Die erste Satyre. B. N.
Damon der grosse mann der so geraume zeit
Durch seinen musen-schertz hat hof und stadt erfreut
Inzwischen aber sich in grobes tuch nur kleidet:
Jm winter kält und frost im sommer hitze leidet;
Und dessen trockner leib und hungrige gestalt
Den ruhm gar sehr beschimpfft der doch von ihm erschallt
Ward endlich müd und satt sein gütgen zu verschwenden
Und so viel sauren schweiß an einen reim zu wenden
Dadurch er nichts verdient wohl aber in gefahr
In schulden um sein kleid und alles kommen war;
So daß er nichts bey sich als seinen kummer führte:
Drum sucht er fried und ruh die er doch nirgends spürte
Und sann auf sichre flucht und einen wüsten hayn
Wo weder rath noch knecht ihm könte schädlich seyn.
Bevor die krumme hand der ihm verhasten rechte
Jhn in das finstre loch des kerckers werffen möchte
Und er noch etwan gar sich schimpflich müste sehn
Bey seiner lorbeer-pracht im grünen hute gehn.
Jedoch indem er schied gantz blaß und abgezehret
Als einer den die last der sünde noch beschweret
Zur letzten fasten-zeit; so sah er auf sein hauß
Und stieß voll grimm und feu’r noch diese wörter aus:
Weil denn in dieser stadt wo Phödus stets gewohnet
Verdienst und klugheit nicht wie vormahls wird belohnet;
Weil die Poeten ja von GOtt verlassen sind
Und man hier weder scham noch wahre tugend findt;
So last uns einen ort in hohlen felsen suchen
Wo uns kein häscher-knecht kein scherge mehr darff fluchen.
Und weil wir ohne dem umsonst zum himmel schreyn
So laßt der zeit zu trotz uns einst verborgen seyn.
Dieweil noch meinen fuß kein schwerer fessel drücket;
Dieweil sich nicht mein leib für grauem alter bücket
Mein gang gleichwie zuvor noch alle schritte mißt
Und meines lebens rest nicht gantz versponnen ist:
Das ist der beste rath den ich mir ietzt kan geben.
Es lebe Görg’ allhier weil Görge hier kan leben
Den eine million die sein betrug erschnellt
Aus einem pfaff und knecht in grafen hat verstellt.
Es lebe Jacob hier der durch sein kluges scheren
Uns noch mehr schaden wird als pest und krieg gebähren;
Der seine rennten gar ins A. B. C. gebracht
Und einen band daraus wie Caleßin erdacht;
Er herrsch’ in dieser stadt! Er kan mit rechte lachen.
Ich aber in Paris was solt ich doch hier machen?
Ich bin nicht auff betrug und falschheit abgericht;
Und wär ich es auch gleich nein lügen mag ich nicht.
Ich kan den übermuth der narren nicht verschweigen
Für denen andre sich des soldes wegen beugen:
Ich schreibe kein sonnet mit schmeicheln in die welt
Und wen ich loben will den lob ich ohne geld.
Für ein so schlechtes amt bin ich zu hoch gebohren:
Mein geist ist etwas starck und bäurisch abgejohren;
Ich sage wie es ist. Ein sieb nenn’ ich ein sieb
Ein kätzgen eine katz und Rolet einen dieb.
Verliebten weiß ich nichts geschicktes auszusinnen
Ich kan auch nicht die kunst die mägdchen zu gewinnen
Und leb in dieser stadt so einsam und verzagt
Als ein halb-todter leib den die verstopffung plagt.
Wer aber wirfft man ein heist solche tugend lieben
Die man sonst nirgends sieht als in spitälen üben?
Die hoffart stehet nur bey gut und gelde fein
Ein armer aber muß zum dienen willig seyn.
Durch kuppeln kan ein mann den noth und hunger schwächen
Den einfluß und die macht der falschen sterne brechen.
Durch kuppeln hebt das glück bey dieser harten zeit
Auch schreiber wenn es will zur höchsten herrligkeit.
So gar ist tugend ietzt vom schicksal unterdrücket.
Ein schulfuchs triumphirt und wird empor gerücket
Der hätt’ er öffters nicht durch falsche wissenschafft
Das grade krumm gemacht und durch der stimmen krafft
Das arme land gepreßt wol sonst an seinem wagen
Selbst würde kutscher seyn und liebereyen tragen.
Ich weiß wohl daß die furcht von wegen dieser that
Erst neulich einen mann von uns entfernet hat:
Allein die taxe hat ihn nur umsonst geschrecket:
Man wird ihn wieder bald mit fremder pracht bedecket
Und räuberey gespickt durch alle gassen gehn
Und GOtt der ihn doch haßt verzweiffelt pochen sehn.
Indeß daß Pelletier den todten knochen gleichet
Und stets von einer thür zur andern betteln schleichet
Der doch die kunst versteht die ieder kluger ehrt
Und Monmaur eher zeit hat in Paris gelehrt.
Zwar unser könig zieht zu unserm grossen glücke
Den schwachen Phöbus noch aus dem spital zurücke
Erhält ihn für dem fall und wirfft bey krieg und ruh
Den Musen offtermals geneigte blicke zu.
Man weiß daß dieser held bloß nach verdienst erhebet:
Was aber hilfft August wo kein Mecänas lebet?
Wer wolte sich doch wohl bey meiner schweren pein
So viel erniedrigen und meine stütze seyn?
Und wär auch dieses gleich; wie bräch ich durch den hauffen
Der reimer die ihn meist aus hunger überlauffen
Die stets die ersten sind wo seine hand sich rührt
Und stehlen was doch offt dem letzten nur gebührt.
Gleichwie die wespen thun die selber nichts verdienen
Und doch den honigseim der arbeits-vollen bienen
In ihren rachen ziehn. Drum habet gute nacht
Gewinste weil ihr nur verwegne glücklich macht.
Amandus hatte nichts als seine kunst zum besten
Sein gut und erbtheil war ein rock mit einer westen
Ein blat wo fiat stund ein bett’ ein strümpffchen lichts
Und endlich kurtz gesagt: Amandus hatte nichts.
Als er nun müde war sein leben so zu führen
Dacht er durch dieses nichts dem glücke nachzuspüren
Und kam zu einer zeit bey hofe voller wahn
Mit einer gantzen last von schönen versen an.
Wie lieff es aber ab? Er kam mit schimpffe wieder
Warff voller schand und spott sich auf das bette nieder
Und seuffzte biß zuletzt das fieber und der gram
Noch eh’ er hungers starb ihn von der erde nahm.
Poeten waren zwar vordem bey hofe mode;
Heut aber schmecken sie der welt nach narren-sode.
Schreib einer noch so klug und mit der grösten müh
So hat er doch nicht mehr das glück des Angeli.
Was soll ich denn nun thun mein elend einst zu enden?
Soll ich vom Helicon zum Bartolus mich wenden?
Und Louets buch durchgehn das so viel zäucker macht?
Wie? oder soll ich gar in einer langen tracht
Den advocaten-saal mit meinem rocke kehren?
Ach! dieses blosse wort kan meinen muth verzehren.
Ich? solt ein anwald seyn in dieser wilden stadt?
Wo die gerechtigkeit längst ihren abschied hat;
Die unschuld betteln geht und bey so vielen rechten
Ein ieder mit gewalt das unrecht will verfechten;
Wo man das schwartze weiß weiß schwartz zu machen sinnt;
Wo Patru weniger als Mazier gewinnt
Und zungen-drescher offt den Cicero beschämen?
Ha! eh’ ein solcher schluß soll meinen sinn einnehmen
Eh soll auf sanct Johann das wasser eiß und stein
Arnaud ein Huguenot Pavin ein heuchler seyn.
Wolan! so last uns denn diß freche land verlassen
Wo glück und redligkeit sich unauffhörlich hassen:
Wo laster schand’ und list mit voller macht regiert
Die falschheit cron und schwerd betrug den scepter führt:
Wo man die wissenschafft verfolget drücket plaget
Und als ein huren-kind von hauß und hoff verjaget:
Wo man auff nichts mehr denckt als wie man stehlen will:
Wo alles mich verdreust: wo ‒ ‒ doch ich schweige still.
Wer ist nun wohl so kalt der ob so groben sünden
Wenn er sie täglich sieht nicht solte zorn empfinden?
Und dem nicht wenn er sie mit ernste durch-wil ziehn
Auch ohne Phöbus krafft die besten reime blühn?
Nein nein so offt man sich hierinnen sucht zu zeigen
So darff man nicht wie sonst auff den Parnassus steigen:
Apollo darff auch nicht erst unser helffer seyn;
Denn was er sagen kan giebt schon der eifer ein.
Sieh’ da spricht mancher hier du fängest an zu rasen.
So hohe redens-art schmeckt nach gelehrten hasen.
Geh’ auf die cantzel hin und jückt dich ja das maul
So mache da das volck durch deine reden faul.
Da kanst du was du wilst gut oder übel sprechen.
So schwatzt ein blinder narr den meine schrifften stechen.
Der bey der thorheit sich gantz klug und sicher acht
Wenn er fein höhnisch nur mein ernstes thun verlacht
Der bald den himmel pocht bald wie die frösche zittert
Der GOtt nicht eher kennt biß er ein fieber wittert
Und keine hand auffhebt als wenn es knallt und blitzt;
So bald es aber klar schon wieder spotten sitzt.
Denn daß ein solcher mensch alsdenn zu dencken pflege
Daß GOtt durch seine macht den bau der welt bewege
Und daß nach dieser zeit ein ander leben sey
Wird er zum wenigsten bey seiner pralerey
Doch mündlich nicht gestehn: ich aber der ich gläube
Daß keine seele sterb’ und GOtt den donner treibe
Befinde daß ich mich von hier entfernen soll.
Wohlan! ich weiche denn. Paris gehab dich wohl!