Die gebundene Freyheit.

By Johann Georg Gressel

Güldne Freyheit mein Vergnügen!

Meine Fesseln sind entzwey

Meine Liebe läst mich siegen

Und mein Hertze ist nun frey.

Solche Freyheit kan man haben

Wenn auf einer schönen Brust

Sich die Seele weiß zu laben

In vergnügter Himmels-Lust.

So bindt mich auch deine Güte

Schönster Engel jetzo loß

Und dein gnädiges Gemühte

Oeffnet mir die schöne Schooß.

Ob die Ketten gleich entbunden

Dennoch legst du Fesseln an

Und die Freyheit wird gefunden

Wenn man nicht entgehen kan.

Diese Ketten muß ich küssen

Weil sie allzu lieblich seyn;

Was mich vordem binden müssen

Kleidet sich in Freyheit ein.

Weil mich diese Banden binden

Weiß ich daß du meine bist

Und die Freyheit kan ich finden

Wo sie eine Sclavin ist.

Bey den zarten Schwaanen-Brüsten

Meine Hand gefangen liegt

Und die Anmuht von den Lüsten

Den erlößten Geist vergnügt.

Durch die Fesseln deiner Hände

Werden meine frey gemacht

Wo ich meinen Geist hinwende

Alles in der Freyheit lacht.

Bey dem Marmor deiner Glieder

Bey der Brust und bey dem Hals

Find ich meine Freyheit wieder

Und verliehr sie ebenfals.

Von dem angeschlossnen Füssen

Lösest du die Fesseln ab

Was den Sclaven mag verdriessen

Mir die güldne Freyheit gab.

Wenn mein Geist bey Mund und Wangen

In der süssen Sclaverey

Kan mit solchen Fesseln prangen

Ist er in den Banden frey.

Soll er stets gebunden liegen

An der Brust und deiner Schooß?

Glaub es wird ihn recht vergnügen

Keine Last ist da zu groß.

Weil ich dich nun kan umfassen

Will ich gern dein Sclave seyn

Ich will alle Frey heit hassen

Schließ mich nur in Banden ein.

Meine Freyheit ist verhanden

Wenn dein holdes Auge lacht

Und die Last der leichten Banden

Wird der Freyheit gleich geacht.