Die auflaufende Saat im Herbst.
Nachdem ich von dem Gang im Garten durchs Korn-Feld
einen Weg gezogen,
Jm Herbst, wie eben erst das Feld
Gepflüget war, geegt, besäet und bestellt,
Und ich, nach wenig Tagen nur, durch einen schönen Tag
bewogen,
Auf selbigem spatzieren ging; erblickt’ ich, mit gerührter
Brust,
Zur unverhofften Augen-Lust,
Wie aus des Ackers ebner Flächen,
Von dem schon aufgelaufnen Korn, sich Millionen Spitzen
stechen,
Die theils ein gelbliches, und theils ein röhtlich Grün,
In recht lebend’gen Farben, schmückte, und reichen Segen
schon versprechen.
Der Sonnen lieblichs Licht, so durch die Blätter schien,
Erhoben durch das graue Land, und durch der Furchen
braunen Grund,
In welchen, als in Linien, das junge Korn recht zierlich
stund,
Verschönerte noch mehr, was an sich selbst schon schön,
Durch ihren Farben-reichen Glanz.
Was nahe stund, war einzeln noch zu seh’n,
Wenn das, so weiter lag, bereits ein grünlich Ganz
Dem Blick bemüht schien vorzustellen. Hierüber war ein
bunt-gefärbtes Glas,
Um dieses Mahlwerk der Natur noch desto schöner auszu-
schmücken,
In einem glänzenden Gewebe von bunten Fäden zu
erblicken.
Wovon noch ungewiß, ob Spinnen es gesponnen,
Wie, oder ob es sonst entsteht. Es sind im hellen Strahl
der Sonnen
Des schönen Regen-Bogens Farben, in einem noch vermehr-
tern Schein,
Wie lauter Prismata, zu seh’n. Mit noch vergrössertem
Vergnügen
Sieht man, vor andern, noch die Stellen, die unterm Strahl
der Sonnen liegen,
So hell, so wunderwürdig schimmern, nicht anders, als
wenn auf der Fluht
Der Sonnen Bild, im flachen Strahl, als eine Feuer-
Seule ruht.
Durch ihr beständiges Bewegen
Schien jede Farbe, wandelbar, sich stets im neuen Glanz
zu regen.
Mich nahm, mit ungemeiner Freuden, die wunderwürd’ge
Schönheit ein.
Ich dankte GOtt, Der, auch im Herbst, nicht nur das Feld
so lieblich zieret,
Nein, Der uns auch, in solcher Zierde, von dem, was uns
ernährt und speiset,
Und was uns künftig nähren soll, die Erstlinge so zeitig
weiset,
Wofür Jhm Ehre, Lob und Preis, und ein erkenntlichs Herz
gebühret.
Ich that es, und ich thu es noch, mit Bitte, daß Er für Ge-
fahren
Die uns gezeigte zarte Saat doch wolle gnädiglich bewahren!
Damit wir die gereifte Frucht, und, in derselben, Seinen
Segen,
In einer frohen Erndte mäh’n, vergnügt in unsre Scheuren
legen,
Und für die väterliche Gabe mit froher Seel’ Jhm danken
mögen!