Die blauen Augen

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Will noch die schwartze Nacht den Tag bestreiten

Und als ein irrend Licht bey duncklen Zeiten

Der übereitlen Welt

Die was ihr wohlgefällt

Für einen Abgott hält

Den Sinn verleiten?

Des Monden Silber kan bey Nacht erquicken

Und durch den Schatten bricht der Sterne Blicken.

Ein stoltzer Diamant

Der Dunckelheit verwandt

Muß manche Fürsten-Hand

Vor andern schmücken.

Doch kan der Mond den Glantz der Sonn erreichen?

Will sich der Sternen Licht dem Tage gleichen?

Und muß der Demant nicht

Wo des Carfunckels Licht

Durch Nacht und Schatten bricht

Mit Scham entweichen?

Verliebte wollt ihr wohl die Schiffahrt enden

Und an den sichern Port des Glückes länden.

Last blauer Augen Schein

Der Liebe Leitstern seyn

So wird sich eure Pein

In Freude wenden.

Traut schwartzen Augen nicht und ihrem Blincken

Wenn sie Sirenen gleich ins Netze wincken.

Sieht man in schwartzer Flutt

Voll Falsch und Wanckelmutt

Nicht offters Schiff und Gutt

Zu Grunde sincken?

Ein blaues Auge spielt mit sanfften Wellen:

Man sah aus blauer See die Venus quellen.

Was Wunder wenn noch izt

Cupido drinnen sizt

Und goldne Pfeile spizt

Die Welt zu fällen?

Welch kaltes Hertze will nicht Flammen fangen

Wenn mitten in dem Schnee der Rosen-Wangen

Mit blauer Liebligkeit

Daraus ihm selbst ein Kleid

Der Himmel zubereit

Die Augen prangen!