Die betrachtenswürdigen Bäume.

By Johann Justus Ebeling

Wer sich um GOttes Preis, in die- ser Welt bemüht,

Und die erhabne Pracht der schlan-

Wird viel bewunderndes an ihren

An ihren harten Stamm, an ih-

An ihren inren Mark, an ihren

Die langen Röhren gleich, und gleichsam Adern

Wodurch die Säfte gehn und in dem Circuliren,

Sich zu der Höh hinan zu Ast und Zweigen füh-

Die Wurzeln schlingen sich auf ihrer finstren Bahn

Und klammern sich recht fest im Schoos der Erden

Wenn sie aus dem Saamen gehn; der Stamm der

Geht immer höher auf, der sich recht steil aufschlin-

Wenn man des Wachsthums Kraft an Bäumen

Das Auge des Gemüths dabei zum Schöpfer

So spürt man seine Macht, und sein allweises Fü-

Mit sonderbahrer Lust, mit innigen Vergnügen.

Ein kleines Saamenkorn blüht aus der Erd her-

Und treibt ein gros Gewächs in schlanker Höh em-

Wer sieht die Würkung nicht von mächtigen Re-

Die das, was klein sich zeigt, kan zu der Grösse

Man merkt die Weisheit hier, die alles mit Be-

Zum vorgesezten Ziel recht künstlich herrlich macht;

Es ist kein Theil am Baum, der nicht zugleich muß

Zu seiner Festigkeit, zu seinem Wuchs und Grü-

Wie wunderbar sind nicht die Wurzeln anzusehn,

Die in geschlunguer Kraft sich durcheinander drehn,

Und nach der Bäume Höh sich unten weit ausbreiten

Auf daß sie feste stehn und nicht leicht auszureuten?

Sonst risse gleich ein Wind, mit seinem starken

In Gärten, in dem Wald, die grossen Bäume

Wenn er mit Ungestüm in trüben Lüften wittert,

Und durch gepreßten Hauch Zweig, Ast und Stamm

Der Bäume Wurzeln sind von unten zugespizt,

Und oben breit und rund, weil dieses dazu nüzt,

Daß sie den Pfrimmen gleich die harte Erde tren-

Und ohne Wiederstand stets weiter dringen kön-

Sie sind auch ausgeholt; ob sie zwar holzig hart,

So sind sie schwammigt doch mit Rinden woll ver-

Und sind Canälen gleich, die solche Säfte saugen,

Die zu des Stammes Wuchs und seiner Nahrung

Sie sind auch hie und da mit Oefnungen versehn,

Wodurch die Lüfte sich als wie durch Röhren

Die dienen theils, den Saft, der klebricht fort zu

Theils in den inren Stamm sich mit ein zu verlei-

Sieht man den Baum selbst an, wie er sich aus-

So findet sich der Stamm, der in die Höhe steigt,

Sein holzig Wesen ist, wenn man es recht be-

Aus hohlen Fäserchen mit Saft erfüllt, erbauet.

Man trift drin Bläsgens an, darin der Saft ein-

Gekocht, gereinigt wird, und sind gleichsam ein

Von Drüssen die der Mensch in seinem Leibe träget.

Wenn man das Aussenwerk des Stammes Rind

Und seine schrofne Haut, so sieht man abermahl,

Die Wunder weiser Macht, die ohne alle Zahl,

Denn alles ist daran so herrlich eingefasset,

Daß alles ordentlich zu seinem Zwekke passet.

Es läuft der Saft im Stamm, als wie im Adern

Und sezt sich allemahl an den bestimmten Ort,

Und mehret seine Größ, da sich die Feuchtigkei-

Zu Aesten, Zweigen, Frucht im Zirkel-Lauffe

Wie die verborgne Kraft sie wunderbahrlich treibt,

Da hier ein salzig Theil, dort das was schweflicht

Und hier was Oelicht sezt, und zu dem Wachs-

Was als ein Nahrungssaft aus tieffer Erde drin-

Der Rinden Festigkeit, ist um den Stamm ge-

Die Häute sind gleichsam des Baumes Bettge-

Die ihn vor Hiz und Frost, vor mancherlei Ge-

Vor einem scharfen Zahn der Thiere woll bewah-

Die Aeste breiten sich verwundernswürdig aus,

Die Zweige die daran, sind wie an einem Haus,

Den hohen Sparen gleich, die alle das bestärken,

Was wir zu

Die weise Einrichtung, die daran ist zu sehn,

Ist wunderbahr gemacht, zur Lust und Nuzzen

Die Knospen lehren uns, wenn sie im Herbst sich

Wie drin die Urbildung, von Blüthen, Frucht

Und wie die Vorsehung dieselbige gebiehrt,

Wenn sich die Frucht, das Laub in rauhen Herbst

Recht angenehm ist es, wenn wir das weise Wesen,

Und dessen Vorsehung an diesen Augen lesen,

Die wenn uns der Verlust der grünen Pracht be-

In neuen Knospen schon die frohe Hofnung giebt,

Daß in dem künftgen Lenz, wie diese vorher sa-

Die Bäume wiederum in grüner Zierd ausschla-

Und kommt im Jahres Kreis, die angenehme Zeit,

So würket die Natur der Bäume Feierkleid,

Die grüne Liverei, die durch ihr herrlich Pran-

Der Augen starren Blik zu unsrer Lust auffangen.

Da siehet man vergnügt der Bäume hohen Thron,

In grünlicher Gestalt, worauf die Frühlingskron,

Das Laub den Gipfel dekt: die mannigfaltge Blü-

Die röthlich glüht und weis lehrt uns die weise

Des Schöpfers, der den Baum mit solchen Glanz

Zu unsrer Augenlust vor andern herrlich macht.

Es stuzt darob der Blik der nur betrachtend siehet,

In was vor Herrlichkeit der Bäume Gipfel blühet.

Jedoch der Puz verfliegt, der Blüthen Herrlich-

Fällt von den Zweigen ab, und wird herum zer-

Da werden wir gewahr, wie als an kleinen Stan-

Der Früchte zart Gewächs, die grünen Beerlein

Die durch der Sonnen Strahl und ihrem güldnen

Gleich einer schönen Reih von Edelsteinen seyn.

Die wachsen immerfort bedekt mit ihren Laube,

Das zu der Sommerszeit gleicht einer Sonnen-

O! ewge Majestät! das Herze wird gerührt

Wenn es die Pracht erwegt, womit der Baum

Und dabei untersucht, wie alles dran entsprossen,

Und aus der Seegens-Quell der ewgen Macht ge-

Der Blättter Mannigfalt ergötzet das Gesicht,

Und stärkt den Augenstrahl. Wenn man beim Son-

Jhr Kunst-Gewirk beschaut, und aufmerksam er-

So ist in jedem Blat ein Abris vorgeleget

Von einem ganzen Baum. Wenn man mit Kunst

So von einander nimmt, wie es die Theile hat;

So lernet man es recht mit seiner Pracht erkennen,

So wird man erst gewahr, daß es gar woll zu nen-

Der Allmacht Meisterstük. Die Adern die gestrikt,

Die machen einen Baum, daran man erst erblikt

Den Stamm der sich darauf in manchen Ast aus-

Woraus sich wiederum der Zweige Meng herleitet.

Wenn man ein Blat beschaut, wie es im Häuten

So scheint es als ein Nez, das zierlich ist gefügt

Und wunderbahr gestrikt, als wäre es gesponnen,

Da es doch wie ein Saft, aus seinem Zweig ge-

Die innre Zierlichkeit ist recht bewunderns werth,

Doch wenn man nur das Aug aufs Aussenwerk

So findet man so viel Verwundrungs-volle Spu-

Der ewig weisen Macht, an Farben und Figuren.

Erwegt man ihren Nuz; so sieht man alsobald,

Daß sie wie Fächer sind, die brennende Gewalt

Der Sonnen, von der Frucht in etwas abzulen-

Und sie des Morgens früh mit frischen Thau zu

Sie sind ein Schuz und Schirm, beim kalten Win-

So lang die Frucht noch zart, sie theilen Nah-

In eine zarte Blüt durch die sehr kleinen Röhren,

Wodurch aus Ast und Zweig die dünnen Säfte

Das Laub ist auch sehr schön zum Schirmdach vor

Das in dem Walde läuft; Es ist dem Baum zur

Es dient den Vögeln auch, die sich in stillen Schat-

Wo sie das Laub bedekt, mit Lust zusammen gat-

Es dekt ihr künstlich Nest: damit nicht jederman,

Die jung und matte Frucht so sichtbahr finden kan,

Es giebt den Menschen selbst manch inniges Ver-

Wenn sie zur Sommerszeit in seinem Schatten

Wenn man den Baum nur so nach jedem Theil

Die Früchte auch besieht, die er zur Reiffe hegt:

So muß man alles das, bewundernswürdig nennen

Was wir bei ihrer Blüth und Wachsthum sehen

Und wie vergnügt ist es, wenn man den Baum

Wenn er zur Frühlings-Zeit in schönen Schimmer

Da ein durchsichtig roth mit weisser Pracht verei-

Recht funkelnd in das Aug uns zum Ergötzen schei-

Der Früchte Lieblichkeit, die aus der Blüt ent-

Daran des Schmukkes Zier verwehet und vergeht

Dient uns hernach zur Lust; und wenn wir sie erst

So kan sie uns dabei auch im Geschmak entdekken,

Wie schön die Baum-Frucht sei, wovon der Ast

Zur späten Herbstes Zeit, als wie am Seegen

Das Auge wird daran vergnügt, die Zunge fühlet,

Wie gütig unser

Drum Menschen sehet doch der Bäume Wunder-

Die unsers Schöpfers Kraft zu unsern Nuz ge-

Rühmt seine Vorsehung und ihr allmächtig Wal-

Die drauf in diesem Jahr uns viele Frucht erhal-

Seht ihr die Bäume an; so lernt auch dies da-

Daß jeder von uns auch den Bäumen ähnlich sei:

Ein umgekehrter Baum giebt uns das äusre Wesen,

Und unser Ebenbild im Abdrnk klar zu lesen.

Die Wurzeln stellen uns, mit ihrer Fasern Zier,

Das Haupt mit seinem Haar am Menschen-Körper

Der Stamm gleicht unserm Leib, und an den Ast

Kan man ein ähnlich Bild von Bein und Armen

Durch Fasern ihres Stamms, die voller Röhren

Dringt der gequollne Saft in Ast und Zweige ein,

Und sind den Adern gleich, dadurch das Blut fort-

Das sich recht wunderbar durch alle Glieder dre-

Ein Baum ist angefüllt mit Bläsgen, drin der

Gleichsam

In eines Menschen Leib ist diesem zu vergleichen,

Weil sie die Nahrung auch recht säubern und erwei-

Die Röhren voller Luft, die durch die Stämme

Die geben uns ein Bild von unsrer Lung zu sehn:

Anstat der Haut sind sie mit Rinden überzogen,

Wodurch die Feuchtigkeit die sie zu viel gesogen,

Als durch Schweislöcher geht. Ein Baum stammt

Und muß auch wiederum zu Staub und Asche wer-

Wir sind ihm darin auch, als Menschen alle gleich,

Der Todt der liefert uns ins unterirdsche Reich,

Wo sich der Körper trennt, da faulen alle Glieder,

Und lösen sich in Staub, daraus sie stammen wieder.

Des Menschen Körper wird durch Krankheit un-

An Bäumen wird auch oft der Seuchen Art er-

Ein Rost, ein scharfer Krebs, ein Wurm der sie

Stellt uns das Elend vor, daß unsern Körper pla-

Der Zeiten scharfer Zahn der ihre Stämm anfaßt,

Der Jahre drükkende und überschwere Last,

Befördert endlich noch der Bäume ihr Verderben,

Das Alter zehrt uns aus, und macht daß wir er-

O! wäre jederman den Bäumen darin gleich,

Wie sie an Früchten sind, so auch an Werken

Die aus dem Glauben gehn, so würden wir was

Und nicht dem Dornstrauch gleich, die Nahrung

Der keine Früchte bringt; so würde Nuz und

Wie an dem

Wie viele finden sich, die wie die Cedern prangen,

Woran doch keine Frucht nur schöne Blätter han-

Die einen grossen Schein der äusren Heiligkeit,

Der doch nur blos ein Saum vom Pharisäer-Kleid,

Darin ein Teuffel stekt. Der Werke Schau-Ge-

Sind oftmahls nur gemahlt, und nicht gewachsne

Ein jeder denke nach, und sehe sich recht an;

Weil sich ein jeder selbst am besten kennen kan:

Wer einem Baum gleich ist, der keine Früchte

Der denke wie viel Jahr ihn

Der sehe an die Zeit, als seine Gnadenfrist,

Wie bald dieselbige verfliegt, vorüber ist.

Der denke an den Spruch, und dessen weise Leh-

Die der mit Nachdruk spricht die Juden zu be-

Der als ein Herold kam, und in der Finsternis,

Das Licht verkündigte und zu der Busse wies:

Der Spruch heist so: die Axt ist nunmehr schon

Und an des Baumes Stamm, und Wurzel ange-

Wer keine Früchte bringt die gut, wird umgehaut,

So gehts den Menschen auch die

Ein faul Holz, fauler Mensch, sind beide zu ver-

Weil sie zu Nichts sind nüz, nur Brände, zu den