Die Demuth gegen GOtt und Menschen.

By Johann Justus Ebeling

Wer sich wird recht kennen lernen,

Kan sich von dem Stolz entfernen,

Der den eitlen Sinn betriegt,

Und mit leeren Wind vergnügt.

Die sich gros und herrlich achten,

Durchs Vergrößrungs-Glas betrachten,

Lieben nur den blossen Schein,

Weil sie Selbstbetrieger seyn,

Sie sind gros in ihren Augen,

Wenn sie oft nichts werth, nichts taugen.

Menschen die die Warheit lieben,

Werden sich auch fleißig üben,

In der Demuth, auf der Welt,

Da man sich nicht höher hält,

Als man ist, und was wir haben,

Sind ja alles

Wer nun blos von Gnade lebt,

Und doch sein Verdienst erhebt,

Der giebt gnugsam zu verstehen,

Daß er sich noch nicht besehen.

Demuth ist die schöne Tugend,

Die das Alter und die Jugend,

Alle Menschen herrlich schmükt:

Wer nur auf sich selbsten blikt,

Und den Ursprung recht erweget,

Von dem was er an sich heget,

Und was sich ihm herrlich zeigt,

Sich mit

Der wird also bald erkennen,

Daß er Staub, ja nichts zu nennen.

Demuth müssen wir beweisen,

Dem, den wir als Schöpfer preisen,

Wenn man

Und auf sich sein Auge lenkt;

So wird unser Herz gleich finden,

Man darf sich nicht unterwinden,

Vor dem Höchsten zu erhöhn,

Weil wir blos durch ihn bestehn,

Dies Erkenntnis muß uns lehren,

Jhn allein, nicht uns zu ehren.

Wenn wir GOttes Grös empfinden,

Wird uns solche gleich verbinden,

Daß wir in der Niedrigkeit,

Ehren die Vollkommenheit.

Wir sind klein, wir sind geringe,

Er ist HErre aller Dinge,

Wer die Warheit recht erkennt,

Wird demütig nur genennt:

Wer dies alles wird erwegen,

Muß vor

Merket dies ihr stolzen Seelen,

Wenn ihr wolt die Demuth wählen:

Drehet euren eitlen Sinn,

Nur auf

Haltet, was ihr seid dagegen,

Merkt wie viel ihr könnet wägen,

Wenn ihr seine Majestät,

Und euch nur dagegen seht,

Da müßt ihr dies selbst bekennen,

Menschen sind wie nichts zu achten,

Wenn wir uns nur recht betrachten;

Wenn uns

Nicht aus Güt herfürgebracht,

Wären wir auch nicht vorhanden,

Durch ihn sind wir nur entstanden.

Menschen haben gleichfals nichts,

Ohne ihm den Brun des Lichts,

Und womit sie herrlich prangen,

Haben sie von ihm empfangen.

Wenn man nach der Warheit denket,

So sind wir, was

Auch so gar nicht einmahl werth,

Weil uns die Erfahrung lehrt,

Daß wir nach dem eitlen Trachten,

Unsers Schöpfers Huld verachten,

Und uns nicht mit Ernst bemühn,

Sünd und Lastern zu entfliehn,

Sondern ihn bei seinem Lieben,

Nur um so viel mehr betrüben.

Wenn ihr dieses überleget,

Was vor Greul ihr in euch heget,

Stolze Kinder der Natur;

So bringt euch das auf die Spur,

Wie ihr solt in Demuth handeln,

Ehrerb

Weil ihr selbst müßt eingestehn,

Das nichts an euch, welches schön:

Was wolt ihr euch doch erheben,

Bei dem schnöden Sünden Leben?

Menschen die sich elend nennen,

Und aus Herzensgrund bekennen,

Daß ihr Thun nur böse sey,

Und ihr Gutes Heuchelei

Die da sehn daß sie beladen,

Mit so schweren Sünden-Schaden,

Finden bei des Höchsten Gnad

Für die arme Seele Rath,

Da der Herr ein Herz ansiehet,

Das des Geistes Hochmut fliehet.

Gegen GOtt demütig heissen,

Und sich nicht dabei befleissen,

Dieser Tugend, vor der Welt,

Ist was ihm auch misgefällt;

Wer den Schöpfer ehrt und liebet,

Und die Kreatur betrübet,

Durch Verachtung und durch Stolz,

Gleichet einem faulen Holz

Das zwar scheint und doch nicht brennet,

Schein und Seyn in sich zertrennet.

Wo das Selbsterkenntnis wohnet,

Und im Herzen Tugend thronet,

Aeusert sich Leutseeligkeit,

Demuth und Bescheidenheit;

Wenn wir uns als Menschen kennen,

Sind wir alle gleich zu nennen;

Von Gebuhrt ist keiner mehr,

Jeder stammt von Adam her,

Alle müssen auch zur Erden,

In dem Tode wieder werden.

Wer dies nach Vernunfft erweget,

Nach der Schrifft auch überleget,

Auf des Heilands Beispiel schaut,

Und desselben Lehre traut,

Muß den stolzen Sin bequemen,

Demuth herzlich anzunehmen;

Da wir, wenn mans recht bedacht,

Von

Ob wir gleich dabei hienieden,

Nach den Ständen unterschieden.

In der Welt sind viele Seelen,

Die sich Demuth auserwählen,

Aber doch nur insgemein,

Dieser Tugend äusren Schein:

Das sind die, die sich tief bükken,

In dem Lauf der Zeiten schikken

Die im Herzen sehr aufschwelln,

Und in Mienen sich verstelln,

Die sich nur demüthig zeigen

Daß sie desto höher steigen.

Andre die am Staube kleben,

Und stets niederträchtig leben,

Meinen daß der Demuth Art,

Sich mit ihren Sinn verpaart,

Da sie doch sich blos befleissen,

Niederträchtig nur zu heissen:

Diese Niederträchtigkeit,

Ist ohn allen Wiederstreit,

Von der Demut weit entfernet,

Die man von dem Heiland lernet.

Demuth gegen andre zeigen,

Heist also nicht blos sich neigen,

Wie die Höfligkeit verlangt,

Die mit leeren Scheine prangt,

Es heist nicht sich selbst verachten,

Nur nach Schmuz und Einfalt trachten

Nein! ein tugendhaffter Mann

Sieht den Werth von andern an,

Trachtet ohn sich zu verletzen,

Jedem nach Verdienst zuschätzen.

Er kennt sich nach seinem Stande,

Lebet im Gesellschaffts-Bande

Wie die Vorsehung es fügt,

Und ist mit dem Stand vergnügt,

Den dieselbe ihm gegeben,

Und dahin geht sein Bestreben,

Daß er in der Demuth treu,

Und der Welt recht nüzlich sey:

Er wünscht auch nicht mehr zu haben,

Und sein Pfund nicht zu vergraben.

Hat die Vorsicht ihn erhoben,

Daß ihn alle Menschen loben,

Mit Ehrfurcht gebükt ansehn,

Lässet er das zwar geschehn:

Aber es geht sein Bemühen,

Auch dahin den Stolz zu fliehen,

Der die sonsten schwindelnd macht,

Die sich in die Höh gebracht

Demut zeigt mit gleichen Mienen,

Hoch und Niedrige zu dienen.

Demut liebt der Ordnung Sitten,

Und wird um den Rang gestritten,

Nimmt sie keine Stelle ein,

Der sie nicht kan würdig seyn,

Soll sie ja dem Stolze weichen,

Thut sie dieses ohn Erbleichen,

Ohn Verdrus der solche plagt,

Die ein hoher Siz behagt,

Sie erkennt daß Ehre Schatten,

Damit sich die Körper gatten.

Demut pflegt die nicht zu schelten,

Die vielmehr als sie selbst gelten,

Gönnet andern ihre Zier,

Und stellt sich im Herzen für,

Daß oft andre auf der Erden,

Können nüzlich, heilsam werden,

Und daß Ehre, Würde, Stand

Nicht allzeit dem zu erkannt,

Der mit grössern Gaben pranget,

Als man selbst von

Demut aber kan nicht schmeicheln,

Noch als die Schmaruzzer heucheln,

Sie giebt jedem nach Gebühr

Seine Ehre, seine Zier

Da sie sich nicht selbst erhebet,

Noch nach höhern Stuffen strebet,

So legt sie aus Schmeichelei,

Auch nicht einem andern bei,

Was ihm nicht mit Recht gehöret,

Wenn sie sein Verdienst verehret.

Wer dem Schöpfer will gefallen

Führe sich in seinem Wallen,

In dem ganzen Lebenslauf

Nach der Demut Vorschrift, auf,

Weil der Himmel den erhebet,

Der in wahrer Demut lebet:

Denn die schöne Ehrenkron,

Ist der ächten Demut Lohn

Welche

Der sein Nichts stets wol gedenket.

Ein demütiges Betragen,

Macht uns frei von vielen Plagen,

Womit sich der Mensch beschwert,

Der sein Herz zum Hochmut kehrt,

Wer da will vergnüget leben,

Muß der Demut sich ergeben,

Weil die Tugend

In dem ächten Glanz gefällt,

Weil sie vielen Vortheil bringet,

Und ihr Thun auch woll gelinget.

Demut kommt in Glükkes-Spiele

Viel geschwinder auch zum Ziele,

Als der Stolz der sich nicht kennt,

Und durch krumme Wege rennt.

Wer nach Ehre keichend jaget,

Blindlings wählet, alles waget,

Kömmt oft, wenn der Othem kurz,

Ubereilt zum Fall und Sturz,

Da die Demut langsam eilet,

Der man Kron und Preis zutheilet.

Menschen! die ihr Staub und Erden,

Lernet doch demütig werden:

Christen! auf der Tugend Bahn,

Sehet euren Herzog an,

Folget als des Geistes Tempel

Nach, dem reizenden Exempel,

Der getreue Seelen Hirt,

Der als Höchster niedrig wird,

Lehret euch ihm nachzugehen,

Wenn ihr ihn wolt herrlich sehen.