Die aufgelebte Welt im Frühlinge.

By Johann Justus Ebeling

Jüngst lag noch die erstorbne Welt,

Mit Schnee und Eis, als todt, be-

decket:

Nun da die Frühlings Sonn das Feld,

Durch ihre Strahlen abgelecket,

Lebt die Natur von neuen auf,

Jhr Todtenkleid hat sich verlohren,

Und wird beym nähern Sonnenlauf,

Gleichsam mit neuer Krafft gebohren.

Die Erde keimt die Frucht hervor,

Die sie im Winter eingesogen,

Und zeigt sich im verjüngten Flor,

Den sie nun wieder angezogen;

Es grünen, Auen, Feld und Wald

Und wirken eine Sonnenhaube,

Für dem, was lebt, zum Aufenthalt

Von Blumen, Saaten, frischen Laube.

Dies merkt der Vögel muntres Heer

Und kömt mit freudigen Gefieder,

Und füllt die Lufft, zu GOttes Ehr,

Mit neuen Lustgesängen wieder:

Ein Theil schwingt sich in warmer Lufft;

Ein anders klammert sich an Zweigen,

Da eins zum andern schwitschernd rufft,

Die Frühlings Zeit, sich anzuzeigen.

Das Fusvolk, das im Thierreich lebt,

Kreucht auch aus den verborgnen Hölen,

Und läuft, da sich die Lufft bewegt,

Gleichfals das Erdreich zu beseelen.

Der laue Frosch erwacht im Teich,

Und quakst, da andre im Gebüschen,

Ob der empfundnen Lust zugleich,

Mit heißrer Kehle murmelnd zischen.

Die Auen sind belebt vom Vieh,

Die aus dem Ställen losgelassen,

Um da mit einer süssen Müh,

Den jungen Grasklee aufzufassen:

Sie finden ihren Tisch gedekt,

Mit aufgekeimter Nahrungsblüthe;

Und werden auch dadurch erwekt,

Zu preisen ihres Schöpfers Güte.

Der Schafe blökendes Geschrey,

Erthönt in aufgegrünten Trifften,

Dem der da alles machet neu,

Gleichsam ein Danklied auch zu stifften.

Das zarte Lam springt hin und her,

Und rupft die Erd, als wen es wüste,

Daß wen der Mutter Eyter leer,

Es diese Mutter nähren müste.

Es frist mit unversuchten Trieb,

Und schmekt die safftig fetten Keimen,

Und scheint darob die Mutter Lieb,

Bey dieser Kost fast zu versäumen:

Und wen es sich den satt gegras’t,

So legt es seine sanfften Glieder,

Bey stiller und vergnügter Rast,

Ins weiche Blumen Bette nieder.

Der Rinder Trifften sind da auch,

So bald die Morgenröth erwachet,

Und durch der Nächte Nebelrauch,

Die schimmernd graue Demmrung machet;

Sie kosten ihren frischen Klee,

Vom Thau beperlt, vom Licht vergüldet,

Und sehen schmatzend in die Höh,

Zu dem, der darin abgebildet

Dem folgt, so bald es heller Tag,

Ein schnatternd kreischendes Gewimmel

Von Gänsen, auf dem Anger nach,

Und lagert da auch sein Getümmel,

Jhr Schnab lsucht den frischen Keim,

So bald sie nur denselben schmecken,

Pflegt sich nach diesen Honigseim,

Nochmehr Begierd und Hals zu strecken.

Sie werden satt bey dieser Lust,

Nach langen emsigen Gewühle,

Es reget sich in ihrer Brust

Ein treibend freudiges Gefühle:

Sie dehnen ihrer Flügel Krafft,

Ausbreitent sich empor zu schwingen,

Als wen sie, dem der alles schafft,

Drauf wolten ein Dankopfer bringen.

Dies sieh O! Mensch, mit Andacht an,

Bey diesen frohen Frühlings Zeiten;

Und laß dein Hertz, das denken kan,

Dadurch zum grossen Schöpfer leiten.

Du siehst hiebey ein schönes Bild

Der Schöpfung, aus dem öden Wesen;

An dem, was aus der Erde quilt.

Kanst du der Allmacht Wirkung lesen.

Die Welt dein Lusthaus ist geziert,

Mit grünen durchgeblümten Decken,

Das was darin dein Auge rührt,

Kan dir die süßste Lust erwecken.

Beschau die blaue Himmels Zinn,

Als deines Lustshaus bunte Bogen,

Und preise den, mit regen Sin,

Der sie so herrlich überzogen.

Die Sonn des Tages güldnes Licht,

Der Silbermond, das Heer der Sterne,

Die rühren gläntzend dein Gesicht

Mit Wundern aus der Näh und Ferne;

Das, was dein Aug entzückend sieht,

Das zeigt, dem forschenden Gemüthe,

Das sich um GOttes Preis bemüht,

Die klärsten Spiegel seiner Güte.

Hör an den froben Lustgesang

Der lieblich ausgedehnten Kehlen;

Und wie mit wollgestimmten Klang,

Die Vögel GOttes Ruhm erzählen:

Vergnügt sich dein gereitztes Ohr,

An diesen holden Musiciren;

So laß auch durch dies Sängerchor,

Dein Saitenspiel des Hertzens rühren.

Es zeigt dir jede Kreatur,

In dem verneuten Allmachtsreiche

Des Schopfers, seiner Grösse Spur,

An Gras, an Blumen und Gesträuche:

O! lerne an derselben Pracht,

Bewundrungs voll recht zu erkennen,

Des Höchsten Güt, und weise Macht

So bist du