Die beständige Creutz-Trägerin Bey Absterben Fr. R. C. K. g. R. den 3. Mertz 168...

By Heinrich Mühlpfort

Geh aus des Creutzes Last und aus der Trübsal Hitze

Nunmehr O Seelige in Edens Garten ein

Kein Wetter schreckt dich jetzt es dräuen keine Blitze

Und nach des Grabes Nacht folgt heller Sonnen-

Du hast mit Ruhm gekämpfft und mit Gedult getragen

Das Creutz-Fahn welches dir dein Heyland überreicht.

Die Welt ist triumphirt der Satan ligt geschlagen

Versichert daß kein Sieg der Helden deinem gleicht.

Es rühme Scythien die Mann-behertzten Frauen

So an die rechte Brust der Lantze Staal gesetzt

Du warst in größrem Muth und Löwen-Hertz zu schauen

Weñ du dein Glaubens Schwerd hast auf den Feind gewetzt.

So ist dein Kampff mehr schwer als einer je gewesen

Den uns das stoltze Rom in seinen Fechtern wieß

Es hat zwar Crocodil und Tiegerthier erlesen

Die es O Grausamkeit! auff nackte Menschen ließ!

Du aber hast gekämpfft gar mit der alten Schlangen

Die nach der Seelen stets mit offnem Rachen schnappt.

So hat den Python nicht Apollens Arm gefangen

Als du den schnöden Fürst der Finsternüß ertappt.

Erblaste

Den hochberühmten Kampf trugst du dein Creutz nur vor?

Hast du zu diesem dich im Creutz allein gewendet

Der an desselben Holtz sein Leben auch verlohr.

In solchem Zeichen hast du Ritterin gesieget.

Es schweige doch die Welt von ihrem Kämpffen still.

Dein gut Gewissen ists das dich allein vergnüget

Dein wahres Christenthum das kräfftigste Sigill.

Und wie ein Fechter sonst nicht wie die Andabaten

Vergeb’ne Streiche thut und mit den Lüfften spielt;

So liest du dir auch hier nicht andre Hülffe rathen

Du hast durch GOttes Geist geleitet scharff gezielt.

Lieffst mit genauem Fleiß in des Beruffes Schrancken

Und woltest Tag und Nacht in der Bereitschafft stehn.

Es mag sich noch Athen umb seine Läuffer zancken

Und wer am ersten soll gekrönt als Sieger gehn.

Dort ward ein schlechter Platz in kurtzer Zeit durchrennet

Und bloß ein Krantz ertheilt von Eich’ und Myhrrten Laub.

Wer deinen Siegs-Krantz sieht und deine Krone kennet

Der sagt das Perlen Glaß und Diamanten Staub.

Wie eyffrig hast du nicht bey deinem Fahn gehalten?

Es war ja Christi Creutz der Schwachheit Trost und Stab.

Der Ertz-Schrein der den Schatz des Himmels pflegt zu halten

Der Nachlaß aller Schuld der Gottsfurcht Opffer Gab.

Das hast du Seelige mit solchem Muth getragen

Daß seine Last dir leicht und sein Joch sanffte schien.

Dein Arbeit hat gewehrt biß zu den letzten Tagen

Da nun des Lebens Geist wolt aus dem Cörper ziehn.

Du hast zwar offt geseuffzt geächtzet und geruffen:

Ists möglich nimm die Last doch mein Erlöser weg!

Doch weil des Himmels Bahn gebaut von Creutzes Stuffen

So blieb Anfechtung nur ein Probstein zu dem Zweck.

Und wer mit murren trägt den wird die Bürde drücken.

Diß ist die gröste Kunst so bloß ein Christ beliebt

Daß er bey Leidens-Zeit sich nur in allen Stücken

Nach GOttes Willen hält und diesem sich ergiebt.

Die Hitze brennt nicht stets es muß der Abend kommen

Und unser Gnaden-Lohn ist überschwenglich groß!

So bald das kurtze Licht des Lebens ist verglommen

So bald macht uns der Tod von Sorg und Kummer loß.

Der hier mit Thränen säet der erndtet Freuden-Garben.

Gott holt uns aus der Tieff und mitten aus der Fluth;

Er läst uns offt in Noth verzappeln und offt darben

Damit er wieder wol uns tausendfältig thut.

Und dieser trocknet nun Verblichne deine Zähren

Der legt dich als ein Lamm in seine Gnaden-Schos.

Was können Sterbliche mehr wünschen und begehren

Als daß sich GOtt vermählt mit einem Erdenklos.

Triumph Creutz-Trägerin! Triumph die Sieges-Kronen

Sind unvergleichlich schön und auch unschätzbar werth!

Mit dem kan nicht die Gunst gekrönter Häupter lohnen

Was dir der grosse GOtt aus Gnaden jetzt beschehrt.

Du kommst auch früh zum Ziel im Frühling deiner Jahre

Und solt uns hier zum Ruhm die

Die Blume sey geschenckt zu letzt noch deiner Bahre

Es trifft Gestalt und Art und die Auslegung ein.

Es mag die Sonne kaum ihr güldnes Rad uns zeigen

Wenn früh die Morgenröth ihr Purpur-Zelt auffdeckt;

So wird aus Liebe sie sich zu der Sonnen neigen

Und trägt die Blätter stets nach ihrem Strahl gestreckt.

Sie lebet mit der Sonn und stirbt fast mit der Sonnen

Indem sie welckende die Krone ziehet ein;

Ingleichem Glaubens-Oel ist auch dein Hertz zerronnen

So offt es angeblickt des Heylands Liebes-Schein.

Wenn sein beflammter Strahl dich hat erwärmt von oben

In was vor Anmuth stand nicht deiner Blüthe Pracht.

Es wird der Freunde Mund dich unauffhörlich loben

Daß deine Frömmigkeit unsterblich dich gemacht.

Du kehrtest wie ein Blat nach GOtt nur deinen Willen

In diesem wachst du auff in diesem schlieffst du ein.

Und wie sein wahrer Mund pflegt alles zu erfüllen

So mustest du für ihm ein gut Geruch auch seyn.

Die

Und hebt nach kurtzer Frist ihr prächtig Haupt empor

Bey dir war auch Gedult im Creutz und Leyd zu finden

Die Liebe gegen GOtt gieng allen Sorgen vor.

Du warst in deinem Hauß auch eine

So ihren Ehschatz hat als ihre Sonn geehrt.

Bemühsam daß du stets durch deine treue Hände

Und kluge Häußlichkeit die Nahrung hast vermehrt.

Dem hast du

Auff deiner Kinder Drey aus Mutter Pflicht geneigt.

Es labt der Blumen Schaar nicht so der Sonne Kertze

Als deinen Blumen du gutthätig dich erzeigt.

Es sinckt der

Du auch

Wer kan der deinen Weh und Jammer recht erwägen

Dein Blut ist Mutter-loß dein Herr ohn Hertz und Sinn.

Doch wie du durch dein Creutz im Glauben hast gesieget

So soll auch diß der Trost der

Daß der so alle Welt für unser Heil vergnüget

Uns täglich zu dem Creutz als Träger ladet ein.