Die erhöhete FRYNE-BOZENE .

By Georg Neumark

Ein rechter Tugendgeist und trefliches Gemühte

Sicht nicht nach grossem Stand’ und

Dieweil es in gemein auf Pracht und Hoch-

Und seinen blinden Sinn auf schnöde Wollust

Wenn ungeschminkte Ziehr sich bey die Tugend

So ist ein edler Sinn von Hertzen wol vergnüget

Er fragt nicht viel darnach woher ihr Ursprung

Jm fall Sie nur mit Ehr und Redligkeit ge-

Die Tugend nim̃et oft aus armen Schäferhürden

Ein schlecht-geschetztes Mensch und bringt sie

Nehmt hter ein Beyspiel ab: Ein’ arme Schä-

Wird durch der Tugendkraft zu einer Hertzo-

Der Hertzog Huldenreich der Fürste der Bohemen

Der Herr von jenem Land’ in dem man andern

Der Elbenfluß entspringt war aller Hoffart

Und gleichsam von Natur ein ädler Tugend-

Er trug von jugend auf zur Jägerey Belieben

Mit welcher er sehr oft die lange Zeit vertrieben

Das städtische Gepräng war ihm ein lautrer

Ein schönbewachsner Wald war seine höchste

Er ritt’ auf eine Zeit als Fœbus freundlich straal-

Und das verjüngte Feld mit göldnen Straalen

Mit Dienern auf die Jagt Er kam bey ein Ge-

An einen schönen Ohrt der fast dem

Dort in

Ein abgehaltes Feld voll schöner Lieblichkeiten

Die Wiese war mit Klee und Blumen unter-

Auf der das Wollenvieh in satter Wollust tischt’.

Auf einer Seiten stund’ ein felsenreicher Hügel

Der voll Gepüsche war; das singende Geflügel

War da in grosser Meng; die schlaue Nach-

Die schlug mal übermal;

War auch zu hören da; Der Fels war überzogen

Mit grünendem Gesträuch’ und schien als wie

Von Meistern ausgewelbt darein man kunte

Jmfall man einen Sturm und Wetter sah ent-

Von diesem Klippen schoß ein Wasser wiel Kri-

Welchs ein Geräusche gab in seinem steilen fallen

Es war sehr klar und hell erquikkend süß und

Und rieselte mit Lust durch seine Myrtenpüsch’

Es samlete sich da bald in ein Thal zusammen

In dem der matte Mensch wenn er durch heisse

Der Sonnen abgeschwächt sich wieder kühlen

In dem manch Schäferknecht sich Sommers-

Hier eben dieses Ohrts saß eine Schäferinne

Zwar armer Leute Kind doch gleichwol keuscher

Und treflicher Gestalt; Sie hatte sich bekräntzt

Mit einem Rosenkrantz’ ihr schönes Haarchen

Als wer’ es lauter Gold es wurde durchgetrieben

Vom sanftem Zefyrus als wenn er selbst Belieben

Zu dieser Nymfen trüg’; aus ihrem Angesicht’

Erhellete mit Lust das rechte Tugendlicht

Der Spiegel aller Zucht;

Mit Milch und Blut vermischt der Lippen schö-

War hohem Purpur gleich der Hals wie El-

Der Schnee vermochte kaum den Brüsten

Was weisse Haut belangt in summa alles Wesen

Der jungen Schäferinn war schön und auserle-

Es schien’ ob die Natur jr bestes Meisterstükk

An ihr erwiesen hett’ ihr trefliches Geschikk

In allem was sie hat war löblich auzuschauen.

Hier saß sie nun allein auf dieser grünen Auen

Wo diser Wasserfall ins Thal zusammen floß

Sie hatt’ ein Lämchen da auf ihrem weichen

Und wusch dasselbig’ ab das Kleid war aufge-

Biß über ihre Knieh die Armen aufgestreiffet

Und weil sie meinte daß sie gantz alleine war

Ließ sie die zarten Brüst ihr schwesterliches

Von wegen großer Hitz’ auch ziemlich offen ste-

Welchs aus der massen schön und lieblich anzu-

In dem sie nun die Schaf’ in ihrer stoltzen Ruh

Eins nach dem andern wusch sang sie diß Lied