Die biß in Tod treu-beständige Liebe Bey Beerdigung Fr. R. v. A. g. B. entworf- ...
Als Seneca das Licht und Wunder kluger Sinnen
Der Weißheit Inbegrieff der Wissenschafften Ziel
Nachdem der Blut-Tyrann nicht ärger wüten können
Auch in sein’ Ungenad und Halsgerichte fiel
Und must auffs Käisers Wort die Adern ihm zerschneiden
Ließ die Paulina da ein herrlich Beyspiel schaun.
Ach! sprach sie mein Gemahl uns kan der Tod nicht scheiden
Mir sol noch für dem Stahl noch für dem sterben graun.
Vergönne mir den Ruhm zugleich mit zuverblassen
Getreue Liebe ist viel stärcker als der Tod.
Ich wil ein Römisch Weib die Nachwelt wissen lassen
Daß meine treue Gluth besiegt die letzte Noth.
Sie schloß und hieß das Blut aus beyden Armen springen
Biß Nero sie durch Zwang zum Leben wieder rieff.
Allein ihr blass Gesicht entdeckt’ in allen Dingen
(daß keine Röthe mehr wie vormahls überlieff )
Es steck’ ihr Senecens Gedächtnüß noch im Hertzen
Mit ihm sey auch zugleich die Lust des Lebens hin.
Der längere Verzug erweiß’ ihr nichts als Schmertzen
Und ein geschwinder Tod wär’ eintzig ihr Gewinn.
Gar in weit anderm Fall und seeligerm Vergnügen
Doch nicht in mindrer Treu und reiner Liebe Preiß
Wil Frau von Assigin sich itzt zur Ruh verfügen
Und ihren Fuß entziehn der Eitelkeiten Kreiß.
Als unser Senecn ihr Eh-Schatz ist entwichen
Und dieser Sterbligkeit gegeben gute Nacht
Da ist ihr bestes Theil des Lebens mit verblichen
Sein Grab hat ihr die Bahn bald nach zugehn gemacht.
Eh’ noch zum fünfften mahl das Silber ihrer Wangen
Der Nächte Trost und Zier die Cynthia entdeckt
So muß ein gleiches Grab diß edle Paar umbfangen
Und beyder Leichen sind in einen Sand gestreckt.
So wünschet ihm Pontan der Ruhm gelehrter Zeiten
So bald er nur entseelt bey seinem Schatz zu seyn
Er wil sonst nirgend ruhn als nur an ihrer Seiten
Und baut bey Leben noch ihm Grufft und Grabe-Stein.
In Meinung daß sich auch die leichten Schatten küssen
Und die Vereinigung der Asche wie verneut’
Daß sich die Geister noch wie in die Armen schliessen
Und solche Gegenwart sie beyderseits erfreut.
Petrarcha wil auch so bey seiner Laura sterben
Und Abelardens Leib Helissens Nachbar seyn.
Es kan die Panthea kein grösser Lob erwerben
Als wenn ihr eigner Tod salbt Abradaten ein.
Philemon weiß nichts mehr von Göttern auszubitten
Nachdem der Jahre Schnee ihn und die Baucis drückt
Als daß ihr Faden nur zugleich sey abgeschnitten
Und eine Stunde sie auß diesem Leben schickt.
Ja meint man daß nicht auch bey seinem Schmertz und Jammer
Als Herr von Assig satt deß eiteln Lebens war
Er seinem Schatz gerufft: Fleuch Freundin in die Cammer
Verbirg dich Freundin fleuch hier ist nichts als Gefahr.
Die beste Ruhestatt ist nur im Sarg zu finden
Ein Haus voll Sicherheit bereitet uns das Grab.
Beseufftze nicht so sehr mein seeliges Entbinden
Ich wünsche daß ich dich bald zur Gefertin hab.
Und wohl! es ist geschehn. Die ewig-treuen Flammen
In welchen jederzeit der Seel’gen Hertz gebrannt
Verleschet nicht der Tod er bringt sie mehr zusammen
Daß ihrer Liebe Licht werd’ auch im
Die unverruckte Treu das Tugend-volle Leben
Der Sitten Freundligkeit entfernt von Gleißnerey
Die haben ihrer Eh’ das Zeugnüß längst gegeben
Wie sie ein Paradieß vollkommner Liebe sey.
Denn obwol dieser Schmertz unmöglich zuergründen
Wenn zweyer Seelen Band der grimme Tod zerreist.
So konte doch ihr Sinn sich willig darein finden
Sie wuste daß es GOtt beschlossen und auch heist.
Umbsonst weist Seneca Paulinens treue Seele
Auff seines Lebens Ruhm in Tugenden vollbracht.
Jhr Eh-Schatz wiese sie zu dessen Wunden-Höle
Der für das Heil der Welt am Creutze hat geschmacht.
Paulinen hat allein die Ehrsucht angezündet
Daß ein gesellter Tod ihr gebe Ruhm und Licht.
Nein unßre Seelige hat auf den Fels gegründet
Der uns deß Himmels Bau und nicht die Welt verspricht.
Zu dem Herr Assigs Ruhm war ihre schönste Leuchte
Dem längst das Vaterland sich hoch verbunden weiß.
Sie wuste daß sein Lob biß an die Sternen reichte
Er selbst unsterblich war durch seiner Dienste Preiß.
So girrt in Wäldern nicht die ärmste Turtel-Taube
Wenn itzt deß Falcken List den Eh-Genossen greifft
So sehnlich sieht sie nicht nach dem gestolnen Raube
Wenn sein behender Flug die freye Lufft durch streifft.
Als unsre Seelige mit unerschöpfften Thränen
Deß Liebsten Grab benetzt den herben Tod beklagt.
Ja gern ihr auch den Weg zu selbem wollen bähnen
Wenn nicht ihr Christenthum was heilsamers gesagt.
Es sey das Morgenland in diesem Wahn ersoffen
Das bey der Männer Leich auch ihre Weiber brennt;
Es steh der Porcia die Brust durch Dolchen offen
Die Treu der Arria werd’ auß der Kohl’ erkennt;
So ists ein Aberwitz der rasenden Gemüther
Theils die der Schmertz erhitzt theils Ehrgeitz angeflammt!
Was sucht ihr toller Sinn? nichts als des Ruhmes Güter
Krafft welcher sie zugleich mit Leib und Seel verdammt.
Ach Frau von Assigin hat anders was erwehlet
Und Gottes Finger schrieb ihr tieff ins Hertz hinein:
Daß Seelen so allhier in Frieden sind vermählet
In Freuden wieder dort im Himmel solten seyn
Denn stund ihr Hoffen nur und feuriges Verlangen
Zufolgen ihrem Schatz zu ruhen in der Grufft.
Jtzt hat sie hohen Lohn für ihre Treu empfangen
Sie schläffet neben ihm biß ihr der Höchste rufft.
Betrübtste die ihr sie an Mutterstatt geehret
Und auß verwandtem Blut biß in das Grab geliebt
Frolockt der Seeligen sie ist vergnügt erhöret
Nun GOtt ihr ihren Schatz und auch den Himmel gibt.