Die erlösende Christ-Nacht Bey Beerdigung Hn. M. B. D. E. hertzge- liebten Töcht...
Die Nacht so uns das Heil und Leben hat gebohren
Drückt dir o zartes Kind die matten Augen zu
Die Nacht von Ewigkeit zum Frieden auserkohren
Bringt nach der Kranckheit-Weh’ dich auch in Fried
Verlaß dein sieches Bett geh aus der engen Wiegen
Dein Heiland ladet dich zu feiner Wiegen ein
Hier siehst du deinen GOtt und deinen Bruder liegen
Die Windeln binden ihn auff daß du frey kanst seyn.
Den nichts begreiffen kan der alles ist in allen
Wirfft deiner Dürfftigkeit jetzt neuen Reichthum bey
Wird GOtt und Mensch zugleich den Menschen zu gefallen
Und legt die Majestät auff schlechtes Stroh und Heu.
Ach hochbeglückte Nacht für der die Morgenröthe
In ihrem Purpur-Glantz und Rosen-Schein erbleicht!
Ists möglich daß die Nacht des Tages Stralen tödte
Und daß der Sonnen Rad vor diesen Fackeln weicht?
Ich seh’ das lichte Heer der güldnen Sterne schimmern
Und wie ihr ewig Feur die Freuden-Blicke zeigt
Ich seh’ wie die Natur aus allen ihren Zimmern
Lufft Erde See und Gluth zu dieser Nacht sich neigt.
Ach hoch gewünschte Nacht die uns der Höllen Schrecken
Des Todes Finsternüß mit ihrem Glantz vertreibt!
Nacht derer Klarheit kan die Todten aufferwecken
Und die uns zu dem Licht das unumbschrieben schreibt.
Es sey die Nacht erfreut den Bürgern in Jdumen
Da Judiths Helden-Arm den Holofern enthaupt
Ach Judith mit mehr Schmuck und Himmels-schönen Blumen
Hat dich dein Bräutigam in dieser Nacht belaubt.
Wie solte doch dein Mund des Todes Wermuth schmecken?
Da das gebohrne Kind dir Lebens-Zucker bringt:
Wie kan der Flügel dich der Finsternüß bedecken?
Nun neuer Klarheit Blitz in deine Augen dringt.
Auff Judith! biß erfreut dein Heyland hat bescheret
Dein Bruder theilt mit dir den Schatz der Ewigkeit
Was nicht der Himmel hat was nicht die Welt gewehret
Was keine Zeit sonst giebt das schenckt dir diese Zeit.
Verlangst du theures Gold? Sein Glantz ist mehr als gülden.
Liebst du den Perlen-Schmuck? die Perl ist ohne Fleck.
Gefällt dir denn ein Bild? hier wil sich der abbilden
Der durch Geburt und Tod ist dein Erlösungs-Zweck.
Wil wo ein edler Stein dein zartes Aug’ ergetzen?
Sein Aug’ ist Diamant sein Mund ist ein Rubin.
Wilst du Gespielin dich zu deinem Nachbar setzen?
Er wird das schönste Kleid der Ehren dir anziehn.
Und hast du Blumen lieb? die Ros’ in Saarons Feldern
Blüht Judith greiff sie an mit deiner Glaubens-Hand.
Beliebt ein Püschel dir von seinen Myrrhen-Wäldern?
Auch dieses hat er dir im sterben zugesand.
Es sey die Nacht mit Furcht und Schrecken angefüllet
Wann uns der Räuber Schaar nach Gut und Leben tracht;
Dein JEsus führet dich in den du bist verhüllet
Der allen Schatten dir zu lichten Sternen macht.
Er liegt im Westerhembd und du im Sterbe-Kleide
Er drückt die Wiegen jetzt und du das kalte Grab.
Ach Wechsel sonder gleich! Ach unerschöpffte Freude!
Daß in dem Tod ein Christ des Lebens Anfang hab’.
Es ladet Judith dich dein Heyland in die Krippen
So dir ein schwartzes Brett von wenig Spannen macht;
Ja dein geschloßner Mund soll mit beredten Lippen
Dort in der Ewigkdit lobsingen dieser Nacht.
Vergiß der bösen Tag’ und der gekränckten Stunden
Worinn dein schwaches Fleisch noch Evens Schuld gebüst
Du hast des Lebens Artzt in deiner Wiegen funden
Der dir die Aloe des Sterbens gantz versüst;
Vergiß das Licht der Welt deß Vaters Liebes-Blicke
Und der Groß-Mutter Schoß worauf du offt geruht
Du schwebst in einem Stand’ und lebst in dem Gelücke
Worzu der Menschen Wunsch gar keinen Zusatz thut.
Es wird dir weiter nichts an treuer Vorsicht mängeln;
Der jene sorgt vor dich so Erd und Welt regiert.
Zu dem du wirst bedient von so viel tausend Engeln
Da jeder deine Hand mit Sieges-Palmen ziert.
Gib ewig gute Nacht dem treuen Vater-Hertzen
Sprich Frau Großmutter lebt von mir gesegnet wol
Was von dem Hertzen kommt das macht nur bittre Schmertzen
Doch glaubet daß ich erst vollkommen leben sol.
Gottlosen sey die Nacht des Todes voller Schrecken
Mir ist die Christ-Nacht jetzt das Licht der Ewigkeit:
Ich Erde ruh’ in Erd und weiß daß mich erwecken
Wird dieser so der Welt den Ruhtag hat bereit.
Ja Judith dieser wird verklären deine Wiegen.
Und seelig wer auß der so früh zu Grabe geht
Den nicht der Eitelkeit ihr Lügen und Betriegen
Kan künfftig zu sich ziehn wie Eisen der Magnet.
Dein Leben ist verlängt nun uns die Tage kürtzet
Deß Winters rauher Frost der Jahre schneller Lauff
Da Stund auf Stunde sich zu unser Hinfarth stürtzet
Und jeder ruffen soll; Erlöser nimm mich auf.
Die Christnacht setzet dich zu den geflammten Sternen
Da du zwar kleiner Stern wirst grosse Funcken streun
Und unfre Nieder-Welt durch dein Exempel lernen
Wie sich ein frommer Christ soll auf die Christ-Nacht freun.
Wie aber still ich jetzt
So sein getreues Aug aus vollen Strömen geust?
Gerathner Kinder Tod verursacht Eltern sehnen
Und daß ihr weiches Hertz als wie im Blute fleust.
Wiewol sein heilig Sinn in Gottes Wort gegründet
Kennt Auf- und Untergang den Wechsel dieser Zeit
Ich weiß daß man ihn nicht bey Leichen Trostloß findet
Und daß ihm satt bekandt der Weg der Seeligkeit.
&q;Der Lehrer ist bewehrt der selbst durch eigne Proben
&q;In rechtem Helden-Muth besieget Noth und Tod:
&q;Ich wünsche bey dem Schmertz Rath Hülff und Trost von oben
&q;Und der es allzeit war sein Beystand bleibe GOtt.