[Die Flutten/ die du siehst von meinen Augen rinnen]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Die Flutten die du siehst von meinen Augen rinnen

Lieb-werthe Rosilis sind nicht gemeine Thränen

Wie deine Göttligkeit wohl irgend möchte wehnen!

Wo wolt ich solche Ström und Bäche fassen künnen?

Sie werden ausgebrennt vermittelst meiner Sinnen

Von Liljen deiner Schos von Rosen deiner Wangen

Und müssen den Geruch von deiner Gunst erlangen

Dem keine Specerey den Preiß wird abgewinnen.

Die Liebe giebt die Glutt der Ofen steht im Hertzen

Der dicken Seufftzer Wind bläst mir das Feuer auff

Der Augen Helm vergönnt dem Wasser freyen Lauff

Und weil so hitzig ist die Flamme meiner Schmertzen

So müssen in die Höh so viel der Dünste steigen

Und durch der Augen Röhr ohn Ende sich verseygen.