Die blaue Korn-Blume.
Auf, mein Herz der Felder Seegen,
Der in seinen Wachsthum blüht,
Als die Sprossen ewger Güt,
Zu betrachten, zu erwegen!
Hier hat unsre Speiß und Freude
Uns der Höchste vorgelegt:
Da der Akker alle beide,
Lust und Nuzzen reichlich trägt,
Wo sich als auf Speise-Tischen,
Frucht und Blumen lieblich mischen.
Da wo fette Aehren wallen,
Mit dem süssen Korngericht,
Müssen uns auch ins Gesicht,
Manche schöne Blumen fallen.
Dieses drükt uns deine Güte,
Weiser Vater! die uns nährt,
Durch die Augen ins Gemüte,
Die uns überzeugend lehrt,
Wie du auch uns mit Ergözzen,
Wilt das Nahrungs Brodt aufsezzen.
Eine jede Akker-Blume,
Ist auf dem besaamten Feld,
Als ein Herold aufgestellt,
Und prangt zu des Höchsten Ruhme;
Aber keine von den allen,
Die an Farben mannigfalt,
Will mir lieblicher gefallen,
Von Geruch, und an Gestalt;
Als die Korn-Blum, die im Glanze,
Gleichet einem blauen Kranze.
Sieht man sie etwan von Ferne,
Zwischen einer grünen Saat,
Die noch keine Aehren hat,
Scheinen sie als blaue Sterne,
Die des Himmels Farben tragen,
Und der Felder Schmuk erhöhn;
Wenn wir nach der Deutung fragen,
Warum sie in Felde stehn:
So deucht mir, daß sie uns weisen,
Welchen wir als
Der im Himmel herrlich thronet,
Stellt uns die gestirnte Zier,
An der blauen Kornblum für;
Der da über Sternen wohnet,
Will uns an derselben lehren,
Daß das grün besaamte Land
Uns auch zeige den zu ehren,
Der im Himmel nur bekandt:
Daß wir schuldig in dem Grünen,
Die in blinder Einfalt stekken,
Denken daß ein Akkerman
Sich die Früchte geben kan,
Die der Schöpfer muß erwekken.
Denn sie glauben durch das Säen,
Wenn der Akker umgewühlt,
Würde ein gesegnet Mähen,
Als von selbst darauf erzielt:
Möchten diese andre Lehren
Von der blauen Kornblum hören:
Diese spricht: die albern Blinden,
Die nicht wissen, daß die Saat,
Einen höhern Ursprung hat,
Könnens hier beschrieben finden.
An uns, als an blauen Sternen,
Sehet ihr des Himmels Bild,
Daraus könt ihr gläubig lernen,
Daß die Saat vom Himmel quillt:
Denn zu Pflanzen und Begiessen,
Muß des Himmels Seegen fliessen.
Wenn man diese Blum beschauet,
Wenn sie von dem Stengel frei,
So sieht man daß sie fast sey,
Als ein Fülle-Horn gebauet;
Da ich sie also erwogen
Fiel mir der Gedanke ein,
Daß die blauen Wolken-Bogen,
Alles Seegens Füllhorn seyn;
Weil daher die Früchte quillen,
Die uns Hand und Magen füllen.
Ja des Himmels Gnadenseegen,
Giebt allein dem Akkerbau,
Sein Gedeien durch den Thau,
Durch den Sonnenschein und Regen.
Draus entsteht, was wir geniessen,
Und die Blumen die da blühn,
Zwischen Korn und Frucht entspriessen,
Und den fetten Saft einziehn,
Können zum gesunden Leben,
Mittel, die uns dienlich geben.
Dies im Beispiel zu beweisen,
Dient der Kornblum Nuzbarkeit,
Die ohn allen Wiederstreit,
Als ein Mittel anzupreisen.
Wenn in ungesunden Tagen,
Flüsse sich zum Haupt geselln;
Wann uns solche schmerzlich plagen,
Wenn der Kopf, die Wangen schwelln:
Läst man sie im Feur verbrennen,
Durch den Dampf den Schwulst zu trennen.
Was sie mehr vor Nuzzen haben,
Machet uns der Aerzte Mund,
Die sie häufig brauchen, kund;
So sind Schöpfer deine Gaben
Zeugen von der grossen Güte,
Die das Feld für uns ernährt.
Gib daß mein gereizt Gemüthe,
Wenns dich in Geschöpfen ehrt,
Wenn es an die Kornblum denket,
Werde Himmel an gelenket.