Die flüchtige Anemone Bey Absterben Fr. A. E. K. g. H. den 20. April. 1676.
Adonis den man mag der Schönheit Seele nennen
Den auch die Venus selbst dem Himmel zoge für
Nachdem ohn unterlaß ihr Hertze pflag zubrennen
Gieng auff ein hauend Schwein voll muthiger Begier
Wird weil er zu viel wagt biß auff den Tod verletzet.
Bald läst die Göttin sich von der gestirnten Höh
Und findet den erblast den sie so hoch geschätzet
Siht ihre Lust verkehrt in ein erbärmlich Weh.
Sie küste tausendmahl die schon erkalten Glieder
Und goß den Thränen-Strom auff das geronne Blut
Sie rieff: Ach mein Adon mein Leben kommt nicht wieder!
Jhr Götter daß ihr doch so grausam an mir thut!
Doch solt du meiner Gunst ein prächtig Denckmal haben
Holdseeligster Adon dein Blut wird ewig blühn
Und andrem Garten-Werck und schönen Frühlings-Gaben
An Glantz und Herrligkeit gar weit seyn fürzuziehn.
Uhrplötzlich sprosten auff die zarten Anemonen
Man sah’ den Purpur-Safft auff ihren Blättern stehn
Zum Zeichen steter Pflicht zum Ehren-Mahl Adonen
Daß treue Liebe nicht im Grabe kan vergehn.
Ich weiß
Und tieffem Seelen-Leid er seinen Schatz beklagt
Daß er ein ewig Grab auffbauet in dem Hertzen
Und Leben Geist und Blut zulieffern nicht versagt.
Sein An Emone welckt jetzt da sonst alles blühet
Und ein Smaragden-Kleid der Erdenkreiß legt an
Da man der Flora Reich besternt mit Blumen siehet
Und ihrer Farben Glantz Rubinen trotzen kan.
Ist diß nicht Thränen werth? die Blume grüner Jugend
Auß der die Schönheit lacht und Anmuth hat gespielt
Die einen süssen Ruch gab von der edlen Tugend
Und diese nur allein zum End-Zweck ihr erziehlt
Wird von deß Todes Hand im Wachsthum abgebrochen?
Deß Ehbetts Morgenröth erblast im ersten Schein
Hat in die Finsternüß deß Grabes sich verkrochen
Daß nichts mehr übrig kan als Thränen-Regen seyn.
Doch wie ein durstig Feld nach diesen Tropffen lächset
Umb ihre Fruchtbarkeit mit dürren Furcheu fleht:
So glaub er
Gantz zur Vollkommenheit auff diesem Trauer-Bäth.
Es hat fast der Natur die Kunst die Hand geboten
Der Anemonen Pracht vielfärbig anzuschau’n
Bald funckelt ihr Gewand vom lichten Feuer Rothen
Bald sieht es gelb als Gold bald fängt es an zu Blau’n
Jetzt ist es Purpur-Braun und denn Schneeweiß erschienen
Sieht wie die volle Ros’ und wickelt Blat in Blat
So daß fürn Blumen wol die in den Gärten grünen
Der Anemonen
War seine Liebste nicht dergleichen Anemone
Der Purpur keuscher Scham mählt ihrer Wangen Roth
Und die Beständigkeit reicht ihr die göldne Krone
Der unverruckten Treu biß an den blassen Tod
Sah’ man die
Wenn gleich der Kranckheit Glut den zarten Leib gebräunt?
Und ihre Reinligkeit hat in Schnee-weisser Seiden
Der Sitten holde Krafft mit Demuth stets vereint.
Die Anemone kan kein Auge so vergnügen
Als seine Seele sich an ihr hat abgespeist
Wenn süsse Liebligkeit sein Hertz wust einzuwiegen
Und in zwey Leibern wohnt ein gleich-gesinnter Geist.
Der
Vielfältig voll und schön in dem Gefässe blühn.
Auch da sieng neue Lust sein Hertz’ an zu bewohnen
Als er sah’ seine Blum ihm eine Pflantz er ziehn.
Wie herrlich aber nun in Chloris Lust-Gefildern
Die Anemone sich mit ihren Farben schmückt:
So ist nichts flüchtigers von allen Lentzen-Bildern
Als die ein eintzig Wind zur Erde nieder drückt.
Ach unsrer Sterbligkeit ein klares Jammer-Zeichen!
Ein Spiegel der entwirfft der Schönheit
Wenn sich will Fleisch und Blut den Anemonen gleichen
Verkehrts ein Augenblick in Fäulnüß und
Diß was vor Anmuth hieß muß da zum Scheusal werden
Der Augen Sterne sind ein Wasser das zerfleust
Der Athem nur ein Wind die lieblichen Geberden
Die Haut so Perlen gleich in ihrer Schöne gleist
Nichts als ein schlechter Thon und ein gebrechlich Scherben
Das leicht ein eintzig Stoß der Kranckheit schlägt entzwey
Corallen die vorhin so Lipp-als Wangen färben
Macht eine böse Lufft zu einem bleichen Bley.
Was ist nun flüchtiger? Die schnellen Anemonen?
Nein. Schönheit die ein Raub der kurtzen Zeit verschwind.
Und wenn wir heute blühn als hohe Käyser-Kronen
Glaubts daß der Abend drauff erblaste Leichen find.
Diß zeigt der
Jhr zartes Alter hat nicht zweymal Zehn erreicht
Sie muß das Sterbe-Kleid im höchsten Flor anziehen
Da ihre Liebligkeit der Anemone gleicht.
Ein hitzig Todes-Wind verbrennt die schöne Blume
Schafft vor den May der Lust dem Liebsten kaltes Eis
Verläst von dem Verlust nichts mehr zum Eigenthume
Als Thränen die gewiß von nasser Wehmuth heiß.
Und diese will er auch dem Grab unendlich schencken
(gleich Tropffen die der Thau bey hell-gestirnter Nacht
Pflegt Blumen und Gewächs ersprießlich einzusencken )
Biß jener Frühling sie lebendig wieder macht.
Denn muß die Anemon in ihrem Purpur sterben
Sieht das verjüngte Jahr sie doch in neuer Zier!
Vielmehr wird seine Liebst’ im Grabe nicht verderben
Und in weit grösserm Glantz und Klarheit gehn herfür.
Man weihte sonst der Grufft Violen und Narcissen;
Er lege seinem Schatz dergleichen Schönheit zu
Die Blume ihrer Zeit so hier verwelcken müssen
Ist würdig daß sie auch nur unter Blumen ruh.