Die festgegründete Hoffnung Fr. M. v. G. g. G. betrachtet den 20. Junii 1680.
Den Wohlstand bester Ruh das Heil erwünschter Zei- ten
Stellt’ uns das kluge Rom bloß durch die Hoffnung
Es ließ auff seine Müntz ein folches Bild bereiten
Wie einer Jungfer Hand prangt’ in der Lilgen Zier.
So war die Lilie ein Abriß guter Gaben
So trug die keusche Blum ein keusches Jungfern Bild
Und muste bey sich selbst die grosse Deutung haben
Daß ihre Blume sey gemeiner Wohlfahrt Schild.
Denn wo uns die Natur Ergründer nicht betriegen
So wächst die Lilie in ihren Thränen auff;
Sie wird damit gesäet muß sich darmit vergnügen
Biß ihren weissen Kelch bestrahlt der Sonnen Lauff.
Nicht anders geht es zu auch mit der Hoffnungs-Blume
Die in dem matten Hertz der Seuffzer-Thau ernährt
Eh als sie wurtzeln kan und kommt zu vollem Ruhme
Hat sie manch heisser Tag und kalte Nacht beschwehrt.
Doch Rom mag Lilien in seiner Hoffnung führen
Sein Hoffen das bestand in Pracht und Eitelkeit
Und muste nach und nach sich Blumen gleich verliehren
Die in der Sonnen-Gluth des Mäders Faust abmeyt.
Nein unsre Seelige trug auch zwar Hoffnungs-Lilgen
Da jeder Garten itzt mit solchen Kindern prangt:
Hingegen kunte sie noch Frost noch Gluth vertilgen
Biß sie den höchsten Grad der Fruchtbarkeit erlangt.
Denn ihre Lilie war CHristus in dem Hertzen
Als sie die Bangigkeit des Todes überfiel.
Sein angenehm Geruch vertrieb ihr Angst und Schmertzen
Der Glaube war die Frucht Beständigkeit ihr Stiel.
In diesen Lilien da wolte sie sich weiden
Obgleich des Lebens Krafft ihr allgemach entgieng
Obschon der Abend kam der Tag sich wolte scheiden
Und Leib und Seele bloß an einem Faden hing.
Sie hoffte doch auff GOtt und rüff: HErr willstu tödten?
So weich ich dennoch nicht und harre doch auff dich.
Mein Beystand in der Angst: Mein Helffer aus den Nöthen
Der mich von Anbegin geliebt dem laß ich mich.
So steht ein harter Felß in ungeheuren Wellen
Wenn ihn ein schwartzer Sturm von oben ab verhüllt
Von unten auff ihn zu die tollen Fluthen bellen
Und umb ihn Aeolus mit seinen Winden brüllt.
Er stehet unbewegt und hält die Donnerschläge
Und den dreyfachen Blitz gantz unerschrocken aus;
Durch gleiche Glaubens-Bahn durch gleiche Hoffnungs-Wege
Bestand die Seelige den letzten Todes-Strauß.
Sie war ein solches Schiff das nicht der Sünden Rasen
Der Welt ihr Ungestüm des Flersches Brut und Wut
Des Teufels Räuberey und schrecklich Lermen-blasen
Hat Segel loßgemacht versehrt an Haab und Gut.
Der Hoffnungs Ancker war zu tieff auff GOtt gegründet
Die Nadel stand gericht stets nach der Sternen Höh’
Versichert daß der eh den rechten Hafen findet
Als wer zum Führer hat das Zweygestirn der See.
Ein Fisch den Anthias sonst die Gelehrten nennen
Zeigt uns die Gütigkeit von dem versöhnten Meer
Es wird kein Ungeheur sein Wohnhaus überrennen
Es schwimmen wo er sitzt Delphinen umb ihn her:
So wolt Aegypten-Land die Hoffnung sich vorstellen.
Wie tieff gegründeter mahlt sie ein Christ ihm für?
Der hier noch auff der Welt und in des Creutzes Wellen
Bey GOtt sucht seine Ruh und sicheres Quartier.
Wer auf den Felfen baut kan jedem Feind bestehen
Wer zu dem hohen Schloß nur seine Zuflucht nimmt
Der kan mit stoltzem Fuß auf Löw und Drachen gehen
Und weiß daß auch der Tod kein eintzig Haar ihm krümmt.
Auf diesen Grund hat nun von Jugend auf gebauet
Die
Die in der Einsamkeit auff GOtt allein getrauet
Und in demselben hat des Jammers End erharrt
Wie rechte Wittwen thun. Bey ihm war bloß ihr Hoffen
Sie schüttete ihr Hertz vor seinem Antlitz aus
Und wuste Glaubens-voll daß ihr inbrünstig Ruffen
Gleich einem schnellen Feur dringt in des HErren Haus.
Es war ihr eintzig Wunsch dem Höchsten zu gefallen
Die Hoffnungs-Lilie hat bey ihr stets geblüht
Und ob ihr Wittwen-Stand gleich Aesten von Corallen
Die man nur in der See der Thränen Leben sieht
So blieb sie dem getreu der von der Mutter-Brüsten
Biß an den letzten Hauch ihr Führer würde seyn
Der sie im Todes-Kampff mit Glauben würd’ausrüsten
Und nach vollbrachtem Streit sie prangend holen ein.
Erblaste Seelige wie seelig ist dein Hoffen
Daß auch der grimme Tod zu schanden nicht gemacht.
Dein Auge das er schleust sieht itzt den Himmel offen
Kommt in ein klares Licht aus einer langen Nacht.
Dir ist sehr wohlgeschehn wer sechzig überschritten
Sieht ja an jedem Glied fast täglich seine Bahr
Und wer betracht was du vor Kranckheit hier erlitten
Spricht daß der Sterbe-Tag ein Tag der Freyheit war.
Doch aber allzufrüh entfällst du deinen Kindern!
Und auch der Enckel Mund erschallt ein trübes Ach!
Es weiß des Brudern Hertz sein Trauren nicht zu mindern
Dieweil er folgen muß die ihm sonst folgte nach.
Und mehr beklagen dich die hinterlaßnen Armen!
Die Freunde rühmen noch die Treu und Redlichkeit
Und seuffzen daß der Tod Mitleiden und Erbarmen
Wenn er sein Recht vollzieht deckt mit dem Grabescheit.
Ruh wol dein Hoffnungs-Bild die Lilie wird blühen
Wenn unsre Lilien verwelcken in dem Sand
Dein Grabmahl ein Saphir der Hoffnung überziehen
Den Moses allbereit in seinen Taffeln fand.
Es mag der Heyden Wahn ihr Glück auf Müntzen prägen
Die Hoffnung schreibet dich ins Buch des Lebens ein.
Der Zustand guter Zeit das Bild von Gottes Seegen
Wird künfftig noch zu sehn in deinen Kindern seyn.