Die geharnischte Venus Bey der S. und G. Hochzeit den 20. Septemb 1678.
Die Sonne nahte sich nun zu der Wage-Schalen
Und theilte Tag und Nacht in gleiche Stunden ein;
Sie schenckte nicht so früh der Welt den güldnẽ Schein
Und warff was sparsamer die reinen Purpur-Stralen.
Die Morgenlufft war frisch und kurtz: die gantze Zeit
Bracht uns den reiffen Herbst und seine Fruchtbarkeit.
Als sich die Sylvia (so sol ihr Namen heissen )
Gespielen ihrer Lust entschloß zu laden ein;
Sie solten ja bey ihr willkommne Schwestern seyn
Und sich der Liebligkeit des Wetters mit befleissen
Eh’ als der Winter noch beraubt der Gärten Zier
Und trägt uns Frost und Schnee statt Klee und Kräuter für.
Die Sylvia so bloß der Mutter Hertz und Wonne
Jhr eintzig Augentrost und Freude dieser Welt
Eilt mit den Nymphen fort in das erkieste Feld
Gleich als in Mittag trat die Stralen-reiche Sonne:
Sie suchen noch zu letzt des Sommers Uber-Rest
Und was von Zierath mehr die Flora sehen läst.
Theils üben sich in Schertz und Spiel die Zeit zu kürtzen;
Theils lesen Blumen aus und winden einen Krantz
Theils lauffeu in die Wett und theils beliebt den Tantz
Nur so kan Sylvia nicht ihre Sorgen stürtzen.
Sie gehet gantz allein sucht den Gedancken Raum
Was andre da vergnügt scheint ihr ein blosser Traum.
Sie trifft gleich einen Gang von dick-belaubten Reben
Der Blätter grüne Nacht scheint ihr bequem zu seyn
Den süssen Regungen was mehr zu räumen ein.
Hier hat sie Scham und Furcht dort Brunst und Gluth umbgebẽ.
Sie denckt nicht was sie weiß und thut nicht was sie wil
Sie ist der Hoffnung Raub und der Begierden Spiel.
Indem erscheinet ihr ein Wunder-schöner Knabe
Sein Antlitz war ein May geflochten Gold sein Haar.
Die Wangen Milch und Blut die Augen Sternen-klar.
Ein Pfeil und Bogen hieß sein eintzig Gut und Habe.
Sonst stand er splitter nackt als wie die Schönheit ist
So ihr nie falschen Grund und Schmincke hast erkiest.
Er sprach: Komm Sylvia ich wil dir etwas zeigen
Der Blitz und Donner-Gott der Mars ist weggereist
Und weil die Mutter ietzt bey andern Göttern speist
So wil ich wo du nur getreu bist und kanst schweigen
Dir weisen wo der Mars den Harnisch hingelegt
Wenn er der süssen Lust mit meiner Mutter pflegt.
Er führte sie darauf in ein gewölbtes Zimmer
Das vieler Künstler Hand zum prächtigsten staffirt
Es stand ein kostbar Bett von Marmel auffgeführt
Die Seiten kleidete der Blitz von Demant-Schimmer.
Scarlat und Purpur hing als wie ein Vorhang für
Den werth selbst übertraff die seltne Kunst und Zier.
Wohin nur Sylvia ließ ihre Lichter schiessen
Da schlug Behägligkeit und Lust die Wohnung auf
Was Lieb und Wollust heist kam hier als wie zu Hauff.
Und daß du ferner mögst sprach der Cupido wissen
Was diese Rüstung sey? diß ist des Mavors Kleid
So sucht er seinen Feind so zeucht er in den Streit.
Wie kan der Vorwitz nicht das Jungfer-Volck verblenden?
Sie sieht begierig an wie alles blinckt und strahlt
Und ob schon keusche Furcht die Wangen übermahlt
So greifft sie dennoch zu mit gantz verwegnen Händen.
Fühlt ob der Harnisch schwer sieht wie er ausvoliert?
Wünscht heimlich daß mir nicht dergleichen Kleid gebührt!
Cupido der bereit den Possen wahrgenommen
Pflantzt mit viel Liebligkeit ihr diese Meinung ein:
Sie könte schöner nicht als in dem Harnisch seyn
Biß er von ihrem Mund den Beyfall auch bekommen.
Er legt ihr solchen an ist sorgsam und bemüht
Damit die Sylvia gleich wie der Mars aussieht.
Es deckt ihr zartes Haupt die eiserne Kamm-Haube
Und der Ring-Kragen nimmt der Brüste Lilgen ein
Mit halben Achseln muß sie auch gewaffnet seyn
Das forn und hinter-Theil giebt nicht den Leib zum Raube
Denn bringt er ihr mit List noch die Bein-Taschen bey
Die Handschuch daß sie frey vor Stich und Wunden sey.
Es war nun Sylvia in Krieges-Gott verkehret
Die eiserne Gestalt erschrecklich anzuschauen
Dem Liebreitz wolte selbst für dieser Wandlung graun
Als sie auf seinen Leib die Pickque zugekehret;
Und der Rubinen-Mund der vor nur Rosen bließ
Glamm itzt voll Rach und Zorn wenn er sein Feuer wieß.
Cupido wie er pflegt hat sich drauf fort geschwungen
Schreyt durch die freye Lufft: Triumph ich bin vergnügt
Triumph! denn Sylviens ihr Hertz ist nun besiegt
Triumph! denn meine List ist abermahl gelungen.
Ich eil’ ich eil ich eil in meiner Mutter Schoß
Damit ichs melden kan der Sieg ist schön und groß!
Unfern gieng
Und hörte durch die Lufft diß schallende Geschrey:
Ach! sprach er dieser Post meß ich nicht Glauben bey
Es weiß der Himmel wol mein lieben und mein brennen
Und daß die Sylvia in Adern und Gebein
Mit mehr als Diamant mir ist gepräget ein.
Weil aber nimmermehr ihr Hertze zu erweichen
Weil keine gegen-Gunst auß ihrer Seelen rinnt
Eh noch die Lachesis den Faden mir abspinnt
Such ich den Krieg wie vor da wünsch ich zuerbleichen.
Mir sol noch Blitz noch Bley so schäd- und schrecklich seyn
Als die umb Sylvien erdulte Liebes-Pein.
Es suchet drauf Adon in allen Ort und Enden
Wo Mars zu Felde rufft und seine Fahne schwingt.
Als ihn ein starcker Zug in diese Gegend bringt
Wohin sich Sylvia spatzirend pflag zu wenden.
Er trifft auch gleich den Ort und findt den er erkiest
Die Sylvie verstellt daß sie dem Mars gleich ist.
Beherrscher aller Welt und Geber aller Siege!
Ich falle dir zu Fuß so fieng er bebend an
Du kennst ja deinen Sohn biß mir doch zugethan
Mein Schluß ist Eisen-fest ich folge deinem Kriege
Schreib mich doch in die Roll’ als wie vor diesem ein
Es soll der Feinde Blut mein schönster Purpur seyn.
Ich habe mich nunmehr der Dienstbarkeit entrissen
Die Lieb ist meinem Ohr ein harter Donnerschlag.
Da mir der kalte Pol fast auf den Schultern lag
Dn hab ich nicht so viel Bedrängnüß dulden müssen
Als mir die Liebe nur hat einen Tag gemacht
Drumb Mars ich folge dir weg Liebe! gute Nacht!
Es konte
Doch zwang den treuen Geist Schwur und Verschwiegenheit.
Nichts grauses war an ihr als nur ihr eisern Kleid
Inwendig wohneten viel tausend Lust-Gestalten.
Indeß kommt Venus an mit ihrer Engel-Schaar
Umb die ein lichter Blitz von edlen Steinen war.
Vom Götter-Wein erhitzt von Wollust angetrieben
Umbfast sie Sylvien und denckt ihr Gott sey da.
Cupido schreyt alsbald ach Mutter! nicht zu nah
Ich habe blossen Schertz mit Mavors Kleid getrieben:
Es ist die Sylvia in diesen Stahl verhüllt
Die vierdte Gratie das keusche Jungfer-Bild.
Drauf fuhr Adonis auf so bitt ich Venus Rache!
Wie vielmal hat sie nicht verändert Farb und Schein?
Es kan nicht Jupiter so oft verwandelt seyn.
Steh Liebes-Königin bey der gerechten Sache
Und wo du den Gott Mars hast jemals treu geliebt
So hilff daß Sylvia sich endlich mir ergiebt!
Die Mutter muste selbst des Sohnes Tücke lachen
Und sprach: Wolan! Adon sieh diesen Mavors an
Wie ich mit einer Hand ihn bald entkleiden kan
Und seinen blancken Stahl zum Spinn-Gewebe machen.
Wie jetzt Haub und Gezeug gleich wie ein Wachs zerfleust
So schmeltz’ in Liebes-Glut der Sylvien ihr Geist.
Und weil der Vorwitz auch mit Ernst ist zu bestraffen;
So sey Adonis Raub diß was du trägst und hast
Er soll dem Mavors seyn ihn ziehre diese Last
Und ihm gebühren auch zu führen solche Waffen.
Die Picque die du hast jetzt gegen ihn gekehrt
Gedenck es wenn sie dir weit nach dem Hertzen fährt.
Allein ihr Amorn solt die Sylvie jetzt kleiden
Daß sie ein Ebenbild von meiner Schönheit sey.
Ich geb euch allen Schmuck den ich besitze frey
Schnürt ihren zarten Leib in Gold Damast und Seiden.
Diß wird ihr zierlicher als vor der Harnisch stehn
Und mehr: Jhr Amorn solt auch mit zu Bette gehn.
Es schlug die Sylvia beschämt die Augen nieder
Und warff doch jeden Blick auf ihren Schatz Adon
Denn sprach sie: Herrscher in der Hertzen ach Dion’
Entlaß mich doch der Schuld mir zittern Arm und Glieder.
Was du O Göttin schaffst nehm ich gehorsam an
Und was gesündigt ist hat Einfalt nur gethan
Es ist mir mein Adon in Seel und Hertz geschrieben
Und sein Gedächtnüß brennt in der getreuen Brust;
Mein Alles liegt an ihm dem Außzug meiner Lust
Ich will ihn als wie du den Mars umfangen lieben.
Nur Göttin schaffe doch wo meine Nymphen seyn
Daß sie bey diesem Fest zugleich sich stellen ein.
Adonis schien auffs neu ins Leben wieder kommen
Er band die Sylvia durch einen solchen Kuß
Als nicht die Epheu sich flicht umb der
Als nicht zwey Muscheln thun die auß der Fluth geschwommen.
Als kaum der Tauben Paar durch langes schnäbeln zeigt
Wenn gleiche Liebes-Lust in ihr Geblüte steigt.
Es rief nun der Adon jetzt hab ich überwunden
Nun ruh’ ich in des Glücks und in der Liebsten Schoß.
Mein Unstern wandelt sich nun bin ich Sorgen loß;
Dem Himmel dem sey Danck daß ich den Port gefunden!
Es speye mich der Neid mit seinem Geifer an
Diß ist die gröste Lust daß er nicht schaden kan!
Komm komm O Sylvia und stille mein Verlangen
Schau; Liebe Huld und Schertz belagern unser Hauß
Es sieht Ergetzligkeit zu allen Fenstern rauß
Und die Vergnügung will uns in dem Beth umfangen.
Die Sternen wincken uns mit güldnen Augen zu
Und leiten durch ihr Licht uns gleichsam zu der Ruh.
Das zarte Nymphen-Volck war allbereit erschienen
Als nun den Gästen was ersinnlich für gesetzt
Und sich mit Tantz und Wein fast alle satt ergetzt
Gieng noch ein grosses Glaß dem
Mit einem Freuden-Ruff herumb in einer Rey
Daß Venus Harnisch-loß und Mars gewaffnet sey.