Die Betrübte und getröstete Liebe/ bey dem Absterben eines Vaters

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wiewohl der Eltern Hertz die Kinder stärcker lieben

Und Sie derselben Tod auch mehr betrüben soll:

So macht des Vaters Huld die in mein Hertz geschrieben

Doch einer Tochter Brust itzt wieder Jammers voll

Daß Thränen sonder Zahl sie bey der Grufft vergiesset

Weil wahre Traurigkeit aus wahrer Liebe fliesset.

Die Wohlthat ist zu groß die theure Väter geben

Daß sie mein danckbar Hertz auch nach dem Tod verehrt.

Gott gab dem Seeligen darum ein langes Leben

Weil diß den süssen Trost in frommen Kindern mehrt:

Er ließ uns erst das Glück durch seine Sorgfalt schauen

Und wolt im Alter uns durch Gottesfurcht erbauen.

Ein langes Leben wird doch gleichwohl kurtz geschätzet

Das seiner Güte nach noch länger können seyn.

Wenn mich nun die Natur in tiefes Trauren setzet

So nimmt die Tugend mich mit diesen Trost-Spruch ein:

Daß wenn der Eltern Tod der Kinder Hertz will brechen

Der Eltern Seeligkeit sie kan zufrieden sprechen.

Dich liebt' ich Seeligster nun dich dein Jesus liebet

In dessen Armen man dich in dem Sterben fand:

So lieb ich dich noch mehr weil der sich dir ergiebet

Der meine Seele hat in seiner Lieb' entbrandt.

Als Vater bleibst du mir in meine Brust geschrieben

Als einen Seeligen will ich dich ewig lieben.