in Molochs Arm kein Kind nicht sonder schrecken;
Er legt mit Freuden jetzt sein Kind an JESUS Brust
Versichert daß wenn GOtt die Todten auff wird wecken
Die Blume blühen wird voll Herrligkeit und Lust.
Gleich mit deß Mayens Schluß schleust auch die
Deß Lebens
Doch wird sie ewig blühn ein unverwelckte Flore
Wenn hier manch Ungestumm den Himmel trübe macht.
Ich kan
Weil ihm selbst Lehr und Trost wohnt überflüssig bey.
Es wolle GOttes Hand die Wunden so verbinden
Damit er spüren kan wie er noch Vater sey.