Die Auffopfferung der Kinder von Christlichen Eltern Bey Beerdigung Hn. J. H. S....

By Heinrich Mühlpfort

Es mag das Heydenthum mit seinem Moloch huren

Und in dem Aschen-Thal durchs Feur die Kinder ziehn

Ja es geh ferner auch auf den verfluchten Spuren

Daß Sohn und Tochter muß in seinen Händen glühn.

Es hatte sieben Thor und Häuser ihm bereitet;

Ins erste wurde nur der Semmel-Teig gelegt

Die Turtel-Taube drauff ins andre Thor geleitet

Ins dritte denn ein Schaaf so nichts als Sanfftmuth hegt.

Der Wider ist darzu nebst Kalb’ und Ochse kommen

Damit die sechste Zahl deß Opffers ward erfüllt.

Jetzt aber muß mein Mund auß Eyfersucht verstummen

Weil bey dem siebenden nichts als ein Mensch nur gilt.

Verdammter Aberwitz mehr als verteuffelt rasen!

Und solche Grausamkeit die kein Exempel hat.

Man schlug darbey die Pauck’ und ließ die Tromm’ten blasen

Damit das Winseln nicht bey Eltern finde stat.

Und ist es möglich nur daß da wir sonst empfinden

Was unser Fleisch und Blut am wenigsten berührt

Die Eltern musten so im Götzen-Dienst verblinden

Daß sie hier keine Lieb noch Schuldigkeit gespürt.

Diß hieß ein Würge-Thal wodurch der Höllen Schlange

Das Opffer Jephta war zu bilden höchst bemüht;

Alle ine welchem Christ’ wird hier nicht hertzlich bange

Wenn er die Hurerey deß schnöden Volcks ansiht.

Der Moloch der verschlang die Kinder in den Rachen

Da unser Heyland sie heisst in den Himmel gehn

Will ihnen Thor und Thür als Bruder selbst auffmachen

Und läst sie neben sich an seiner Seiten stehn.

Sie sollen auch das Reich der Herrligkeit besitzen

Vor Klugen so die Welt in höchster Demuth ehrt.

Jhr’ Einfalt soll vielmehr als eitle Weißheit nützen

Weil selbte meistentheils den Grund der Andacht stört.

Doch kommet Eltern zu daß ihres Blutes Trauben

Die Blumen des Geschlechts die Sprießlinge der Art

Nach dem sie einverleibt der Kirche wahrem Glauben

Bedencken wie man sie für allem Fall bewahrt.

Und in der Opfferung dem Höchsten eintzig giebet

Zu dessen Ehr und Ruhm ihr gantzes Leben führt

Denn wie er alle Welt von Anbegin geliebet

So wird auch seine Lieb in Kindern klar gespürt.

Sie sollen nicht allhier dem schnöden Baal dienen

Nicht Heck und Dornen seyn im Auffwachs erster Zucht

Sie müssen Rosen gleich in JESUS Händen grünen

Mit seinem Blut bespritzt deß Paradieses Frucht.

Es brandte Molochs Glut die Kinder zu der Aschen

Und diese Reinigung ward über hoch geschätzt

Hier hat sie JESUS selbst von Sünden abgewaschen

Und mit der heil’ gen Flut’ des Wasser-Bads benetzt.

Ach aber wie viel sind die auß des Oelbaums Zweigen

Nur wilde Feigen-Stämm’ und scharffe Disteln ziehn!

Daß wenn sie mit der Zeit an Jahren etwas steigen

Sie selbst vor solchem Strauch und Rangen müssen fliehn!

Die finds so sie verschmitzt und höfflich wollen haben

Damit sie einst der Welt verblenden ihr Gesicht:

Indessen bleibt die Frucht des HErren gantz vergraben

Und wahres Christenthum kommt niemals an das Licht.

Jhr Mund wird JEsum nie doch Spiel und Possen lallen

Die Laster werden eh als Tugenden erkennt

Und dieses wird wol offt den Eltern so gefallen

Daß sie nicht sehn wie schon ihr Kind dem Moloch brennt.

Hingegen derer Sinn der Geist des HErren rühret

Und sie der Eltern Ampt mit Wort und Wercken lehrt

Die werden auch mit Ruhm der Kinder-Zucht gezieret

Und wissen daß sie GOtt durch Kinder gleichfalls ehrt.

Sie nennens ein Geschenck und Gabe von den Händen

Deß der die Welt erbaut und alles hat gemacht

Sie werden wiederumb ihr Hertz’ zu ihnen wenden

Damit ihr junges Hertz sey Selbtem nur gebracht.

Was niemand geben kan und was kein Fürst mag schencken

Was eintzig und allein deß Höchsten Allmacht thut

Ist wenn sie Eltern pflegt mit Kindern zu bedencken

Und läst sie Pflantzen sehn auß ihrem Fleisch und Blut.

Diß können Reben seyn auß einem Stock entsprossen

Der Christus selbsten ist ihr Wachsthum und ihr Heil

Der sie auß Liebes-Brunst nennt seine Mitgenossen

Und von der Ewigkeit versprochen hat ein Theil.

Doch diese wachsen auff nach ihres Gärtners Willen

Theils kommen hoch empor theils brechen zeitlich ab.

Und wenn der Schöpffer will deß Himmels Scheuren füllen

So wird das zärtste Kind getragen in das Grab.

Wie jetzt

Die liebste

Wen solche Wunden nicht vons Hertzens grund betrübten

Dem wär’ es unbewust was Menschen kan geschehn.

Jedoch wenn er bedenckt wie sie vom Himmel kommen

Vom Höchsten ein Geschenck und Segen-reiches Pfand

Und daß sie durch den Tod deß Leibes Qual entnommen

Ja der noch reine Geist den Engeln ist verwand

So wird er sie gewiß ein selig Opffer nennen

Das als ein süß Geruch steigt in das Paradeiß;

Es wird das Vater-Hertz in grosser Liebe brennen

Nun er des Leibes Frucht so wol versorget weiß.

Man legt in Molochs Arm kein Kind nicht sonder schrecken;

Er legt mit Freuden jetzt sein Kind an JESUS Brust

Versichert daß wenn GOtt die Todten auff wird wecken

Die Blume blühen wird voll Herrligkeit und Lust.

Gleich mit deß Mayens Schluß schleust auch die

Deß Lebens

Doch wird sie ewig blühn ein unverwelckte Flore

Wenn hier manch Ungestumm den Himmel trübe macht.

Ich kan

Weil ihm selbst Lehr und Trost wohnt überflüssig bey.

Es wolle GOttes Hand die Wunden so verbinden

Damit er spüren kan wie er noch Vater sey.