Die badende Venus an der Oder Auf Hn. C. H. von G. und Jhr. D. M. R. v. b. Hochz...
Die Welt und auch der Mensch ihr kleiner Inbegrif
Hing süsser Regung nach die in den andern wachte
Dem Hertzen aber Glut der Seelen Flammen brachte
Als Venus schöner Sohn zu seiner Mutter lief
Zwar ohne Kleider nackt doch mit dem Schmuck gezieret
Der sonst dem holden Drey den Gratien gebühret.
Er fiel’ ihr umb den Hals der hertzgeliebte Sohn
Und flocht in ihren Mund die langen Tauben-Küsse
Die Lippen waren noch vom Himmel-Zucker süsse
Es trof der Götter-Tranck auff Perlen-art davon:
So lag das schöne Kind im Paradieß der Liebe
Und sprach was ist es noth daß ich mein Wort verschiebe.
Dir Mutter
Die ich einst mit der Milch von deiner Brust gesogen
Dir sag ich meinen Sinn in dem ich aufferzogen
Wie noch der Krieges-Gott genossen deiner Gunst:
Mein Feur kan länger nicht in kalter Aschen bleiben
Ich will die lichte Loh der
Schau wie sich die Natur zum Lieben fertig macht
Die vorhin wilde See leert ihre Purpur-Schnecken
Die Muscheln sperren auff und Tropffen in sich lecken
Die der gesunde Thau sprützt bey gestirnter Nacht:
Die Lufft so sonsten leer die ist nicht leer von Schertzen
Man sieht die Vögel sich recht hertz-verbündlich hertzen.
Geschweig ich denn der Erd- und ihrer Felber-Lust
Wenn da die Wiesen stehn mit Sternen übergüldet
Auf denen Chloris sich so holdreich außgebildet
Daß einem lüstern Aug’ ein Feuer wird bewust:
Der kahle Dornen-Busch schwitzt eben von Begierden
Er wirfft die Blüten auß und kleidet sich mit Zierden.
Drey Zeigungs-Quellen gehn gemeiner Reitzung nach.
Und soll denn nun die Flamm’ entkräfftet wüste liegen
So wünsch ich mir den Tod: mich den von vielen Siegen
Ein ewiges Gerücht’ hebt an das Sternen-Dach
Verläst der Mutter-Gunst ich weiß von keinen Schulden
Noch dennoch wil sie mich O Grausamkeit enthulden.
Hier lieget
Gold-Mutter laß dich doch ein sehnlichs Flehn erweichen
Ich bitte durch den Mund dem keine Rosen gleichen
Durch deiner Augen-Blitz den ich empfunden je
Durch deiner Schönheit Preiß der übergöttlich heisset
Durch dein geflochtnes Haar das wie ein Silber gleisset
Vergönne mir so viel daß ich den hohen Ruhm
Der meine Scheitel krönt mit frischen Myrten-Zweigen
Weit grösser machen kan du wirst dich mild erzeigen
Wenn du dein Jungfer-Volck mir schenckst zum Eigenthum.
Ich sprech’ an Eydesstatt mich erbar zu verhalten
Nur daß ich mich ergetz’ an ihren Lust Gestalten.
Dünckt dich mein Wunsch zu hoch und traust du mir nit viel
So wiß’ ein’ alte Hex verleumdet mich gantz reinen
Ich will in Ewigkeit für dir nicht mehr erscheinen
Wo ich was Boses thu und irgend üppigs Spiel
Bring ich der Nymphen Reyh: verlebte Klafferinnen
Die hassen was sie nicht aus Mangel mehr beginnen.
Die Venus lachte drauff und sprach du loses Kind
Verliebter Jungfer-Dieb Freund aller schönen Weiber
Doch strenger Wüter ich auf die beherrschten Leiber
Ich weiß nicht ob dein Wort bey mir wohl glauben find
Du Lecker hast mich gar zu vielmahl so betrogen
Dein Milchmaul hat mir stets das from seyn fürgelogen.
Und wann dir was erlaubt so ist kein ärger Schelm
In meinem Reich als du ich weiß noch jene Stunden
Da ich durch dein Getrieb ich Göttin Noth empfunden
Wie offt hast du dem Mars durchbohret seinen Helm
Daß er zu andern gieng und mich verächtlich hezte
Wenn irgend Sylvia den Blut-Tyraun ergetzte.
Auch Zevs der hat nicht ruh den schwartzen Donner-Keil
Das blitzende Geschoß ringst du ihm auß den Händen
So bald du ihm sein Hertz gedenckest umzuwenden
Und jagt durch seine Brust den scharffgespitzten Pfeil
Er wird auff dein Geboth ein Schwaan ein Stier ein Regen
Damit er seine Lust mit Danaen mag pflegen.
Solt ich nun mein Geschlecht und meiner Damen Zier.
Die edelsten Geschöpff und wehrtsten Meisterstücke
Dir Lecker anvertraun das wäre kein Gelücke
Du bleibst ein schlimmer Gast zumahl wenn ich bey dir
Nicht gegenwertig bin da gehet es bund über
Die Jungfern werden kranck und siechen an dem Fieber.
Zu dem so weist du wohl daß eine gute Zeit
Wir Götter unter uns in Fröligkeit gelebet
Dem Gastmahl zugethan. Davon mein Leib noch klebet
Weil sich das Zimmet-Oel hat in die Lufft zerstreut
Und also der Geruch von Schweiß und Tantz verdorben
Der Balsam ist verdufft die Blumen sind gestorben
Drumb hab’ ich dieses Liecht zum Bade-Tag bestimmt
Vom angelegten Wust die Glieder zu befreien:
Komm meine Kammer-Magd Lupido schaff in Reyhen
Die feuchten Najaden und was noch wieder kömpt
Von seinen Nymfen an sie sollen mit mir baden
m̃nd nach verubter Lust so will ich sie begnaden.
Dir aber geiler Hengst versag’ ich meine Bitt
Ich will und mag dich nicht bey meinen Töchtern leiden.
Geh hin such anderswo die hochbegehrten Freuden
Bey mir erlangst du nichts; Diß war ein tieffer Schnitt
Der Amathuntens Sohn biß in die Seele drunge
Daß ein geschwinder Zorn mit Macht sein Hertz besprunge.
Wie sagt er
Man heischt ein weniges du wilst mir nichts gewehren.
Ich schwere dieser Pfeil soll noch ein Hertz verzehren
Eh’ als die müde Sonn’ geht zu der Abend-Rast:
So brach er hitzig loß von Rachgier überzwungen
Und hat dem Blitzen gleich die Flügel aufgeschwungen.
Als die Holdinnen nun sich freundlich eingestellt
Und ein liebselig Chor von Frauenzimmer kame
Die Cypris auff und an zu treuen Diensten nahme
Bestieg sie ihren Thron den rother Sammt erhellt
Mit lauter Diamant und Perlen außgesticket
Der Sitz war Königlich von reichem Gold geschmücket.
Wie sie zum dritten mahl des Zepters Stab bewegt
Fiel’ alles ihr zu Fuß’ und ehrte sie mit schweigen.
Die Eryeina gab durch ein genädigs neigen
Den Beyfall an den Tag und sprach was mich erregt
Hertzallerliebstes Volck dich zu mir zu verschreiben
Erfährst du diesen Tag an dem wir Wollnst treiben.
Nur ein bequemer Ort gebricht mir zu dem Werck
Ich bin noch ungewiß wo ich denselben finde
Und wo wir sicher seyn daß nicht ein Mann entzünde
Sich etwa gegen uns die Musen und ihr Berg
Die taugen nicht für mich weil statt der Liebligkeiten
Sie uns ein blaß Gesicht und Schwermuth zubereiten.
Das Wasser muß auch hell’ und ungetrübet seyn
Die Ufer voller Gras und güldner Schmergel stehen
An denen Schaff und Vieh nach fetter Weide gehen:
Was schliest ihr ingesambt wenn wir den Vater Rhein
Den Keyser deutscher Flüß’ und Zeuger frischer Quellen
Vermöchten daß er uns ließ unser Bad anstellen?
Liebt ihr den Neccer mehr der sich mit Trauben ziert
Und nebst der Flut die Glut von linden Wein uns schencket?
Sagt doch ihr Gratien wo ihr hinauß gedencket!
Welch Brunn welch Strom welch Fluß euch euer Hertze rührt?
Ich geh es willig ein kies eben auch dasselbe
Was halt ihr von dem Mayn und von der breiten Elbe.
Euphrosyne fieng an mit grosser Höfligkeit
Tieffsinnig und beredt: huldseligste Dione
Vergib der Frechheit doch die itzt für deinem Throne
Ein arme Magd begeht wir sind zugleich erfreut
Daß du O Königin mit Baden dich wilst laben
Wir wünschen daß du mögst vergnügt’ Ergötzung haben.
Die Flüsse die von dir so treflich hoch gerühmt
Sind an sich selbst beliebt mit Fruchtbarkeit umbgeben
Mit Fischen angefüllt gekrönt mit grünen Reben;
Doch dencke daß es nicht uns Schwachen groß geziemt
Es Männern vorzuthun die in den Fluten schwimmen;
So ein geschlanger Leib fällt leicht in Tieff und Krümmen.
Und obschon
Als sie
So wird es Rom und wir vielmehr zu rühmen wissen
Denn daß es unsre Lust vor nachzuahmen schätzt.
Ich weiß Gelegenheit (ohn einzigs Maaß zu geben)
Da du Princessin solst nach deinem Wunsche leben.
Das Land Elysien fleucht dein Gedächtnis nicht
Das Lust-Haus der Natur der Schauplatz seelger Felder
Wo eine grüne Nacht geweyter Berg’ und Wälder
Verblichner Cörper-Sitz wie uns ein alt Gedicht
Von affterzeiten lehrt wo Milch mit Honig rinnet
Wo ein gediegen Volck zum Lieben Platz gewinnet:
Da thürmt sich eine Stadt mit stoltzer Mauren-Pracht
Den Sternen gleich empor die Herrligkeit der Gassen
Kan ich nach Würden nicht in meine Rede fassen
Genug daß sich ihr Glantz zu einem König macht
Europens und der Welt.
Sie auch so bald man schweigt das heist ihr Ehr’ erwiesen.
Selbst fleust der Oderstrom in krauser Wirbel-Fluth
Und schenckt zwey Werder ein so Eichen ringst umschatten
Die Ufer sind umzirckt mit Klee-durchwirckten Matten
Priapus nimmt sehr wohl die Gärten in die Hut
Deß rechten Werders Raum versucht der Bürger Waffen
Das linck’ ist einsam still und locket uns zum schlaffen.
Worbey ein Garten steht den
Mit seltenem Gewächs und Blumen außgeputzet
Versichert daß kein Gold noch Scharlach also stutzet
Wie seiner Blüthe Frucht kein Lobspruch mag erhöhn
Des Saamens Kostbarkeit der Bilder Kunst-Gepränge
Die sonderlichen Bäum und dickbelaubten Gänge.
Da wohnet eine Nymf die werthe Margaris
Betugnet überaus Hochedel von Geblüthe
Nicht minder von Gestalt und sitsamen Gemüthe
Ein Außzug keuscher Zucht ja wie es mir gewiß
Der Nachruff kund gethan so grünt deß Vatern Tugend
Und hochbejahrter Ruhm in ihrer wackern Jugend.
Die
Der Oder-Strohm die Ehr in ihm dich abzubaden
Die Gegend solches Orts ist seicht und ohne Schaden
Zu brauchen wie man wil: was mehr es hat die Kunst
Des Wassers schnellen Lauff in einer Wand gefangen.
Auff Cypris dieser Ort ersättigt dein Verlangen.
Euphrosyne brach ab die Venus wurde läut:
Recht Tochter sprach sie recht fort spannet bald die Schwane
An meinen Wagen an steckt bunte Taffend-Fahne
Zum Freuden-Zeichen auff bringt Rosen die bethaut
Vom kühlen Morgen seyn und füttert mir die Thiere
Ein jede sey bedacht wie sie mein’ Außfahrt ziere.
Wo sind die Sperlinge die Boten meiner Reiß?
Auff! schafft sie vor mir her daß sie in Lüfften zitzschern
Und ihrem Brauche nach verbuhlte Lieder zwitschern:
Aglaja sih’ doch zu ob mein Geräthe weiß
Pack’ jeglichs sauber ein den Kamm von Helffenbeine
Das seidne Bade-Tuch den Schmuck der Edelsteine.
Thalia nimm du was von Bisam Puder mit
An statt der Seiffe gib mir jene Narden-Salben
Werschleuß den Ambra wohl schau zu daß allenthalben
Geßminen umb mich seyn geh auff sehr leisem Tritt
Zum ersten Schrancken hin und hole mir die Schmincke
Bring auch den Becher mit wor auß ich täglich trincke.
Auf! rieff sie noch zuletzt auf auf und zog davon.
Cupido dem der Zorn das Hertze durchgefressen
Besuchte manches Land und konte nicht vergessen
Wie ihm der Mutter-Neid beschmitzt mit Spott und Hohn.
Nach langer Ungedult sitzt er zu Franckfurt nieder
Spricht dapffern Leuten zu und stärckt sich selbsten wieder.
Biß daß er ohngefähr den edlen Hoffman sieht
Am schlancken Oder-Strand entsondert leise gehen
Der Schlauhe nimmt es wahr bleibt etwas stille stehen
Bald fragt er nach der Noth in der sein Hertze glüth
Forscht ihrem Ursprung nach befindet solche Zeichen
Womit die Liebe pflegt Liebhaber anzustreichen.
Was fuhr er lachend rauß zermarterst du dich so
Dich kränckt der Venus Gunst mich ihr erboster Wille
Verschaffe daß der Wind die holen Segel fülle
Und reise mit mir fort ich wil dich machen froh
Gewiß die Oder hält ob sie dich hier betrübet
Zu Breßlau noch was für daß dir Vergnügung giebet.
Und will der Himmel wohl so denckt die Mutter gleich
Heut ihren Bade-Tag daselbsten zu begehen
Du must nur munter seyn dir nicht im Lichte stehen
Und hurtig segeln fort dein Schiff wird noch so reich
Ich prophecey es itzt nach Hause wieder kommen
Wenn du den theuren Schatz die Liebste drauff genommen.
Was fügt nicht das Gelück! Sie beyde länden an
Auch gleichfals an den Ort den Venus außerlesen.
Sie sind kaum eine Stund auß ihrem Schiff gewesen
Als sie gantz Königlich durchs lincken Werders Bahn
Kömmt zu der Margaris der stracks das Hertze brandte
In blöder Ehren-Furcht wie sie die Göttin kandte.
Cythera die bereit in Lust-Begierden schwam
Gebrauchte kurtzer Wort und rieff sie mit zu baden
Erkenne sagte sie drauß meine Huld und Gnaden
Sey nicht so schüchtern wild und stelle dich doch zahm
Wann wir nun fertig seyn es soll in deinen Garten
Uns unsre Hofestad nach Möglichkeit auffwarten.
Drauff gieng sie voller Glantz und Klarheit an der Strand
Es war ein Eyfer-Streit sie höflich zu bedienen
In aller Nymfen Sinn die giengen in dem Grünen
Und pflückten Blumen ab die wurffen ihr Gewand
Von Leib und Gliedern weg weil jene fleissig wahre
So kemmet diese hier der Götter Locken Haare.