Die durch blumen abgebildete liebe bey dem hochzeit-feste Herrn L. v. K. mit C. ...
So weit als menschen-witz und auge durchgedrungen
Macht lieb’ und liebes-trieb durch unzählbare zungen
Ein’ unumschränckte macht und holdes etwas kund
Und ob das saltz der see auch gleich ihr erstes wesen
Die perlen-muschel ihr zur wiege war erlesen
Reicht ihre herrschafft doch biß an des himmels rund.
Denn daß die liebe wohnt im schaum der wilden wellen
Kans meeres fruchtbarkeit durch brutt der fisch’ erhellen;
Ja wär’ ein wallfisch nicht in liebe brennend heiß
So würd’ ers wasser nicht wie siedend von sich schicken
Kein meerschwein leihet dem Arion seinen rücken
Das wie sein gantz geschlecht nicht auch zu lieben weiß.
Noch mehr die wellen selbst umarmen strand und klippen
Sechs stunden küßt die fluth der ufer feuchte lippen
Sechs stunden schläfft die ebb’ in hohler ströme schooß.
Die silberne Dian drückt selbst die grünen brüste
Des schilffichten Neptuns wann sie der see gerüste
Zweymahl in tag und nacht macht klein und wieder groß.
Der himmel gleichesfals muß sich zur liebe schicken
Er lässet sie mit gold auff blauen atlaß sticken
Von Phöbus sonnen-rad biß auf sein kleinstes kind
Es liebet sonn und mond es lieben alle sternen
Endymion läst es zusamt der Daphne lernen
Daß auch die irrenden im lieben standhafft sind.
Des nordens kalter bär hat ehmahls selbst gebrennet
Die leyer zeuget noch wies Orpheus fuß gerennet
Um sein’ Euricide selbst in Avernus nacht.
Des thier-kreiß zweytes bild hält noch die brunst verstecket
Die eifersucht hat in Innonens brust erwecket
Als um Europen sich ihr mann zum stier gemacht.
Wie liebet Titan nicht der erden alte glieder?
Er machet alle jahr zu seiner braut sie wieder
Wann er die berg' erwärmt biß in der thäler grufft.
Der himmel lächelt zwar mit mehr als Argus augen;
Doch wenn die lied ihm will der kräffte marck aussaugen
So seuffzt sein klagend mund mit donner durch die lufft.
Diß stellet uns zwar vor ein schönes bild der liebe
Doch kan ein kluger geist liebreichre liebes-triebe
Am farben-reichen rock beblümter gärten sehn
Da mischet die natur wie Amor schnee und flammen
Da fügt sie blaß und roth artzney und gifft zusammen
Da läst sie nesseln-brand beym öhl der liljen stehn.
Daß in gekröntem haupt auch liebes-triebe wohnen
Beweist das purpur-kleid der stoltzen käyser-kronen
Die aber darum nicht von thränen-tropffen leer.
Die stets gekrönte frucht der körnichten granaten
Läst an dem scharlach-schmuck der theuren blum’ errathen
Daß könige zu führn der liebe nicht zu schwer.
Was das verliebte Rom der heiligkeit geweihet
Ist in dem purpur-hut von liebe nicht befreyet
Diß stellets Cardinals blut-rothe blume für.
Und hat der adel gleich ein recht durch ritter-spohren
So ist die liebe doch bey bauren nicht verlohren
Weil bauer-rosen auch sind eine garten-zier.
Daß sie die gantze welt beherrscht in ihren gräntzen
Zeigt sie mit blumen an der schnee-ball-baum läst gläntzen
Des kalten nordens bild; der braunen Jris flor
Die Susa mitgetheilt mit dem was dunckles decket
Den schwartzen tulipan lehrt wie sie angestecket
Jm heissen Africa den halb-verbrandten Mohr.
Sie herrscht beym riesen-volck und bey dem heer der zwergen
Die griechisch Aloe die gleich den stoltzen bergen
Jhr haupt zum himmel streckt zeigt jenes klärlich an.
Die braune niedrigkeit der Mertzen-veilgen zeuget
Daß weil die liebe sich auch zu den zwergen neiget
Die eifersucht auch nicht davon entfernt seyn kan.
Die spielend’ Orchis die bald menschen-bilder träget
Bald thiere vögel ja bald ungeziefer heget
In ihrer fremden blum thut allen augen kund
Daß nicht allein der mensch den trieb der liebe spüret
Besondern daß worinn ein lebens-geist sich rühret
Sey alles insgesamt gefast in diesen bund.
Die eigenschafften selbst der all-erfüllnden flammen
Stehn auff der garten feld in blumen-schrifft beysammen:
Die rothe rose weis’t entzündter hertzen brand
Die winden mancherley der ephen samt den kletten
Sind gleich in ihrer art den fesseln und den ketten
Damit die schlaue lieb umschlinget hertz und hand.
Der himmel-schlüssel dient die kräfften anzuzeigen
Weil durch die lieb’ allein der himmel zu ersteigen.
Daß alle welt sie ehrt zeigt sich im ehren preiß.
Wie süsse daß sie sey ersieht man an Melissen
Weil die die bienen nur des honigs wegen küssen.
Die mannes-treu bestärckt daß sie von treue weiß.
Wo dann nun lieb und treu da findet sich verlangen
Die sonnen-wende sagts die sich nach Phöbus wangen
Als ihrem abgott kehrt. Es sehnt der augen licht
Wann ihm sein augen-trost ein zeitlang nur verborgen;
Wie die fast welcke blum nach dem bethauten morgen
Und bleibt der eintz’ge trost und wunsch: vergiß mein nicht.
Beständigkeit läst sich in unverwelcktem wesen
An der unsterbligkeit der amaranthen lesen
Die selbst der allmacht buch ausziert mit ew’gem ruhm.
Die zart’ anemone die frucht der schönsten thränen
Die Venus um Adon vergoß als sie mit sehnen
Die keuschheit angelobt verbleibt der keuschheit blum.
Die blasse furcht dringt sich auch in der gärten auen
Man kan ihr ähnlichs bild an weissen rosen schauen.
Denn lieben ohne furcht ist noch nicht auff der welt.
Es kan die Eifersucht nicht schärffern gifft ausstreuen
Wenn liebes-blumen erst anfangen zu gedeyen
Als gifftiger napell in seinen helmen hält.
Die hoffnung zeiget sich an aller blumen stützen
Dieweil die blätter die an ihren stengeln sitzen
In grüner hoffnungs-farb und anmuth sind geziert.
Nur eintzig colchis blum entspringt aus blosser erden
Die will verzweiffelung! dein rechtes bildniß werden
Weil ihre blume lieb’ ohn hoffnungs-blätter führt.
Was ferner liebens werth an einer schönen frauen
Das läst der garten-schmuck in aller völle schauen
Die schönheit zeugt an ihr nichts als was blumen gleich.
Der blaue hyazinth durch Phöbus wunsch entsprossen
Zeigt holdes augen-blau in welches eingegossen
Die funcken seiner macht das gantze sternen-reich.
Der rosen scharlach mit dem glantze der jaßminen
Kan zarter wangen feld zum gleichen abriß dienen
Der flachen stirne glantz reicht jenes silber dar
Das auff dem zepter blüht der milch-beschämten liljen
Das angenehme gold wolriechender junckiljen
Zeigt als im spiegel an ein gold-geziertes haar.
Das blut der lippen quillt auf blut-beseelten nelcken
Mit diesem zusatz doch daß jene nimmer welcken
Weil stets der liebes-thau auff ihren blättern schwebt
Der süsser anmuth als die muscus-rose kennet
Ja noch mit mehrer glut und röthern kohlen brennet
Als auf der feurigen ranunckel blättern lebt.
Die brüste die der welt mit wollust-milch liebkosen
Sind blumen-töpffe die gefüllt mit tuberosen
Sind betten die besät mit tausend tausend-schön;
Sind gärten darinn blüt der pomerantzen blühet
Auf deren stämmen schon der früchte purpur glühet
Sind berg’ in deren thal der thäler liljen stehn.
Die runden armen sind narcissen-schwangre weiden
Die sammit-blume zeigt der hände sammt und seiden
Die ringel-blume deutt der finger zierrath an.
Und was in Eden sonst an Even war zu preisen
Das will an blumen sich in unsern gärten weisen
Dar Ev’ und Edens-bild man täglich schauen kan.
Hier sieht er theurer freund den meine sinne ehren!
Hier sieht er was uns kan ein schöner garten lehren
Hier sieht er abgemahlt was blum- und liebreich ist
Der himmel will ihn heut in solchen garten setzen
An dessen blumen er sich täglich kan ergetzen
Biß zu gewünschter zeit er seine früchte küst.
Er find an seinem schatz was meine hand beschrieben
Am schönsten blumen-strauß er findet was zu lieben
In einem garten ist an ihrer gegenwart;
Doch mit dem unterscheid daß wann er vor sie brennet
Sie selbe flammen mit gantz gleicher glut erkennet
Die ja so wohl an ihr-als seiner brust verscharrt.
Nun dann so lebt und liebt in blumen-reichen freuden
(ich kan mein werthester! noch nicht von blumen scheiden )
Biß knospen aus der blum’ aus knospen frücht entstehn
Der himmel woll’ an euch ein edle jucca zeigen
Aus deren doppel-stamm stets wechsel-äste steigen
Die jährlich einen zweig in blüte lassen sehn.
Es blühet engel-süß an felsen und an eichen
So müss’ auch euer süß sich eich- und felsen gleichen
Lieb stöckel welcke nicht bey euch durchs gantze jahr
Kein gifft der wolffes-milch kein mehlthau thu euch schade
Hingegen blühe stets die reiche GOttes-gnade
Biß daß cypressen krönt eur winter-graues haar.