Die Buchdruckerkunst ...

By Aloys Blumauer

Written 1776-01-01 - 1776-01-01

Der stolze Mensch, an seines Lebens Ziele

Noch immer lüstern nach Vergötterung,

Erfand von je der schlauen Künste viele

Zu seines kurzen Seins Verewigung.

Zum Himmel hebt sich Marmor, schwingt sich Ode,

Wenn in ihr Nichts der Fürsten Grösse sinkt,

Und mancher Fürstenleib hüllt nach dem Tode

In Ambra sich, indem sein Name stinkt.

Noch stolzer pflanzt die menschlichen Gerippe

Der Aberglaub' auf Hochaltäre hin,

Und eine Welt berührt mit frommer Lippe

Den Leib, vor dem sie vorher ausgespie'n.

So wird Labré, der einst im Gassenmiste

Sich seine Nahrung suchte, gleich dem Schwein,

Nun bald, verklärt auf hohem Schaugerüste,

Ein Gegenstand der Volksverehrung sein.

So ward die Hülle, die als ihrem Meister

Der Seele dient, von Menschen stets geehrt;

Doch die Reliquien der großen Geister

Fand nie die Welt so vieler Achtung werth.

Sie ätzte mit stiefmütterlichen Händen

Der Weisheit Schätze nur in rohen Stein,

Und hüllte, daß nur wenige sie fänden,

Sie noch sogar in Hieroglyphen ein.

Selbst dann, als sie dem edleren Erfinder

Der Schreibekunst dies Kleinod anvertraut,

Da kleideten der Weisheit schönste Kinder

Demüthig sich in eine Eselshaut.

Oft nur gehüllt in Blätter, Bast und Rinde,

Oft auch geätzt in Holz und Wachs und Blei,

Ward doch die Weisheit bald ein Spiel der Winde,

Und bald ein Spiel der Menschentyrannei.

Sie war's, die ein Tyrann einst so verkannte,

Daß er befahl den Flammen sie zu weih'n;

Sie war's, die einst ein großer Papst verbrannte,

Um groß, so wie Herostratus, zu sein.

Nur kümmerlich im gothischen Gewande

Erhielt sie sich durch ihrer Feinde Hand,

Bis endlich ihr in unserm Vaterlande

Die deutsche Kunst ein besser Kleid erfand.

Rein, einfach, so wie sie und ihre Lehre,

War nun das Kleid, das man für sie erdacht',

Seitdem ging auch dem Vaterland zur Ehre

Die Wahrheit stets in einer deutschen Tracht.

Allein der Deutsche blieb bei dem Gewande,

Das er zur Nothdurft ihr gegeben, steh'n,

Und überließ nun einem fremden Lande

Den Ruhm, auch schön gekleidet sie zu seh'n.

Der Alde, der Stephan' und Baskerville,

Und der Didots, und der Boroui's Hand

Verschönerte der Weisheit deutsche Hülle,

Und weit zurück blieb unser Vaterland.

Denn eine deutsche Lotterbubenrotte

Vergriff sich hier am Geisteseigenthum,

Und hing der Weisheit, Kindern nun zum Spotte,

Die Lumpen ihres eignen Schmutzes um.

Piraten gleich, die fremde Habe plündern,

Nahm diese Bande mit dem Ruhm vorlieb,

Daß sie ein ganzes Heer von Geisteskindern,

Den Sklaven gleich herum zu Markte trieb.

Ein Deutscher war der schönsten Kunst Erfinder,

Die für die Weisheit je der Geist ersann,

Und seine goldbegier'gen Kindeskinder

Vernichteten, was er für sie gethan.

Wie lange wird zur Schande uns'rer Väter

Noch deutscher Schmutz die deutsche Kunst entweihn;

Und wird der Schritt, den hier ein Ehrenretter

Der Weisheit wagt, ganz ohne Folgen sein?