Die badende Venus an der Oder Auf Hn. C. H. von G. und Jhr. D. M. R. v. b. Hochz...

By Heinrich Mühlpfort

Die Welt und auch der Mensch ihr kleiner Inbegrif

Hing süsser Regung nach die in den andern wachte

Dem Hertzen aber Glut der Seelen Flammen brachte

Als Venus schöner Sohn zu seiner Mutter lief

Zwar ohne Kleider nackt doch mit dem Schmuck gezieret

Der sonst dem holden Drey den Gratien gebühret.

Er fiel’ ihr umb den Hals der hertzgeliebte Sohn

Und flocht in ihren Mund die langen Tauben-Küsse

Die Lippen waren noch vom Himmel-Zucker süsse

Es trof der Götter-Tranck auff Perlen-art davon:

So lag das schöne Kind im Paradieß der Liebe

Und sprach was ist es noth daß ich mein Wort verschiebe.

Dir Mutter

Die ich einst mit der Milch von deiner Brust gesogen

Dir sag ich meinen Sinn in dem ich aufferzogen

Wie noch der Krieges-Gott genossen deiner Gunst:

Mein Feur kan länger nicht in kalter Aschen bleiben

Ich will die lichte Loh der

Schau wie sich die Natur zum Lieben fertig macht

Die vorhin wilde See leert ihre Purpur-Schnecken

Die Muscheln sperren auff und Tropffen in sich lecken

Die der gesunde Thau sprützt bey gestirnter Nacht:

Die Lufft so sonsten leer die ist nicht leer von Schertzen

Man sieht die Vögel sich recht hertz-verbündlich hertzen.

Geschweig ich denn der Erd- und ihrer Felber-Lust

Wenn da die Wiesen stehn mit Sternen übergüldet

Auf denen Chloris sich so holdreich außgebildet

Daß einem lüstern Aug’ ein Feuer wird bewust:

Der kahle Dornen-Busch schwitzt eben von Begierden

Er wirfft die Blüten auß und kleidet sich mit Zierden.

Drey Zeigungs-Quellen gehn gemeiner Reitzung nach.

Und soll denn nun die Flamm’ entkräfftet wüste liegen

So wünsch ich mir den Tod: mich den von vielen Siegen

Ein ewiges Gerücht’ hebt an das Sternen-Dach

Verläst der Mutter-Gunst ich weiß von keinen Schulden

Noch dennoch wil sie mich O Grausamkeit enthulden.

Hier lieget

Gold-Mutter laß dich doch ein sehnlichs Flehn erweichen

Ich bitte durch den Mund dem keine Rosen gleichen

Durch deiner Augen-Blitz den ich empfunden je

Durch deiner Schönheit Preiß der übergöttlich heisset

Durch dein geflochtnes Haar das wie ein Silber gleisset

Vergönne mir so viel daß ich den hohen Ruhm

Der meine Scheitel krönt mit frischen Myrten-Zweigen

Weit grösser machen kan du wirst dich mild erzeigen

Wenn du dein Jungfer-Volck mir schenckst zum Eigenthum.

Ich sprech’ an Eydesstatt mich erbar zu verhalten

Nur daß ich mich ergetz’ an ihren Lust Gestalten.

Dünckt dich mein Wunsch zu hoch und traust du mir nit viel

So wiß’ ein’ alte Hex verleumdet mich gantz reinen

Ich will in Ewigkeit für dir nicht mehr erscheinen

Wo ich was Boses thu und irgend üppigs Spiel

Bring ich der Nymphen Reyh: verlebte Klafferinnen

Die hassen was sie nicht aus Mangel mehr beginnen.

Die Venus lachte drauff und sprach du loses Kind

Verliebter Jungfer-Dieb Freund aller schönen Weiber

Doch strenger Wüter ich auf die beherrschten Leiber

Ich weiß nicht ob dein Wort bey mir wohl glauben find

Du Lecker hast mich gar zu vielmahl so betrogen

Dein Milchmaul hat mir stets das from seyn fürgelogen.

Und wann dir was erlaubt so ist kein ärger Schelm

In meinem Reich als du ich weiß noch jene Stunden

Da ich durch dein Getrieb ich Göttin Noth empfunden

Wie offt hast du dem Mars durchbohret seinen Helm

Daß er zu andern gieng und mich verächtlich hezte

Wenn irgend Sylvia den Blut-Tyraun ergetzte.

Auch Zevs der hat nicht ruh den schwartzen Donner-Keil

Das blitzende Geschoß ringst du ihm auß den Händen

So bald du ihm sein Hertz gedenckest umzuwenden

Und jagt durch seine Brust den scharffgespitzten Pfeil

Er wird auff dein Geboth ein Schwaan ein Stier ein Regen

Damit er seine Lust mit Danaen mag pflegen.

Solt ich nun mein Geschlecht und meiner Damen Zier.

Die edelsten Geschöpff und wehrtsten Meisterstücke

Dir Lecker anvertraun das wäre kein Gelücke

Du bleibst ein schlimmer Gast zumahl wenn ich bey dir

Nicht gegenwertig bin da gehet es bund über

Die Jungfern werden kranck und siechen an dem Fieber.

Zu dem so weist du wohl daß eine gute Zeit

Wir Götter unter uns in Fröligkeit gelebet

Dem Gastmahl zugethan. Davon mein Leib noch klebet

Weil sich das Zimmet-Oel hat in die Lufft zerstreut

Und also der Geruch von Schweiß und Tantz verdorben

Der Balsam ist verdufft die Blumen sind gestorben

Drumb hab’ ich dieses Liecht zum Bade-Tag bestimmt

Vom angelegten Wust die Glieder zu befreien:

Komm meine Kammer-Magd Lupido schaff in Reyhen

Die feuchten Najaden und was noch wieder kömpt

Von seinen Nymfen an sie sollen mit mir baden

m̃nd nach verubter Lust so will ich sie begnaden.

Dir aber geiler Hengst versag’ ich meine Bitt

Ich will und mag dich nicht bey meinen Töchtern leiden.

Geh hin such anderswo die hochbegehrten Freuden

Bey mir erlangst du nichts; Diß war ein tieffer Schnitt

Der Amathuntens Sohn biß in die Seele drunge

Daß ein geschwinder Zorn mit Macht sein Hertz besprunge.

Wie sagt er

Man heischt ein weniges du wilst mir nichts gewehren.

Ich schwere dieser Pfeil soll noch ein Hertz verzehren

Eh’ als die müde Sonn’ geht zu der Abend-Rast:

So brach er hitzig loß von Rachgier überzwungen

Und hat dem Blitzen gleich die Flügel aufgeschwungen.

Als die Holdinnen nun sich freundlich eingestellt

Und ein liebselig Chor von Frauenzimmer kame

Die Cypris auff und an zu treuen Diensten nahme

Bestieg sie ihren Thron den rother Sammt erhellt

Mit lauter Diamant und Perlen außgesticket

Der Sitz war Königlich von reichem Gold geschmücket.

Wie sie zum dritten mahl des Zepters Stab bewegt

Fiel’ alles ihr zu Fuß’ und ehrte sie mit schweigen.

Die Eryeina gab durch ein genädigs neigen

Den Beyfall an den Tag und sprach was mich erregt

Hertzallerliebstes Volck dich zu mir zu verschreiben

Erfährst du diesen Tag an dem wir Wollnst treiben.

Nur ein bequemer Ort gebricht mir zu dem Werck

Ich bin noch ungewiß wo ich denselben finde

Und wo wir sicher seyn daß nicht ein Mann entzünde

Sich etwa gegen uns die Musen und ihr Berg

Die taugen nicht für mich weil statt der Liebligkeiten

Sie uns ein blaß Gesicht und Schwermuth zubereiten.

Das Wasser muß auch hell’ und ungetrübet seyn

Die Ufer voller Gras und güldner Schmergel stehen

An denen Schaff und Vieh nach fetter Weide gehen:

Was schliest ihr ingesambt wenn wir den Vater Rhein

Den Keyser deutscher Flüß’ und Zeuger frischer Quellen

Vermöchten daß er uns ließ unser Bad anstellen?

Liebt ihr den Neccer mehr der sich mit Trauben ziert

Und nebst der Flut die Glut von linden Wein uns schencket?

Sagt doch ihr Gratien wo ihr hinauß gedencket!

Welch Brunn welch Strom welch Fluß euch euer Hertze rührt?

Ich geh es willig ein kies eben auch dasselbe

Was halt ihr von dem Mayn und von der breiten Elbe.

Euphrosyne fieng an mit grosser Höfligkeit

Tieffsinnig und beredt: huldseligste Dione

Vergib der Frechheit doch die itzt für deinem Throne

Ein arme Magd begeht wir sind zugleich erfreut

Daß du O Königin mit Baden dich wilst laben

Wir wünschen daß du mögst vergnügt’ Ergötzung haben.

Die Flüsse die von dir so treflich hoch gerühmt

Sind an sich selbst beliebt mit Fruchtbarkeit umbgeben

Mit Fischen angefüllt gekrönt mit grünen Reben;

Doch dencke daß es nicht uns Schwachen groß geziemt

Es Männern vorzuthun die in den Fluten schwimmen;

So ein geschlanger Leib fällt leicht in Tieff und Krümmen.

Und obschon

Als sie

So wird es Rom und wir vielmehr zu rühmen wissen

Denn daß es unsre Lust vor nachzuahmen schätzt.

Ich weiß Gelegenheit (ohn einzigs Maaß zu geben)

Da du Princessin solst nach deinem Wunsche leben.

Das Land Elysien fleucht dein Gedächtnis nicht

Das Lust-Haus der Natur der Schauplatz seelger Felder

Wo eine grüne Nacht geweyter Berg’ und Wälder

Verblichner Cörper-Sitz wie uns ein alt Gedicht

Von affterzeiten lehrt wo Milch mit Honig rinnet

Wo ein gediegen Volck zum Lieben Platz gewinnet:

Da thürmt sich eine Stadt mit stoltzer Mauren-Pracht

Den Sternen gleich empor die Herrligkeit der Gassen

Kan ich nach Würden nicht in meine Rede fassen

Genug daß sich ihr Glantz zu einem König macht

Europens und der Welt.

Sie auch so bald man schweigt das heist ihr Ehr’ erwiesen.

Selbst fleust der Oderstrom in krauser Wirbel-Fluth

Und schenckt zwey Werder ein so Eichen ringst umschatten

Die Ufer sind umzirckt mit Klee-durchwirckten Matten

Priapus nimmt sehr wohl die Gärten in die Hut

Deß rechten Werders Raum versucht der Bürger Waffen

Das linck’ ist einsam still und locket uns zum schlaffen.

Worbey ein Garten steht den

Mit seltenem Gewächs und Blumen außgeputzet

Versichert daß kein Gold noch Scharlach also stutzet

Wie seiner Blüthe Frucht kein Lobspruch mag erhöhn

Des Saamens Kostbarkeit der Bilder Kunst-Gepränge

Die sonderlichen Bäum und dickbelaubten Gänge.

Da wohnet eine Nymf die werthe Margaris

Betugnet überaus Hochedel von Geblüthe

Nicht minder von Gestalt und sitsamen Gemüthe

Ein Außzug keuscher Zucht ja wie es mir gewiß

Der Nachruff kund gethan so grünt deß Vatern Tugend

Und hochbejahrter Ruhm in ihrer wackern Jugend.

Die

Der Oder-Strohm die Ehr in ihm dich abzubaden

Die Gegend solches Orts ist seicht und ohne Schaden

Zu brauchen wie man wil: was mehr es hat die Kunst

Des Wassers schnellen Lauff in einer Wand gefangen.

Auff Cypris dieser Ort ersättigt dein Verlangen.

Euphrosyne brach ab die Venus wurde läut:

Recht Tochter sprach sie recht fort spannet bald die Schwane

An meinen Wagen an steckt bunte Taffend-Fahne

Zum Freuden-Zeichen auff bringt Rosen die bethaut

Vom kühlen Morgen seyn und füttert mir die Thiere

Ein jede sey bedacht wie sie mein’ Außfahrt ziere.

Wo sind die Sperlinge die Boten meiner Reiß?

Auff! schafft sie vor mir her daß sie in Lüfften zitzschern

Und ihrem Brauche nach verbuhlte Lieder zwitschern:

Aglaja sih’ doch zu ob mein Geräthe weiß

Pack’ jeglichs sauber ein den Kamm von Helffenbeine

Das seidne Bade-Tuch den Schmuck der Edelsteine.

Thalia nimm du was von Bisam Puder mit

An statt der Seiffe gib mir jene Narden-Salben

Werschleuß den Ambra wohl schau zu daß allenthalben

Geßminen umb mich seyn geh auff sehr leisem Tritt

Zum ersten Schrancken hin und hole mir die Schmincke

Bring auch den Becher mit wor auß ich täglich trincke.

Auf! rieff sie noch zuletzt auf auf und zog davon.

Cupido dem der Zorn das Hertze durchgefressen

Besuchte manches Land und konte nicht vergessen

Wie ihm der Mutter-Neid beschmitzt mit Spott und Hohn.

Nach langer Ungedult sitzt er zu Franckfurt nieder

Spricht dapffern Leuten zu und stärckt sich selbsten wieder.

Biß daß er ohngefähr den edlen Hoffman sieht

Am schlancken Oder-Strand entsondert leise gehen

Der Schlauhe nimmt es wahr bleibt etwas stille stehen

Bald fragt er nach der Noth in der sein Hertze glüth

Forscht ihrem Ursprung nach befindet solche Zeichen

Womit die Liebe pflegt Liebhaber anzustreichen.

Was fuhr er lachend rauß zermarterst du dich so

Dich kränckt der Venus Gunst mich ihr erboster Wille

Verschaffe daß der Wind die holen Segel fülle

Und reise mit mir fort ich wil dich machen froh

Gewiß die Oder hält ob sie dich hier betrübet

Zu Breßlau noch was für daß dir Vergnügung giebet.

Und will der Himmel wohl so denckt die Mutter gleich

Heut ihren Bade-Tag daselbsten zu begehen

Du must nur munter seyn dir nicht im Lichte stehen

Und hurtig segeln fort dein Schiff wird noch so reich

Ich prophecey es itzt nach Hause wieder kommen

Wenn du den theuren Schatz die Liebste drauff genommen.

Was fügt nicht das Gelück! Sie beyde länden an

Auch gleichfals an den Ort den Venus außerlesen.

Sie sind kaum eine Stund auß ihrem Schiff gewesen

Als sie gantz Königlich durchs lincken Werders Bahn

Kömmt zu der Margaris der stracks das Hertze brandte

In blöder Ehren-Furcht wie sie die Göttin kandte.

Cythera die bereit in Lust-Begierden schwam

Gebrauchte kurtzer Wort und rieff sie mit zu baden

Erkenne sagte sie drauß meine Huld und Gnaden

Sey nicht so schüchtern wild und stelle dich doch zahm

Wann wir nun fertig seyn es soll in deinen Garten

Uns unsre Hofestad nach Möglichkeit auffwarten.

Drauff gieng sie voller Glantz und Klarheit an der Strand

Es war ein Eyfer-Streit sie höflich zu bedienen

In aller Nymfen Sinn die giengen in dem Grünen

Und pflückten Blumen ab die wurffen ihr Gewand

Von Leib und Gliedern weg weil jene fleissig wahre

So kemmet diese hier der Götter Locken Haare.