Die biß in Tod treu-beständige Liebe Bey Beerdigung Fr. R. v. A. g. B. entworf- ...

By Heinrich Mühlpfort

Als Seneca das Licht und Wunder kluger Sinnen

Der Weißheit Inbegrieff der Wissenschafften Ziel

Nachdem der Blut-Tyrann nicht ärger wüten können

Auch in sein’ Ungenad und Halsgerichte fiel

Und must auffs Käisers Wort die Adern ihm zerschneiden

Ließ die Paulina da ein herrlich Beyspiel schaun.

Ach! sprach sie mein Gemahl uns kan der Tod nicht scheiden

Mir sol noch für dem Stahl noch für dem sterben graun.

Vergönne mir den Ruhm zugleich mit zuverblassen

Getreue Liebe ist viel stärcker als der Tod.

Ich wil ein Römisch Weib die Nachwelt wissen lassen

Daß meine treue Gluth besiegt die letzte Noth.

Sie schloß und hieß das Blut aus beyden Armen springen

Biß Nero sie durch Zwang zum Leben wieder rieff.

Allein ihr blass Gesicht entdeckt’ in allen Dingen

(daß keine Röthe mehr wie vormahls überlieff )

Es steck’ ihr Senecens Gedächtnüß noch im Hertzen

Mit ihm sey auch zugleich die Lust des Lebens hin.

Der längere Verzug erweiß’ ihr nichts als Schmertzen

Und ein geschwinder Tod wär’ eintzig ihr Gewinn.

Gar in weit anderm Fall und seeligerm Vergnügen

Doch nicht in mindrer Treu und reiner Liebe Preiß

Wil Frau von Assigin sich itzt zur Ruh verfügen

Und ihren Fuß entziehn der Eitelkeiten Kreiß.

Als unser Senecn ihr Eh-Schatz ist entwichen

Und dieser Sterbligkeit gegeben gute Nacht

Da ist ihr bestes Theil des Lebens mit verblichen

Sein Grab hat ihr die Bahn bald nach zugehn gemacht.

Eh’ noch zum fünfften mahl das Silber ihrer Wangen

Der Nächte Trost und Zier die Cynthia entdeckt

So muß ein gleiches Grab diß edle Paar umbfangen

Und beyder Leichen sind in einen Sand gestreckt.

So wünschet ihm Pontan der Ruhm gelehrter Zeiten

So bald er nur entseelt bey seinem Schatz zu seyn

Er wil sonst nirgend ruhn als nur an ihrer Seiten

Und baut bey Leben noch ihm Grufft und Grabe-Stein.

In Meinung daß sich auch die leichten Schatten küssen

Und die Vereinigung der Asche wie verneut’

Daß sich die Geister noch wie in die Armen schliessen

Und solche Gegenwart sie beyderseits erfreut.

Petrarcha wil auch so bey seiner Laura sterben

Und Abelardens Leib Helissens Nachbar seyn.

Es kan die Panthea kein grösser Lob erwerben

Als wenn ihr eigner Tod salbt Abradaten ein.

Philemon weiß nichts mehr von Göttern auszubitten

Nachdem der Jahre Schnee ihn und die Baucis drückt

Als daß ihr Faden nur zugleich sey abgeschnitten

Und eine Stunde sie auß diesem Leben schickt.

Ja meint man daß nicht auch bey seinem Schmertz und Jammer

Als Herr von Assig satt deß eiteln Lebens war

Er seinem Schatz gerufft: Fleuch Freundin in die Cammer

Verbirg dich Freundin fleuch hier ist nichts als Gefahr.

Die beste Ruhestatt ist nur im Sarg zu finden

Ein Haus voll Sicherheit bereitet uns das Grab.

Beseufftze nicht so sehr mein seeliges Entbinden

Ich wünsche daß ich dich bald zur Gefertin hab.

Und wohl! es ist geschehn. Die ewig-treuen Flammen

In welchen jederzeit der Seel’gen Hertz gebrannt

Verleschet nicht der Tod er bringt sie mehr zusammen

Daß ihrer Liebe Licht werd’ auch im

Die unverruckte Treu das Tugend-volle Leben

Der Sitten Freundligkeit entfernt von Gleißnerey

Die haben ihrer Eh’ das Zeugnüß längst gegeben

Wie sie ein Paradieß vollkommner Liebe sey.

Denn obwol dieser Schmertz unmöglich zuergründen

Wenn zweyer Seelen Band der grimme Tod zerreist.

So konte doch ihr Sinn sich willig darein finden

Sie wuste daß es GOtt beschlossen und auch heist.

Umbsonst weist Seneca Paulinens treue Seele

Auff seines Lebens Ruhm in Tugenden vollbracht.

Jhr Eh-Schatz wiese sie zu dessen Wunden-Höle

Der für das Heil der Welt am Creutze hat geschmacht.

Paulinen hat allein die Ehrsucht angezündet

Daß ein gesellter Tod ihr gebe Ruhm und Licht.

Nein unßre Seelige hat auf den Fels gegründet

Der uns deß Himmels Bau und nicht die Welt verspricht.

Zu dem Herr Assigs Ruhm war ihre schönste Leuchte

Dem längst das Vaterland sich hoch verbunden weiß.

Sie wuste daß sein Lob biß an die Sternen reichte

Er selbst unsterblich war durch seiner Dienste Preiß.

So girrt in Wäldern nicht die ärmste Turtel-Taube

Wenn itzt deß Falcken List den Eh-Genossen greifft

So sehnlich sieht sie nicht nach dem gestolnen Raube

Wenn sein behender Flug die freye Lufft durch streifft.

Als unsre Seelige mit unerschöpfften Thränen

Deß Liebsten Grab benetzt den herben Tod beklagt.

Ja gern ihr auch den Weg zu selbem wollen bähnen

Wenn nicht ihr Christenthum was heilsamers gesagt.

Es sey das Morgenland in diesem Wahn ersoffen

Das bey der Männer Leich auch ihre Weiber brennt;

Es steh der Porcia die Brust durch Dolchen offen

Die Treu der Arria werd’ auß der Kohl’ erkennt;

So ists ein Aberwitz der rasenden Gemüther

Theils die der Schmertz erhitzt theils Ehrgeitz angeflammt!

Was sucht ihr toller Sinn? nichts als des Ruhmes Güter

Krafft welcher sie zugleich mit Leib und Seel verdammt.

Ach Frau von Assigin hat anders was erwehlet

Und Gottes Finger schrieb ihr tieff ins Hertz hinein:

Daß Seelen so allhier in Frieden sind vermählet

In Freuden wieder dort im Himmel solten seyn

Denn stund ihr Hoffen nur und feuriges Verlangen

Zufolgen ihrem Schatz zu ruhen in der Grufft.

Jtzt hat sie hohen Lohn für ihre Treu empfangen

Sie schläffet neben ihm biß ihr der Höchste rufft.

Betrübtste die ihr sie an Mutterstatt geehret

Und auß verwandtem Blut biß in das Grab geliebt

Frolockt der Seeligen sie ist vergnügt erhöret

Nun GOtt ihr ihren Schatz und auch den Himmel gibt.