Die Geheimnisse der Natur.

By Johann Justus Ebeling

Wer denket alles zu ergründen,

Wird noch vieles dunkel finden

In dem Reiche der Natur,

Wo in der verstekten Spur

Vieles überal zu sehen

Dessen Grund wir nicht verstehen.

Tohren die darüber lachen,

Wenn man will Geheimnis machen,

Zeiget uns erst deutlich an,

Wo des Windes schnelle Bahn,

Jhren Ursprung klärlich weiset,

Wie er durch den Luftkreis reiset.

Wisset ihr, wo er entstehet,

Wie er braußt, wohin er gehet,

Wie er wiederum verfliegt,

In verborgne Hölen kriecht?

Nein! ihr hört der Winde Sausen,

Wisset nicht woher sie brausen.

Wer kan deutlich uns erklären,

Wie in denen Flüssen, Meeren

Ebbe und die Flut entspringt,

Wie das Wasser abwerts dringt,

Und in den bestimmten Stunden,

Wiederum sich eingefunden?

Wer kan uns den Grund angeben,

Von dem lenkenden Bestreben,

Daß die Nadel von Magnet,

Sich nach ihrem Nordpol dreht,

Daß sie Eisen an sich füget,

Dessen schwere Last aufwieget?

Keiner von der Zahl der Weisen,

Deren Wiz wir billig preisen,

Hat uns klärlich überführt,

Wie dies alles wird regiert;

Keiner, obs gleich viele wagen,

Kan davon den Grund ansagen.

Dennoch müssen wir gestehen,

Es sey wahr, was man gesehen,

Ob man gleich den Grund nicht sieht,

Wie sich dieses alles zieht:

Darum muß man sich bequemen,

Auch Geheimnis anzunehmen.

Warum will man sich beschweren,

Ueber die Geheimnis-Lehren,

Die das Gnadenreich uns zeigt,

Da man hiezu stille schweigt,

Daß auf unsrer Erden-Scheiben,

So viel Dinge dunkel bleiben?

Warum will man das nicht gläuben,

Was die heilgen Männer schreiben:

Die des Geistes Trieb belebt?

Darum, weil man sich bestrebt,

Durch ein übereiltes Spotten,

Tohren! lernet anders denken,

Lernt den Wiz recht einzuschränken,

Zäumet euren Frevel-Geist,

Der ein flatternd Jrrlicht heist,

Das Naturreich giebt zu lesen,