Die erlösende Christ-Nacht Bey Beerdigung Hn. M. B. D. E. hertzge- liebten Töcht...

By Heinrich Mühlpfort

Die Nacht so uns das Heil und Leben hat gebohren

Drückt dir o zartes Kind die matten Augen zu

Die Nacht von Ewigkeit zum Frieden auserkohren

Bringt nach der Kranckheit-Weh’ dich auch in Fried

Verlaß dein sieches Bett geh aus der engen Wiegen

Dein Heiland ladet dich zu feiner Wiegen ein

Hier siehst du deinen GOtt und deinen Bruder liegen

Die Windeln binden ihn auff daß du frey kanst seyn.

Den nichts begreiffen kan der alles ist in allen

Wirfft deiner Dürfftigkeit jetzt neuen Reichthum bey

Wird GOtt und Mensch zugleich den Menschen zu gefallen

Und legt die Majestät auff schlechtes Stroh und Heu.

Ach hochbeglückte Nacht für der die Morgenröthe

In ihrem Purpur-Glantz und Rosen-Schein erbleicht!

Ists möglich daß die Nacht des Tages Stralen tödte

Und daß der Sonnen Rad vor diesen Fackeln weicht?

Ich seh’ das lichte Heer der güldnen Sterne schimmern

Und wie ihr ewig Feur die Freuden-Blicke zeigt

Ich seh’ wie die Natur aus allen ihren Zimmern

Lufft Erde See und Gluth zu dieser Nacht sich neigt.

Ach hoch gewünschte Nacht die uns der Höllen Schrecken

Des Todes Finsternüß mit ihrem Glantz vertreibt!

Nacht derer Klarheit kan die Todten aufferwecken

Und die uns zu dem Licht das unumbschrieben schreibt.

Es sey die Nacht erfreut den Bürgern in Jdumen

Da Judiths Helden-Arm den Holofern enthaupt

Ach Judith mit mehr Schmuck und Himmels-schönen Blumen

Hat dich dein Bräutigam in dieser Nacht belaubt.

Wie solte doch dein Mund des Todes Wermuth schmecken?

Da das gebohrne Kind dir Lebens-Zucker bringt:

Wie kan der Flügel dich der Finsternüß bedecken?

Nun neuer Klarheit Blitz in deine Augen dringt.

Auff Judith! biß erfreut dein Heyland hat bescheret

Dein Bruder theilt mit dir den Schatz der Ewigkeit

Was nicht der Himmel hat was nicht die Welt gewehret

Was keine Zeit sonst giebt das schenckt dir diese Zeit.

Verlangst du theures Gold? Sein Glantz ist mehr als gülden.

Liebst du den Perlen-Schmuck? die Perl ist ohne Fleck.

Gefällt dir denn ein Bild? hier wil sich der abbilden

Der durch Geburt und Tod ist dein Erlösungs-Zweck.

Wil wo ein edler Stein dein zartes Aug’ ergetzen?

Sein Aug’ ist Diamant sein Mund ist ein Rubin.

Wilst du Gespielin dich zu deinem Nachbar setzen?

Er wird das schönste Kleid der Ehren dir anziehn.

Und hast du Blumen lieb? die Ros’ in Saarons Feldern

Blüht Judith greiff sie an mit deiner Glaubens-Hand.

Beliebt ein Püschel dir von seinen Myrrhen-Wäldern?

Auch dieses hat er dir im sterben zugesand.

Es sey die Nacht mit Furcht und Schrecken angefüllet

Wann uns der Räuber Schaar nach Gut und Leben tracht;

Dein JEsus führet dich in den du bist verhüllet

Der allen Schatten dir zu lichten Sternen macht.

Er liegt im Westerhembd und du im Sterbe-Kleide

Er drückt die Wiegen jetzt und du das kalte Grab.

Ach Wechsel sonder gleich! Ach unerschöpffte Freude!

Daß in dem Tod ein Christ des Lebens Anfang hab’.

Es ladet Judith dich dein Heyland in die Krippen

So dir ein schwartzes Brett von wenig Spannen macht;

Ja dein geschloßner Mund soll mit beredten Lippen

Dort in der Ewigkdit lobsingen dieser Nacht.

Vergiß der bösen Tag’ und der gekränckten Stunden

Worinn dein schwaches Fleisch noch Evens Schuld gebüst

Du hast des Lebens Artzt in deiner Wiegen funden

Der dir die Aloe des Sterbens gantz versüst;

Vergiß das Licht der Welt deß Vaters Liebes-Blicke

Und der Groß-Mutter Schoß worauf du offt geruht

Du schwebst in einem Stand’ und lebst in dem Gelücke

Worzu der Menschen Wunsch gar keinen Zusatz thut.

Es wird dir weiter nichts an treuer Vorsicht mängeln;

Der jene sorgt vor dich so Erd und Welt regiert.

Zu dem du wirst bedient von so viel tausend Engeln

Da jeder deine Hand mit Sieges-Palmen ziert.

Gib ewig gute Nacht dem treuen Vater-Hertzen

Sprich Frau Großmutter lebt von mir gesegnet wol

Was von dem Hertzen kommt das macht nur bittre Schmertzen

Doch glaubet daß ich erst vollkommen leben sol.

Gottlosen sey die Nacht des Todes voller Schrecken

Mir ist die Christ-Nacht jetzt das Licht der Ewigkeit:

Ich Erde ruh’ in Erd und weiß daß mich erwecken

Wird dieser so der Welt den Ruhtag hat bereit.

Ja Judith dieser wird verklären deine Wiegen.

Und seelig wer auß der so früh zu Grabe geht

Den nicht der Eitelkeit ihr Lügen und Betriegen

Kan künfftig zu sich ziehn wie Eisen der Magnet.

Dein Leben ist verlängt nun uns die Tage kürtzet

Deß Winters rauher Frost der Jahre schneller Lauff

Da Stund auf Stunde sich zu unser Hinfarth stürtzet

Und jeder ruffen soll; Erlöser nimm mich auf.

Die Christnacht setzet dich zu den geflammten Sternen

Da du zwar kleiner Stern wirst grosse Funcken streun

Und unfre Nieder-Welt durch dein Exempel lernen

Wie sich ein frommer Christ soll auf die Christ-Nacht freun.

Wie aber still ich jetzt

So sein getreues Aug aus vollen Strömen geust?

Gerathner Kinder Tod verursacht Eltern sehnen

Und daß ihr weiches Hertz als wie im Blute fleust.

Wiewol sein heilig Sinn in Gottes Wort gegründet

Kennt Auf- und Untergang den Wechsel dieser Zeit

Ich weiß daß man ihn nicht bey Leichen Trostloß findet

Und daß ihm satt bekandt der Weg der Seeligkeit.

&q;Der Lehrer ist bewehrt der selbst durch eigne Proben

&q;In rechtem Helden-Muth besieget Noth und Tod:

&q;Ich wünsche bey dem Schmertz Rath Hülff und Trost von oben

&q;Und der es allzeit war sein Beystand bleibe GOtt.