Die Geburt des Menschen ein Wun- der der Gottheit.

By Johann Justus Ebeling

Als GOtt die grosse Welt in ihren Stand gebracht,

Hat er die kleine Welt, den Menschen

Sein kräfftig Allmachts-Wort, sein unumschränk-

Zog seinen Leib hervor aus einem Klumpen Er-

Der Leib der Seelen-Haus, der Glieder ihr Ge-

Ist seiner weisen Macht vollkomnes Meisterstük;

Es ist ein Wunderwerk daran recht zuerkennen,

Wie

Des ersten Menschen Leib, der wie ein Thon ge-

War ein recht sichtbar Bild von seiner Majestät,

Es war der Stamm gesezt zum menschlichen Ge-

Der durch die Wunderkrafft nun ferner Früchte

Der Weisheit Rathschlus war, es solt des Man-

Die Rippe selbsten leihn, zu einem ersten Weib,

Und nachmahls solte denn aus keuschen Liebes-

Das Wachsthum des Geschlechts von Mann und

Wie wunderbar ist es daß durch die Liebesglut,

Die Welt bevölkert wird, daß von dem Fleisch und

Der ersten Menschen sind drauf nach und nach ent-

Die vor dem sind gewest, und noch iezund vorhan-

Wer dieses nur bedenkt, dem fält gleich dabei ein,

Es muß ein ewger

Es kan ja nimmermehr, von ohngefehr geschehen,

Daß Menschen wiederum von Menschen so ent-

Als die Erfahrung lehrt; Es bringt die Fortpflan-

Des menschlichen Geschlechts uns zur Verwunde-

Und wär kein ewger GOtt, bemerkt ihr blinden Toh-

Wie wäret ihr denn wol, so wunderbar gebohren?

Jhr Gottsverläugner ihr, die ihr so spöttisch lacht,

Wenn man euch lehren wil, daß euch ein

Wie ist nicht die Geburt ein Wunderwerk zu nen-

Woran der Gottheit Grös recht herrlich zu erken-

O! Menschen geht zurük; und denkt den Ursprung

Was war eur erster Stoff woraus sich allgemach

Des Körpers netter Bau gestrekt, geformt, gefü-

Denkt wie entsteht der Mensch, der in der Mutter

Wenn das, was die Natur als ein Geheimnis

Geschicht, so wird dadurch das Sammen-Korn

Das nachmahls fruchtbar wird; wer aber kan ver-

Wie diese Urbildung sey eigentlich geschehen?

Wer klärt das völlig auf wie solches wird ent-

Woraus hernach die Frucht so wunderbar her-

Jhr Weisen der Natur vermögt ihrs zu ergrün-

Jhr schweigt erstaunend still, ihr könnt es nicht er-

Jhr zeigt durch euren Wiz bei der Erklärung an,

Das es noch kein Verstand recht klar begreiffen

Jhr forscht in der Natur, ihr seht verborgne Gän-

Die Werkstat die ihr schaut stellt euch in grosser

Der Weisheit Zeugen auf; es stuzzet der Ver-

Wenn er den Raum erwegt, worin die Frucht ge-

Die

Woraus sich mit der Zeit des Leibes-Bau entspon-

Wie wunderbar ist es wenn auf der Macht Ge-

Die alles wirken kan, sich in dem engen Kreis

Ein hüpfend Pünctgen regt, das Herz des Lebens-

Da sich drauf stets vermehrt in ihrer engen Celle,

Die drauf belebte Frucht die sich durch Röhren

Ob sie gleich mit den Mund bisher noch nichts ver-

Bis daß die Zeit vorbei, da sie sich wil erretten,

Aus ihrer Dunkelheit, aus ihres Kerkers Ketten.

O Menschen denkt dies doch mit stiller Ehrfurcht

Hier könnet ihr noch sehn, was

Als durch ein mächtiges und alles wirkend Werde,

Aus einem Nichts herflog der Himmel und die Er-

So gros das Wunder war, da er es dargestellt,

So gros ist auch die That, wenn er die kleine

Den Menschen annoch läst im Mutterleib entste-

Daran der Gottheit Macht und Weisheit zu erse-

Seht euch nur selbsten an, was wart ihr vor ein

Da euch die Dunkelheit im Mutterleib verhüllt,

Da ihr noch wie ein Kneul, wie zartes Garn ge-

Daraus des Höchsten Hand den Körper so verbun-

Wie ihr euch jezo seht? Wie sind wir nicht ge-

Als wie ein zartes Garn, das an einander klebt?

Es must auf

Die Knochen, Knorpeln, Haut sich immer weiter

Es ward das Eingeweid durch seine Wunder-

Gedärme, Adern, Bauch als wie ein Nez ge-

So künstlich durchgewirkt, und so genau verstrik-

Daß nichts aus seinem Siz und Lage weggerük-

Anbetenswürdigs All! hier sieht man deine Macht,

Hier merket man dein Aug das über uns gewacht,

So lang wir in dem Schoos der Mutter einge-

Und in der finstern Klufft das Blut zum Trank

Verkehrter Atheist, du Ungeheur der Welt,

Was schließt dein eitler Wahn, wenn du dir vor-

Wie wunderbahr der Mensch, der wie in Milch ge-

Wie wunderbahr du selbst, aus Fleisch und Blut

Wie, glaubest du dennoch, daß dich ein ohnge-

Ein Zufall der von Macht, von Wiz und Weis-

Aus einem blinden Nichts also hervorgezo-

Daß deines Leibesbau wie Stoff verwirt geflo-

Und sich also vereint, daß Kopf, daß Aug und

Daß Glied an Glied gesezt, und Theil an Theil ge-

Es muß dein eignes Herz ein weisestes Regie-

Wenn du das nur bedenkst, ein höchstes Wesen

Des Schöpfers ewge Macht und Weisheit ist al-

Der einzig wahre Grund von unserm ersten Seyn;

Die unumschränkte Kraft hat uns blos durch ihr

Den wolgebauten Leib, den Othem drin gege-

Die hat uns auch bewahrt vor der Gefährligkeit,

Die uns neun Monath lang in unserm Kerker

Die hat uns drauf beglükt, durch Lieb und Treu

Aus unsrer Dunkelheit ans Tages Licht gezo-

Die hat den Ausgang uns aus einer finstren

Zu dieser lichten Welt recht wunderbahr gemacht.

Ein ieder denke nach wie

Wie er durch diesen Paß uns sicher durchgelei-

So wird das Herz gestehn, wenn es erstaunt ge-

Es hat mich die Geburt der Menschen über-

Sie sey ein Wunderwerk daß keiner recht wird fas-

Wir müssen blos allein es beim Bewundern las-