Die Einsame und Verliebte

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Betrübte Nacht in der mich Lieb' und Schrecken

Ohn Unterlaß von meiner Ruh erwecken

Wenn kömmt einmahl die angenehme Nacht

Die meiner Pein ein frölich Ende macht?

Du gehst dahin nicht aber mein Betrüben

Der Morgen kömmt nicht aber mein Belieben:

Dein frischer Thau erquickt das dürre Land;

Wer kühlet mir den ungelöschten Brand?

Der Sterne Glantz erleuchtet deinen Schaten

Und lehret dich der heissen Sonn entrathen;

Wer tröstet mich wenn dieses Auge weint

Daß ihm kein Stern und keine Sonne scheint?

Philander ruht in süssen Schlaff gewieget

Wenn Einsamkeit in meinen Armen lieget;

Die leichte Last der Federn ist zu schwer

Ich wende mich vergebens hin und her.

Endimion kan mit Dianens Küssen

Den Uberdruß der langen Nacht versüssen:

Mein Hunger wächst durch fremden Uberfluß:

Ach hätt ich nur für tausend einen Kuß!

Der stille Brand verzehret mein Geblütte

Mein Hertze raucht wie Bajens Schwefel-Hütte

Die Geister sind bey mir umsonst bemüht

An der man selbst nur dürren Schatten sieht.

Komm Sonne komm und bringe deinen Morgen

Komm früher Tag du Trost verliebter Sorgen

Und laß mich den den ich verlange sehn

Sonst ists um mich für Abends noch geschehn.