Die Fläche des Meeres im Sturm.
Die weite Wasser-Welt fängt an, wenns stürmt, sich in
die Höh' zu bäumen,
Und anfangs schwach, bald fürchterlich und wild, zu wallen
und zu schäumen;
Ein ungestühmes, heisres, rauh-verwirrt- und schreckendes
Getön
Fängt unten, bey, auch über uns, und überall an, zu
entstehn.
Ein fürchterlich- und wildes Sausen, ein Rauschen, Krachen,
Heulen, Brüllen,
Fängt an, das dunkel-braune Reich der Lüfte, nah und fern,
zu füllen,
Worein fast schwarzes greßlich Grau, zugleich mit unter-
mischt, zu sehn;
Durch Strick’ und Masten bricht sodann, bey einem scharfen
Schnauben, Brausen,
Bey einem fürchterlichen Krachen, und fast unleidlich starkem
Sausen,
Ein helles, so durchdringendes, als stark- und widriges
Gepfeif.
Es steht der Flaggen dünner Taft, recht wie ein Blech, so fest
und steif,
Wenn der so strenge Zug der Luft so Flagg’ als Wimpel
aufwerts führet,
Und sie von allen Seiten preßt; so läßt es wirklich anders
nicht,
Als wenn, da alles in Bewegung, von allen sich kein’ einz’ge
rühret.
Die Wolken, welche bald im Dunkeln, und bald in einem
schnellen Licht,
Den ganzen Kreis der Luft durchstreichen, das graue Firma-
ment umziehn,
Und bald die Sonne blicken lassen, bald schnell sie wieder
rauben, fliehn,
Gedränget von der Stürme Grimm, getrieben von der Wut
der Winde,
Und fliegen, schnellen Vögeln gleich, mit strengem Zug, recht
Pfeil-geschwinde.
Es scheint das Firmament nicht fest, ja selbst mit ihnen
fortzugehn,
Kaum kann auch ein gesetztes Aug’ es, sonder Angst und
Schwindel, sehn.
Die aufgethürmte Wasser-Wogen, die regen Berge wilder
Wellen,
Entstehn und ändern unaufhörlich, im schnellen Steigen,
ihre Stellen.
Sie eilen, aus den Tiefen aufwerts, mit schnellem Zug und
Wallen fort,
Da sie die rückwerts wallende, mit strengem Drängen, über-
steigen,
Bis daß, in ihrem
höchsten Ort
Zerbersten, schäumen, und im Fallen viel tausend krause
Wirbel zeigen,
Von gelblich theils, theils braun-theils grau-theils weißlich
schwarzen Linien,
Die sich einander Wechsels-weis’ erheben, stürzen und ver-
dringen,
Erzeugen, sich vernichtigen, sich selbst erheben und verschlin-
gen.
Es sieht des Meeres weite Fläch’, es sieht das ganze
Wasser-Reich
Dem dunkel-grauen Wasser-Bley, ja gleichsam schwarzer
Seifen, gleich,
Wobey der Wasser-Berge Gipfel und ihre weiß beschäumten
Höh'n,
Als wären sie beschneyt, zwar weiß, doch noch fast greßlicher
zu sehn;
Indem sie, durch ihr schreckend Licht, womit sie in die Höhe
steigen,
Der hohlen Tiefe dunkle Schwärze, um so viel deutlicher,
noch zeigen.
Wenn nun auf dieser schwarzen Fluht, von ohngefehr, der
Sonnen Licht,
Durch einer, oft im Augenblick, zerrißnen Wolken Oeffnung
bricht;
Sieht man, auf der Pech-schwarzen Fluht, ein weisses Feuer
plötzlich glimmen,
Und einen Silber-weissen Schein, auf ihrer ganzen Fläche,
schwimmen,
Sie glänzet wie ein lichter Blitz; es blendet uns der helle
Schein.
Allein!
Jm Augenblick verschlingt und raubt ein schnelles Braun
das Schimmer-Licht,
Es scheint, daß eine dunkle Nacht aus dem noch dunklern
Abgrund bricht.
Denn scheint die schwarze Wasser-Welt sich höher als vorhin,
zu thürmen,
Und gleichsam, mit erneuter Kraft und Wut, die Schiffe zu
bestürmen,
Giebt ihnen grimmig Schlag auf Schlag, mit solcher unge-
stühmen Macht,
Daß auch das allerdickste Holz, der allerstärkste Balken kracht.
So ras’t und tobet Luft und Fluht, mit recht entsetzlicher
Gewalt;
So zeigt sich das ergrimmte Meer, in recht erschrecklicher
Gestalt;
Doch preiset es zugleich die Macht Deß, Der die wilde Wut
zu zähmen,
Dem aufgebrachten Element Grimm, Druck und Stärke
zu benehmen,
Es unverhofft zu stillen weiß, mit einem Wink, und es so
fort,
In seine vor’ge Grenzen bringt, so bald er will, mit Einem
Wort.