Die gebundene Freyheit.
Güldne Freyheit mein Vergnügen!
Meine Fesseln sind entzwey
Meine Liebe läst mich siegen
Und mein Hertze ist nun frey.
Solche Freyheit kan man haben
Wenn auf einer schönen Brust
Sich die Seele weiß zu laben
In vergnügter Himmels-Lust.
So bindt mich auch deine Güte
Schönster Engel jetzo loß
Und dein gnädiges Gemühte
Oeffnet mir die schöne Schooß.
Ob die Ketten gleich entbunden
Dennoch legst du Fesseln an
Und die Freyheit wird gefunden
Wenn man nicht entgehen kan.
Diese Ketten muß ich küssen
Weil sie allzu lieblich seyn;
Was mich vordem binden müssen
Kleidet sich in Freyheit ein.
Weil mich diese Banden binden
Weiß ich daß du meine bist
Und die Freyheit kan ich finden
Wo sie eine Sclavin ist.
Bey den zarten Schwaanen-Brüsten
Meine Hand gefangen liegt
Und die Anmuht von den Lüsten
Den erlößten Geist vergnügt.
Durch die Fesseln deiner Hände
Werden meine frey gemacht
Wo ich meinen Geist hinwende
Alles in der Freyheit lacht.
Bey dem Marmor deiner Glieder
Bey der Brust und bey dem Hals
Find ich meine Freyheit wieder
Und verliehr sie ebenfals.
Von dem angeschlossnen Füssen
Lösest du die Fesseln ab
Was den Sclaven mag verdriessen
Mir die güldne Freyheit gab.
Wenn mein Geist bey Mund und Wangen
In der süssen Sclaverey
Kan mit solchen Fesseln prangen
Ist er in den Banden frey.
Soll er stets gebunden liegen
An der Brust und deiner Schooß?
Glaub es wird ihn recht vergnügen
Keine Last ist da zu groß.
Weil ich dich nun kan umfassen
Will ich gern dein Sclave seyn
Ich will alle Frey heit hassen
Schließ mich nur in Banden ein.
Meine Freyheit ist verhanden
Wenn dein holdes Auge lacht
Und die Last der leichten Banden
Wird der Freyheit gleich geacht.