[Die freyheit leg ich dir zu deinen füssen]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Die freyheit leg ich dir zu deinen füssen
Und die vernunfft liegt auch dabey
Damit nun alles deine sey
So wird mein gantzer leib dir künfftig dienen müssen
Denn wer so redlich liebt und auff dich denckt wie ich
Behält gewißlich nichts zum eigenthum vor sich.
Ich weiß Amanda dir ein mehrers nicht zu geben
Ich reiche dir so viel ich kan;
Nimm nur mein hertz geneiget an
Das ohne deinen dienst verschworen hat zu leben
Schleuß dieses schlechte gut in dein behältniß ein
Und laß vertrauligkeit desselben siegel seyn.
Du wirst mein sanfftes joch mit reiner seide zieren
Es wird mich deine schöne hand
Das atlaß weich- und weisse band
In den beblümten kreyß der wollust-gärte führen.
Mein geist schmeckt allbereit der blumen lieblichkeit
Damit Amanda mir das schlechte haupt bestreut.
Durch deine höffligkeit so mit dir ist gebohren
Und dich als ihre schwester liebt
Wird ja dein sclave nicht betrübt
Du hast noch keinen freund zum marterthum erkohren
Ich weiß du wirst mich noch auff rosen heissen stehn
Und meine sonne mir nicht lassen untergehn.
Wer wolte sich durch dich nicht willig lassen binden
Das angenehme wunder-licht
So aus den schönen augen bricht
Läst nichts als morgenschein und süsse lust empfinden.
Die seuffzer so allhier das hertze fahren läst
Hat nur der überfluß der anmuth ausgepreßt.
Laß deinen treuen freund in diesen banden sterben
Komm drücke mir die augen zu
Nichts blendet mich so gut als du.
Und meine freyheit kan nicht grössern ruhm erwerben
Als wenn indem dein mund bey ihrer leiche lacht
Dein leib ihr einen sarg von sammt und rosen macht.