Die Fremde

By Otto Erich Hartleben

Written 1885-01-01 - 1885-01-01

Der düstre Hauch, der deine Stirn umweht,

der stille Zug, der um Erbarmen fleht,

das Zucken, das die Lippen dir bewegt,

hat wunderbar die Seele mir erregt. –

Dein Antlitz spricht von kaum verwehtem Leid,

verlornem Sinnen ist dein Blick geweiht,

wie welken Blumen, die die Häupter neigen,

scheint dir der Erde Sonnenlust zu schweigen.

Und doch! – Ein Etwas flammt noch von Verlangen,

ein Etwas will an diesem Leben hangen,

ein Etwas drängt nach ungefundner Lust –

o fändest du das Glück an meiner Brust!