[Die gantze Nacht liegt mir mein Weib in Ohren]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Die gantze Nacht liegt mir mein Weib in Ohren

Sie hat den Schlaff und ich die Ruh verlohren

Sie schleust mich ein in Armen voller Glutt

Verbrennt und kocht das ausgefrorne Blutt.

Ihr heisser Brand will See und Flutten haben

Wenn andre kan ein Bächlein Necktar laben.

Welch Brunnquell kan so unergründlich seyn

Der nicht von Sonn' und Dürre trocknet ein?

Mein Lebens-Oel ist meistentheils verglommen

Nachdem ich bin zu frischem Feuer kommen;

Geb ich den Rest auff eine Zeit dahin

Wer leuchtet ihr wenn ich erloschen bin?

Wer kan den Durst der Wassersucht bestillen

Und die Begier erregter Lüste füllen?

Viel besser ist getheilter Uberfluß

Als wenn man bald auff einmahl darben muß.

Man wärmt sich auch bey halberstorbnen Kohlen

Kan Feuer aus der lauen Asche holen

Ein später Herbst gewehrt die beste Frucht

Die man umsonst im goldnen Lentzen sucht.

Aus Felsen muß das beste Wasser springen

Wiewohl es nicht ohn Mühe zu erzwingen.

Der Eckel gällt die leicht-erworbne Lust

Und Hunger würzt die lang' erwartte Kost.

Muß grünes Holtz mehr Rauch und Thränen schwitzen

Ein dürrer Stock kan dennoch besser hitzen.

Die Gütte nicht die Menge preist den Wein

Und Balsam flöst man nur mit Tropffen ein.

Drum Liebe komm mir Alten Recht zusprechen

Komm ihre Glutt und nicht mein Eiß zu brechen

Damit ihr Brand durch meinen Schnee gekühlt

Mit sanffter Glutt und lindern Flammen spielt?