Die flüchtige Zeit Betrachtet bey Beerdigung Hn. G. G. den 17. Septembr. 1679.
Die Zeit will durch Minuten sterben
Sie fleucht und folgt ihr selber nach.
Wie eine Fackel zu verderben
Muß durch ihr Scheinen allgemach:
So laufft der Zirkel aller Zeiten
Der gar nicht zu verändern ist.
Die Alten wolten diß ausdeuten
Wenn der Saturn die Kinder frisst.
Jhr Schlund verzehret Tag und Stunden
Sie wächst und stirbet in der Flucht.
Der Tag hat kaum den Monat funden
Der Monat ein Jahr aufgesucht
Es schleust sich kaum der Ring vom Jahre
So fängt sich schon ein neues an
Diß stürtzt ein anders auff die Bahre
Und wird auch wieder abgethan.
Jahr Monat Tag und Stunden fliehen
Was weg bleibt ewig weggeschwemmt.
Kein Rad kan was zurücke ziehen
Mit Ketten wird hier nichts gehemmt
Der Adler mag sich nicht so schwingen
Mit Pfeil-geschwinder Hurtigkeit
Als unsre Tage sich verdringen
Und sich verlaufft der Kreiß der Zeit.
Egypten indenck es zu machen
Mahlt einen tieff- und finstren Grund
Der stets bewahrt von einem Drachen
Und der mit aufgesperrtem Schlund
Den eignen Schwantz ihm abgefressen
Und unersättlich dran genagt.
Wer wolte nicht hieraus ermessen
Es sey uns von der Zeit gesagt?
So ists demnach so hoch zu schätzen?
Wenn sich die Lebens-Frist verlängt
Wer was den Jahren bey kan setzen
Daß der so grosses Gut empfängt?
Was hilfft’s mit flüchtigem Gewebe
Das kurtze Garn zu unterziehn?
Und daß man wol beschneyet lebe
Sich mit viel Seuffzern zu bemühn?
Ein Kind das in der Wieg’ erbleichet
Und der gebückt von hinnen fährt
Die haben gleiches Ziel erreichet
Und eine Zeit hat sie verzehrt.
Die Wenigkeit der kurtzen Tage
Die hohen Staffeln vieler Jahr
Erwogen auff gerechter Wage
Sind unterschieden nicht ein Haar.
Der Mensch bleibt nur der Zeiten Beuthe
Auch Elemente tauren nicht.
Wer wolte nun nicht lieber heute
Gesegnen dieser Sonnen Licht
Als daß bey Martern und bey Quälen
Und aller Schmertzen Uberfluß
Er mög ein tieffes Alter zehlen
Besaamt mit Ekel und Verdruß.
Flieht nun die Zeit verschwind’t die Stunde
Raubt alles die Vergessenheit
Gehn Erd und Himmel selbst zu Grunde
Was soll der Mensch ein Spiel der Zeit
Sich in der Welt so sehr vergaffen
Und dieser Meynung fallen bey
Wie daß er bloß allein erschaffen
Umb hier nur wol zu leben sey.
Nein aus des Monden Vorbild lernet
Jhr Sterblichen den wahren Zweck.
Je mehr der Sonnen er entfernet
Und von den Strahlen kommet weg
So wird er zwar dem Kreiß der Erden
Gewähren seinen hellen Schein
Doch Himmel-werts mehr dunckel werden
Weil er muß ohne Sonne seyn.
So gehts je mehr wir uns entziehen
Der Sonne der Gerechtigkeit
Und dencken vor der Welt zu blühen
Daß unser Ruhm sich weit und breit
Vergrössern mag mit neuen Strahlen
So scheint es prächtig schön und groß;
Kömmt’s die Schuld der Natur zu zahlen
So stehn wir nackend arm und bloß.
Wir sind verfinstert am Verstande
Und kennen nicht das höchste Licht.
Wir irren weit vom Vaterlande.
Gesetzt der äusre Mensch zerbricht
So wird er innerlich verneuret
Zu unermeßner Herrlichkeit.
Wol dem der GOtt die Seele steuret
Durch seine gantze Lebens-Zeit!
Herr Göbel der zwar nicht die Stuffen
Begrauter Jahre hat berührt
Doch nach des Höchsten Wort und Ruffen
Stets seinen Wandel so geführt
Daß er dem Himmel gantz ergeben
Verlacht der Erden Eitelkeit
Schloß daß ein recht gottseelig Leben
Auch nach dem Tod erfüllt mit Freud’.
Er ruht nun frey von allen Schmertzen
Es ficht ihn mehr kein Trübsal an.
Der GOtt gedient mit treuem Hertzen
Der seinem Willen zugethan.
Dem bleibt die Flucht der schnellen Zeiten
Ein stet und ewiger Gewinn
Weil in die Schos der Ewigkeiten
Er als ein Erbe fährt dahin.