Die Gedult .

By Johann Justus Ebeling

Gedult ist eine seltne Tugend,

Beim grauen Alter, bei der Jugend

Und wird daher ein Kraut genennt,

Das nicht ein jeder Garten kennt.

Ein solch Gemüt das Leiden, Plagen,

Ohn Murren, ruhig kan ertragen,

Ist warlich in der eitlen Welt,

Ein vollenkomner, grosser Held.

Wer GOtt und Nächsten recht will lieben,

Der muß auch diese Tugend üben;

Die Welt gleicht einem Labirinth,

Darin viel Dornen-Hekken sind:

Und wollen wir da Rosen brechen;

So werden uns auch Dornen stechen:

Allein der Menschen Eigensin,

Verlangt ohn Schaden den Gewin.

Wir wollen unsern schnöden Willen,

Die Regung der Begierden stillen,

Und wünschen steten Sonnenschein:

Da wir verdorbne Sünder seyn

So müssen wir uns auch bequemen

Von

Was er uns, da wir ihn betrübt,

Als ein bescheidnes Theil noch giebt.

Das grüne Paradies der Erden,

Hat müssen eine Wüste werden,

Da Sünd und Tod die Herrschaft führt,

Und leider unser Herz regiert:

Auf den Verlust der süssen Freuden,

Folgt immer ein empfindlich Leiden:

Das aber wiederum vergeht,

Wenn sich die Schiksahls-Sphere dreht.

Die Menschen die das nicht bedenken,

Die wollen sich nur selbsten kränken:

Und klagen ihren Schöpfer an,

Der ihnen nichts zu Leid gethan.

Wir selbsten flechten unsre Strikke

Zu unsern eignen Ungelükke:

Ein kluger und ein weiser Mann,

Erträgt was er nicht ändern kan.

Die Leiden die uns heftig plagen,

Darüber wir so ängstlich zagen,

Sind Folgen unsrer Sünden-Schuld:

Was hilft da nun die Ungedult?

Und wenn wir noch so ängstlich weinen,

Den Saft vertroknen im Gebeinen;

So wird die Plage nicht vergehn,

Die wir auf Erden auszustehn.

Wahr ist es, daß in Kedars Hütten,

Auch viele Fromme viel gelitten,

Durch Mesechs schwere Sündenschuld,

Was ist hier nötig? die Gedult.

Die lindert die gedrükten Herzen,

Und kühlet sie in heissen Schmerzen;

Gedult ist der geplagten Seel

Ein Balsamreiches Lindrungs-Oel.

Wenn GOtt ein Kreuz uns auferleget

So komt es, wenn mans recht erweget

Von einer lieben Vaters Hand;

Die Welt ist ein Egypten Land,

Darin wir Ziegelsteine brennen,

Und wollen wir uns Christen nennen:

So müssen wir bei aller Pein,

In Hofnung doch geduldig seyn.

Als Christen sind wir in den Orden

Des Kreuzes, eingeschrieben worden:

Und auf der rauhen Dornenbahn,

Ist nur der Weg nach Canaan:

Der Herzog unsrer Seeligkeiten,

Der zeigt uns wie wir sollen streiten:

Sein Beispiel lehrt uns allemahl,

Gedult die mindre unsre Qual.

Wer seinen Leiden will entfliehen,

Der wird sich doch umsonst bemühen:

Es findet ja der Sieg nicht stat,

Wo man nicht erst gekämpfet hat.

Und wenn uns eine Noth betroffen,

So ist das Stilleseyn und Hoffen

Das Beste das man in der Welt,

Dem quälenden Gemüth vorhält.

Ein Kranker der auf harten Phülen,

Sich sucht durch Ummuth abzukühlen,

Verdirbet sich dadurch noch mehr;

Und welzet er sich hin und her:

So wird er keine Lindrung spüren,

Vielmehr die Kraft noch gar verlieren:

Es ist die beste Arzenei

Daß er still und geduldig sey.

Den Höchsten in den Leiden ehren,

Und sich nicht über ihn beschweren,

Ist warlich eine Christenpflicht,

Die ihm das Vater-Herze bricht:

Hingegen der in Unmuth heulet,

Wenn er mit seiner Hülf verweilet,

Der macht, daß seiner Vorsicht Schlus,

Die Leidens-Zeit verlängern muß.

Wer Dornen die ihn schmerzend stechen,

In Unmuth suchet zu zerbrechen,

Der drükket sie nur tieffer ein,

Und machet seinen Schmerz zur Pein:

Hingegen wer gedultig siehet,

Wie er sie aus den Finger ziehet,

Der wird viel leichter mit der Zeit,

Vom schmerzlichen Gefühl befreit.

Da ein Mensch eines andern Teuffel,

So muß das ohne allen Zweiffel,

Den Frommen schmerzlich wehe thun:

Soll dabei das Gemüte ruhn.

So muß es reiflich überlegen,

Es könne nach den weisen Wegen

Der Vorsicht, ob wirs gleich nicht sehn,

Auch dieses uns zum Nuz geschehn.

Die Unschuld wird oft misvergnüget,

Wenn sie der Bosheit unterlieget,

Das Joch das scheint ihr viel zu schwer:

Da regt sich der Begierden Heer,

Verdrus und Kummer, Zorn und Klagen,

Die folternden Gemütes-Plagen,

Verdoppeln im bewegten Herz

Den durch den Has empfundnen Schmerz.

Und diese strenge Leidenschaften,

Die in der Seelen wütend haften,

Verderben ein geplagt Gemüt

Vergiften gleichsam das Geblüt:

Es fängt der Adern Saft in Wellen

Zu schäumen, schreklich aufzuschwellen:

Was folgt aus dieser Witterung,

Vor Schmerzensvolle Aenderung?

Die Lebens-Geister sind vergiftet,

Und in dem Zorn doch nicht gelüftet,

Der Leidenschaften innre Pein

Die nimmt so gleich den Körper ein,

Wo ihre Wuth recht angefangen,

Da sind sie wie die Feuerschlangen:

Aus deren Bis ein Jäscht herfliest,

Der sich bis an das Herz ergießt.

Da wird das Blut zu sehr umdämmet,

Das Herze wird mit Angst beklemmet,

Und wenn es wie im Stürmen raßt

Wird es von Wirbeln aufgefaßt:

Da folget Schwindel, Schlag, Verlähmen,

Ein schneller Tod aufs zornigs Grämen:

Die Puls wird nicht so sehr bewegt,

Wenn man sein Leiden willig trägt.

Gedult ist bei den bangen Quälen,

Die beste Linderung der Seelen,

Und wenn uns ein Affect bekriegt,

So wird er dadurch bald besiegt.

Wir müssen allemahl gedenken,

Die Vorsicht, weis es so zu lenken,

Das alles uns zum Besten nüzt,

Wenn man in harten Leiden schwizt.

Mensch wilt du diese Tugend üben,

Wenn Welt und Bosheit dich betrüben:

So sieh stets auf der Vorsichts Spur

Behersche des Gemüths Natur;

Und suche den bewegten Willen,

Durch des Verstandes Licht zu stillen:

Denn durch desselben Heiterkeit,

Wird alles Traur-Gewölk zerstreut.

Bedenke da du bist gebohren,

So bist du als ein Mensch erkohren:

Die Fehler deiner Menschlichkeit,

Die bringen dir auch manches Leid.

Mit wem wilt du in Leiden streiten,

Mit GOtt und mit den andern Leuten

O! Thorheit! trage deine Schuld,

Nur stille ohne Ungedult.

Sieh an die herrlichen Exempel,

Der Heiligen, der Tugend-Tempel

Die ihren Schöpfer treu geliebt,

Jm Leiden die Gedult geübt:

Sie sind in Trübsahl recht bewähret,

Und haben uns dadurch gelehret,

Daß eine schöne Ehren-Kron,

Sey der Gedult bestimmter Lohn.