Die durch blumen abgebildete liebe bey dem hochzeit-feste Herrn L. v. K. mit C. ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So weit als menschen-witz und auge durchgedrungen

Macht lieb’ und liebes-trieb durch unzählbare zungen

Ein’ unumschränckte macht und holdes etwas kund

Und ob das saltz der see auch gleich ihr erstes wesen

Die perlen-muschel ihr zur wiege war erlesen

Reicht ihre herrschafft doch biß an des himmels rund.

Denn daß die liebe wohnt im schaum der wilden wellen

Kans meeres fruchtbarkeit durch brutt der fisch’ erhellen;

Ja wär’ ein wallfisch nicht in liebe brennend heiß

So würd’ ers wasser nicht wie siedend von sich schicken

Kein meerschwein leihet dem Arion seinen rücken

Das wie sein gantz geschlecht nicht auch zu lieben weiß.

Noch mehr die wellen selbst umarmen strand und klippen

Sechs stunden küßt die fluth der ufer feuchte lippen

Sechs stunden schläfft die ebb’ in hohler ströme schooß.

Die silberne Dian drückt selbst die grünen brüste

Des schilffichten Neptuns wann sie der see gerüste

Zweymahl in tag und nacht macht klein und wieder groß.

Der himmel gleichesfals muß sich zur liebe schicken

Er lässet sie mit gold auff blauen atlaß sticken

Von Phöbus sonnen-rad biß auf sein kleinstes kind

Es liebet sonn und mond es lieben alle sternen

Endymion läst es zusamt der Daphne lernen

Daß auch die irrenden im lieben standhafft sind.

Des nordens kalter bär hat ehmahls selbst gebrennet

Die leyer zeuget noch wies Orpheus fuß gerennet

Um sein’ Euricide selbst in Avernus nacht.

Des thier-kreiß zweytes bild hält noch die brunst verstecket

Die eifersucht hat in Innonens brust erwecket

Als um Europen sich ihr mann zum stier gemacht.

Wie liebet Titan nicht der erden alte glieder?

Er machet alle jahr zu seiner braut sie wieder

Wann er die berg' erwärmt biß in der thäler grufft.

Der himmel lächelt zwar mit mehr als Argus augen;

Doch wenn die lied ihm will der kräffte marck aussaugen

So seuffzt sein klagend mund mit donner durch die lufft.

Diß stellet uns zwar vor ein schönes bild der liebe

Doch kan ein kluger geist liebreichre liebes-triebe

Am farben-reichen rock beblümter gärten sehn

Da mischet die natur wie Amor schnee und flammen

Da fügt sie blaß und roth artzney und gifft zusammen

Da läst sie nesseln-brand beym öhl der liljen stehn.

Daß in gekröntem haupt auch liebes-triebe wohnen

Beweist das purpur-kleid der stoltzen käyser-kronen

Die aber darum nicht von thränen-tropffen leer.

Die stets gekrönte frucht der körnichten granaten

Läst an dem scharlach-schmuck der theuren blum’ errathen

Daß könige zu führn der liebe nicht zu schwer.

Was das verliebte Rom der heiligkeit geweihet

Ist in dem purpur-hut von liebe nicht befreyet

Diß stellets Cardinals blut-rothe blume für.

Und hat der adel gleich ein recht durch ritter-spohren

So ist die liebe doch bey bauren nicht verlohren

Weil bauer-rosen auch sind eine garten-zier.

Daß sie die gantze welt beherrscht in ihren gräntzen

Zeigt sie mit blumen an der schnee-ball-baum läst gläntzen

Des kalten nordens bild; der braunen Jris flor

Die Susa mitgetheilt mit dem was dunckles decket

Den schwartzen tulipan lehrt wie sie angestecket

Jm heissen Africa den halb-verbrandten Mohr.

Sie herrscht beym riesen-volck und bey dem heer der zwergen

Die griechisch Aloe die gleich den stoltzen bergen

Jhr haupt zum himmel streckt zeigt jenes klärlich an.

Die braune niedrigkeit der Mertzen-veilgen zeuget

Daß weil die liebe sich auch zu den zwergen neiget

Die eifersucht auch nicht davon entfernt seyn kan.

Die spielend’ Orchis die bald menschen-bilder träget

Bald thiere vögel ja bald ungeziefer heget

In ihrer fremden blum thut allen augen kund

Daß nicht allein der mensch den trieb der liebe spüret

Besondern daß worinn ein lebens-geist sich rühret

Sey alles insgesamt gefast in diesen bund.

Die eigenschafften selbst der all-erfüllnden flammen

Stehn auff der garten feld in blumen-schrifft beysammen:

Die rothe rose weis’t entzündter hertzen brand

Die winden mancherley der ephen samt den kletten

Sind gleich in ihrer art den fesseln und den ketten

Damit die schlaue lieb umschlinget hertz und hand.

Der himmel-schlüssel dient die kräfften anzuzeigen

Weil durch die lieb’ allein der himmel zu ersteigen.

Daß alle welt sie ehrt zeigt sich im ehren preiß.

Wie süsse daß sie sey ersieht man an Melissen

Weil die die bienen nur des honigs wegen küssen.

Die mannes-treu bestärckt daß sie von treue weiß.

Wo dann nun lieb und treu da findet sich verlangen

Die sonnen-wende sagts die sich nach Phöbus wangen

Als ihrem abgott kehrt. Es sehnt der augen licht

Wann ihm sein augen-trost ein zeitlang nur verborgen;

Wie die fast welcke blum nach dem bethauten morgen

Und bleibt der eintz’ge trost und wunsch: vergiß mein nicht.

Beständigkeit läst sich in unverwelcktem wesen

An der unsterbligkeit der amaranthen lesen

Die selbst der allmacht buch ausziert mit ew’gem ruhm.

Die zart’ anemone die frucht der schönsten thränen

Die Venus um Adon vergoß als sie mit sehnen

Die keuschheit angelobt verbleibt der keuschheit blum.

Die blasse furcht dringt sich auch in der gärten auen

Man kan ihr ähnlichs bild an weissen rosen schauen.

Denn lieben ohne furcht ist noch nicht auff der welt.

Es kan die Eifersucht nicht schärffern gifft ausstreuen

Wenn liebes-blumen erst anfangen zu gedeyen

Als gifftiger napell in seinen helmen hält.

Die hoffnung zeiget sich an aller blumen stützen

Dieweil die blätter die an ihren stengeln sitzen

In grüner hoffnungs-farb und anmuth sind geziert.

Nur eintzig colchis blum entspringt aus blosser erden

Die will verzweiffelung! dein rechtes bildniß werden

Weil ihre blume lieb’ ohn hoffnungs-blätter führt.

Was ferner liebens werth an einer schönen frauen

Das läst der garten-schmuck in aller völle schauen

Die schönheit zeugt an ihr nichts als was blumen gleich.

Der blaue hyazinth durch Phöbus wunsch entsprossen

Zeigt holdes augen-blau in welches eingegossen

Die funcken seiner macht das gantze sternen-reich.

Der rosen scharlach mit dem glantze der jaßminen

Kan zarter wangen feld zum gleichen abriß dienen

Der flachen stirne glantz reicht jenes silber dar

Das auff dem zepter blüht der milch-beschämten liljen

Das angenehme gold wolriechender junckiljen

Zeigt als im spiegel an ein gold-geziertes haar.

Das blut der lippen quillt auf blut-beseelten nelcken

Mit diesem zusatz doch daß jene nimmer welcken

Weil stets der liebes-thau auff ihren blättern schwebt

Der süsser anmuth als die muscus-rose kennet

Ja noch mit mehrer glut und röthern kohlen brennet

Als auf der feurigen ranunckel blättern lebt.

Die brüste die der welt mit wollust-milch liebkosen

Sind blumen-töpffe die gefüllt mit tuberosen

Sind betten die besät mit tausend tausend-schön;

Sind gärten darinn blüt der pomerantzen blühet

Auf deren stämmen schon der früchte purpur glühet

Sind berg’ in deren thal der thäler liljen stehn.

Die runden armen sind narcissen-schwangre weiden

Die sammit-blume zeigt der hände sammt und seiden

Die ringel-blume deutt der finger zierrath an.

Und was in Eden sonst an Even war zu preisen

Das will an blumen sich in unsern gärten weisen

Dar Ev’ und Edens-bild man täglich schauen kan.

Hier sieht er theurer freund den meine sinne ehren!

Hier sieht er was uns kan ein schöner garten lehren

Hier sieht er abgemahlt was blum- und liebreich ist

Der himmel will ihn heut in solchen garten setzen

An dessen blumen er sich täglich kan ergetzen

Biß zu gewünschter zeit er seine früchte küst.

Er find an seinem schatz was meine hand beschrieben

Am schönsten blumen-strauß er findet was zu lieben

In einem garten ist an ihrer gegenwart;

Doch mit dem unterscheid daß wann er vor sie brennet

Sie selbe flammen mit gantz gleicher glut erkennet

Die ja so wohl an ihr-als seiner brust verscharrt.

Nun dann so lebt und liebt in blumen-reichen freuden

(ich kan mein werthester! noch nicht von blumen scheiden )

Biß knospen aus der blum’ aus knospen frücht entstehn

Der himmel woll’ an euch ein edle jucca zeigen

Aus deren doppel-stamm stets wechsel-äste steigen

Die jährlich einen zweig in blüte lassen sehn.

Es blühet engel-süß an felsen und an eichen

So müss’ auch euer süß sich eich- und felsen gleichen

Lieb stöckel welcke nicht bey euch durchs gantze jahr

Kein gifft der wolffes-milch kein mehlthau thu euch schade

Hingegen blühe stets die reiche GOttes-gnade

Biß daß cypressen krönt eur winter-graues haar.